Preston, Douglas & Child, Lincoln – Mission – Spiel auf Zeit

So faszinierend wie Special Agent Pendergast soll er sein – der neue Held vom Erfolgsduo Preston & Child! Gideon Crew heißt er und wird als tickende Zeitbombe beschrieben, denn in seinem Gehirn hat er ein Aneurysma, das ihn jederzeit töten könnte. Also verspürt er keinerlei Angst und übernimmt selbst die gefährlichsten Aufträge.

Wollen wir uns anschauen, ob Douglas Preston und Lincoln Child mit ihrem neuesten Werk an die erfolgreiche „Pendergast“-Reihe anknüpfen können und ob Gideon Crew tatsächlich die gleiche Faszination entwickeln kann wie der eigenwillige Pendergast!

_Auftragsagent_

Als Kind musste Gideon Crew miterleben, wie sein Vater erschossen wurde, nachdem er aus noch unerfindlichen Gründen Geiseln genommen, diese aber frei gelassen hatte. Seine Mutter ist es, die Gideon das Versprechen abnimmt, seinen Vater zu rächen, denn er ist Opfer einer Intrige geworden. Und diese möchte Gideon nun aufdecken. Erst mit Anfang 30 kann er schließlich in einem fulminanten Showdown den einstigen Widersacher seines Vaters töten.

Doch damit nicht genug erhält er kurz darauf einen brisanten Auftrag: Ein Chinese, der in einem Flugzeug gen USA sitzt, trägt angeblich den Plan für eine Geheimwaffe am Leib und Gideon soll diesen Plan wiederbeschaffen. Doch schon die Taxifahrt vom Flughafen aus endet für den Chinesen fatal: Er wird in einen fürchterlichen Unfall verwickelt und schwer verletzt. Gideon eilt ihm zu Hilfe und erfährt vom Chinesen eine mysteriöse Zahlenreihe. Im Krankenhaus stirbt der Chinese. Gideon gibt sich als sein Lebensgefährte aus, um die persönlichen Sachen genau durchsuchen zu können, doch nirgends steckt dieser Plan und aus der Zahlenreihe wird Gideon einfach nicht schlau. Wo hat der Chinese den Plan versteckt? Hat er ihn etwa nicht am, sondern IM Leib getragen?

Allerdings ist Gideon nicht der Einzige, der Jagd auf den Chinesen und den Plan für die Geheimwaffe macht. Ein chinesischer Auftragskiller ist ihm stets auf den Fersen, aber auch eine Frau, die vorgibt, für die CIA zu arbeiten, möchte von Gideon alles ganz genau wissen. Mit ihr schließt Gideon einen gefährlichen Pakt, denn er weiß nun, wo der Chinese das Gesuchte versteckt hat und ist überzeugt, dass nur einer die Bergung dessen überleben kann – er selbst oder der chinesische Killer Nodding Crane.

_Hirnlos_

Als spannender Agententhriller wird „Mission – Spiel auf Zeit“ beworben, aber vor allem locken die Versprechungen eines faszinierenden Ermittlers, der genau in die gleiche Kerbe schlägt wie Special Agent Pendergast. Die Messlatte haben Preston & Child bzw. die Verlagswerbung demnach hoch gelegt – und mussten entsprechend scheitern. Schon im ersten Teil des Buches, in dem Gideon seinen Vater rächt, offenbart die Schwächen des vorliegenden Thrillers: Denn Preston & Child bedienen sich der simpelsten Elemente für ihren Roman: Stereotype Charaktere und eine Sprache, wie sie einfacher nicht sein könnte. Die Sätze sind kurz, die Dialoge stets einfach gehalten, und auch als die beiden Autoren schließlich offenbaren, um was für eine Geheimwaffe es sich handelt und sie sich eigentlich ins Gebiet der Physik begeben müssten, um diese näher zu erläutern, ersparen sie sich jegliche weiterführenden Erklärungen, um auch bloß keinen der intellektuell womöglich etwas minderbemittelten Leser zu verlieren.

Die Handlung rast von einem Actionschauplatz zum nächsten. Ein Widersacher nach dem anderen taucht auf, verbündet sich mitunter mit Gideon, um ihn dann schließlich aber doch zu hintergehen. Es gibt Verfolgungsjagden, Schusswechsel, schlimme Verletzungen, die am besten bis ins letzte Detail beschrieben werden, und natürlich einen groß angelegten Showdown, der nur ein minimales Spannungsmoment enthält, das aber sofort verpufft.

Schon die „Pendergast“-Romane dienten natürlich einzig der lockeren Unterhaltung, doch mit ihrem Special Agent haben Preston & Child eine kauzige Figur geschaffen, die Ecken und Kanten hat, dem Leser sympathisch ist, aber dennoch stets undurchschaubar bleibt und deswegen auch eine Faszination entwickelt. Gideon Crew dagegen ist das Stereotyp eines Mannes, der praktisch alles kann. Auch wenn er nicht als Agent ausgebildet ist, merkt er instinktiv, wenn er verfolgt wird, kann seine Verfolger natürlich abschütteln und sie schließlich auch besiegen. Erklärt wird diese Allmacht mit dem Aneurysma, das wie eine tickende Zeitbombe in Gideons Kopf herumschwirrt und ihn unweigerlich töten wird, sodass er vor nichts Angst zu haben braucht. Doch mir reicht das nicht als Erklärung, denn wenn mir jemand unterbreiten würde, dass ich höchstens noch ein Jahr zu leben hätte und gut und gerne auch morgen schon tot umfallen könnte, würde ich sicherlich die letzten Tage, Wochen oder Monate meines Lebens genießen und nicht irgendwelche undurchsichtigen und gefährlichen Aufträge erledigen.

Spannung baut sich auch gar nicht auf, da schon klar ist, wer am Ende die Oberhand behalten wird, denn man würde seinen neu aufgebauten Superhelden ja nicht gleich im ersten Buch opfern, oder? Gideons Gegenspieler Nodding Crane ist mir bis zum Ende ein Rätsel geblieben. Von ihm erfährt man nicht viel mehr, als dass er eine rücksichtslose Tötungsmaschine ist, die gar nicht so sehr den Plan für die Geheimwaffe haben möchte, sondern vielmehr dazu eingesetzt ist, alle Mitwisser auszuschalten. Doch wieso um Himmels Willen lässt Nodding Crane (was für ein dämlicher Name überhaupt?) dann eine gute Gelegenheit nach der anderen aus, in der er Gideon locker hätte ausschalten können? Nein, natürlich wartet er brav bis zum finalen Showdown, lässt sich von seinem Gegner genau dorthin locken, wo er ihn haben möchte und tritt dann schließlich auch noch in die bescheuertste Falle, die man sich vorstellen kann. Die Story ist absolut hanebüchen und entbehrt jeglicher Logik!

_Enttäuscht_

Für mich scheitert das Projekt Gideon Crew auf ganzer Linie – weder schaffen Preston und Child es, einen charismatischen neuen Helden einzuführen, noch entwickeln sie in ihrer absolut vorhersehbaren Story auch nur ein Fünkchen an Spannung oder überzeugen womöglich sprachlich. Wer Matthew Reilly liest (oder liebt) – und das war so mit das Schlechteste, was ich in meinem ganzen Leben gelesen habe – der dürfte vermutlich Gefallen am vorliegenden Roman finden, doch wer auf gute Agentenstorys steht, der sollte tunlichst zu Daniel Silva greifen und bloß die Finger von diesem Erguss lassen. Bleibt nur zu hoffen, dass Douglas Preston und Lincoln Child sich ganz schnell auf ihre Erfolgsfigur Pendergast besinnen und Crew einen Ehrentod sterben lassen, auch wenn sie auf den letzten Seiten bereits zu Crews zweitem Fall überleiten …

|Hardcover: 432 Seiten
Originaltitel: Gideon’s Sword
ISBN-13: 978-3426199039|
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