Porterville – Staffel 2 – Folge 7-12

Die Handlung:

In sechs Lesungen, bei denen der Prolog jeweils inszeniert ist und Hintergrundgeräusche enthält, erzählen die Autoren von der Stadt Porterville, die im Osten der USA liegt. Und das tun sie jetzt schon das zweite Mal, denn bereits in der Reihe DARKSIDE PARK gings düster und mysteriös zu in diesem Ort. Offenbar sind aber noch nicht alle Ideen erschöpft und noch nicht jeder Mitbürger befragt worden, also gibts jetzt eine Fortsetzung, die als Titel direkt den Ortsnamen trägt und keinen Zusatz mehr.

Jede Story spiegelt die Eindrücke und das Schicksal eines anderen Bewohners wider. Was denn nun das Besondere an der Stadt ist, verrät der Klappentext nicht … da geht der Mystery-Teil schon los. Insgesamt werden es drei Staffeln werden, die jeweils sechs Episoden erzählen … gehen wir also mal davon aus, dass wir 18 Schicksale präsentiert bekommen und am Ende alles aufgelöst wird … das zumindest kann man vermuten, denn einen Abschluss versprechen die Macher.

Folge 7 – „Götterdämmerung“ – von Hendrik Buchna, gelesen von Jürgen Thormann, 13 Tracks, 1:34 Std.

„Verstört irrlichtert Martin Preys Blick in der Crenlynn-Kammer umher, seine bebende Stimme ist von Angst und Fassungslosigkeit verzerrt. ‚Ich verstehe nicht. Wo … wo sind wir?’ Törichter Narr. Nicht das Wo ist es, das alle bis ins Mark erschüttert, sondern das Wann … Auch meine Selbstbeherrschung erlischt wie eine Kerze im Sturmwind, als mir die brachiale Tragweite der vier digitalen Ziffern auf der Datums-Anzeige bewusst wird …“ (Angus Hudson) (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Gleich mit der ersten Lesung verspricht der Verlag Infos und Antworten für alle Fans der Vorgängerreihe DARKSIDE PARK, die mit dem Ende nicht so ganz zufrieden waren. Aufklärungsarbeit leistet hier der ehemalige Bürgermeister von Porterville, Angus Hudson, höchstpersönlich. Und auch wenn er zusätzlich neue Fragen aufwirft, freuts den Fan doch ungemein, mehr erfahren zu haben.

Hier wird sehr schnell deutlich, was mir schon oft aufgefallen ist. Bekannte Stimmen-Besitzer aus Film, Funk und Fernsehen sind nicht zwangsweise auch für Lesungen geeignet. Jürgen Thormann macht seine Sache prima, keine Frage, nur klingt die komplette Lesung wie ein Dialog, gerade weil seine Stimme so bekannt ist. Und er liest auch die beschreibenden Szenen wie Dialoge. Bei Dialogen hingegen klingen seine Charaktere sehr ähnlich, zu ähnlich.

Folge 8 „Die Chronistin des Bösen“ – von Anette Strohmeyer, gelesen von Martina Treger, 20 Tracks, 2:39 Std.

„Ich fühle, wie ein Lächeln meine Lippen umspielt. Ich stehe wieder näher am Fenster und blicke hinunter auf die dunklen Straßen von Porterville. Die Stadt, die ich so sehr hasse … und doch so sehr liebe. Vom ersten Augenblick an hat sie mich in ihren Bann gezogen. Der schillernde Turm aus Kristall, die Trolle aus Stein, der grüne Kobold. Ich kichere, denn heute weiß ich, was es mit all den Dingen auf sich hat.“ (Eleanor Dare-Sato) …(Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Wer noch nicht verwirrt genug ist, der wirds hier mit Sicherheit. Drinnen, draußen, heute, gestern … wer bei dieser Reihe und vor allem beim Hören dieser Lesung nicht richtig aufpasst, der kann sehr schnell den Überblick verlieren.

Wenn er nicht vorher eingeschlafen ist, denn die Sprecherin liest mit so wenig Feuer und Pfeffer ihren Text runter, dass der Hörer nicht das Bild von Porterville im Kopf hat, sondern das von einer Frau in einer abgedunkelten Sprecherkabine vor einem Skript. Bei den Dialogen klingt sie schon bemüht, aber immer noch abgelesen und verleiht den zu vertonenden Charakteren zu wenig unterscheidbare Merkmale. Und bei den Szenenbeschreibungen hatte ich das Gefühl, dass ich manchmal eine Off-Stimme einer Tier-Dokumentation und manchmal eine Gute-Nacht-Erzählerin im Ohr hatte.

Folge 9 „14 Sekunden“ – von Simon X. Rost, gelesen von Gordon Piedesack, 16 Tracks, 1:51 Std.

„Ich habe Hudson überlebt, ich habe die Säuberungen unter Sato überlebt, ich habe einen Job und es gefällt mir hier. Manchmal bist du eben Polizeichef und ganz oben, manchmal bist du der letzte Privatermittler der Stadt und siehst aus wie ein übergewichtiger Penner. Und wenn Sato und die IFIS ganz ehrlich mit sich wären, müssten sie sich eingestehen, dass sie jemanden wie mich in Porterville brauchen.” (Hank Parker) (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Hier erzählt nun Hank Parker, der in DARKSIDE PARK nicht jedermanns Freund werden konnte, seine Story. Die beginnt ziemlich spooky und mysteriös, was Lust auf mehr macht … endet dann aber sicher für die meisten Hörer zu schnell. Na ja .. 14 Sekunden sind ja nicht die Welt.

Die aber nutzt der Sprecher, um uns gut zu unterhalten. Fast gelangweilt klingt er bei seinem Vortrag, aber das passt seltsamerweise … wobei das Wort „seltsam“ bei dieser Reihe eh längst zum Standard geworden ist … sehr gut zu der Story. Nur seine wirklich extrem langen, ständigen Sprechpausen, die haben mich gestört. Ansonsten klingt diese Lesung zeitweise wie die Audiospur eines Films,

Folge 10 „Projekt Zero-Zero“ – von John Beckmann, gelesen von Charles Rettinghaus, 17 Tracks, 1:23 Std.

„Wir waren die Ersten, die kamen. Die Könige und Königinnen. Sieben der renommiertesten Wissenschaftler des Landes. Koryphäen auf ihrem Gebiet. Und ich. Vor 44 Jahren. Als wir ankamen, war der Bau nicht mehr als ein niedriger Korridor mit dem Labortrakt an einem und acht engen Wohneinheiten am anderen Ende. Seitdem ist viel passiert. Wir haben den Bau stetig erweitert. Er wuchs wie organisches Gewebe. Je weiter wir die Forschung vorantrieben, desto mehr Budget wurde bereitgestellt. Je mehr Gelder flossen, desto mehr Möglichkeiten hatten wir. Es war ein kometenhafter Aufstieg. Bis zur ‘Mayflower‘. Der ersten bemannten Reise. Seitdem ist nichts mehr so, wie es war. Projekt Zero-Zero hat seine Unschuld verloren.” (Prof. Paul Higgins, NSA-Zentrale, Maryland) (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Hier erfahren wir mehr von Professor Paul Higgins und dem, womit er so seine Zeit verbringt. Dafür braucht der eine oder andere Hörer einen guten Magen, denn Blümchen pflücken ist sein Hobby nicht.

Ob der Sprecher absichtlich wie „Professor Hastig“ aus der SESAMSTRAßE liest, das kann ich nur erahnen. Auf jeden Fall wird er immer langsamer und langsamer bis der Hörer eingeschlafen ist. Wenn es mal einen Dialog zu vertonen gibt, dann kann er durchaus lebendig vortragen, wenn nicht … dann klingt er wie ein saft- und kraftloser Mensch. Ob das zu Prof. Higgins passt, das ist vielleicht Geschmackssache. Dem Verlag hats offenbar gefallen.

Folge 11 „Der Hudson-Code“ – von Raimon Weber, gelesen von Norbert Langer, 7 Tracks, 1:32 Std.

„Der alte Mann, der an einem großen Tisch inmitten der Bibliothek sitzt, hört mich kommen. Er grunzt etwas Unverständliches, hebt kurz die Hand zum Gruß und fährt fort, etwas in ein aufgeschlagenes Buch zu kritzeln. Dabei drückt er den Stift so fest auf, dass ich höre, wie das Papier zerreißt. „Wie geht es Ihnen heute?“, frage ich freundlich und gehe langsam auf ihn zu. Der Alte reagiert nicht. Als ich über seine Schultern blicke, erkenne ich, dass er wahllos einzelne Wörter in dem Buch – es ist der Roman „Haben und Nichthaben“ von Ernest Hemingway – durchstreicht. Dahinter steckt weder ein Sinn noch irgendein System. Die wochenlangen Verhöre, verbunden mit mehr oder weniger ausgefeilten Folterungen, haben ihn einen Großteil seines Verstandes gekostet. Er trägt eine hellgraue Hose und ein abscheuliches Hemd mit aufgedruckten Papageien. Während ich dem alten Mann bei seiner absurden Betätigung zuschaue, bildet sich in seinem Schritt ein größer werdender Fleck.“ (Howard K. Brenner / Porterville, Jahr 0048) (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Wer die letzte Lesung überstanden hat, der wird hier direkt in den nächsten Psycho-Rausch geworfen. Sex and Drugs and Rock ’n Roll werden hier gelebt … bis auf den Teil mit der Musik. Eine ziemlich runtergekommene Folge … aber im positiven Sinne, denn passig und stimmig ist sie allemal.

Leider bringt der Sprecher das nur ansatzweise rüber, denn zwischen Dialogen und beschreibenden Szenen hört man hier keinen Unterschied. Nicht nur klingen alle Charaktere gleich, auch deren Emotionslage kommt nur sehr bedingt beim Hörer an. Langsam und gemächlich mit langen und vielen Sprechpausen schleppt sich der Sprecher durch die Lesung und ständig möchte man ihn schütteln, damit er mal ein wenig Fahrt aufnimmt.

Folge 12 „Das Draußen“ – von Raimon Weber, gelesen von Udo Schenk, 8 Tracks, 1:41 Std.

„Wie ich diese Festivitäten hasse! Alles, was glaubt, Rang und Namen zu haben, ist versammelt. Aynsley Vester, der verfettete Leiter der Instanz für Gesundheit und ein Musterbeispiel für Inkompetenz, schüttet einen weiteren Drink in sich hinein. Dann hält er eine der jungen Bedienungen am Arm fest und flüstert ihr etwas ins Ohr. Das Mädchen errötet, lacht gekünstelt und entwindet sich aus seinem Griff. Erst kürzlich hat Vester ein öffentliches Keuschheitsgelübde abgelegt. Der Heuchler sieht, wie ich auf ihn zukomme, und sucht erfolglos nach einer Möglichkeit, mir zu entfliehen. Ich kann in seinen Augen erkennen, dass er mich fürchtet. Mich und meine strahlendweiße Uniform mit den glänzenden Orden. Es ist an der Zeit, dass die Machete wieder tanzt. Aynsley Vester wird schon bald ihre Bekanntschaft machen.” (Gerome Landino, Leiter der Instanz für Innere Sicherheit & Held der Revolution) (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Zwölf Folgen lang haben uns die Autoren schmoren lassen, bevor wir endlich mal nach „Draußen“ dürfen. Wenig Mystik, mehr Handfestes gibts hier serviert und … na klar … wenns Fahrt aufnimmt ists vorbei, wie das immer so ist. Extra doof, dass die ganze Hörbox nun auch leer ist und wir auf die finalen Lesungen warten müssen. „So lang, lang war die Zeit …“

Den besten Sprecher des Ensembles hat sich der Verlag für den Schluss aufgespart … so hats den Anschein. Zwar ist auch bei ihm im Bereich „Schauspiel vor dem Mikro“ noch reichlich Luft nach oben und auch er macht diese unnötig langen Sprechpausen, aber er schafft es als Einziger, wirklich echte Spannung aufzubauen. Mit seiner Art des Erzählens nimmt er den Hörer schnell gefangen und dieser bleibt auch gern in seiner Gesellschaft. Komisch, dass Udo Schenk nicht bei der letzten Staffel schon dabeigewesen ist.

Von den Autoren …

… hat der Hörspielfreund in der Vergangenheit schon einiges hören können. Hendrik Buchna („Die drei ???“), John Beckmann („Lady Bedfort“), Simon X. Rost („Mitschnitt“), Raimon Weber („Morgenstern“, „Gabriel Burns“, „Point Whitmark“) und Anette Strohmeyer („Ondragon“) toben sich hier aus.

Die Namen der Sprecher …

… werden in Deutschland leider immer sehr stiefmütterlich behandelt. Statt mit den tatsächlichen Namen zu werben und diese so zu etablieren, werden immer nur die Namen der zumeist bekannten ausländischen Filmschauspieler genannt, denen sie bei der Synchronisation für den deutschsprachigen Raum ihre Stimme leihen.

Demzufolge treffen wir hier nicht auf Michael Caine, Sharon Stone, Tom Selleck …, sondern auf die, die im Studio die ins deutsche übersetzten Textstellen der Schauspieler für das übersetzungsverwöhnte deutsche Film- und Fernsehpublikum einsprechen. Die heißen in dieser Ausgabe Udo Schenk, Norbert Langer, Charles Rettinghaus, Gordon Piedesack, Martina Treger und Jürgen Thormann und sollten für sich sprechen (Wortwitz nicht beabsichtigt) und nicht durch Hollywood-Schauspieler beworben werden, die mit dieser Produktion nichts zu tun haben.

Technik-Credits:

Produktion: Tommi Schneefuß
Regie: Ivar Leon Menger
Lektorat: Hendrik Buchna
Introsprecher Detlef Bierstedt
SFX & Edit: Tommi Schneefuß
Edit Folge 7, 10, 11: Tommi Schneefuß
Edit Folge 8, 12: Henrik Cordes
Edit Folge 9: Markus Rieger
Aufgenommen im Hörspielstudio Xberg & mouse power GmbH
Layout: Ivar Leon Menger & FWS Design & Repro
Product Management: Doerte Poschau

Die Ausstattung:

Die in 80er-Jahre-Revival-Neon-Pink bedruckten CDs stecken in einem Digpak, das in einem Pappschuber steckt. Im beiliegenden Booklet finden wir eine Aufstellung der Inhalte der beiden CDs wie Sprecher, Autoren, Folgentitel und die Technik-Credits. Außerdem gibts noch Werbung für die Vorgängerreihe und die PORTERVILLE–E-Books. Auf der Rückseite ist ein Gruppenbild mit Dame zu sehen, auf dem wir die Autoren der Reihe versammelt finden. Auf dem Digipak können wir Inhaltsinfos zu den einzelnen Folgen nachlesen.

Die MP3s:

Die Dateien sind nach dem Schema „Folge FOLGENNUMMER – TRACKNUMMER – FOLGENTITEL“ benannt auf den CDs enthalten. Die MP3s wurden mir 256 kbps / 44.1 kHz kodiert und liegen in Joint Stereo vor. was für einfache Lesungen eine ziemliche Platzverschwendung darstellt. Bei einer niedrigeren Bitrate hätte womöglich die ganze Staffel auf einer CD Platz gefunden und keiner hätte den Unterschied hören können.

Im ID3-Tag der Dateien finden wir lediglich die Folgennamen und sehr ausführlich, wem die Kopierrechte an dieser Produktion gehören. Die Namen der Autoren und die der Sprecher werden nicht genannt (auch nicht die der Hollywoodschauspieler, die sie synchronisieren) und auch ein Cover suchen wir hier vergeblich, sodass das Display vieler MP3-Player oder Handys beim Hören leer bleibt.

Mein Fazit:

Wer DARKSIDE PARK mochte, der wird sich in PORTERVILLE sofort zu Hause fühlen. Wer die Reihe nicht kannte, der wird recht schnell dem TWILIGHT-ZONE-Charme der Reihe verfallen und die ständigen Cliffhanger verfluchen, nur um schnell weiterzuhören. Mystisch, geheimnisvoll und mit mehr Fragen als Antworten erzählen uns die Autoren von drinnen und „draußen“, von Frauen, Männern und Kindern, die in Porterville leben.

Da diese Reihe von unterschiedlichen Sprechern gelesen wird, bekommt der Hörer den direkten Vergleich ins Ohr und stellt schnell fest, dass einige es besser machen als andere. Wenn die spannende Story nur vorgelesen, statt vor dem Mikro gespielt wird, geht eine Menge Mystery-Stimmung den Bach runter, denn bei einer Lesung steht und fällt der Hörspaß mit dem Sprecher. Und das Hören hätte noch mehr Spaß gemacht, wenn die gesamte Hörzeit mit Geräuschen unterlegt gewesen wäre und nicht nur der jeweilige Prolog.

Und oft wird auch wieder deutlich, dass bekannte Synchronsprecher nicht zwangsläufig auch gute Hörbuchsprecher sind. Bei einigen klingen beschreibende Szenen wie Dialoge, bei anderen schläft man direkt ein, weil sie das Schauspiel vor dem Mikro direkt einstellen, sobald keiner mehr spricht.

Sprechen sollen sie aber bitte noch mal … denn auch wenn es in dieser zweiten Staffel immer mal wieder Antworten gibt … Fragen gibts auch noch … reichlich. Und für deren Beantwortung ist dann die finale Staffel zuständig.

2 MP3-CDs
Gesamtspieldauer: 10:42 Std.
Tracks: 81
Empfohlen ab 16 Jahren
EAN: 0602537463336

www.folgenreich.de
www.raimon-weber.de

Der Autor vergibt: (3.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

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