Don und Petie Kladstrup – Champagner. Die dramatische Geschichte des edelsten aller Getränke

Mit Leid und Schrecken erkauft: Schampus-Geschichte(n)

„Mit dem Champagner ist die Landschaft der Champagne untrennbar verbunden: Ihr Glanz, ihre Tragik, ihr Triumph wurden noch nie so dramatisch und einfühlsam porträtiert. Wer das ganze Leid durch Kriege, Krisen und Katastrophen kennt, das die Champagne im Laufe der Jahrhunderte durchlaufen hat, wird die Freude und Begeisterung ihrer Menschen für den Champagner erahnen. Er ist für sie der König der Schaumweine, der einzige Monarch, der nie abgesetzt werden wird.“ (Verlagsinfo) Aber die Geschichte des Schampus seit den Tagen von Dom Perignon ist nicht bloß dramatisch, sondern oft auch komisch. Und am Anfang wurde er sogar mit allen Mitteln unterdrückt…

Die Autoren

Don und Petie Kladstrup sind Weinliebhaber und Weinkenner, denen es immer wieder gelingt, über die Geschichte und Kultur des französischen Weins spannend, informativ und erfolgreich in Publikationen in Frankreich wie auch in der Welt zu veröffentlichen (u.a. „The Wine Spectator“). Sie leben in der Normandie und Paris. Für ihre Reportagen und Dokumentationen wurden sie bereits mehrfach ausgezeichnet. Bei Klett-Cotta erschien von ihnen bereits das tolle Buch „Wein & Krieg“ (siehe meinen Bericht).

Inhalte

Die Römer sind an allem schuld. Sie fingen damit an, in der anno 57 v. Chr. eroberten Champagne – der Rest Galliens unterwarf sich erst fünf Jahre später – Wein anzubauen. Das war in aller Regel Rotwein, und er ersetzte das meist nicht besonders saubere Wasser zu allen möglichen Gelegenheiten. Das blieb nach dem Abzug der Römer und dem Beginn der Merowinger-Herrschaft bis zum Mittelalter so, aber die christliche Kirche benötigte Wein auch zum Gottesdienst, zu besonderen Festen und als Tausch- oder Zahlungsmittel für andere Güter.

Die Champagne ist eine vom Handel begünstigte Landschaft, denn hier kreuzen sich zwei europäische Handelswege zwischen Nord-Süd und Ost-West, aber auch durch die Geologie: Der Boden ist stark kalkhaltig, und der weiche Kalk lässt sich ganz leicht aushöhlen – für weitläufige Weinkeller etwa. Aber die von Seine und Marne durchströmte Region zwischen Reims und Troyes, südlich des Ardennerwaldes, wurde auch vielfach Opfer von Invasionen und Kriegen. Angefangen bei den Hunnen, die in dieser Gegend 451 n.Chr. besiegt wurden, bis zu zwei Weltkriegen, die hier unzählige Opfer forderten, wurde die Bevölkerung ebenso wie ihre Weinberge permanent dezimiert.

Zurück zum Wein. Es ist noch ein weiter Weg zum Schaumwein, den wir heute kennen, denn am Anfang unternahmen die besten Weinkenner der Region, die Mönche von Hautvillers alles, um die lästigen Bläschen aus dem Traubensaft zu verbannen. Da es zwei Fermentierungsphasen gibt (von denen sie nichts ahnten), rieten sie dringend dazu, den Wein vor Ostern, wenn Phase zwei begann, zu konsumieren.

Denn zu viele Bläschen rühren ja von einem Gas her, und dieses Gas (CO2) muss irgendwie entweichen. Wenn der Druck zu groß wird, platzt die Flasche, und in einer Art Kettenreaktion bringt diese Explosion alle anderen Flaschen in ihrer Nachbarschaft ebenfalls zu Platzen. Neun von zehn Flaschen überstehen diese Reaktion nicht. Die Verluste an Material und finanziellen Ressourcen waren für die Winzer beträchtlich.

Das änderte sich erst, als der unkonventionell denkende, aber sehr fleißige Mönch Dom Perignon (1638-1715) anno 1668 für ein Wunder sorgte: Er erhob den lästigen Schäumer zur edleren Version des Rotweins und rackerte sich ab, entsprechende Reben, Ernte- und Behandlungsmethoden (die heute noch gelten) sowie Lagerungs- und Transporttechniken zu entwickeln – ein Lebenswerk.

Schampus bei Hofe

Der Erfolg gab ihm recht: Ludwig XIV, der Sonnenkönig, macht den Champagner zum Wein des Hofes, und auch die Damen pflichteten ihm bei: Es war der erste Wein, der ihnen nicht zu stark war, um nicht weiterhin Konversation treiben zu können. Außerdem stärkte er offensichtlich die Manneskraft, was insbesondere Katharina die Große zu schätzen wusste. Sie erhob einen Offizier, der ihr die größten Mengen des Edelgetränks beschaffen konnte, zum Feldmarschall. 1734 fertigte Jean-Francois de Troy für König Louis XV das erste Gemälde an, das den Genuss von Champagner darstellt, und man den herausgespritzten Korken mitten in der Luft entdecken (abgebildet auf Seite 51).

Die Revolution

Auch die Revolutionäre von 1789 sprachen dem Schampus derart zu, dass kaum eine Versammlung des allmächtigen „Wohlfahrtsausschusses“ verging, ohne dass dem Schampus stark zugesprochen wurde – gleiches galt auch für die adligen Opfer der Guillotine. Dabei wäre der Champagner um ein Haar dem Burgunder für immer unterlegen: Die Burgunder wollten die alleinigen Hoflieferanten für Wein sein. Es kam zum ersten Marketingkrieg der Warengeschichte: Die Experten wetterten um 1705 gegeneinander und führten Gutachten ins Feld, um die Behauptungen des jeweiligen Kontrahenten zu widerlegen, auszustechen und zu diffamieren. Die Champagner-Verfechter gewannen dieses Marketing-Duell.

19. Jahrhundert

Napoleon Bonaparte war auf Korsika selbst der Sohn eines Winzers und fand in dem Champagnerwinzer Jean-Remy Moet einen Gleichgesinnten (S. 71ff). Egal ob als Marschall, Erster Konsul oder Kaiser – stets fand er Zeit, bei Moet vorbeizuschauen und dessen Champagner fachmännisch zu verkosten – was natürlich dem Aufstieg des Getränks half. Nur auf dem Weg nach Waterloo 1815 hatte es der Gast etwas zu eilig, um auf dem Weingut vorbeizuschauen.

Zwischen 1815 und 1865 geschah einiges, um die Technik der Champagnerherstellung zu verbessern. Durch Zugabe von Zucker oder alternativ Rübensirup (den schon Napoleon anregte) wurde das Getränk regelrecht süffig und folglich weitverbreitet. Aber durch die Experimente der Madame Louise Pommery gelang es, ein herberes, weniger gezuckertes Getränk herzustellen – den Brut. Auch dieser trat seinen Siegeszug an, hatte sich doch der Geschmack inzwischen geändert.

Anno 1890, dem Jahr der einsetzenden Krise, trank die ganze Welt Champagner. Madame Pommery erhielt 1890 als erste Französin ein Staatsbegräbnis (S. 134). Man hätte denken können, die Franzosen hätten die Invasion der Preußen 1870/71, die Besatzungszeit und die hohen Reparationszahlungen ohne Schaden weggesteckt.

Charles Heidsieck hatte als vielbesungener „Champagne Charlie“ das Getränk kurz vorm Bürgerkrieg sogar nach Amerika gebracht. Während des Bürgerkriegs wurde er als Spion verhaftet und musste in einer Art Todestrakt in Louisiana schmachten. Als er auf Befehl Präsident Lincolns wieder heraus durfte, war er nicht wiederzuerkennen, und nur eine unerwartete Schenkung von Grundbesitzurkunden bewahrte seine Firma vor dem Ruin.

Fin de siècle bis 1914

Die Champagne stand 1911 vor dem Bürgerkrieg! Die Marktveränderungen, die sich seit 1890 angebahnt haben, stürzten die Winzer in den Ruin. Aber sie taten sich zusammen, erst im Dept. Aube, dann auch im Dept. Marne. An einem Tag kippten sie fässerweise fremden Wein in die Marne, um den ruinösen Wettbewerb zu unterbinden. Niemand konnte verhaftet werden. Doch das Parlament beging den Fehler, das Dept. Aube nicht als Teil der Champagne zu betrachten – ein ungeheurer Affront mit weitreichenden Folgen. Erst der Ausbruch des Weltkriegs und die Invasion der Deutschen unterbrachen diese Revolte.

Der Erste Weltkrieg

Der August 1914 war der beste des jungen Jahrhunderts und ließ die Hoffnungen der Champenois in den Himmel wachsen: Vorher hatte es zahlreiche Missernten gegeben. Doch in Sarajewo wurde ein Thronfolger ermordet und ganz Europa erklärte sich bereit zum Massenselbstmord. Man ahnte es Anfang August noch nicht, als die jungen Franzosen zur Front fuhren, um gegen die „boches“ zu kämpfen. Der Jubel bracht bald unter den weit überlegenen Waffen der Deutschen zusammen und 160.000 Franzosen starben allein im August – bis zum Jahresende sollten es eine halbe Million werde.

Die Deutschen namens Reims, das Zentrum der Champagne und des Dept. Marne, kampflos ein. Erst als sie im Zuge der Marne-Offensive zum Rückzug gezwungen wurden, begannen sie, die Kathedrale aus dem Jahr 1212 und die uralte Stadt in Schutt und Asche zu legen. Die Bewohner in allen umliegenden Dörfern und Weingütern waren gezwungen, unter dem fortwährenden Bombardement in die Crayeres zu flüchten, die aus dem Kalkstein gehauenen Keller, Tunnel, Stollen und Gewölbe, die eine Länge von 250 km erreichten.

Fortan verbrachten sie mehrere Jahre als Höhlenmenschen im Untergrund. Nur wenige weigerten sich, wie ein Tier zu leben, sondern kümmerten sich wie der Chefwinzer von Pommery, Corpart, unter Lebensgefahr um ihre Reben. Der Einsatz von afrikanischen Truppen verhinderte den Sieg der Deutschen in der 2. Marne-Schlacht 1917, doch erst die Ankunft amerikanischer Truppen wendete das Blatt, bis im November 1918 der Waffenstillstand nahe Reims unterzeichnet wurde.

Die „verrückten Zwanziger“

Die Reblaus machte fast allen Rebstöcken in den Champagne den Garaus – eine Katastrophe, erst in letzter Stunde durch das Aufpropfen französischer Reben auf die resistenten amerikanischen Sorten verhindert wurde. Eine zweite Katastrophe bahnte sich an, als 1920 in den USA die Prohibition Gesetz wurde. Wie sich herausstellte, war dies allerdings ein Segen, und das Kapitel schildert die Abenteuer des Enkels von Champagne Charlie unter kanadischen Schmugglern. Die schlimmste Katastrophe bildete allerdings die Weltwirtschaftskrise von 1929: Fast alle gingen pleite, weil kaum noch jemand das Geld hatte, sich eine Flasche Schampus leisten zu können. Nur die Stärksten überlebten, etwa Moet & Chandon usw. Und dann kamen die Deutschen zum dritten Mal!

Der Zweite Weltkrieg

Es war eine Invasion mit Ankündigung. Die Winzer hatten zehn Monate Zeit, ihre Schätze zu verstecken, denn dass die Deutschen wohl durchbrechen würden, damit zu rechnen. Im Mai 1940 ging dann alles sehr schnell. Die französische Armee, durch den Ersten Weltkrieg eines kompletten Jahrgangs beraubt, wurde geradezu überrollt und die Champagne zusammen mit zwei Dritteln Frankreichs besetzt. Göring gab die Anweisung, Frankreich allen Champagners und Weins zu berauben. Dazu entsandte er eine Legion von Räubern und Spürhunden aus.

Ihr Chef war Otto Klaebisch (S. 279ff), der sich selbst bestens in der Champagne auskannte. Deshalb entdeckte er auch in den gepanschten Produkten, die ihm die Hersteller als „Tribut“ entrichten mussten, sofort jeden Fehler. Aber der sogenannte „Weinführer“ verhinderte auch die Deportation von 700 französischen Kriegsgefangenen mit der Begründung, sie seien wesentlich für den Erfolg der Champagnerproduktion. Noch im Juli 1944, einen Monat nach der Invasion der Alliierten in der Normandie, bestellte er Millionen Flaschen – die er dann nie zu bezahlen hatte.

Wichtiger als diese Figur sind wahrscheinlich die französische Résistance und ihre prominenten Unterstützer, darunter sogar Graf Robert-Jean de Vogué, Leiter der Interessenvertretung der Champagnerhersteller CIVC (die offenbar bis heute existiert) und Chef des Hauses Moet & Chandon Die Gestapo verhaftete 1943 ihn und seinen Komplizen Fourmon. Während Fourmon ins KZ Buchenwald gebracht wurde (und es sogar überlebte), sollte der Graf hingerichtet werden. Die Winzer wussten dies durch ihren Streik zu verhindern…


Mein Eindruck

Der Originaltitel „How the World’s Most Glamorous Wine Triumphed Over War and Hard Times” ist zugleich Programm für die Autoren und Warnung an den Leser. Hier soll nicht sachlich Historie berichtet werden, sondern Rührung und tiefes Mitgefühl für die Bewohner der Champagne und ihr herausragendes Produkt erzeugt werden. Dieser Zweck des Buches wird vollauf erreicht, und die Anekdoten und Berichte, untermauert von Zahlen, erzeugten bei mir starke Sympathie für die Champenois.

Es dürfte den englischsprachigen Lesern des Buches anno 2005 nicht anders gegangen sein. Die waren ja auch schon durch das Kladstrup-Buch „Wein & Krieg“ sozusagen vorbelastet. Dementsprechend lassen die Autoren keine Gelegenheit aus, die segensreiche Intervention der Amerikaner im Ersten und Zweiten Weltkrieg hervorzuheben und diverse amerikanische Reporter, ja, sogar einen veritablen Dichter – Alan Seeger, den Onkel des Protestsängers Pete Seeger – als Quellen möglichst häufig zu zitieren. Selbst noch im Kapitel über den Schmuggel von Champagner über die kanadischen Grenze finden sich die Amis bestens wieder.

Einen großen Teil des Buches haben die Autoren dem Schrecken des Ersten Weltkriegs gewidmet. Das mag seinen guten Grund haben. Erstens hatten sie aus dieser Zeit noch die letzten Zeugen ausfindig gemacht – der älteste starb im Alter von 106 Jahren – wohl aber auch die meisten und prominentesten. Letztere kamen jeweils aus der Direktion der bekanntesten Champagnerhersteller: Man schmückt sich gern mit solchen Namen.

Andererseits liefert der Erste Weltkrieg Anlass, die fast vollständige Zerstörung der alten Champagne zu schildern, wie sie bis Herbst 1914 existiert hatte – danach gab es sie nicht mehr: Bomben und Granaten machte Bauten und Weinberge dem Erdboden gleichen, bis aus grünen Hügeln Mondkrater geworden waren, den Rest verbrannte das Giftgas.. Eine erschütternde Anekdote reiht sich hier an die andere, begleitet von authentischen Schwarzweißfotografien. Nicht ohne Grund wird Reims bis heute die „Märtyrerstadt“ genannt.

Daneben verblasst die Darstellung des Zweiten Weltkriegs und seiner nicht minder großen Schrecken. Sie werden in einem kurzen Schlusskapitel abgehandelt, wobei die unvermeidlichen Amerikaner wieder auftauchen. Es sei dem Vorwärtsstürmen General George Pattons zu verdanken, dass Epernay nicht von den Deutschen gesprengt wurde. Die abrückenden „boches“ wurden angeblich völlig überrumpelt. Wers glaubt, wird selig.

Ausstattung

Das Buch liegt mit einem schönen Schutzumschlag vor, und ein Lesebändchen erleichtert die Markierung der Lesestelle. Zahlreiche, schwarzweiß gedruckte Illustrationen belegen die Aussagen der beiden Autoren. Eine sehr hilfreiche, thematisch sortierte Landkarte findet sich im inneren Einband vorne und hinten im Buch. Anmerkungen belegen Zitate, ein Stichwortregister umfasst nur Namen von Personen und Weingütern, das Literaturverzeichnis ist immerhin vier Seiten lang.

Die Übersetzung

Die Kapitel lesen sich flüssig, ja, geradezu süffig. Aber wer ein wenig genauer hinschaut, entdeckt nicht nur historische Ungenauigkeiten und Raffungen – die Jahre 1815 bis 1865 finden nicht statt -, sondern stößt auch auf Sachfehler wie die falsche Angabe über das Geburtsjahr Napoleons.

S. 73: “Die heitere Überschwang”: Da der Überschwang männlich ist, muss es “der heitere Überschwang” heißen;

S. 73: Napoleon Bonaparte (1768-1821): Napoleon wurde am 15. August 1769 geboren. (Die Eselsbrücke lautet: „Goethe 1749, Schiller 1759 und Napoleon 1769.“ Ganz einfach.)

S. 73: Die Formulierung, „Champagner ins Rampenlicht“ zu rücken, ist schon mehr als riskant.

S. 74/75: Die Anekdote, wie Napoleon Bonaparte als Teenager mit Jean-Remy Moet in Brienne eine „lebenslange Freundschaft“ geschlossen haben soll, ist laut Johannes Willms ein zusammengeschustertes Märchen. Schließlich war kein Reporter anwesend. Moet profitierte kräftig von dieser Freundschaft: Seine Verkäufer usw. begleiteten Napoleons Grande Armee auf allen Feldzügen – außer nach Russland. Denn Moet wurde rechtzeitig gewarnt.

S. 75/76: Eine weitere Anekdote über Napoleon macht ihn zum Kenner mit „Erfahrungen im Weinbau“ – dabei wurde er bereits mit acht Jahren in die Militärakademie Brienne gesteckt. Mit dieser Qualifikation sollte er sich um die Annexion der Weingüter des Clos des Vougeot kümmern. Dieser Erfolg sowie die Niederschlagung von Aufständischen sollen ihm den Titel des Ersten Konsuls eingebracht haben. Auch das ist wohl ein Märchen, das die wahren Abläufe stark verkürzt.

S. 134: Angeblich benannte der Staatspräsident Carnot 1890 das Champagne-Dorf Chigny zu Ehren von Louise Pommery, die Rosen liebte, in Chigny-les-Roses um. Das ist ein Märchen, kritisiert der Rezensent Johannes Willms. Die Winzer von Chigny pflanzten demnach Rosensträucher an den Rand ihrer Weinfelder, weil die empfindlichen Rosen als erste von Krankheiten wie Mehltau usw. befallen wurden. Sie dienten also als biologische Warnanlagen, nicht (nur) als Dekoration.

S. 188: “Wo gerade ein anderes Geschütz explodiert war”. Nicht Geschütze explodieren, sondern Granaten.

S. 205: „Mad Hatters Tee-Party“: gemeint ist die Teegesellschaft des verrückten Hutmachers aus „Alice im Wunderland“. Die Übersetzung ist eigentlich keine, sondern übernimmt einfach nur das Original.

Unterm Strich

Ich habe das Buch in nur wenigen Tagen gelesen. Es schildert in der Tat dramatische und bewegende Schicksale, die alle mit der Landschaft der Champagne und dem titelgebenden Getränk verbunden sind. So gesehen ist das Buch auch eine Kulturgeschichte über Ostfrankreich, und zwar nicht nur eine mit Kriegen erfüllte, sondern auch eine, die zu Herzen gehen will – besonders bei den amerikanischen Lesern.

En passant hat mich das Buch mit etlichen Informationen zu den Unterscheidungsmerkmalen des Trunks versorgt, so dass ich heute in der Lage zu sein glaube, einen Jahrgang vom anderen zu unterscheiden – der Loblieder werden hier genug gesungen, etwa auf den 1889er oder den 1914er (den „Siegeswein“).

Aber bei genauerem Hinsehen, Prüfen und Überlegen liefert das Buch in seiner populären Ausrichtung auch etliche unzulässige Raffungen und Fehldarstellungen – siehe oben. Ich hätte beispielsweise auch gerne gewusst, wie es dazu kam, dass fast alle Weingüter in den Händen deutscher Besitzer waren, als der Erste Weltkrieg begann. Die Autoren reden sich mit der Angabe heraus, dass selbst „barbarischen“ Deutschen zu Zeiten Kaiser Wilhelms II. den edlen Champagner der billigen Kopie Sekt (die der Kaiser bevorzugte) vorzogen. Als Quelle gibt es mal wieder eine Anekdote, die wahr sein kann oder auch nicht. Dazu muss man die Quelle nachschlagen, die in der entsprechenden Anmerkung genannt wird – etwas mühselig.

Kurzum: Das Buch wendet sich an ahnungslose Amerikaner, die zu gerne mal was Süffiges über dieses angeblich so edle Getränk wissen möchte, um sich zumindest den Anschein von Kultiviertheit und Allgemeinwissen geben zu können. Was dem Ami recht, ist dem Deutschen billig – mir verhalf das Buch auch zu einem faszinierenden und anrührenden Einblick in die einzigartige Landschaft der Champagne, seine Bewohner und ihr berühmtestes Produkt. Mehr aber auch nicht. Der Leser entdeckt zwar sein Herz für diese Menschen, aber ob ihn das Buch auch zu einem Kenner macht, steht auf einem anderen Blatt. Deshalb sollte man den Rat von Johannes Willms beherzigen: Lieber in eine qualitätsvolle Flasche Champagner investieren…

Gebundene Ausgabe: 319 Seiten
Info: Champagne. How the World’s Most Glamorous Wine Triumphed Over War and Hard Times, 2005
Aus dem Englischen von Dietmar Zimmer
ISBN-13: 978-3608944464
www.klett-cotta.de

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