Dietmar Bittrich – Das Weihnachtshasser-Buch

Alle Jahre wieder – Weihnachten, Fest der Liebe, Fest der Kaufhäuser, Fest des Kommerzes. Jedes Jahr wieder die gleiche Diskussion, mit welchem wertvollen Stück man seinen Liebsten eine Freude macht, welche dekorativen Gegenstände man verwendet, um im Lichterwettstreit mit den Nachbarn siegreich von Dannen zu ziehen, wer wo wann was kocht und wo das große Weihnachtsgansschlachtfeld ausgebreitet werden darf.

Nun, Weihnachten ist in den Augen vieler heutzutage verkommen. Besinnlich ist das Fest schon lange nicht mehr, friedlich in den meisten Familien nur so lange, wie man den ganz Kleinen ein gutes Vorbild sein muss, und was den Sinn bzw. die Ursache des Festes betrifft, ist sich manch einer ebenfalls nicht im Klaren darüber, warum wir überhaupt Weihnachten feiern. Sicher, hier wird reichlich schwarzgemalt, aber ist Weihnachten grob umschrieben nicht genau das, was in den vorangehenden Zeilen geschrieben steht?

Wenn es nach Dietmar Bittrich ginge, müsste das Fest indes gar nicht stattfinden. Er ist nämlich einer der Ankläger oben genannter weihnachtlicher Missstände und der Inspirator für diese kurze, nicht ganz so nette Einleitung. Statt also das festliche Treiben gutzuheißen, verurteilt er das gesamte Konstrukt Weihnachten auf bitterböse Art und Weise und greift hierfür nicht selten auf seinen rabenschwarzen Humor zurück. So also geschehen in seinem „Weihnachtshasser-Buch“, welches rechtzeitig vor den Feierlichkeiten den Buchmarkt bereicherte und all diejenigen bestätigen sollte, die von Völlerei, Einkaufsstress und der Verdrehung der Weihnachtsbotschaft die Nase gestrichen voll haben. In eben diesem Buch führt Bittrich all das an, was ihm am modischen Entwicklungstrend von Weihnachten missfällt. Allerdings setzt er sich nicht kritisch und analytisch mit der Problematik auseinander. Sein Weg ist der des verbalen Widerstandes, und den leistet er in diesem kleinen netten Schmöker auf ganzer Linie.

So packt er die Sache derart an, dass er zunächst einmal alles abstraft, was mit dem Fest zusammenhängt, dies jedoch mit teils sehr fundiertem Fachwissen. Weitaus brisanter sind dabei aber die hier genannten Strategien, um die vom Fest ausgelöste Belastung so niedrig wie möglich zu halten. Bittrich gibt nämlich unablässig Tipps, wie man sich mit dem Fluch Weihnachten am besten arrangiert, und vor allem, wie man die opulente Gestaltung der gesamten Adventszeit mit ganz praktischen Mitteln so dezent und reduziert wie nur eben möglich durchführt. Dass dabei unter anderem auch Objekte wie Toilettenpapier (hier als Türkranz) aufgeführt werden, ist indes absolut zwingend.

So steigert sich der Autor nach und nach immer deutlicher in seine paradoxen Gedankengänge, entwirft seltsame Gedichte, deckt unliebsame Wahrheiten auf, die den Verfechtern des heutigen Weihnachtsfests sicher gar nicht gefallen, ärgert sich darüber, dass die Weihnachtszeit mittlerweile schon im Sommer beginnt und nähert sich der Angelegenheit zwischenzeitlich sogar meditativ, um auch bloß die Ruhe zu bewahren und die Bösartigkeit nicht so weit zu treiben, dass sich anschließend jemand verletzt fühlen müsste.

Man mag davon natürlich halten, was man möchte. Selbstverständlich ist sich Bittrich darüber im Klaren, dass er mit seinen ungezügelten Zungen den Nerv derjenigen treffen wird, denen das Ganze Drumherum an Weihnachten schon lange auf den Keks geht. Genau diesem Publikum wird es auch nur recht sein, dass Bittrich frei nach Schnauze schreibt, kritisiert, urteilt und immer noch schärfer schießt. Und dennoch hat das Buch sprachlich und inhaltlich ein recht hohes Niveau, weil der Autor eben bei all seinen geäußerten Spitzen immer noch alternative Handlungsweisen vorschlägt, stets oberhalb der Gürtellinie bleibt und plumpe Klischees gänzlich ausspart. Sicher, der Mann weiß ganz genau, was er für welche Zielgruppe schreiben muss und wie er genau diese für sein Werk begeistert – doch dafür, dass er diesbezüglich recht berechnend ist, hat er ein wirklich lesenswertes, finster-humorvolles und sprachlich störungsfreies Buch geschrieben, das die entsprechende Zielgruppe sich zur Vorbereitung auf das nächste Fest (wir erinnern uns: Es beginnt bereits im Sommer …) auf jeden Fall besorgen sollte.

Taschenbuch: 160 Seiten
Besprochene Auflage: Dezember 2006
www.rowohlt.de

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