Goethe, Johann Wolfgang von / Hazen, Barbara – Zauberlehrling, Der

|“Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los“| – diese bekannte Redewendung stammt ursprünglich aus einem von Altmeister Goethes bekanntesten Gedichten, dem „Zauberlehrling“. Für alle kindlichen Fans von Zauberlehrling Harry Potter hat Potters Stimme Rufus Beck die alte Ballade neu gefasst. Zusätzlich liest er die Geschichte auch in der Prosafassung, die die Amerikanerin Barbara Hazen verfasst hat.

|Die Autoren|

Johann Wolfgang von Goethe, 1749 in Frankfurt/M. geboren, schuf seinen „Zauberlehrling“ im Balladenjahr 1797. Goethe ist mit Abstand der einflussreichste Autor der deutschen Literatur.

Barbara Hazen, 1930 in Dayton/Ohio geboren, veröffentlichte 1969 ihre Bearbeitung von Goethes Ballade „Der Zauberlehrling“. Bis heute sind über 50 Bücher von ihr erschienen, die vorwiegend Kinder und Jugendliche ansprechen. Hazen erhielt dafür diverse Auzeichnungen.

|Der Sprecher|

Rufus Beck ist ein Magier der Stimme. Obwohl er diesmal nur zwei Stimmen zu sprechen hat – den Zauberlehrling und seinen Meister -, macht er daraus ein komplettes Drama. Erst kommt die Faulheit des Lehrlings zum Ausdruck, der seines Meisters Verbot zuwiderhandelt, dann die Freude über die Hilfe durch den verzauberten Besen, dann das Entsetzen und die Verzweiflung, als alles außer Kontrolle gerät – bis schließlich wieder der „alte Meister“ zurückkehrt und die Situation rettet. So muss sich ein richtiger Märchenerzähler anhören, um die kindlichen Zuhörer in seinen Bann zu schlagen.

Der Bayerische Rundfunk produzierte diese Lesung 1999 unter der Regie von Justina Buddeberg-Mosz.

_Die Handlung_

Ich skizziere hier die Handlung für beide Werke, da ja die Prosa- auf der Versfassung beruht. Der Name Humboldt stammt aber von Hazen und kommt bei Goethe nicht vor.

Zauberlehrling Humboldt soll, während sein Meister zu einem Magiertreffen reist, das Schloss in Ordnung halten. Allerdings besteht sein Hauptjob darin, stets die Wasservorräte aufzufüllen. Dazu muss er allerdings das Wasser aus dem tief unten liegenden Rhein holen und den schweren Eimer den Berg hochschleppen.

Nun ist aber Humboldt zwar für die angenehmen Seiten des Zaubererlebens aufgeschlossen, erweist sich aber wenig begierig auf die Erfüllung lästiger Pflichten – wie etwa Wasserschleppen. Kaum ist der Alte weg, sagt er sich daher: „Wozu bin ich denn ein Zauberer?“ Zum Glück hat sein Meister den Schlüssel zu seinem Zauberbuch vergessen wegzusperren, und so ist es dem aufstrebenden Harry-Potter-Fan ein Leichtes, folgenden verhängnisvollen Zauberspruch zu sprechen:

„Alter Besen, dein Meister spricht: Komm aus der Ecke und tu meine Pflicht!“

Und siehe da: Schon tanzt der Besen wie von Geisterhand, humpelt und rumpelt, tänzelt und schwänzelt den Berg hinunter und bringt einen vollen Eimer Wasser zurück.

Wenig später ist der Wasservorrat aufgefüllt, doch der Besen hört nicht auf. In letzter Sekunde bemerkt Humboldt, was die Stunde geschlagen hat. Doch wie lautet noch gleich der Gegenzauber? Doch so sehr er sich auch kreative Zaubersprüche einfallen lässt, so stoppt doch keiner den fleißigen Geist, den er gerufen hat. (Im Zauberbuch scheint der Gegenzauber auch nicht zu stehen.)

Freude schlägt in Entsetzen und Entsetzen in einen verzweifelten Kampf gegen das Ertrinken um. Denn als Humboldt mit einem genialen Axthieb den besessenen Besen entzwei spaltet, hat er zwei besessene Besen. Und aus den Splittern bilden sich weitere „dienstbare Geister“. Dumm gelaufen!

_Mein Eindruck_

Wie man schon meiner knappen Inhaltsangabe entnehmen kann, arbeiten sowohl Goethe als auch Hazen mit allen dramaturgischen Tricks, die im Buch stehen. Dazu kommt zudem die entsprechende Lautmalerei (‚tänzeln und schwänzeln‘ etc.), die auf Kinder so magisch wirkt.

Und ein exzellenter Sprecher wie Rufus Beck lässt sich keine Gelegenheit entgehen, das Drama für unsere Ohren wirkungsvoll in Szene zu setzen. Die Lesung wirkt an keiner Stelle langweilig. Im Gegenteil: Man muss gut hinhören, um den Faden nicht zu verlieren, so schnell liest Beck.

„Der Zauberlehrling“ lässt sich mehrfach deuten. Für mich ist er eine Parabel auf den modernen Menschen, der sich den Maschinen ausgeliefert hat, nachdem er sie zwei Jahrhunderte lang verfeinert hat. Wie man an „Terminator“ sieht, ist der Mensch nun in einer Lage, wo er sich der Vernichtung durch die Maschinen gegenüber sieht: dem atomaren Holocaust.

_Unterm Strich_

Sowohl die Prosafassung von Hazen als auch die Goethe-Ballade schlagen den Zuhörer in seinen Bann. Rufus Beck schafft es mit seiner Sprechkunst spielend, die Aufmerksamkeit einzufangen und zu halten: ein komisches Drama entfaltet sich. Da keine schwierigen Wörter vorkommen, ist die Prosafassung schon ab 5-6 Jahren zu verstehen, die Versfassung ab etwa 8-9 Jahren.

|Umfang: ca. 21 Minuten auf 1 CD|