Laszlo Dören – Die Abenteuer von Robin Hood und seinen Männern. Illustrierte Ausgabe

Der Räuber als Retter des Landes

„In dieser Nacht war Robin nicht nur Robin Hood, Anführer einer kleinen Räuberbande und ein bis über beide Ohren in die Prinzessin verliebter Jüngling. Nein, in dieser Nacht war Robin die Hoffnung tausender, ihrer Freiheit und ihres Glücks beraubter Menschen.“ In der Tat ist dieser Robin Hood ein Behüter von Mensch und Wald, sondern auch ein Kämpfer gegen das Böse, das seinen hässlichen Wolfskopf erhebt.

Der Autor

Laszlo Dören, geb 1977, studierte Landschaftsökologie in Münster und promovierte anschließend über Wasserpflanzen. Das Robin-Hood-Buch ist sein literarisches Debüt. Er lebt mit seiner Familie in der Nähe von Marburg. (gekürzte Verlagsinfo)

Die Illustratorin

Tannina Palazzolo, geb. 1968 in Gütersloh, arbeitet als Tätowiererin und lebt mit ihrer Familie in Münster. (Verlagsinfo)

Handlung

Robin Hood lebt mit seinen Männern im tiefen, wilden Sherwood Forest. Er nimmt von den Reichen und gibt den Armen, denn die Zeiten sind schlecht. König John Ohneland hat seinem Bruder König Richard Löwenherz quasi den Thron gestohlen und presst die Bevölkerung mit allen Mitteln aus. Dies erfolgt mithilfe der lokalen Herrscher, und der Sheriff von Nottingham gehört zweifellos zu den eifrigsten Geldeintreibern des Thronräubers. Kein Wunder, dass alle Untertanen außer den Reichen ihn hassen. Aber sie fürchten ihn auch, denn seine Schergen machen mit Aufmüpfigen kurzen Prozess.

Drei Greise im Sherwood Forest

Robin gelingt es eines Abends, als der Sheriff mit gefülltem Geldbeutel nach Hause reitet, als alter Mann verkleidet aufzutreten und den Sheriff zu überlisten. Robins engste Gefährten, der riesige Little John, und der dicke Bruder Tuck, helfen ihm dabei. Kaum spürt der Sheriff einen Dolch an seinem edelsten Körperteil – seinem umfangreichen Wanst -, rückt er auch schon mit dem Geld heraus. Die Räuber verschwinden, der Sheriff kocht vor Wut und schwört Rache.

Lady Marianne

Doch Robin erhält durch einen Traum, in dem seine geliebte Lady Marianne als Möwe davonfliegt, eine Warnung, die ihm alle Freude über die Beute nimmt. Durch eine Geheimtür gelangt er in den Garten der Burg des Sheriffs. Die Prinzessin, eine Nichte von Prinz John, verabscheut es, von goldenen Tellern essen zu müssen, während die Armen verhungern. Doch das küssende Paar wird von einem Neuankömmling erspäht: Guy von Gisborne stammt aus dem Norden und will Robin bei einem Bogenschießwettbewerb herausfordern. Es ist eine offensichtliche Falle, um Robin, der bekannt dafür, der beste Bogenschütze weit und breit zu sein, gefangenzunehmen. Der Hauptgewinn: die Hand der schönen Marianne!

Das Turnier

Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Der Schütze, der sich William Treetrunk („Baumstamm“) nennt, gewinnt das Turnier, sehr zum Ärger des Sheriffs und seines Ehrengastes, des Prinzen John. Lady Marianne erkennt in William endlich „ihren“ Robin und freut sich insgeheim. Doch dann tritt ein ganz in Schwarz gekleideter Ritter auf: Gisborne. Er trägt eine magische Brosche in Gestalt eines Wolfskopfes, an seiner Hüfte hängt ein riesiges Schwert – in einer Scheide, die mit Totenköpfen verziert ist. Obwohl er zum Ärger der Zuschauer gar nicht zum Turnier angemeldet ist, schießt er mit einem gewaltigen Bogen. Auch sein Pfeil trifft ins Schwarze, ebenso wie der von Robin.

Ein Streit über den Sieg entbrennt, in dessen Verlauf der schwarze Ritter sein Schwert zieht und auf seinen Gegner eindrischt. Robins eigenes Schwert zerbricht, und er muss die Flucht in den nahegelegenen Wassergraben antreten. Dort verschwindet er auf mysteriöse Weise, so dass man ihn allgemein für tot halten muss. Doch die Soldaten suchen den Graben vergeblich nach der Leiche ab. Prinz John legt die Hochzeit seiner Nichte mit dem Sieger des Turniers auf einen Tag in vier Wochen fest. Lady Marianne ist untröstlich.

Der Wilde Jäger

Natürlich haben Little John und Bruder Tuck dafür gesorgt, dass Robin das Turnier überlebt. Doch drei Tage liegt Robin mit hohem Fieber darnieder. In der Nacht des dritten Tages steigt er aus der Höhle, um einem stillen Ruf zu folgen: Der Wald ist voller glimmernder Lichter, doch auf einer Anhöhe steht eine hohe Gestalt mit einem Hirschgeweih auf dem Kopf: der Wilde Jäger. Robin begegnet dem Herrn des Waldes mit Ehrerbietung. Was will der Gott von ihm?

Der Wilde Jäger erkennt Robin als seinen Diener an und warnt ihn vor der Gefahr, die ihm von dem Schwarzen Ritter droht. Gisborne verfüge mit der Wolfsbrosche über eine schwarze Magie, die ihm der Zauberer Dorgan verliehen habe. Sie verleihe ihm die Macht, sich letztlich das ganze Land untertan zu machen. Nur die Hexe, die im Sumpfland von Tarnak Tormur lebt, wisse ein Mittel, diesen Zauber zu bekämpfen: den silbernen Pfeil, der von einem Lindwurm bewacht wird. Zum Abschied legt der Gott Robin die Hand auf die Stirn und ein goldenes Licht durchtränkt seinen Geist, seine Seele findet Frieden. Als er am nächsten Tag nach einem traumlosen Schlaf aufsteht, fühlt er sich erfrischt und kampfbereit.

Der Einsiedler

Die Reise zur weisen Frau, die im Sumpf von Tarnak Tormur leben soll, erweist sich jedoch als verschlungen, gefahrvoll und ereignisreich. Um den Weg zu finden und die Geschichte vom silbernen Pfeil zu erfahren, begeben sich die drei Gefährten erst einmal zu Robins erstem Ziehvater, dem Einsiedler Goraidh. Tatsächlich: Als sie zu seinem Garten gelangen, der von einer hohen Hecke beschützt wird, sind sie sicher, dass er über magische Kräfte verfügt. Auch er sagt, dass Robin den silbernen Pfeil finden muss, um Gisbornes böse Macht bezwingen zu können. Und um die Magie Gisbornes zu erwidern, gibt ihm Goraidh einen Kranz magischer Kräuter mit.

Der schwarze Turm

Ein Hirsch führt sie in einen finsteren Teil des Sherwood Forest. So gelangen sie zu einem furchterregenden Turm, dessen schwarze Ruine drohend aus dem Wald aufragt. Ringsum vernehmen sie Wolfgeheul, doch im Innern finden sie Spuren des früheren Bewohners, des Zauberers Dorgan. Von den Zinnen erspähen sie, wie sich Gisborne mit den Wölfen versammelt und sie auf die Suche nach den drei Gefährten ausschickt. Kaum wieder auf dem Boden, erschnuppern die drei Gefährten Brandgeruch. Der Sherwood Forest steht in Flammen!

Mein Eindruck

Da jedes Kind die Geschichte von Robin Hood und seinen edlen Gefährten in Strumpfhosen kennt, darf der Leser von einer weiteren Version mit Fug und Recht Neues erwarten. Er wird nicht enttäuscht, denn der Autor hat sich nicht nur von „Räuber Hotzenplotz“, sondern gehörig auch vom „kleinen Hobbit“ eines gewissen Oxforder Professors inspirieren lassen. Dafür sprechen nicht nur der schwarze Turm, in dem das Böse haust, der alte weise Mann (Gandalf), das Wirtshaus „Zum tanzenden Irrlicht“ mit dem sprechenden Namen, der böse Wald mit der Bezeichnung „Darkwood Forest“ (siehe Düsterwald) und seinen Baumgeistern (aus dem Alten Wald) und schließlich, als Rock Star des ersten Finales, der Drache. Dieser kann ebenfalls sprechen, so dass Robin beinahe auf seine List und Tücke (siehe Glaurung im „Silmarillion“) hereinfallen würde. Bilbo brauchte (zumindest im Buch) den Einen Ring, um den Drachen Smaug verstehen zu können. Im Film kann auch Thorin Eichenschild mit Smaug sprechen.

Böse Magie, die nach materiellen Werten wie Gold giert, trifft auf die gute, ökologisch ausgerichtete und fundierte Magie Robins. Das klingt sehr nach Tolkien, doch von katholisch geprägter Erlösung kann wohl nicht die Rede sein. Robin, ein Jünger Frodos und Bilbos, muss zwar viel erdulden, kann aber stets auf seine beide besten Freunde zählen. Er muss sein Leben nicht opfern, denn dieses gehört der schönen Marianne. Im Gegenteil muss er die unglückliche Marianne vor einem unseligen Sprung in den Tod bewahren – aber kommt er noch rechtzeitig?

Robins teuflisch auftretender Widersacher ist Guy von Gisborne. Wird Robins Magie ausreichen, der magischen Wolfsbrosche des Ritters Paroli zu bieten? Wenn nicht, hat Robin die Flotte von König Richard vergeblich herbeigerufen: Sie liegt bereits vor der Küste vor Anker und versetzt Prinz John und seine Vasallen in Angst und Schrecken. Der finale Zweikampf zwischen Robin und dem schwarzen Ritter ist jedenfalls fein ausgedacht und fesselnd erzählt.

Textschwächen

Ich weiß nicht, welchen DUDEN der Autor verwendet hat, wenn überhaupt. Aber sein Text steckt voller Fehler, die keine Druckfehler mehr sind, sondern auf eine unzureichende Grammatikausbildung schließen lassen. Auch die Wortwahl ist fehleranfällig. Statt „sich vorknöpfen“ schreibt er „sich vorknüpfen“. Angesichts dieser gravierenden und vielfältigen Mängel wäre eine Liste von Fehlern sinnlos. Der Leser sollte sich auf eine Probe seiner Geduld und Toleranz gefasst machen.

Die Illustrationen

Die farbigen Illustrationen, die Tannina Palazzolo angefertigt hat, sind eine Augenweide. Wie im Titelbild wurde sehr auf eine dreidimensionale Wirkung des Motivs geachtet. Im Titelbild erhält das Motiv auf diese Weise Tiefe, in der Darstellung eines angriffslustigen Ebers mit riesigen Hauern dominiert die Hauptfigur den Vordergrund, während der Rest zurücktritt. Da die Illustrationen recht häufig – durchschnittlich etwa alle fünf Seiten – beigefügt wurden, kann sich das kindliche Auge vom Lesen ausruhen und einfach die satten Farben – siehe das Titelbild – genießen.

Unterm Strich

Wider Erwarten ist dies kein Bilderbuch, mit dem man Fünfjährige erfreuen und in den Schlaf schicken könnte. Nein, der Text wie auch die Bilder wenden sich an wesentlich ältere Semester, so ab etwa zwölf oder vierzehn Jahren. Es gibt etliche Kampfszenen, sehr viele gruselige Gestalten und einen unterschwelligen Konflikt zwischen Materialismus und Ökologie. Ob Robin am Schluss seine Herzensdame bekommt, dürfte vor allem weibliche Leser brennend interessieren. Ob er dem Ansturm des Schwarzen Ritters standhalten kann, wollen sicherlich vor allem männliche Leser herausfinden.

Es kann sicher nicht schaden, schon mal eine Verfilmung des „Hobbits“, des „Herrn der Ringe“ und des Räuber Hotzenplotz“ gesehen zu haben. Dabei werden dem Leser einige Ähnlichkeiten auffallen. Allerdings geht es in dieser Version der altbekannten Legende um helden in Strumpfhosen um wesentlich mehr als um die Kaffeemühle der Großmutter, die der Räuber geklaut hat: Hier brennt der ganze Wald. Ökologen an die Front! Robin hat ein Bündnis mit dem Gott des Waldes, dem Wilden Jäger, und mit Goraidh, der offensichtlich der besten Gärtner des Landes ist (eine Kombination aus Gandalf, Beorn und Tom Bombadil).

Und finstere Wölfe übernehmen die Herrschaft im bislang so beschaulichen Nottingham. Ein unhaltbarer Zustand, der förmlich nach Erlösung schreit. Man sieht: Robins privater Kampf um Marianne ist eng verknüpft mit dem Kampf gegen das Böse, das in Nottingham Einzug gehalten hat. Auf der obersten Ebene geht es um das Königreich, das seinem rechtmäßigen Herrscher zurückgegeben werden muss.

Was die Hexe im Sumpf von Tarnak Tormur von Robin als Preis für ihr Wissen verlangt und was er ihr versprochen hat, darf hier ebenfalls nicht verraten werden.

Hinweis: Bei Amazon.de und Booklooker.de usw. ist dieser Titel vergriffen. Die Webseite des Thormeyer-Verlags ist nicht mehr erreichbar.

Fazit: 4.0 wegen Punktabzug für die zahlreichen sprachlichen Fehler im Text. Hier hätte ein Lektor Hand anlegen müssen.

Hardcover: 208 Seiten
ISBN-13: 9783000448140

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