Jules Verne – Entführung auf hoher See (Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg 1)

Die Handlung:

Eine Weltreise in 80 Tagen hat dem Abenteurer Phileas Fogg Ruhm und Anerkennung eingebracht. Doch zum Ausruhen bleibt ihm keine Zeit: Als der bekannte Meeresforscher Professor Aronnax auf hoher See vermisst wird, macht sich Fogg auf die Suche. Gemeinsam mit seiner Frau Aouda und seinem treuen Freund und Diener Passepartout besteigt er die ‚Abraham Lincoln‘ – just jenes Schiff, von dem der Professor verschwand. Doch während sich an Bord die Anzeichen für ein Verbrechen verdichten, taucht plötzlich ein ehrfurchtgebietender Gegner auf: das Unterseeboot Nautilus und sein enigmatischer Kapitän Nemo. Sind sie der Schlüssel zum Verschwinden des Professors? Und welche dunklen Geheimnisse bringen sie aus der Tiefe der Meere ans Licht? (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Als Verne-Freund finde ich es immer prima, wenn sich jemand der Werke des verstorbenen, französischen Abenteuerschreibers annimmt. Dass dabei (fast) immer wieder die gleichen, an einer Hand abzuzählenden, Geschichten hervorgeholt werden, finde ich sehr schade. Es gibt noch so viele unverhörspielte und auch unverhörbuchte Storys von ihm, die eine Vertonung wert wären.

Einen ähnlich sicheren Schritt wagt nun auch diese neue Serie, wenngleich sie … zum Glück für den Hörer … eine leichte Abwandlung des Bekannten vornehmen möchte. Dieses Abenteuer hier lehnt sich zwar an die Geschehnisse aus Vernes „20.000 Meilen unter dem Meer“ an, erzählt sie aber nicht nach. Folgten wir im Roman also noch Professor Arinnax selbst, so sind wir hier mit Phileas Fogg, den die meisten von seiner 80-tägigen Wett-Reise um die Welt kennen, auf der Spur des Lehrmeisters.

So könnte ein schönes Abenteuer entstehen, das bekannte und beliebte Motive übernimmt, aber dennoch eine neue Story erzählt. Das klappt allerdings nur sehr bedingt, denn im Grunde erleben wir hier mit Phileas Fogg einige Teile des bekannten Verne-Romans einfach noch mal, nur mit neuer Besetzung. Und selbst den Kampf mit dem Riesenkraken gabs in Vernes Roman auch schon mal. Nicht nachvollziehen konnte ich dabei, warum dieser Nemo hier nicht mal weiß, was ein Riesenkalmar überhaupt ist. Selbst wenn wir die kompletten Abenteuer mit dem Professor aus dem Anlehnungsroman ausklammern würden, so ist das doch sehr unwahrscheinlich für einen Unterwasserreisenden und Naturwissenschaftsinteressierten.

Um den unbedarften Hörer mit der Figur des Protagonisten Fogg bekannt zu machen, hören wir am Anfang eine Kurzzusammenfassung des Abenteuers, in dem er die Hauptrolle spielte: „Reise um die Erde in 80 Tagen“ … samt übernommenem Logikfehler bezüglich der Datumssache. Aber, der Fehler gehört zum Roman dazu, also ist es nur konsequent, ihn auch hier wieder mit einzubauen.

Kommt diese neue Story denn ohne solche Bolzen aus? Nein, leider nicht. Denn die Geschichte, die uns hier erzählt wird, startet im Jahr 1868 und soll wenige Wochen nach der Weltreise spielen. Zu der bricht er allerdings laut Jules Verne erst 1872 auf …

Sascha Draeger als Sprecher für Phileas Fogg zu verpflichten, war für mich nicht die richtige Wahl. Nicht, dass er kein Talent als Sprecher hätte, im Gegenteil … das Problem ist das des „Typecastings“, das auch die Geißel von Santiago Ziesmer ist. Bei dessen Stimme taucht unweigerlich ein gelber Tiefseeschwamm im Kopfkino des Hörers auf, egal welche Rolle er eigentlich übernimmt. Gleiches gilt für Sascha Draeger, der nun schon seit Generationen die Rolle des Anführers der TKKG-Jungdetektive spricht. Folglich habe ich während des gesamten Hörspiels Tarzan/Tim auf meiner inneren Leinwand gesehen … und seine Frau ist dann auch nicht die auf seiner Weltreise lieben gelernte Prinzessin Aouda, sondern Gaby … das Mädchen … und ihre Sprecherin hier klingt sogar ähnlich.

Hatte die Auftraggeberin der neuen Reise des Herrn Fogg von der Sprecherin noch einen passenden französischen Akzent bekommen, bei Foggs Diener und dem Professor fehlte er mir … von ein paar eingestreuten, französchischen Wörtern abgesehen. Und auch bei der ehemaligen Dschungelprinzessin vermisste ich diese sprachliche Eigenheit. Vermisst habe ich die Sprecher auch, wenn die Zwischenmusik mal über eine Minute dauerte. Das ließ mich nicht über das Gehörte nachdenken, sondern abschweifen. Lustig hingegen sind die Anlehnungen an die bekannte Filmmusik von „Der weiße Hai“, gekreuzt mit dramatischen Chorgesängen, als wir auf die hier kanonenkugelsichere Nautilus vom Herrn Nemo treffen.

Das eigentliche Abenteuer, das wir auf ihr erleben, ist allerdings extrem kurz und schneller wieder vorbei, als dem Hörer lieb sein dürfte. Dennoch werden die meisten sofort und nachhaltig an die Geschichte vom weißen Wal MOBY DICK erinnert. Das Ende leitet dann zur nächsten Folge über und lässt den Hörer interessiert in den Tiefen des Meeres zurück. Zusammen mit Robert De Niro, Tarzan/Tim, dem Erzähler der FÜNF FREUNDE, Data, Professor Doom …

Die Sprecher und ihre Rollen:

Erzähler / Jules Verne – Christian Brückner
Phileas Fogg – Sascha Draeger
Aouda Fogg – Annina Braunmiller
Ned Land – Manfred Lehmann
Passepartou – Marius Clarén
Kapitän Nemo – K. Dieter Klebsch
Professor Pierre Aronnax – Michael Pan
Louise Aronnax – Marie Bierstedt
Joseph (Butler) – Bodo Wolf
Matrosen: Alexander Turrek, Martin Sabel, Leonhard Mahlich Oliver Baumann, Tom Jacobs, Reent Reins
Fregattenkapitän – Helmut Krauss
Steuermann – Lutz Mackensy
Matrose Nautilus – Frank Felicetti
Ausguck 1 – Rainer Fritzsche
Ausguck 2 – Konrad Bösherz
Ausguck 3 – Sascha Rotermund
Ausguck 4 – Christian Stark
Maschinist – Andre Beyer

Technik-Credits:

Produktion, Regie & Lizensierung: Sebastian Pobot
Co-Regie & Sprachschnitt: Patrick Holtheuer
Aufgenommen 2015 von: Steven Schulze, Marko Peter Bachmann, Florian Lüttich, Johannes Wronka, Stefan Hagen, Sebastian Pobot
Studio Berlin: Media Paten
Studio Hamburg: Multicore Productions
Studio München: Kamaloft / Downtown Studios
Dialogbuch: Markus Topf und Dominik Ahrens
Musik (Themes und Logos): Alexander Schiborr
Musik (Underscore und Szenenunterrnalurıg): Michael Donner, Manuela Trutte und WinterZeit
Mix und Sounddesign: Markus Winter, WinterZeit Studios
Montage und Mastering: Oliver Baumann, Winterzeit Studios
Artwork / Boulder / Logo-Entwurf und Design: Mark Freier
© 2015 Maritim Verlag, a Division of Skysoore Media GmbH

Die Ausstattung:

Die CD steckt in einem Jewel-Case. Das Booklet enthält die Sprecherliste, ein Vorwort der Autoren, die Technik-Credits, Verlagswerbung und Portraits nebst Infos zu zwei der hier beteiligten Sprecher: Christian Brückner und Sascha Draeger. Eine Trackliste gibts nicht zu sehen.

Mein Fazit:

Wer Sascha Draeger noch nie in seiner Rolle als TKKG-Häuptling gehört hat … und das werden leider die wenigsten Hörspielfreunde sein … der kann ihm seine Rolle als Phileas Fogg gut abkaufen. Gleiches gilt auch für viele der anderen Sprecher, die dem Hörer allesamt aus anderen Produktionen bekannt sind … leider zu gut.

Die Figur des Fogg ist hier oftmals sehr unsympathisch und für mich zu arrogant, abweisend und herablassend gezeichnet worden, auch wenn das zu alt-englischer Aristokratie passen könnte. So kommt der Hörer zwar gern mit auf diese Unterwasserabenteuerreise, bleibt aber auf Abstand zum Protagonisten. Die Idee, ihn stark an Sherlock Holmes anzulehnen, fand ich allerdings interessant. Dass sich das eigentliche Abenteuer hier extrem wie MOBY DICK anfühlt, na ja … irgendwann wäre es für mich mit den Anlehnungen auch gut gewesen.

Unterm Strich bleibt eine interessante Grundidee, die für meinen Geschmack mit zu vielen bereits auf bestimmte andere, bekannten Figuren festgelegte Stimmen besetzt wurde. Die Geschichte selbst fühlt sich ein wenig wie der Anfang einer Abenteuersoap an, in der es in jeder Folge das „Monster der Woche“ gibt. Dieses hier ist nicht nur extrem schnell abgehandelt, sondern kam bereits in Vernes Roman vor … genau wie leider so ziemlich alles hier erzählte auch … nur mit leicht veränderter Besetzung.

Der Eindruck verändert sich vielleicht mit der zweiten Folge, falls diese Episode ausschließlich der Einführung in die Welt und der Vorstellung der Figuren dienen sollte … wirklich viel Abenteuer gibts hier nicht zu hören. Das, was es zu hören gibt, ist zwar bekannt, aber von guter Geräuschhandwerkskunst gezimmert und auch die Sprecher wissen gut zu unterhalten. Wenn sie beim Hörspielfan nur nicht alle im Kopfkino schon ganz andere Rollen spielen würden …

1 Audio-CD mit 62:12 Minuten Spieldauer
Anzahl der Tracks: 18
Vom Verlag empfohlen ab 10 Jahren

www.winterzeitstudios.de
www.maritim-hoerspiele.de

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