Gier, Kerstin – Saphirblau – Liebe geht durch alle Zeiten 2

_Weiter, weiter!_

Wenige Tage sind vergangen, seit die 16-jährige Gwendolyn Shepard erfahren hat, dass nicht ihre hochnäsige Cousine Charlotte, sondern sie selbst das Zeitreisegen ihrer Familie geerbt hat. Während Charlotte ihr bisheriges Leben lang mit Tanz- und Fechtunterricht sowie dem Pauken von diversen Sprachen, Geschichte und kulturellen Unterschieden in den verschiedenen Jahrhunderten gründlich auf ihre Zeitreisen vorbereitet wurde, tappt die unbedarfte Gwendolin von einem Fettnäpfchen ins andere, während sie tägliche Zeitreisen in ungefährliche Jahre sowie quälende Stunden Tanz- und Benimmunterricht über sich ergehen lassen und außerdem ihre Schule sowie ihr restliches Sozialleben auf die Reihe bekommen muss. Zudem traut man ihrem sorglosen und naiven Wesen nicht zu, das große Geheimnis, dessen Teil sie als „Rubin“ einnimmt, zu verstehen – geschweige denn vollständig eingeweihter Teil des Geheimbundes zu werden.

Solchermaßen unwissend, bleibt ihr beinahe nichts anderes übrig, als an Gideons Hand durch die Zeitreise-Liebesgeschichte der deutschen Autorin Kerstin Gier zu stolpern. Der gutaussehende, vielfach talentierte Gideon trägt ebenfalls das besagte Gen in sich, ist jedoch offensichtlich über alles voll im Bilde und spielt seine Überlegenheit bei jeder sich bietenden Gelegenheit aus, so dass Gwen nicht nur durch ihre Unwissenheit, sondern auch durch den inneren Zwiespalt zwischen aufkeimender Liebe und empörter Abneigung verunsichert wird. Doch ihre Freundin Leslie steht ihr mit Hilfe des Internets und ihres analytischen Verstandes bei der Erforschung des Geheimbundes und in Liebesangelegenheiten unerschütterlich zur Seite. Sie ist auch die Einzige, die weiß, dass Gwendolyn in der Lage ist, Geisterwesen zu sehen und mit ihnen zu sprechen. Als sehr nützlich erweisen sich die Bekanntschaft mit dem Schulgespenst James, welches ihr in Sachen Anstandsregeln im 18. Jahrhundert so manchen Tipp geben kann, und mit Xemerius, einem Dämon, der sich nicht nur als ein anhänglicher Nervtöter herausstellt, sondern als Spion auch gute Dienste leistet. Nicht zuletzt kann sich Gwen auf die Hilfe ihres Großvaters verlassen, mit dem sie in der Vergangenheit zusammentrifft, während man sie eigentlich Hausaufgaben erledigend in einem dunklen Kellerraum wähnt.

_Mein Eindruck_

„Saphirblau“ ist der zweite Teil der Trilogie „Liebe geht durch alle Zeiten“. Was im ersten Teil [„Rubinrot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5664 mit einem Kuss angedeutet wurde, entwickelt sich zu einer Liebesgeschichte, die mit einer Liebeserklärung des grünäugigen Gideon nur ein vorläufiges Happyend findet, denn dem zwielichtigen Graf St. German, der Gwendolyn bereits im ersten Buch verängstigt, gelingt es auch im zweiten Teil, seine undurchsichtigen Fäden so zu spinnen, dass niemand dem anderen vertraut und auch Gwen nicht an Gideons Liebe glauben kann. Ihrer Cousine Lucy und Gideons Verwandtem Paul und deren Motiven kommt man nur so weit auf die Schliche: Sie haben den ersten Chronographen, mit dessen Hilfe kontrollierte Zeitreisen möglich werden, gestohlen und halten sich in der Vergangenheit vor dem Geheimbund versteckt. Ihr Ansinnen ist es offensichtlich, den Initiator und Kopf der Loge, Graf St. Germain, töten zu lassen, weil sie Kenntnis davon haben, was der Chronograph wirklich vermag, wenn erst das Blut aller Zeitreisenden dort eingelesen worden ist. Sie wissen, welche Opfer die Macht, die dem Grafen dann verliehen werden wird, darüber hinaus fordert. Genaueres wird leider noch vorenthalten, aber eines ist ganz klar: Gwendolyn wird nicht nur verdächtigt, mit ihnen gemeinsame Sache zu machen, sondern auch ihr Leben ist in höchster Gefahr. Damit entlässt die Autorin ihre Leser in die Wartezeit auf den dritten Teil, der im Herbst 2010 erscheinen wird.

Kerstin Gier verzaubert ihre Leser mit einer Geschichte von der ersten großen Liebe mit Höhen und Tiefen, wie man sie nur als Teenager erleben kann. Alles daran ist neu und rätselhaft: das Küssen, das Sehnen, das Verhalten des Geliebten, das eigene Verhalten und nicht zuletzt das Wechselbad der Gefühle zwischen „himmelhoch jauchzend“ und „zu Tode betrübt“. Hinzu kommen die ganz alltäglichen Probleme, mit denen man sich herumschlagen muss: das allzu kritisch bewertete Aussehen, die Schule, Lehrer, nervige Verwandte und ein wenig gefestigtes Selbstbewusstsein. Als sei das alles noch nicht genug, wird Giers Hauptfigur einmal am Tag fürchterlich übel, und kurz darauf landet sie für mehrere Stunden in einer anderen Zeit.

Ihre jugendlichen Leserinnen finden sich gewiss in Gwendolyn wieder, und auch die erwachsenen erinnern sich noch an die Zeit, in der sie von Prinzessinnenroben träumten und sich einen gutaussehende Beschützer an ihre Seite wünschten. Die Zeitreisegeschichte dient in diesem Sinne als nette Verpackung und als Spannungselement. Doch die bezaubernde Naivität, die nur einem jungen Mensch wie Gwen innewohnt, die bereits so viel von der Welt und dem Leben zu kennen glaubt und dabei doch nur eine vage Ahnung von ihren Dimensionen und dem eigenen Platz im Leben hat, amüsiert den Leser und macht die Figur überaus sympathisch. Wenn Gwen trotz eines Antialkohol-Paktes mit ihrer besten Freundin auf einer Soirée im 18. Jahrhundert merklich angetrunken „Memory“ aus Cats zum Besten gibt und bei ihren Lieblingszeilen „If you touch me, you’ll understand what happiness is“ bemerkt, „dass das Lied nicht speziell für Katzen geschrieben sein konnte“, zeigt sich der wunderbare Humor der Autorin, welcher bereits den unverwechselbaren Charme ihrer ersten Bücher wie „Männer und andere Katastrophen“ oder „In Wahrheit wird viel mehr gelogen“ geprägt hat. Tatsächlich sollte man sich auch bei der Lektüre von „Saphirblau“ auf häufiges Schmunzeln und lautes Auflachen gefasst machen.

Der |Arena|-Verlag hat sich entschlossen, die wunderbare Covergestaltung Eva Schöffman-Davidoffs auch für den zweiten Band beizubehalten. Dieses Mal winden sich als Schattenriss gestaltete erhabene Ranken auf dem blauen Grund der Vorder- und Rückseite um die beiden Hauptfiguren. So wird auch äußerlich ein Zusammenhang zwischen den Romanen hergestellt. Der Leser kann die fledermausartige Figur, welche zunächst nur als schmückendes Beiwerk erkennbar war, nun dem Dämon Xemerius zuordnen. Alles in allem macht sich auch dieser Band gut im Bücherregal und ist ein lesenswerter Schmöker, der trotz seiner knapp 400 Seiten nicht viel Lesezeit in Anspruch nimmt.

_Die Autorin_

Kerstin Gier (geb. 1966 bei Bergisch Gladbach) ist eine deutsche Autorin, die – auch unter den Pseudonymen Jule Brand und Sophie Bérard – überwiegend Frauenliteratur verfasst. Gier studierte zunächst Germanistik, Musikwissenschaften und Anglistik, bevor sie zur Betriebspädagogik und Kommunikationspsychologie wechselte und als Diplompädagogin abschloss. Nach mehreren Jobs begann sie 1995 mit dem Schreiben von Frauenromanen. Sie wohnt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in einem Dorf im Bergischen Land. Ihr erstes Buch „Männer und andere Katastrophen“ von 1996 wurde mit Heike Makatsch in der Hauptrolle verfilmt. 2005 erhielt Kerstin Gier den DeLiA-Literaturpreis für Liebesromane deutschsprachiger Autorinnen. Mit der auf drei Bände angelegten Reihe über die Abenteuer von Gwendolyn und Gideon in London („Rubinrot“, „Saphirblau“ und „Smaragdgrün“) verfasste sie erstmals einen Jugend- und Fantasyroman. (Quelle: |Wikipedia|)

|400 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3401063478|
http://www.arena-verlag.de
http://www.kerstingier.de
[DeLiA-online.de]http://www.delia-online.de/html/mitglieder__gier__kerstin.html

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[„Rubinrot. Liebe geht durch alle Zeiten“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5664
[„Die Mütter-Mafia“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4328
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