Davidson, MaryJanice – Die mit dem Werwolf tanzt

Der umgängliche Werwolf Derik lebt zusammen mit seinem Rudel, dessen Alpha sein bester Freund Michael ist. Doch von heute auf morgen soll sich alles verändern: Derik wird zunehmend aggressiv, bis es schließlich beinahe zu einem Rivalenkampf zwischen den beiden kommt. Der Grund dafür ist Derik, der sich in einen Alpha verwandelt hat und es unter der Führung von Michael nicht mehr länger aushält.

Da kommt ihm Antonia, die in die Zukunft sehen kann, ganz recht: Die böse Zauberin Morgan Le Fay, Artus‘ Verräterin, ist in Gestalt einer jungen Frau namens Dr. Sara Gunn wiedergeboren worden, und sollte es niemand schaffen, sie innerhalb einer Woche aufzuhalten, wird sie den Untergang der Welt verursachen. Derik, der Abstand von Michael braucht, soll sich um die Frau kümmern.

Doch obwohl Derik nicht zum ersten Mal jemanden ermordet und Sara für ihn kein Problem darstellen sollte, will es ihm einfach nicht gelingen, die süße zerstreute Rothaarige um die Ecke zu bringen. Jedes Mal, wenn er es versucht, entwischt sie ihm aus purem Glück. Bis er es letztendlich aufgibt, da er einfach nicht glauben kann, dass Sara, die er absolut scharf findet, die Böse sein soll. Er beschließt, Sara stattdessen zu beschützen und zusammen mit ihr den wahren Auslöser für den anstehenden Untergang der Welt auszumachen – und bis die beiden diesen finden, kommt es zwischen ihnen nicht nur ständig zu Streitereien, sondern auch zu einer wachsenden Sympathie und Leidenschaft füreinander …

_Eindrücke:_

MaryJanice [sic!] Davidson ist für Fantasy-Romance-Liebhaber ein bekannter Name, und ihre Bücher werden gerade wegen der stilistischen Art und Weise gerne gelesen. Bei ihren Büchern handelt es sich keinesfalls um typische 08/15-Fantasy-Romance-Geschichten, wie man sie auf dem heutigen Büchermarkt zuhauf antrifft, sondern um fantastische Liebesgeschichten, in denen nicht wie sonst die Erotik die größte Rolle spielt, sondern der Humor. Bei ihren Werken handelt es sich daher eher um Fantasy-Romance-Komödien. Der Begeisterung vieler ihrer anderen Leser zum Trotz, konnte ich mit ihrem Humor im ersten Band ihrer „Betsy Taylor“-Reihe allerdings rein gar nichts anfangen. Ich fand ihn viel zu aufgesetzt und bemüht, sodass die Geschichte auf mich nicht mehr lustig, sondern nur noch lächerlich wirkte.

Auch wenn ich die Hoffnung hatte, dass „Die mit dem Werwolf tanzt“ wenigstens ein bisschen besser sein würde als [„Weiblich, ledig, untot“,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4993 habe ich damit gerechnet, dass mir das Buch genauso wenig gefallen würde wie das erste. Doch meine recht niedrigen Erwartungen an das Buch wurden bei weitem übertroffen. Zwar ist auch „Die mit dem Werwolf tanzt“ gewollt übertrieben lustig dargestellt, aber auf eine andere Art als bei „Weiblich, ledig, untot“. Die Geschichte ist dermaßen überzogen, dass man die Handlung gar nicht mehr ernstnehmen kann, und gerade das macht „Die mit dem Werwolf tanzt“ so amüsant. Man wird nicht an einigen Stellen mit irgendwelchen altbekannten Sprüchen bombardiert, die lustig sein sollen, sondern man bekommt eine niedliche Werwolf-Liebeskomödie serviert, die von Anfang bis Ende einfach lustig ist und sich immer wieder selbst auf die Schippe nimmt. Insbesondere die Auseinandersetzungen zwischen Derik und Sara, angefangen mit der Verfolgungsjagd in Saras Haus, als Derik sie umbringen will, bis hin zu dem Zeitpunkt, als die beiden erkennen müssen, dass sie sich lieben und die Zankereien auch dann noch andauern, sorgen beim Lesen immer wieder für ein amüsiertes Kichern.

Auch was die Erotikszenen angehen, tanzt „Die mit dem Werwolf tanzt“ den typischen Fantasy-Romance-Romanen aus der Reihe. Statt dass die Liebesszenen so erotisch und leidenschaftlich wie möglich beschrieben werden, wie es in diesem Genre üblich wäre, enden die Liebesspiele zwischen Derik und Sara entweder in einem Schlamassel oder werden auf eine andere Art und Weise lustig dargestellt, mit dem einzigen Ziel, die Geschichte noch amüsanter zu gestalten. Erotische Stimmung kommt beim Lesen somit keine auf, was hier aber ganz und gar nicht stört. Im Gegenteil, die ein bisschen lächerlich gemachten Sexszenen passen zu dieser Werwolf-Liebeskomödie wie die Faust aufs Auge und unterhalten den Leser umso mehr. Normale Erotikszenen, die für das Genre typisch sind, wären hier sogar eindeutig Fehl am Platz gewesen.

Die Protagonisten Derik und Sara sind absolute Sympathieträger, in die sich der Leser zwar wegen ihrer übertriebenen Art kaum hineinversetzen, mit denen er aber von Anfang an mitfiebern kann. Beide sind nicht perfekt, besitzen aber ihren ganz eigenen Charme, mit dem sie den Leser für sich einnehmen. Sara ist total zerstreut und chaotisch und hat eine Figur, die nicht unbedingt Modelmaßen entspricht, und Derik denkt nur daran, wie er Sara ins Bett kriegen könnte, hat ständig Hunger und ärgert sich über die Hunde-Witze, die Sara hin und wieder ablässt, um ihn zu ärgern. Ihre kleinen Schwächen und die Tatsache, dass die beiden sich von morgens bis abends eigentlich nur streiten und mit ihren Zankereien den Leser fesseln, machen die beiden zu etwas Besonderem und die Geschichte erst richtig interessant und lustig.

Die Geschichte selbst ist ziemlich kurz geraten, wirkt gerafft und kommt auch ohne großartige Anfangspassagen, die den Leser in die Erzählung einführen sollen, gleich zur Sache. Die Problematik wird dargestellt, dass Derik mit Michael nicht mehr klarkommt, kurz darauf erhält er den Auftrag, die Welt zu retten, und steht praktisch auf der nächsten Seite des Buches schon vor Saras Haustür. So verliert „Die mit dem Werwolf tanzt“ wirklich zu keiner Sekunde die Spannung und der Leser bleibt von Anfang bis Ende an das Buch gefesselt. Ich konnte das Buch kaum weglegen, weil jede Seite der Geschichte spannend und unterhaltsam war und ich die Lektüre deshalb nur ungern unterbrechen wollte.

Allerdings ist damit auch der Schluss des Buches arg kurz geraten. An dieser Stelle hätte ich mir wenigstens ein paar Seiten mehr gewünscht, denn das Ende in „Die mit dem Werwolf tanzt“ wirkt so leider ein bisschen zu abgehackt. Es wäre schön gewesen, wenn man noch ein bisschen mehr darüber erfahren hätte, was nun mit Derik und Sara passiert.

Der Schreibstil von MaryJanice Davidson ist erfrischend und flüssig zu lesen, sodass man das Buch innerhalb von kurzer Zeit und durchaus an einem Stück durchgelesen hat. Er passt perfekt zur Geschichte und unterstützt zusätzlich den Humor.

_Bonusstory: Eine schöne Bescherung:_

Zusätzlich zu der eigentlichen Geschichte gibt es im Anhang noch eine Zusatzstory, „Eine schöne Bescherung“. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Werwolf-Liebeskomödie, die ein bisschen Bezug auf „Die mit dem Werwolf tanzt“ nimmt. Es geht um den Werwolf Alec, der sich nichts sehnlicher wünscht als eine Gefährtin. Während einer Geschäftsreise trifft er schließlich die Frau seiner Träume: die unscheinbare Giselle, die in einem Weihnachtsmannkostüm Geld für gute Zwecke sammelt. Er drängt sie zu einem gemeinsamen Mittagessen, und als sie dabei eine Lebensmittelvergiftung erleidet, will sie Alec bei sich behalten, bis es ihr wieder besser geht. In der Nacht kommen sich die beiden schließlich näher.

„Eine schöne Bescherung“ ist ein wenig anders als „Die mit dem Werwolf tanzt“. Zwar ist die Geschichte auch unterhaltsam, aber nicht so lustig angelegt wie die Haupterzählung. Die Sexszenen werden hier nicht mehr albern dargestellt, sondern wieder auf erotische Weise. Zudem war mir Alec auch nicht so sympathisch, da ich ihn ein bisschen zu aufdringlich dargestellt fand. Ansonsten ist die Geschichte als Bonus am Rande ganz in Ordnung.

_Fazit:_

Unerwarteterweise hat mir „Die mit dem Werwolf tanzt“ sehr gut gefallen. Die Geschichte ist lustig und unterhaltsam, die Charaktere sind sympathisch, und obwohl humorvolle Fantasy Romance nichts Neues mehr ist, kann man „Die mit dem Werwolf tanzt“ doch als etwas Besonderes ansehen.

_Die Autorin:_

MaryJanice Davidson lebt in Minnesota. Mit [„Weiblich, ledig, untot“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4993 gelang ihr der Sprung auf die amerikanischen Bestsellerlisten. Seitdem gewann sie mit ihren „Betsy Taylor“-Romanen, einer Werwolfsaga und einigen anderen Liebesromanen eine große Fangemeinde.

|Originaltitel: Derik’s Bane. A Wyndham Werwolf Tale
Deutsch von Stefanie Zeller
287 Seiten, kartoniert
ISBN-13: 978-3-8025-8216-5|
http://www.egmont-lyx.de
http://www.maryjanicedavidson.net

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