Gregory Benford – Artefakt

Die Minotaurus-Singularität: Schwarze Löcher und andere Action

Bei einem archäologischen Fundstück aus Stein wird zufällig herausgefunden, dass es eine schwache, aber trotzdem hochenergetische Strahlungsquelle ist. Doch was hat eine Röntgen- oder gar Gammastrahlen-Quelle in einem Jahrtausende alten Objekt zu suchen? Eine Reihe verschiedener Leute versuchen hinter das Geheimnis zu kommen, zum Teil gemeinsam, zum Teil auch getrennt voneinander. Spätestens als sich das Militär einschaltet, weil es Potential für eine neue Waffe darin sieht, werden die Protagonisten rührig… (Verlagsinfo)

Der Autor

Gregory Benford, Jahrgang 1941, ist nicht nur einer der besten Science-Fiction-Autoren, sondern auch renommierter Physikprofessor und einflussreicher Berater der US-Regierung in Sachen Raumfahrt und Energieversorgung. Diese Tätigkeit hat ihm sicherlich wertvolle Erkentnisse vermittelt, die er in Romanen wie „Eater“, „Cosm“ und „Das Rennen zum Mars“ verarbeitet hat. Benford ist außerdem Autor des ersten Bandes der Zweiten Foundation-Trilogie, „Foundation’s Fear“.

Benford forscht und lehrt noch heute an der Uni von Kalifornien in Irvine bei L.A. Sein wichtigster früher Roman war „Zeitschaft“. Darin stellte er erstmals überzeugend die wissenschaftliche Arbeit in der Physik dar (siehe meinen Bericht). Mit seinem sechsbändigen CONTACT-Zyklus, in dem eine Expedition die Tiefen des Alls erforscht, und dem in der nahen Zukunft angesiedelten Roman „Cosm“ hat er der naturwissenschaftlich ausgerichteten Science Fiction einen höheren Stellenwert verschafft, als ihr in den 70er und frühen 80er Jahren zugestanden wurde.

Der CONTACT-Zyklus:

1) Im Meer der Nacht (1977, dt. 1980)
2) Durchs Meer der Sonnen (1984, dt. 1987)
3) Himmelsfluss (1987, dt. 1994 und 2001)
4) Lichtgezeiten (1989, dt. 1994 und 2001)
5) Im Herzen der Galaxis (1994, dt. 2000)
6) In leuchtender Unendlichkeit (1995, dt. 2000)

Handlung

Der Titel „Artefakt“, ein Fachausdruck für ein vom Menschen geschaffenes Fundstück, weist schon auf den Bereich der Archäologie hin, in dem die Handlung ihren Anfang nimmt: Kurz vor Abschluss eines amerikanisch-griechischen Ausgrabungsprojekts auf dem Peloponnes entdeckt die Archäologin Claire Anderson in einem mykenischen Kuppelgrab einen seltsamen Kalksteinblock, der in der Mitte einen Bernsteinzapfen trägt, in dem rätselhafte Lichterscheinungen zu beobachten sind.

In den Wirren des gerade stattfindenden Militärputsches können Claire und der hinzugezogene Mathematiker John Bishop den Block vor dem Zugriff des griechischen Ausgrabungsleiters verstecken und schließlich sogar in die USA, nach Boston ans M.I.T. bringen. Das Artefakt stellt sich als ein außergewöhnlicher Fund heraus. John vermutet, daß sich in seinem Innern ein einzelnes, winziges Schwarzes Loch, eine Singularität, verbirgt, die Materie ansaugt…

Nicht genug damit, daß das Ding gefährlich ist (u.a. strahlt es), nein, es wird auch noch mit Gewalt von den Griechen zurückgeraubt, denn diese Neider wollen den Ruhm der Entdeckung für sich. Man erklärt das Artefakt kurzerhand zu einer ‚Angelegenheit der nationalen Sicherheit‘ und schickt die US Navy los – die wird’s schon richten. Beim heißen, militärisch verbrämten Showdown, der wieder an den Ausgrabungsort zurückführt, gelingt es Claire und John sowie der Marine, das Artefakt mit der Singularität darin (vorläufig) unschädlich zu machen und die Welt vor einer möglichen Katastrophe zu bewahren.

Der umfangreiche Epilog zeigt das nunmehr mit Ruhm bedeckte Liebespaar Claire und John an ihrem Hochzeitstag – Erfolg und Liebesglück, was will man mehr? Doch John scheint einige Gammastrahlen zu viel abbekommen zu haben…

Unterm Strich

Abenteuer und abartige Physikphänomene – das ist Gregory Benfords Spezialität. So auch in diesem frühen Abenteuer. In Benfords Roman „Eater“ geht es ebenfalls um ein Schwarzes Loch geht, allerdings ein intelligentes. Dass er auch solide Physik schreiben kann, hat er mit „Zeitschaft“ bewiesen.

Ein ‚technisches Nachwort‘ von Benford liefert noch schnell den theoretischen Hintergrund für die handlungsbestimmende Quanten-Physik nach. Warum sagt er nicht einfach, dass er dem Mythos vom Minotaurus, jenem Ungeheuer im Labyrinth, nur zu einer wissenschaftlichen Erklärung verhelfen wollte, eingebunden in einen Plot voll Action und Romantik?

Ein SF-Abenteuer, das einem Indiana Jones Abenteuer-Thriller alle Ehre machen würde – und genauso unglaublich ist. Stoff für lange Winterabende, und wer’s nicht glaubt, ist selber schuld. Da es sich um einen Stand-alone-Roman handelt, braucht man keinerlei Vorkenntnisse, um das abgedrehte Garn zu genießen.

Taschenbuch:; 509 Seiten
Info: Artifact, 1984
Aus dem US-Englischen übertragen von Walter Brumm
www.heyne.de

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