Bray, Libba – Kartiks Schicksal (Der geheime Zirkel 3)

|Der geheime Zirkel:|

Band 1: [„Gemmas Visionen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4101
Band 2: [„Circes Rückkehr“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4602
Hörbuch zu Band 2: [„Circes Rückkehr“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5090
Band 3: „Kartiks Schicksal“

Seitdem Gemma die Magie des Magischen Reichs an sich gebunden und Circe getötet hat, beginnt sich einiges an der Spence, der Akademie für junge Damen, zu ändern: Der Ostflügel, der vor Jahren zusammen mit der damaligen Schulleiterin von Spence bei einem tragischen Unfall abbrannte und seitdem gemieden wird, soll wieder aufgebaut werden. Und das ist noch nicht alles. Obwohl Gemma die Magie an sich gebunden hat, gelingt es ihr und ihren Freundinnen nicht mehr, das Tor aus Licht, das sie ins Magische Reich führt, zu öffnen. Und Gemma wird den Verdacht nicht los, Circe könnte noch am Leben sein.

Als es Gemma an einer Stelle im neuen Ostflügel gelingt, das Tor aus Licht erscheinen zu lassen und in das Magische Reich zurückzukehren, sieht sie ihre Vermutung bestätigt: Circe ist zwar in einem Brunnen gefangen, aber dennoch am Leben. Das und die Tatsache, dass sich von nun an der Orden, die Rakschana und sämtliche andere Parteien um Gemmas Magie streiten, bringt Gemma zu dem Entschluss, dass der Bund, den sie dem Waldvolk einst gegen ihre Hilfe versprochen hat, endlich geschlossen werden muss.

Aber auf der anderen Seite sind Gemmas Freundinnen, die in der realen Welt ihre Hilfe benötigen: Ann ist dazu verdammt, bei ihren Verwandten als Gouvernante zu arbeiten, obwohl sie gerne Sängerin werden möchte, und Felicity soll den schrecklichen Horace heiraten, wenn sie ihr Erbe und damit ihre Freiheit haben möchte. Und hinzu kommen noch Gemmas Visionen von einer Frau namens Wilhelmina Wyatt, die ihr seltsame Rätsel auf einer Schiefertafel stellt und einen mysteriösen Baum, den Baum Aller Seelen, zeigt. Je mehr Gemma versucht, die Rätsel zu lösen, desto verschwommener wird die Wahrheit – bis es Gemma nicht mehr gelingt zu unterscheiden, wem sie trauen kann und wem nicht. Auch Kartik lässt sich nicht mehr bei ihr blicken, und die verborgene Gefahr, die nicht nur dem Magischen Reich droht, kommt mit großen Schritten näher …

_Eindrücke:_

„Kartiks Schicksal“ bildet somit den Abschluss der Trilogie des geheimen Zirkels. Die Geschichte schließt nahtlos an das Geschehen im Vorgänger „Circes Rückkehr“ an. Gemma, Felicity und Ann sind wieder zurück in der realen Welt und es kehrt der normale Alltag für die Mädchen ein. Doch schon bald ist Gemma über die Tatsache, dass sie das Magische Reich nicht mehr betreten kann, obwohl sie die Magie an sich gebunden hat, beunruhigt. Sie hegt den Verdacht, Circe könnte noch am Leben sein, und sie weiß, dass sie Circe und der Winterwelt im Zweifelsfall nur durch das versprochene Bündnis mit den anderen Bewohnern des Magischen Reichs das Handwerk legen kann.

Mit dieser Ausgangssituation beginnt der Abschluss der Trilogie erst einmal im Kleinen und beschränkt sich vorerst auf die Geschehnisse in der realen Welt. Denn auch dort ist einiges im Wandel: Der Ostflügel wird neu aufgebaut, und Gemma und ihre Freundinnen müssen sich auf ihr baldiges Debüt im Sommer vorbereiten. Es geht erst einmal heiter mit dem typischen Alltag in Spence weiter, was nach einem langweiligen Einstieg in den Roman klingen mag, aber den Leser letztendlich auf seine ganz eigene Art unterhält.

Was mich schon in den ersten beiden Bänden faszinierte, waren die Charaktere, um genauer zu sein, Gemma und ihre Freundinnen. Die drei (bzw. mit Pippa vier) könnten unterschiedlicher nicht sein. Felicity ist die Freche und Mutige, die sehr an ihrer Freundin Pippa hängt und sie um jeden Preis wieder in die reale Welt zurückbringen möchte. Ann ist das genaue Gegenteil von Felicity. Sie ist schüchtern und besitzt kein Selbstbewusstsein, träumt allerdings von einer Karriere als Sängerin. Pippa, die nun seit dem zweiten Band der Trilogie im Magischen Reich gefangen ist, ist das schöne, verwöhnte Püppchen, das sich ein eigenes Leben im Magischen Reich aufzubauen versucht, um über den Verlust ihres Lebens in der realen Welt hinwegzukommen. Und Gemma ist eine Mischung aus allem. Sie fühlt eine große Verantwortung wegen des Magischen Reichs auf sich lasten und ist deswegen ständig in Gefahr. Man merkt vor allem an ihr, wie sie sich im Laufe des dritten Bandes weiterentwickelt, erst an Selbstbewusstsein gewinnt und später von ihrer Verantwortung beinahe erdrückt wird.

Und die drei Mädchen haben nicht nur in Sachen Magie mit einigen Problemen zu kämpfen, auch in der realen Welt steht für Gemma, Felicity und Ann nicht alles zum Besten. Gemma sehnt sich nach Kartik, sorgt sich um ihren opiumsüchtigen Vater und wird wie immer von Visionen geplagt, Felicitys Debüt und damit ihre Freiheit stehen wegen ihres schlechten Rufes auf dem Spiel und Ann scheint ihrem Schicksal, als Gouvernante auf die schrecklichen Kinder ihrer Verwandten aufzupassen, nicht entfliehen zu können. Diese Probleme lassen sich nur bewältigen, wenn es Gemma gelingt, das Magische Reich wieder betreten und damit ihre Magie benutzen zu können. Durch dieses Hin und Her in der Gefühlswelt lernt der Leser die Protagonisten noch ein bisschen besser kennen, und es gelingt zunehmend, sich mit den einzelnen Mädchen zu identifizieren und mitzufiebern, vor allem da sich selbst noch im letzten Teil der Trilogie Geheimnisse um die einzelnen Protagonistinnen auftun.

Der finale Band ist wieder auf eine ähnliche Art und Weise aufgebaut wie die vorherigen: In den ersten beiden Dritteln des Romans passiert, bis auf vereinzelte Vorfälle und die Suche nach der Lösung des Rätsels, verhältnismäßig wenig. Die drei Freundinnen versuchen, mit ihren eigenen Problemen fertigzuwerden, besuchen Pippa, sobald sie den Zugang ins Magische Reich wieder gefunden haben, und beginnen bald schon damit, Gemmas geheimnisvolle Visionen zu enträtseln: Wer ist die Frau, die Gemma in ihren Visionen sieht? Kann man ihr trauen? Was ist der Baum Aller Seelen, und existiert er wirklich?

Erst ungefähr im letzten Drittel des Romans bemerkt man eine klare Weiterentwicklung. Die Verantwortung über die Magie und das Schicksal des Magischen Reichs überfordern Gemma, bringt sie, ihre Freundinnen und die Bewohner des Magischen Reichs in Gefahr und treibt sie beinahe in den Wahnsinn. Sie weiß nicht mehr, wem sie trauen kann, wird durch Illusionen in die Irre geführt und fühlt sich der Situation nicht mehr gewachsen. Die Atmosphäre gewinnt dadurch immer mehr an Bedrohlichkeit, was durch die Tatsache verstärkt wird, dass man bis zum Schluss einfach nicht weiß, wo die Gefahr lauert, wem Gemma trauen kann und was die Rätsel aus ihren Visionen bedeuten.

Und selbst diese Situation schafft Libba Bray noch zu toppen. Die letzten 150 Seiten sind dermaßen spannend, dass man sich als Leser ohne Unterbrechung auf Lauerposition befindet und das Buch nur schwer aus den Händen legen kann. Libba Bray sammelt im dritten Teil ihrer Trilogie sämtliche Ideen mit Gruselgehalt und macht den Abschluss der Trilogie somit auch zu dem spannendsten und unheimlichsten Teil von allen dreien, der sicherlich nichts für schwache Nerven ist. Sie versteht es, ihre Leser zu packen und eine Atmosphäre aufzubauen, die dem Leser einen Schauder über den Rücken jagt, als befände er sich selbst mitten in der Geschichte und müsste all das am eigenen Leib miterleben. Schon in den beiden Bänden zuvor war die Geschichte recht düster, und dies kommt am Ende des letzten Teils eindeutig zu einem Höhepunkt.

Auch das Finale des Buches ist noch spannend, allerdings handelt es sich um ein eher trauriges Ende. Gerade die Leser, die sich mit den Protagonisten des Buches angefreundet haben, werden darüber ein wenig traurig sein. Dennoch handelt es sich um einen würdigen Abschluss des Buches, und nachfolgend lässt die Autorin ihre Geschichte ruhig ausklingen, indem der Leser noch erfährt, was die einzelnen Charaktere nach der Geschichte zu tun gedenken.

Das Buch ist in der Ich-Form aus Gemmas Sicht und in der Gegenwart geschrieben, was meiner Meinung nach auch gut passt. So kann man am besten mit der Hauptperson mitfühlen, und dadurch, dass sich der Schreibstil Libba Brays immer ein wenig an Gemmas Zustand anpasst, erschafft er in jeder Situation eine passende Atmosphäre.

_Fazit:_

Alles in allem ist „Kartiks Schicksal“ ein mehr als würdiger Abschluss der Trilogie. In meinen Augen ist er nicht nur der unheimlichste und aufregendste Band, sondern auch der beste.

_Die Autorin:_

Libba Bray wuchs in Texas auf. Vorerst war sie die Autorin einiger Theaterstücke und Kurzgeschichten. Mit [„Der geheime Zirkel – Gemmas Visionen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4101 lieferte sie ihren ersten Roman ab, der es auf Anhieb in die Bestseller-Liste der |New York Times| schaffte. Auch die Fortsetzung, „Circes Rückkehr“, ist in den USA von Erfolg gekrönt. Mit „Kartiks Schicksal“ liefert sie nun den Abschluss ihrer Trilogie. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Brooklyn, New York.

Die [Lesung]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3833721995/powermetalde-21 zum Buch erscheint wieder bei |JUMBO Neue Medien / GoyaLiT|.

|Originaltitel: The Sweet Far Thing
Aus dem Amerikanischen von Ingrid Weichselbaumer
Empfohlen ab 14 Jahren
862 Seiten, kartoniert
ISBN-13: 978-3-423-71327-6|
http://www.libba-bray.de
http://www.dtv.de
http://www.jumboverlag.de

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