Charlton, Coleman – Rolemaster – Grundregelwerk

_Rolemaster im Kurzüberblick_

Das „Rolemaster“-Rollenspiel hat keine fest vorgeschriebene Welt, ist also eher als Regelmodul anzusehen, wobei es gerne genutzt wird, um etwa in Mittelerde, der Welt von J. R. R. Tolkiens [„Herr der Ringe“,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1330 zu spielen. Extra dafür gibt es auch eine vereinfachte „Rolemaster“-Form, die sich MERS („Mittelerde Rollenspiel“) nennt. Gewürfelt wird mit zwei zehnseitigen Würfeln (auch W100 genannt). Aufgrund seiner vielen Regeln und Tabellen wird „Rolemaster“ auch gerne scherzhaft als „Rulemaster“ bezeichnet, gilt aber auch als das Rollenspiel mit dem detailliertesten Regelwerk. Die Kampf- und Magiesysteme sind sehr taktisch angelegt und räumen den Spielern und dem Spielleiter viele Möglichkeiten ein.

_Die Geschichte von Rolemaster_

„Rolemaster“ wurde ursprünglich von der amerikanischen Spielefirma |Iron Crown Enterprises| (I.C.E.) entwickelt. Anfang der 1990er wurden die Grundregelwerke zunächst von |Laurin| und später von |Queen Games| ins Deutsche übersetzt. Letztere gingen Mitte der 1990er in Konkurs, was das vorläufige Ende der „Rolemaster“-Reihe in Deutschland bedeutete. Zwar sind viele Regelbücher auf Deutsch erschienen, doch sind diese heute nur noch sehr schwer zu bekommen. 1997 wurde noch mal der Versuch unternommen, eine zweiten Edition zu veröffentlichen, jedoch sind bis heute nur zwei „Kreaturen & Monster“-Bände erschienen. Von 1998 bis 2006 gab es keinen deutschen Lizenznehmer von |I.C.E.| mehr.

Seit 2006 hat |Sonnenfeste| nun die deutschen Lizenzen für „Rolemaster“ übernommen und am 07.07.07 wurde somit das neue deutsche Grundregelwerk auf Deutsch veröffentlicht. Weitere Veröffentlichungen sind geplant, unter anderem das „Rolemaster – Kampfhandbuch“, die drei Zauberbücher „Zauberbuch Leitmagie“ „Zauberbuch Essenz“, „Das Zauberbuch Mentalismus“, sowie die Kampagnenwelten „Trion“, „Shadowworld“ und „Cyradon“.

Über das Vorankommen der Veröffentlichungen wird man regelmäßig auf der [Homepage von Sonnenfeste]http://www.sonnenfeste.de unter „Produktiosstatus“ informiert.

_Regeln_

Im Grunde lassen sich die Regeln ganz einfach zusammenfassen: Man würfelt einen W100, addiert dieses Ergebnis zu den verschiedenen Boni seines Charakters und vergleicht das Ganze mit einer der vorgegebenen Tabellen – fertig. Das klingt alles sehr einfach. Das ist es auch, wenn man erstmal seinen Charakter erstellt hat. Das ist allerdings alles andere als einfach, denn gerade für unerfahrene Rollenspieler sind die große Anzahl an Charakterbögen sowie die verschiedensten Boni und Mali eine schwere Hürde. Ich erinnere mich noch, als ich als „Frischling“ mir vor Jahren das „Mittelerde Rollenspiel“ gekauft und absolut nur „Bahnhof“ verstanden habe. Wie gesagt, mit ein wenig Erfahrung in den üblichen Termini sollte das Ganze allerdings kein Problem sein.

Jeder Charakter besitzt die zehn Attribute Geschicklichkeit, Konstitution, Gedächtnis, Logik, Selbstdisziplin, Empathie, Intuition, Charisma, Reaktion und Stärke. Diesen werden zwei Werte zugeordnet: der temporäre und der potentielle Attributswert. Der temporäre Attributswert ist der momentane Stand, den der Charakter hat und der potentielle ist das Maximum, das der Charakter jemals erreichen kann. Normalerweise haben die Attribute einen Wert zwischen 20 und 100 (wobei der potentielle Attributswert zu Beginn selbstverständlich normalerweise höher ist als der temporäre). Dazu werden dann noch der Grundbonus und der Volksbonus addiert, woraus sich der fertige Attributsbonus ergibt.

Mit den Fertigkeiten (die übrigens überaus zahlreich sind) ist es das Gleiche. Der Fertigkeitswert plus etwaiger Boni ergibt den Gesamtwert der jeweiligen Fertigkeit. Um eine Probe darauf abzulegen, wird mit einem W100 gewürfelt und das Ganze mit einer der vorgegebenen Tabellen verglichen, auf der dann das Ergebnis abgelesen werden kann.

Die Charaktererschaffung ist sehr individuell gestaltbar, und es ist möglich, auch wirklich einen Helden zu spielen, wie man ihn sich ausgedacht hat. Als spielbare Rassen sind im Grundregelwerk Menschen, Hochmenschen, Waldelfen, Zwerge und Halblinge (Hobbits) enthalten. Allerdings wird es in späteren Publikationen noch weitere Rassen geben. Als Berufe sind momentan Krieger, Dieb, Schurke, Magier, Kleriker, Mentalist, Waldläufer, Trickser und Barde vorhanden. Um seinen Charakter mit Fertigkeiten zu versorgen, kann man sich nun entweder Fertigkeit für Fertigkeit Punkte kaufen oder man wählt ganze Ausbildungspakete, was das Ganze erheblich vereinfacht und beschleunigt. Auch Hintergründe kann man käuflich erwerben. Möchte man mit magischen Gegenständen starten, ist dies durchaus ebenfalls möglich.

Auch das Magiesystem ist sehr ausführlich und variabel gestaltet, wobei zwischen „richtigen“ Magiern und teilweise Magiekundigen wie etwa Waldläufern unterschieden werden muss. Das Kampfsystem ist seht taktisch aufgebaut, wobei die Aktionen hier in Kampfrunden eingeteilt werden. Jede Kampfrunde hat einen Wert von 100 %. Allen Aktionen wird ein Prozentwert zugeordnet, die dann diese 100 % verbrauchen können. Hierbei wird noch unterteilt in Blitzaktionen (Probenerschwernisse, dafür aber schneller), normale Aktionen und überlegte Aktionen (längere Zeitdauer, dafür aber Probenerleichterung).

_Mein Eindruck_

„Rolemaster“ erfreut sich meiner Meinung nach zu Recht großer Beliebtheit in Rollenspielerkreisen. Das Regelwerk ist sehr ausführlich, aber zumindest für die Spieler relativ einfach zu handhaben. Allerdings muss ich noch mal erwähnen, dass „Rolemaster“ meiner Meinung nach nicht für Einsteiger geeignet ist, da die verschiedenen Begriffe nur sehr unzureichend erklärt werden, was gerade für „Jungrollenspieler“ zu großer Verwirrung führen kann. Ansonsten ist das Spiel sehr ausgewogen und variabel, was besonders für erfahrene Rollenspieler sehr motivierend sein kann.

Im Vorwort bezeichnen die Autoren „Rolemaster“ als einen Werkzeugkasten, aus dem sich jeder herausnehmen kann, was er für seine Rollenspielrunde braucht. Und ich kann bestätigen, dass dieser Werkzeugkasten bis unter den Deckel prall gefüllt ist. Besonders das sehr taktische Kampfsystem hat es mir angetan, denn hier heißt es nicht nur „Attacke-Parade-Attacke-Parade“, sondern man kann auch in einem Kampf gegen einen deutlich stärkeren Gegner durch geschicktes Taktieren bestehen.

Absolut positiv überrascht hat mich die bombastische Aufmachung des Bandes: Hardcover, komplett in Farbe, Lesebändchen und tolle Illustrationen auf (wenn auch sehr dünnem) Hochglanzpapier lassen jedes Rollenspieler- und Sammlerherz höher schlagen. Zudem liest sich die Zahl der in Bearbeitung befindlichen Erweiterungen sehr positiv – da scheint uns noch einiges aus dem Hause |Sonnenfeste| zu erwarten.

_Fazit_

„Rolemaster“ präsentiert sich als sehr gute Alternative zu den etablieren Fantasyrollenspiel-Systemen wie „Das Schwarze Auge“ oder „Midgard“. Gerade für erfahrene Rollenspieler ist dieses System sicher die Investition wert, denn es überzeugt mit einem tollen Kampfsystem und sehr vielen individuellen Möglichkeiten, was die Charaktererschaffung und die Spielwelten angeht. Obendrein ist die Aufmachung einfach nahezu perfekt.

http://sonnenfeste.de/
http://13mann.de/

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