Porterville – Staffel 3 (Folge 13-18)

Die Handlung:

In sechs Lesungen, bei denen der Prolog jeweils inszeniert ist und Hintergrundgeräusche enthält, erzählen die Autoren von der Stadt Porterville, die im Osten der USA liegt. Und das tun sie jetzt schon das zweite Mal, denn bereits in der Reihe DARKSIDE PARK gings düster und mysteriös zu in diesem Ort. Offenbar sind aber noch nicht alle Ideen erschöpft und noch nicht jeder Mitbürger befragt worden, also gibts jetzt eine Fortsetzung, die als Titel direkt den Ortsnamen trägt und keinen Zusatz mehr.

Jede Story spiegelt die Eindrücke und das Schicksal eines anderen Bewohners wider. Was denn nun das Besondere an der Stadt ist, verrät der Klappentext nicht … da geht der Mystery-Teil schon los. Insgesamt sind es drei Staffeln, die jeweils sechs Episoden erzählen.

Folge 13: DIE AUSGESTOßENEN von Simon X. Rost, gelesen von Timmo Niesner, 12 Tracks, 1:08 Std.

„Emily blickt skeptisch und auch ein wenig ängstlich an mir vorbei in das Dunkel, das sich keine zwei Schritte jenseits des Lichtkegels der Taschenlampe erstreckt. Der Gang ist schmal und die gemauerten Wände sind mit Moos bewachsen. Das Wasser auf dem Boden reicht uns bis über die Knöchel. Es riecht modrig und von der Betondecke hängen kleine Tropfsteingebilde. ‚Können wir zurückgehen, Jonathan? Bitte!‘ Sie schmiegt sich an mich und ich spüre die Wärme ihres Körpers, nehme den leichten Geruch von parfümierter Seife wahr, der ihrem Haar entströmt. Sie ist toll. Ich will sie berühren, sie küssen. Hier, jetzt. Aber ich tue es nicht. Ich weiß nicht, wie oft sich uns diese Chance bieten wird. Unsere Klamotten sind nach einer Stunde in diesem unterirdischen Labyrinth völlig verdreckt. Das wird Fragen aufwerfen, Fragen, die vielleicht verhindern, dass wir jemals wieder nach einem Ausgang suchen können. Einem Ausgang nach Draußen.“ (Jonathan Sato, Porterville, Jahr 0048) (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Bereits in der ersten Folge sollte es für Emily nach DRAUßEN gehen, wo es ja so schlimm und schrecklich sein soll. Hier erfahren wir, obs tatsächlich so ist und ob Emily das auch so sieht. Timmo Nieser nimmt den Hörer dabei mit seinen Schilderungen der düsteren PORTERVILLE-Welt schnell gefangen. Sein Tempo ist hoch, sein Schauspiel vor dem Mikro hörbar und so kommen die Emotionen der von ihm vertonten Charaktere glaubhaft im Kopfkinosessel des Hörers an.

Folge 14: DIE AKTE RICHTHOFEN von Hendrik Buchna, gelesen von Tobias Kluckert, 9 Tracks, 1:31 Std.

Wenigstens macht der Taxifahrer keine Probleme, als ich, beim Hilton angekommen, mit einem Dollarschein statt der hiesigen Währung Sucre bezahle. In der imposanten Hotellobby treten, noch bevor ich die Rezeption erreicht habe, zwei Männer in hellen Anzügen auf mich zu. In fließendem Englisch stellen sie sich als Mitarbeiter der Reisebehörde vor, die seitens der amerikanischen Botschaft im Vorfeld über den besonderen Anlass meiner Einreise informiert worden war. Wäre ich nicht so groggy, hätte ich mir sicher die Frage gestellt, wie die beiden mich unter all den anderen Touristen sofort erkannt haben. Schnell wird klar, dass die dauerlächelnden Herren offenbar gewillt sind, mir ab jetzt nicht mehr von der Seite zu weichen. Ihre Einladung zum Essen zwecks Klärung der weiteren Formalitäten lehne ich jedoch höflich mit Verweis auf meinen Erschöpfungszustand und die starken Kopfschmerzen ab. Ich bin jetzt definitiv nicht in der Lage, irgendwelche organisatorischen Gespräche über den Transport von Terrys Sarg zu führen. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Was auch immer diese Episode mit der Gesamthandlung und/oder Porterville zu tun hat, das erschließt sich dem Hörer erstmal nicht. Das soll sich aber mit zunehmender Hörzeit ändern und dann wissen wir, was so besonders ist an der Überführung dieses speziellen Toten ist. Zumindest für Fans von DARKSIDE PARK gibts hier eine lang erwartete Antwort.

Dabei muss man aber genau hinhören, denn Tobias Kluckert liest seinen Protagonisten sehr glaubhaft nörgelig und irgendwie fertig, aber oftmals auch sehr leise. Außerdem liest er wesentlich langsamer als der Kollege bei der vorherigen Folge, sodass der Hörer das Gefühl bekommt, künstlich ausgebremst zu werden. Gemein, aber grad noch so erträglich.

Folge 15: IM GARTEN DER SCHLANGEN von Raimon Weber, gelesen von Marius Clarén , 6 Tracks, 1:28 Std.

„Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes tritt eine Gestalt aus dem Dickicht. Reflexartig richte ich meine Waffe auf sie. Es ist ein Mensch. Ein junger Mann, der jetzt mit beiden Händen winkend auf uns zurennt. Er trägt Shorts, halbhohe Stiefel und ein T-Shirt. ‚Hilfe!‘, ruft er. Der junge Bursche bleibt unmittelbar vor Mr. Landino stehen, ist völlig außer Atem, und ich stelle fest, dass sein Shirt an der linken Schulter eingerissen ist. An einem Unterschenkel, oberhalb des Stiefels, entdecke ich ein paar ovale Narben, die anhand ihrer Farbe und Struktur vor noch nicht allzu langer Zeit entstanden sein müssen. ‚Ich kenne Sie!‘, sagt der Junge und japst dabei nach Luft. ‚Sie waren bei meinem Großvater. Aber ich habe Ihren Namen vergessen.‘ ‚Gerome Landino‘, klärt ihn mein Chef auf. ‚Und du bist Jonathan, der Enkel unseres Bürgermeisters. Wir haben uns alle sehr große Sorgen gemacht. Wo ist Emily?‘ Er reißt die Hände vors Gesicht und schluchzt hemmungslos.“ (Maurizio, Draußen, Jahr 0048) (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Lange nichts mehr von Emily gehört? Na dann gibts hier ein weiteres Update davon, was DRAUßEN so los ist. Wer aber ist der Erzähler, aus dessen Perspektive wir die Erlebnisse geschildert bekommen? Hier hätte ich es lieber gehabt, wenn Emily selbst berichtet hätte.

Marius Clarén macht aber auch einen prima Job, allerdings tun seine scharfen S-Laute ziemlich in den Ohren weh. Da hätte die Tonregie einschreiten müssen. Wenn er verschiedenen Charakteren seine Stimme verleiht, dann verstellt er sie dabei nicht. Das ist einerseits prima, weil so was schnell albern wirkt, allerdings variiert er mir zu wenig, sodass die Figuren alle gleich klingen. Dennoch fühlt sich sein Vortrag wie erlebt und nicht abgelesen an.

Folge 16: ZEICHEN DES ZERFALLS von John Beckmann, gelesen von Gerrit Schmidt-Foß, 13 Tracks, 1:29 Std.

„Ich räuspere mich. Vor mir auf dem Tisch liegt ein Tablet. Es zeigt ein Textdokument. Vor dem Tisch steht eine Kamera. ‚Prägen Sie sich den Text in Ruhe ein‘, sagt eine Stimme aus der Dunkelheit jenseits der Schweinwerfer. ‚Schauen Sie während der Aufnahme nicht nach unten, sondern die ganze Zeit direkt in die Kamera. Haben Sie das verstanden?‘ Ich nicke. Ich schwitze. Die Scheinwerfer sind sehr warm. ‚Wenn Sie nach unten auf das Tablet schauen, müssen wir die Aufnahme wiederholen.‘ ‚Okay‘, sage ich. ‚Ja?‘ ‚Ich habe es verstanden.‘ ‚Gut. Fangen Sie einfach an, wenn Sie so weit sind.‘ Ich räuspere mich. Dann beginne ich zu sprechen.“ (Martin Prey, Porterville, Jahr 0048) (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Freunde der Vorgängerserie DARKSIDE PARK werden sich bestimmt noch an Martin Prey erinnern, der eine nicht unwichtige Rolle in der Serie gespielt hat. Hier erzählt er seine Geschichte weiter.

Gerrit Schmidt-Foß macht seine Charaktere unterscheidbarer als der Kollege vor ihm. Ohne zu schräg zu werden, schafft er es gut, jeder Figur eine eigene Note zu geben, sodass sie sich gut von den anderen unterscheidet. Seine Lesung klingt lebendig, auch weil er mit dem Sprechtempo spielt und immer mal ein wenig anzieht, wenn es der Dramatik zuträglich ist.

Folge 17: DER TURM von Anette Strohmeyer, gelesen von Oliver Rohrbeck, 7 Tracks, 1:31 Std.

„Ich sitze am Schreibtisch in meinem Büro und kann es immer noch nicht fassen. Mein Porterville – es entgleitet meinen Fingern und ich kann nichts dagegen tun, als mit anzusehen, wie die Stadt im Chaos versinkt. Anarchie und Auflehnung herrschen statt Güte und Vernunft. Mein Lebenswerk zerfällt zu Scherben. Vor mir auf dem Tisch liegen die Berichte der verschiedenen Instanzen. Auf allen prangt der rote Schriftzug „Code A“. A wie ‘Apokalypse’ oder ‘All systems down’! Zögerlich ziehe ich die Zettel mit den Fingerspitzen heran und beginne, das Protokoll des Schreckens noch einmal zu lesen.“
(Takumi Sato, Porterville, Jahr 0048) (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Als Chronist und als Ich-Erzähler bekommen wir hier von Takumi Sato erzählt, wie sich die Stadt Porterville langsam auflöst und sich der Untergang abzeichnet.

Dass Oliver Rohrbeck als Synchron- und Hörspielsprecher super ist, das wissen viele, dass ihm diese Lebendigkeit bei seinen Lesungen aber fast völlig abgeht … immer mehr. Hier allerdings spricht er aus der Ich-Perspektive und schafft es so, sein Talent auf die gesamte Lesungsdauer zu verteilen, was dem Hörer eineinhalb Stunden intensives Kopfkinovergnügen beschert.

Folge 18: VERSUCHUNG von Raimon Weber, gelesen von Manja Doering und Peter Flechtner, 7 Tracks, 1:11 Std.

„Ich kneife mich fest in den linken Oberarm. So lange, bis mir der Schmerz die Tränen in die Augen treibt. Das ist die selbst auferlegte Bestrafung für meine schlechten Gedanken. Ich darf nicht neidisch auf Emilys Glück sein. Schließlich bin auch ich eine Begünstigte. Benedict Rupert hat mir eine überaus wichtige Aufgabe anvertraut.“ (Jorid, Draußen, Jahr 0048) (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Hier nun findet die PORTERVILLE-Reihe ihren Abschluss. Der wird nicht jedem gefallen, denn eigentlich ist schon nach Folge 17 Schluss gewesen und dieser Teil wird von zwei Charakteren eher als Epilog erzählt, die keine Rolle in den vorangegangenen Teilen gespielt haben. So gibts keinen Knaller zum Schluss, sondern noch mal einen Blick auf die Stadt … von außen.

Aber auch so schaffen es Manja Doering im Jetzt und Peter Flechtner, der die Vergangenheitsszenen am Ende liest, den Hörer zu binden. Wie selbst erlebt, erzählen sie ihre Erlebnisse und ich habe ihnen beiden abgekauft, dass alles stimmt und sie wirklich dabei waren. Lebendig, authentisch und mit Einsatz vor dem Mikro … das kann man hören und das macht Spaß … wenn man bei PORTERVILLE von Spaß sprechen möchte .. buh!

Von den Autoren …

… hat der Hörspielfreund in der Vergangenheit schon einiges hören können. Hendrik Buchna („Die drei ???“), John Beckmann („Lady Bedfort“), Simon X. Rost („Mitschnitt“), Raimon Weber („Morgenstern“, „Gabriel Burns“, „Point Whitmark“) und Anette Strohmeyer („Ondragon“) toben sich hier aus.

Die Namen der Sprecher …

… werden in Deutschland leider immer sehr stiefmütterlich behandelt. Statt mit den tatsächlichen Namen zu werben und diese so zu etablieren, werden immer nur die Namen der zumeist bekannten ausländischen Filmschauspieler genannt, denen sie bei der Synchronisation für den deutschsprachigen Raum ihre Stimme leihen.

Demzufolge treffen wir hier nicht auf Leonardo DiCaprio, Elijah Wood, Ben Stiller …, sondern auf die, die im Studio die ins deutsche übersetzten Textstellen der Schauspieler für das übersetzungsverwöhnte deutsche Film- und Fernsehpublikum einsprechen. Die heißen in dieser Ausgabe Timmo Nieser, Tobias Kluckert, Marius Clarén, Gerrit Schmidt-Foß, Oliver Rohrbeck, Manja Doering und Peter Flechtner und sollten für sich sprechen (Wortwitz nicht beabsichtigt) und nicht durch Hollywood-Schauspieler beworben werden, die mit dieser Produktion nichts zu tun haben.

Technik-Credits:

Produktion: Tommi Schneefuß
Regie: Ivar Leon Menger
Lektorat: Hendrik Buchna
Introsprecher: Detlef Bierstedt
SFX & Edit: Tommi Schneefuß
Edit: Dennis Schmidkunz
Aufnahme: Sound of Snow
Layout: Ivar Loen Menger & FWS Design & Repro
Product Management: Doerte Poschau

Die Ausstattung:

Die in 80er-Jahre-Revival-Signalblau bedruckten CDs stecken in einem Digpak, das in einem Pappschuber steckt. Im beiliegenden Booklet finden wir eine Aufstellung der Inhalte der beiden CDs wie Sprecher, Autoren, Folgentitel und die Technik-Credits. Außerdem gibts noch Werbung für die Vorgängerreihe und die PORTERVILLE–E-Books. Auf der Rückseite ist ein Gruppenbild mit Dame zu sehen, auf dem wir die Autoren der Reihe versammelt finden. Auf dem Digipak können wir Inhaltsinfos zu den einzelnen Folgen nachlesen.

Die MP3s:

Die Dateien sind nach dem Schema „Folge FOLGENNUMMER – TRACKNUMMER – FOLGENTITEL“ benannt auf den CDs enthalten. Die MP3s wurden mir 256 kbps / 44.1 kHz kodiert und liegen in Joint Stereo vor. was für einfache Lesungen eine ziemliche Platzverschwendung darstellt. Bei einer niedrigeren Bitrate hätte womöglich die ganze Staffel auf einer CD Platz gefunden und keiner hätte den Unterschied hören können.

Im ID3-Tag der Dateien finden wir die Folgennamen und sehr ausführlich, wem die Kopierrechte an dieser Produktion gehören. Die Namen der Autoren und die der Sprecher werden nicht genannt (auch nicht die der Hollywoodschauspieler, die sie synchronisieren).

Mein Fazit:

Wer DARKSIDE PARK mochte, der wird sich in PORTERVILLE sofort zu Hause fühlen. Wer die Reihe nicht kannte, der wird recht schnell dem TWILIGHT-ZONE-Charme der Reihe verfallen und die ständigen Cliffhanger verfluchen, nur um schnell weiterzuhören. Mystisch, geheimnisvoll und mit mehr Fragen als Antworten erzählen uns die Autoren von drinnen und „draußen“, von Frauen, Männern und Kindern, die in Porterville leben.

Da diese Reihe von unterschiedlichen Sprechern gelesen wird, bekommt der Hörer den direkten Vergleich ins Ohr und stellt schnell fest, dass diesmal dennoch bei den Lesungen eine gleichbleibend hohe Qualität geboten wird. Alle zeigen vollen Einsatz vor dem Mikro und können sich gut mit dem von ihnen Gelesenen identifizieren … zumindest kommts so an und so solls ja auch sein. Aber das Hören hätte noch mehr Spaß gemacht, wenn die gesamte Hörzeit mit Geräuschen unterlegt gewesen wäre und nicht nur der jeweilige Prolog.

Der Abschluss der ganzen Geschichte wird nicht jedem gefallen, nicht nur, weil er über zwei Stunden kürzer ist als die vorherige Staffel … aber, das ist ja meistens so, außerdem kann man sich beim Genre „Mystery“ immer super rauswinden. Man kann nicht immer alle zufriedenstellen und wenn bei PORTERVILLE der Weg das Ziel war, dann war es ein eindringlicher, düsterer und fesselnder Weg, der von den vielen Sprechern glaubhaft und unter die Haut gehend geschildert wird.

2 MP3-CDs
Gesamtspieldauer: 8:20 Std.
Tracks: 54
Vom Verlag empfohlen ab 16 Jahren
EAN: 0602537463336

www.folgenreich.de
www.raimon-weber.de

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

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