James Morrow – Stadt der Wahrheit

In der Unwahrheit liegt die Rettung

In der Stadt Veritas (Wahrheit) herrscht das Gebot, stets die Wahrheit zu sagen. Um seinen sterbenskranken Sohn zu retten, muss der Protagonist Jack Sperry seine Konditionierung durch dieses Utopia überwinden und lernen, Lügen zu erzählen.

Diese Novelle wurde mit dem NEBULA Award ausgezeichnet.

Der Autor

James Morrow, geboren 1947 in den USA, hielt in den siebziger Jahren Vorlesungen, bevor er Redakteur beim Branchenmagazin „Media and Methods“ wurde und zudem Material für das Boston-Fernsehen herstellte. In den achtziger Jahren schrieb er Schulbücher für Kinder und schließlich auch Jugendromane. Erst dann wandte er sich der moralisierenden, warnenden Art von Science Fiction zu, für die sein Mentor Kurt Vonnegut („Die Sirenen des Titan“) Pate stand. Doch anders als Vonnegut, der nie an der Macht seines Mediums zweifelt, ist Morrow zu gebildet, um unkritisch die Regeln des Genres befolgen zu können. So bricht in seinen Werken immer wieder der Unglaube an das Medium durch.

Einer der ersten bei uns veröffentlichten Romane Morrows, „Die eingeborene Tochter“, wurde mit dem World Fantasy Award ausgezeichnet. „Die Stadt der Wahrheit“ wurde 1993 mit dem renommierten Nebula Award der Science Fiction-Kritiker als beste Novelle des Jahres geehrt.

Sein bekanntestes Werk stellt die Godhead Trilogy dar, deren erster Teil „Towing Jehovah“ (1994, dt. „Das Gottesmahl“) ebenfalls den World Fantasy Award gewann. Hier muss der zwei Meilen lange, im Meer schwimmende Leichnam Gottes im Geheimauftrag des Vatikans geborgen werden. Die Folgebände sind „Blameless in Abaddon“ (1996) und „The Eternal Footman“ (1999).

Morrow ist verheiratet und hat einen Sohn. Zurzeit lebt er im Bezirk State College in Pennsylvania. (teilweise Quelle: Wikipedia.de)

Romane

1981 The Wine of Violence (deutsch: „Der Wein des Frevels“, Goldmann, 1983, übersetzt von Eva Malsch)
1983 The Adventures of Smoke Bailey
1984 The Continent of Lies (deutsch: „Der Kontinent der Lügen“, Heyne, 1992, übersetzt von Peter Robert)
1985 This Is the Way the World Ends (deutsch: „So muss die Welt enden“, Heyne, 1994, übersetzt von Horst Pukallus)
1990 Only Begotten Daughter (deutsch: „Die eingeborene Tochter“, Heyne, 1992, übersetzt von Christian Mähr)
1991 City of Truth (deutsch: „Die Stadt der Wahrheit“, Heyne, 1993, übersetzt von Irene Bonhorst)
1994 Towing Jehovah (deutsch: „Das Gottesmahl“, Heyne, 1999, übersetzt von Horst Pukallus)
1996 Blameless in Abaddon
1999 The Eternal Footman
2006 The Last Witchfinder
2008 The Philosopher’s Apprentice
2009 Shambling Towards Hiroshima
2014 The Madonna and the Starship
2015 Galápagos Regained

Handlung

Veritas (Wahrheit) ist ein Stadtstaat der Zukunft, aus dem jede Unwahrheit verbannt worden ist. Jeder Bewohner wird im Alter von zehn Jahren einer Gehirnwäsche namens „Brainburn“ unterzogen und ist fortan nur noch in der Lage, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu sagen. Nicht einmal Politiker lügen, und es gibt zweifelhafte Warnungen an jeder Ecke, so etwa vor Fahrstühlen, in denen Menschen gestorben seien.

Dies sind die Memoiren Jack Sperrys, der die Stadt der Wahrheit verlassen hat. Er war ein glücklicher Mensch, soweit ein Mensch glücklich sein kann. Er war ein bekannter und geachteter Kunstkritiker, ein „Dekonstruktionist“, dessen Aufgabe es war, lügenhafte Kunstwerke zu zerstören, vor allem Überbleibsel einer weniger ehrlichen Ära. Jack führte eine gute Ehe und hat einen Sohn, der er anbetet. Er hätte nie im Traum daran gedacht, die Normen von Veritas infrage zu stellen.

Was also hat ihn veranlasst, sein Leben aufs Spiel zu setzen und Höllenqualen der Seele auf sich zu nehmen, um die Gehirnwäsche rückgängig zu machen, um dann lügen zu können? Die Antwort: Liebe, um das Leben seines Sohnes zu retten.

Unterm Strich

Das nur 160 Seiten lange, von Steve Crisp illustrierte Taschenbuch „Stadt der Wahrheit“ ist eine Parabel, ein Gleichnis, das dazu dient, ein paar bittere Wahrheiten über Kunst und über die Vorzüge der Unwahrheit zu transportieren, nicht ohne beträchtlichen Witz zu verraten. Leider fand ich den erhobenen Zeigefinger doch ein wenig zu aufdringlich und zu wenig unterhaltsam. An so etwas wie Action ist eh nicht zu denken.

Das Buch erinnert in seinem ironisch-kritischen Ansatz an Morrows Romane, die gewisse Glaubenssätze infragestellen, sowie an die bislang unübersetzte Story-Sammlung „Bible Stories for Adults“ (1996), von der nur eine preisgekrönte Erzählung bei Heyne übersetzt worden ist: „Die Sintflut“ (1988). Denn während die Arche die von Gott gesandte (und vorhergesagte) Überflutung übersteht, passieren an Bord ein paar sehr merkwürdige Dinge.

Taschenbuch: 159 Seiten
Originaltitel: City of truth, 1990;
Aus dem Englischen von Irene Bonhorst.
ISBN-13: 9783453066212

www.heyne.de

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