Palme, Oliver / Hillen, Boris / Nowak, Stefan (Hgg.) – Fotosynthesen. Anthologie

Im Frankfurter |Pahino|-Verlag ist eine Anthologie mit dem Titel „Fotosynthesen“ erschienen, die ein reizvolles Konzept aufzeigt: Anspruch war es, Text und Bild miteinander zu verbinden und ein Gesamtarrangement in Form eines Buches herauszugeben. Es wurden 18 literarische Reaktionen auf 18 Fotografien gesammelt, und versucht, einen Zusammenhang zwischen dem narrativen Element der Erzählungen und der Momentaufnahme des Fotos herzustellen. Die Anthologie folgt keinem zentralen Thema, die Erzählungen der beteiligen Autoren und Autorinnen kreisen um beliebig ausgewählte Fotos. Für die Sammlung schrieben u. a. Autoren wie Dietmar Dath, Buddy Giovinazzo und Feridun Zaimoglu.

Im Vorwort heißt es, dass die Bilder nicht als Illustrationen, also als Verzierung der Texte, und die Texte nicht als Kommentar zu den Bildern verstanden werden sollen. Dieser Anspruch konnte leider nur zum Teil eingelöst werden. Eine Text-Bild-Synthese beginnt meiner Meinung schon mit einem konzeptionalisierten Thema und sollte doch gerade Wert auf die Bildauswahl legen. Wenn dagegen nach dem Prinzip der Beliebigkeit gearbeitet wird, kann zwar eine gelungene Sammlung von Erzählungen entstehen, doch der Versuch, dass sich Bild und Text in einem Zusammenhang, als Synthese, vorstellen, kann nur durch eine einheitliche Basis als geglückt bezeichnet werden. Jeder Text in „Fotosynthesen“ würde – für sich genommen – auch ohne das zugehörige Foto funktionieren, doch ein einzeln betrachtetes Foto verliert seine Substanz, wenn das narrative Element genommen wird. Zurück bleiben beliebig ausgewählte Fotografien und meist Schnappschüsse. Der im Vorwort beschworene Zusammenhang zwischen Text und Bild wurde nur einseitig eingelöst: Das Gesamtarrangement ist nicht so gelungen wie angedacht.

Das Gefühl der Beliebigkeit wird nicht zuletzt auch durch die recht nervöse Gestaltung des Buches verstärkt. Die vorgefundenen Fotos, auf die es literarische Reaktionen gab, wurden bewusst zerfasert und ihre Teilausschnitte als Dekoelemente in den Textfluss eingefügt. Ein gestalterisches Konzept, welches die einheitliche Basis von Text-Bild-Synthesen enorm fördert, war mir nicht erkennbar.

Auch wenn die Fotografien neben den Texten keinen eigenständigen Raum erhalten, sind der Großteil der Erzählungen lesenswerte Beiträge. Die Vielfalt der Textformen und Inhalte ist in dieser Hinsicht ein Pluspunkt. Besonders zu empfehlen sind die Beiträge von Melanie Stumpf, Kathleen Weise, Markolf Hoffmann, Boris Hillen, Feridun Zaimoglu und Boris Koch.

„Fotosynthesen. Anthologie“ wurde herausgegeben von Boris Hillen, Stefan Novak und Oliver Palme. Mit Beiträgen von Dietmar Dath, Buddy Giovinazzo, Peter Glaser, Boris Hillen, Markolf Hoffmann, Sakura Ilgert, hci-krauskopf, Boris Koch, Mustang Lamar, Tobias O. Meißner, Mathias Mertens, Stefan Nowak, Frank Schuster, Melanie Stumpf, Jamal Tuschick, Kata W. Fonsen, Kathleen Weise und Feridun Zaimoglu.

http://www.pahino.de

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