Interview mit Krimiautor Jean-Louis Glineur

Hallo, Jean-Louis, du hast kürzlich deinen zweiten Krimi „Panik in der Nordeifel“ veröffentlicht. Worum geht es darin?

Glineur: die Story beginnt mit dem Auftauchen zweier pensionierter Studienräte. Diese berichten dem Privatermittler Alwin Schreer von dem Mord an deren Ex-Kollegen Sturm und Kling, die auch in Rente waren. Die Angst der früheren und ach der aktuellen Lehrerschaft eines Schleidener Gymnasiums ist riesig. Das Lehrerkollegium fürchtet eine gegen die Schule gerichtete Aktion

Erschwerend kommt hinzu, dass die brutal ermordeten Lehrer Sturm und Kling in einer rechtsextremen Partei aktiv war, zu deren Gründen vor allem Kling gehörte.

Schreer vermutet, dass das die Morde politisch motiviert sind. Dagegen spricht aber ein dritter Anschlag auf einen noch im Dienst aktiven Lehrer. Dieser, Carsten Strauch, überlebt. Das Muster von Anschlägen auf Rechtsradikale passt nicht … Strauch ist vielmehr ein „links außen“.

Schreer startet Ermittlungen gemeinsam mit seiner Partnerin Anne-Catherine Vartan, und in all den vagen Spuren entdecken sie Hinweise, auf einen geplanten Anschlag auch zwei Flüchtlingsheime in der Eifel, denn ein weiterer Toter, der Sohn von Kling, war ein militant rechter Typ. Das nicht erfolgte Attentat untersuchen jetzt die Staatsschützer.

Dennoch bleibt für Schreer und Vartan die Frage weiter zu klären, wer drei Lehrer brutal ermordete bzw. einer überlebt hat. Dass Klings Sohnemann Michael auch ermordet wurde, schießt nun auch die Therorie ab, dass es nur gegen Lehrer geht. Nein, einige Schüler sind ebenfalls auf der schwarzen Liste des Unbekannten.
Dass er – unwissend, was Kling unior vorhatte – im Grunde durch den Mord an ihn die Attentate auf Flüchtlingsheime in Monschau nd Simmerath vereitelte, mag ein großes Glück sein. Dennoch: Mord ist Mord … auch wenn der Täter so ein extremer Typ war…“

Wie wichtig ist es für die Geschichte, dass sie in der Euregio zwischen Nord-Eifel und Ostbelgien, das einst deutsch war, spielt?

Es ist für die Idee sicher nicht zwingend, aber es ist meine Heimat. Ich finde allerdings von Bedeutung, dass das rechtsradikale Konstrukt, wie ich es fiktiv umsetzte, in der Region leider nicht unrealistisch ist. Im Raum Aachen und dem benachbarten Dürgen gab es bis vor einigen Jahren die berüchtigte „Kameradschaft Aachener Land“, die verboten wurde. Die haben sich deshalb noch lange nicht auf‘s Ruhekissen gelegt. Dieser recht Mob ist in der Region weiter real.

Belgien als direktes Nachbarland hat dennoch eine gewisse Bedeutung. Mein Konstrukt erzählt von Rechten, die sich „internationalisieren“ und ein Spielchen Westeuropa gegen Süd- und Osteuropa betreiben. Dass rechte Kräfte aus Deutschland, Belgien und den ebenfalls recht nahen Niederlande sich immer wieder treffen, ist auch ein offenes Geheimnis

Wie war die Resonanz der Leser bislang? Bist du zufrieden damit?

Das bisherige Feedback ist sehr freundlich, und es gab auch das eine oder andere Lob. Eine persönliche Weiterentwicklung leite ich davon ab, dass einige Rückmeldungen aussagten, der neue Fall hätte besser überzeugt als der erste Krimi „Todesangst in der Nordeifel“. Die verschiedenen Kritiken habe ich damals als letztlich hilfreich empfunden. Oft sind es einzelne Rückmeldungen unter vier Augen, die mich besonders erfreuen

Wie kam es, dass erst ein Dutzend Jahre vergehen mussten, bis du Zeit für und Lust auf einen zweiten Krimi mit Schreer und Vartan hattest?

Der Gründe sind gleich mehrere: ich habe 2007 einen neuen Job aufgenommen und mich sehr auf diese berufliche Veränderung konzentriert. Dann habe ich meine Frau kennengelernt und Ende 2008 geheiratet In den Jahren war für alles Platz und Zeit, nur nicht für das Schreiben.

Verloren habe ich die Lust aber nie, aber dann gab es eine richtige ätzende Entwicklung … meine Mutter hatte mir ihre Neigung zu Migräne vererbt. Das hat meinen Alltag – privat und beruflich – lange Jahre sehr negativ beeinflusst. Mittlerweile habe ich immer noch Probleme damit, aber ich plane anders. Beim Schreiben habe ich mich auf maximal eine Stunde am Tag eingependelt, und ich lasse mich nicht mehr so massiv von den Schmerzen „unterkriegen“.

Die Idee zur Fortsetzung war aber immer im Hinterkopf … nur dass ich es immer wieder nach hinten geschoben habe.

Worin unterscheiden sich die beiden Krimis?

Ich denke, dass können die Leser besser beantworten, aber aus meiner Sicht glaube ich, dass ich vor allem an der Persönlichkeit der Protagonisten gefeilt habe. Anne-Catherine Vartan, so glaube ich, habe ich intensiver beschrieben und eingebunden. Trotz Schreer als Ich-Erzähler ist Vartan präsenter als in dem ersten Fall. Auch der Ex-Kommissar Welsch hat eine Rolle, die ihn wichtig für die Privatermittler macht.

Und ich glaube, der Überraschungseffekt, wer der Täter ist und warum er so handelte, ist größer als im ersten Fall. Ich habe mehrfach gehört, dass niemand auch nur ansatzweise den Täter bei der Lektüre von „Panik in der Nordeifel“ geahnt oder im Vorfeld vermutet hätte.

Wird es auch von diesem Krimi ein Hörbuch geben, vielleicht sogar ein Hör-SPIEL?

Das zu beantworten, ist noch eine Spur zu früh. Ich bin ja froh, dass der Erstling wieder als Hörbuch auf dem Markt ist, nachdem ich auch die Tonträgerrechte von dem damaligen Hörbuchverlag übernommen habe. Durch die ganz aktuelle Zusammenarbeit mit der hoerbuchedition words & music mit Sitz in Berlin muss ich alle kommenden Ideen erstmals gedanklich sortieren.

Besonders eine Hörbuch- oder Hörspielproduktion ist kostspielig. Für eine Produktion fallen zunächst mehrere tausend Euro Kosten an, die ein Risiko darstellen. Aber vom Tisch ist der Gedanke noch lange nicht.

Du veröffentlichst momentan im Selbstverlag. Gibt es seitens anderer Verlage Interesse und würdest du dort veröffentlichen?

Es gab aus meinem „weiteren Umfeld“ bereits vor Panik in der Nordeifel eine Anfrage eines Verlegers. Da war aber mein Gedanke, auch bei Twentysix den zweiten Fall zu veröffentlichen, schon gefestigt und letztlich auch so von mir angekündigt. Den dritten Fall betreffend, der in Arbeit ist, bleibt dieser Kontakt eine weiterhin gute Option.
Dennoch – das kann man aber nur so angehen, wenn man wie ich nicht hauptberuflich schreibt – liebäugele ich auch weiterhin mit dem Selbstverlag. Ich möchte keine bzw. möglichst wenige meiner eigenen Rechte am Werk abgeben. Außerdem ist spannend, dass quasi alles an mir selbst hängenbleibt, z.B. die Gestaltung des Buchumschlags, die Pressearbeit und das Marketing überhaupt…

Ein wenig traurig bin ich allerdings, dass ich eine Anfrage für eine Lesung aus meinem aktuellen Krimi vor ein paar Tagen ablehnen musste. Das sind die üblichen nächsten Schritte nach einer Veröffentlichung. Durch die Migräneanfälle kann ich einfach nichts planen. Da kann ich eine Stunde vor einer Lesung durch die Migräne ausfallen. Das verärgert letztlich Interessenten, die sich umsonst auf den Weg gemacht haben.

Hast du Pläne für einen dritten Krimi und falls ja, was hast du dir dafür vorgenommen?

Wie erwähnt, der dritte Krimi ist in der Entstehung. Gut sechzig Seiten sind bereits fertig. Ich habe das Schreiben aber im Augenblick leicht eingebremst, quasi entschleunigt, weil ich mich selbst unter Druck gesetzt hatte, das Manuskript bis Anfang Dezember fertigzustellen. Da ich aber als „Nebenberufsautor“, um es mal so nennen, nicht davon abhängig bin, monetär unbedingt ein „Weihnachtsgeschäft mitzunehmen“, schreibe ich lieber in Ruhe und ohne Termindruck.

Vorgenommen habe ich mir jedenfalls, dass eine neue Figur einen festen Platz haben wird. Schreer und Vartan bekommen einen neuen Kollegen, den sie im zweiten Fall kennenlernten. Das darf ich verraten … es ist jüngere Jürgen Nowak, der „Rastaman“, der ach fast sterben musste. Er wird im dritten Fall als IT-Freak eingebunden.

Der Titel wird „Entführung in der Nordeifel“ lauten. Wichtig ist mir, dass auch hier glaubwürdig ist, warum private Ermittler zusätzlich oder sogar anstelle der Polizei beauftragt werden, zwei entführte Kinder zu finden, für die Lösegeld gefordert wird. Das altbekannte „keine Polizei“ ist der Grund, warum ein Industrieller aus dem belgischen Eupen Schreer und Vartan beauftragen. Er htte beide durch einen eher harmlosen Auftrag zuvor kennengelernt.

Wann können deine Leser mit dessen Veröffentlichung rechnen?

Da ich, wie bereits angedeutet, die Fertigstellung „entschleunigt“ habe, wird die Veröffentlichung sicher erst im Frühjahr stattfinde. Mit dieser persönlichen Zielsetzung sehe ich auch keinen Druck, dem ich mich selbst aussetze.
Ich muss aber mit einem inneren Schmunzeln eingestehen, dass ich im Moment fast schon zu viele Ideen für weitere Fortsetzungen habe. Daran erkenne ich aber, dass ich wieder richtig Freude am Schreiben gefunden habe.

Möchtest du mit deinen Romanen etwas Bestimmtes ausdrücken, etwa eine allgemeine Kritik, oder einfach nur eine spannende Geschichte erzählen?

Ich möchte zunächst einfach nur mit einen Roman unterhalten. Aber ich finde spannend, reale Dinge in die fiktive Story einzuflechten. Das mag man direkt auf den ersten Seiten feststellen, als Schreer einen Albtraum hat, eine immer wiederkehrende Geschichte, die dann aber mit aktuellen Erlebnissen vermengt wird.

Bei der Idee der rechtsradikalen Lehrer habe ich durchaus aufgreifen wollen, wie furchtbar jede Art von Extremismus oder Fundamentalismus ist. Ich glaube, dass mir Beides zuwider ist, erkennt der Leser schnell. Aber es geht es nicht nur um die rechte Fraktion, ich verabscheue auch alles, was sich extrem links auftut.

Aber, zugegeben, der gute Alwin Schreer ist ja durchaus auch mein Alter Ego. Da mag manch ein Leser auch Dinge und Meinungen entdecken, die eigentlich „Original Glineur“ sind.

Herzlichen Dank für deine Antworten!

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