Robert Foster / Helmut W. Pesch – Das große Mittelerde-Lexikon. Tolkiens Welt von A bis Z

Ein unentbehrliches Standardbuch zu Tolkiens Welt

Dieser „alphabetische Führer zur Fantasy-Welt von J.R.R. Tolkien“, so der Untertitel, ist zwar nicht das erste so geordnete Nachschlagewerk zu Mittelerde & Co., wohl aber das mit Abstand preiswerteste Werk seiner Art. Die aufwändig gestalteten Lexika „Eine Tolkien-Enzyklopädie“ und „Das Handbuch der Weisen von Mittelerde“ erschienen nur in geringer Auflage und sind dementsprechend teuer. Bei Fosters Werk ist man mit 10 Euro dabei und zugleich auf dem neuesten Stand der Forschung. Nur: Auf Illustrationen muss man natürlich verzichten.

Der Autor

Robert Foster ist einer der größten Fans Tolkiens. Bereits 1971 erschien die erste, noch fehlerhafte Auflage seines Hauptwerkes „The Complete Guide to Middle-Earth“. 1978 erschien die stark verbesserte, weil fehlerbereinigte Auflage dieses Standardwerkes. Doch „The road goes ever on“, und das gilt auch für die Tolkienforschung. Den neuesten Stand hat erst Helmut W. Pesch in die erste deutsche Übersetzung des Standardwerks integriert.

Der Herausgeber und Übersetzer

Helmut W. Pesch ist „Doctor Fantasy“, nicht nur weil er seine Doktorarbeit über dieses Literaturgenre geschrieben hat, sondern weil er einer der wichtigsten Verfechter der Fantasy und insbesondere von Tolkiens Werk im deutschsprachigen Raum ist. Ich habe ihn selbst einmal auf einer Konferenz interviewt. Mittlerweile ist er nicht nur Lektor im Gustav Lübbe Verlag geworden, sondern auch selbst Autor von einschlägigen Romanen.

Seine wissenschaftlichen Arbeiten und Anmerkungen in Lübbe-Büchern sind stets fundiert und zeugen von großer, unbestechlicher Sachkenntnis. Sein Einfluss auf das vorliegende Lexikon dürfte beträchtlich sein. Ihm sind beispielsweise sämtliche Referenzen auf die deutschen Ausgaben der zitierten Quellen zu verdanken. Und das alleine sind schon eine ganze Menge.

Außerdem weist er noch auf Fehler in den deutschen Ausgaben hin: falscher Bezug hier, falsches Zitat dort usw. Nicht jeder Verlag versucht so sorgfältig zu arbeiten wie Klett-Cotta, sondern es wird auch einiges an Schindluder mit dem Namen „Tolkien“ getrieben.

Inhalte

Vorwort von Robert Foster (Stand 1972/78)

Vorbemerkung zur deutschen Ausgabe

Abkürzungen: Quellen, Hilfsquellen, Sprachen, Epochen, sonstige Abk.

A-Z (Stichwortregister von 757 Seiten Umfang)

Anhang A: Eine Chronologie der Frühzeit von Arda. Von Gernot Katzer. (Die historische Auflistung der wichtigsten Ereignisse reicht von der Erschaffung Ardas bis zum Ende des Ersten Zeitalters der Sonne. Das Zweite und das Dritte Zeitalter der Sonne sind hier nur grob zusammengefasst, weil sie haarklein im Anhang B zum „Herrn der Ringe“ aufgeführt werden. Das Vierte Zeitalter ist nicht erwähnt.) Diese 16 Seiten sind auch im Internet zu finden. Die Webadresse steht im Buch. Die dortigen Seiten kommentieren Problemfälle.

Anhang B: Stammbäume (von Halbelben und Menschengeschlechtern, aber nicht von Hochelben)

Anhang C: Die Tengwar (elbische „Runen“), wie sie etwa über dem Westtor von Moria stehen

Nachwort des Übersetzers Helmut W. Pesch

In ihren Vor- beziehungsweise Nachwörtern erklären der Autor und sein Übersetzer, wie und warum es zu diesem Lexikon kam und in welcher Weise es erweitert und aktualisiert wurde. Hierbei kommt u.a. zum Ausdruck, dass das Lexikon ein Novum im deutschen Buchmarkt darstellt. Es erfasst weitaus mehr Einträge als alle anderen primären oder sekundären Quellen – etwa „Eine Tolkien Enzyklopädie“ und „Das Handbuch der Weisen von Mittelerde“.

Es wäre nun reichlich unsinnig, die Inhalte eines Lexikons darzustellen. Aber es erfasst folgende Arten von Einträgen:

– Ortsnamen
– Namen von Völkern, Personen, Organisationen, Dingen und Wesen
– Ereignisse von Bedeutung; Zeitbezeichnungen
– Kulturphänomene wie etwa die Tengwar oder Sprachen
– Sonstige, z.B. Gedichte (zu finden unter dem ersten Wort nach dem Artikel, z.B. „Letzte Schiff, Das“)

Jeder Einzeleintrag ist nach einem einheitlichen Schema aufgebaut:

Auf den Haupteintrag, z.B. „Galadriel“, folgt eine Übersetzung des Namens oder der Bezeichnung („Lichtbekränzte Maid“) und ein Verweis auf die Herkunftssprache, z.B. Sindarin-Elbisch. Handelt es sich um eine Person, so ist auch die Lebenszeit in einem bestimmten Zeitalter angegeben. Hat die Person noch kein Lebensende gefunden, was bei vielen Elben der Fall ist, so ist einfach „- Ende“ angegeben. Am Schluss werden noch weitere Bezeichnungen aufgelistet, zusammen mit sämtlichen Quellen, in denen der Name zum erstenmal auftaucht, etwa „Herr der Ringe 1. Übersetzung“ oder „Nachrichten aus Mittelerde“. Diese Quellen sind abgekürzt. Die Erklärung der Abkürzungen ist am Anfang des Buches erfolgt.

Nach diesen Grundlagen geht der Autor auf die Bedeutung und die Geschichte der Figur oder des Begriffs ein. Bei so wichtigen Figuren wie Gandald, Sauron oder Galadriel können dabei durchaus zwei bis drei Seiten zusammenkommen. Der Eintrag enthält meist auch Querverweise, die durch Pfeile–> gekennzeichnet sind.

Ich habe noch keine Begriffe gefunden, die fehlen, bin aber für Hinweise dankbar.

Mein Eindruck

Ich finde dieses Lexikon nützlich, hilfreich und vertrauenswürdig. Hier waren offenbar Fachleute am Werk, und man kann ihren Angaben trauen. Sie bürgen mit ihrem Namen dafür, dass die Angaben stimmen und vollständig sind. Insbesondere Helmut W. Pesch, der hierzulande eine bekannte Größe ist, hat einen guten Job gemacht. Das soll nicht heißen, dass ihm nicht auch menschliche Flüchtigkeitsfehler unterlaufen könnten. Ich fand beim ersten Durchblättern heraus, dass kleine Wörtchen wie es, an usw. zuweilen im Satz fehlen. Bei einem solchen Mammutwerk kann das nicht verwundern.

Vor der Benutzung des Lexikons sollte man unbedingt das Vorwort und die Anmerkung zur deutschen Ausgabe lesen. Dort findet man zum Beispiel erklärt, warum manche Jahresangaben voneinander abweichen, so etwa die im Auenland von jenen in Gondor. Das könnte sonst zu Verwirrung führen.

Ich hätte mir noch mehr Stammbäume gewünscht. Aus den abgedruckten Stammtafeln geht nämlich nicht hervor, dass Galadriel Arwens Großmutter ist. Diese Verbindung fehlt. Doch woher diese Info nehmen? Entweder aus den entsprechenden Lexikoneinträgen oder aus den Stammbäumen im „Silmarillion“, aber nicht in den Anhängen zum „Herr der Ringe“. Die einzigen Stammbäume beziehen sich auf die Hobbits und die Zwerge.

Unterm Strich

Das „Mittelerde-Lexikon“ erweist sich als wertvolle Ergänzung der vorhandenen Nachschlagewerke und Quellen, kann aber leider nicht alleine stehen. Es ist keine Universal-Enzyklopädie, sondern baut auf den Primär- und Sekundärwerken auf. Immerhin verschafft es auf schnellem Wege Auskunft zu allen wichtigen Namen und Ereignissen. Die Chronologie bis zum Zweiten Zeitalter dürfte sogar einzigartig sein. Daher sollte das Werk in keiner Tolkien-Bibliothek fehlen. Und die ideale Online-Ergänzung wäre natürlich die superaktuelle Ardapedia (letzter Stand: Ende April 2022).

Paperback: 810 Seiten
Originaltitel: „The Complete Guide to Middle-Earth“, 1971, überarbeitet 1978.
Übersetzung und Überarbeitung: Helmut W. Pesch
ISBN-13: 9783404204533

www.luebbe.de

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