Berndorf, Jacques – Meisterschüler, Der

Mit seinen Eifel-Krimis hat sich Jacques Berndorf in den vergangenen Jahren seine Sporen in hiesiger Kriminalliteratur verdient. Seine authentischen, absolut realitätsnah aufgezeichneten Landschaftsdokumentationen, sein Faible für die eigenbrötlerische Welt des westdeutschen Mittelgebirges, vor allem aber die Fähigkeit, ohne jegliche überflüssige Ausschmückung auf den Punkt zu kommen, aber dennoch malerisch zu erzählen, werden von Lesern und Kritikern gleichermaßen geschätzt.

Seit geraumer Zeit hat Berndorf nun ein zweites Betätigungsfeld im Krimi-Metier eröffnet. Mit den BND-Krimis wagt er sich an härtere Fälle heran und entfernt sich kategorisch von seinem Spezi, der Eifel, nur um später dann doch wieder dorthin zurückzukehren …

_Inhalt:_

Nach den Anschlägen auf verschiedene Ziele in Mumbai laufen auch beim BND die Drähte heiß. Ein Serientäter, der vor Ort unbeobachtet von allen Kameras eine Mossad-Bedienstete ermordet hat und offenbar auch noch in New York und Bogota zugange war, scheint nun auch am Mord an einen Kölner Priester beteiligt gewesen zu sein. Sein Visitenkärtchen ‘Im Namen Allahs‘ prangert an den jeweiligen Tatorten und hinterlässt eine enorme Blutspur, der auch die BND-Mitarbeiter um Top-Agent Krause nachgehen.

Zur gleichen Zeit erhält Svenja Takamoto den Auftrag, den Vizepräsidenten des pakistanischen Geheimdienstes außer Landes zu bringen, weil er Informationen gesammelt hat, mit denen er den aggressiven Part der Regierung in Bedrängnis bringen könnte. Sein Kopf ist der meistgesuchte in Pakistan, und auch wenn die Pläne des BND bis ins letzte Detail gefestigt sind, kann auch Svenja nicht verhindern, dass Ismail Mody nur knapp seinem Tod entgeht. Und während sich die Lage auf pakistanischem Boden zuspitzt, müssen Krause, Müller und Co. zusehen, wie der gesuchte Mörder inkognito wieder zuschlägt. Und sein Ziel ist kein x-beliebiges, sondern ein Militärstützpunkt in der Eifel, auf dem die Beamten des CIA offenbar schmutzige Wäsche waschen …

_Persönlicher Eindruck:_

Mit seinem dritten BND-Krimi begibt sich Jacques Berndorf auf riskantes Terrain. In diesem Fall nutzt er ein reales Attentat, nämlich jenes in Mumbai im November 2008, um seine Story anzuheizen und sie schließlich mit fiktiven Inhalten weiter voranzutreiben. Und zu Beginn tut sich Berndorf auch merklich schwer. Der Leser wird ins kalte Wasser geschmissen, mit allerhand Erzählsträngen gefüttert, letzten Endes mit Infos geradezu überhäuft, ist aber schließlich nicht durch die Fülle der Details verwirrt, sondern durch die unglaubliche Transparenz, die der Autor hier auffährt.

Der Macher der Eifel-Krimis lässt sich von der ersten Seite an viel zu offensichtlich in die Karten schauen, gibt immer wieder zu viele Nuancen zu den Hintergründen der terroristischen Handlungen preis und kann dieses offenkundige Manko nicht dadurch wettmachen, dass er wenigstens um das Vermächtnis von Ismail Mody, der vom BND unter Personenschutz gestellt wird, ein kleines Geheimnis macht.

Jedenfalls dauert es nicht sonderlich lange, bis Berndorf den Täter namentlich und im Hinblick auf seine Motive beschrieben und vorgestellt hat. Die Fragen zum Wer sind genauso schnell geklärt wie diejenigen zum Warum. Was dem Autor also bleibt, ist die Qualität der insgesamt drei Erzählstränge, die für sich betrachtet sicher einiges an Potenzial bereithalten, dieses aber eben nicht entschieden und effektiv ausspielen.

Zwar gelingt es Berndorf, zunächst einmal alles unabhängig voneinander zu konstruieren und somit das Offensichtliche, nämlich die spätere Zusammenführung, in Frage zu stellen. Doch letzten Endes sind die einzelnen Passagen einfach zu verlässlich aufeinander abgestimmt, als dass man hier grübeln müsste, inwiefern ein Zusammenhang überhaupt möglich ist. Der Altmeister zeigt sich leider viel zu oft von seiner ungeschickteren Seite, vermeidet jedwede inhaltliche Komplexität und schreibt in diesem Fall wirklich nur für jenes Publikum, dem einfache Kost gerade anspruchsvoll genug ist, und welches sich beim Lesen nicht sonderlich lange mit Grübeln, Nachdenken oder auch Atem anhalten beschäftigen möchte.

Das Potenzial für solche Ereignisse ist „Der Meisterschüler“ nämlich weder inhaltlich, noch hinsichtlich des mageren Spannungsaufbaus in die Wiege gelegt worden.

_Fazit:_

Man kann letzten Endes streiten, ob eine 007-isierung, wie sie in den ersten beiden Romanen um die Figuren Krause etc. betrieben wurde, sinnvoll ist. Doch im direkten Vergleich zeigt sich, dass eine Verteilung der Schwerpunkte auf zu viele Handlungsspielräume und Charaktere innerhalb der BND-Serie (noch) nicht funktioniert.

Entgegen vieler Behauptungen entpuppt sich Part drei der Reihe als das bislang schwächste Glied in der Kette und erweist sich – überraschenderweise – als ein Berndorf-Roman, den man nicht zwingend gelesen haben muss. Mit anderen Worten: „Der Meisterschüler“ ist eine ziemliche Enttäuschung, der das Bauchgefühl fehlt, und die summa summarum nahezu ausschließlich konstruiert wirkt.

|Hardcover: 415 Seiten
ISBN-13: 978-3-453-26643-8|
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