Miles Cameron – Der Drache erwacht (The Traitor Son Cycle 3)

The Traitor Son Cycle

Band 1: Der rote Krieger“
Band 2: Das gefallene Schwert“
Band 3: „Der Drache erwacht“
Band 4: „The Plague of Swords“ (noch ohne dt. Titel)

Die Rettung des moreanischen Kaisers hat dem Roten Ritter das Herzogtum Thrake eingebracht. Würde er sich mit seiner Mutter zusammentun, läge die Herrschaft über den gesamten Westwall in den Händen einer einzigen Partei.

Aber zum Unwillen Ghauses hat Gabriel andere Pläne. Die Königin hat ihn um Hilfe gebeten, und so macht er sich auf den Weg nach Harndon, um dort am Turnier teilzunehmen.

Allerdings sieht es so aus, als ob das Schicksal der Königin bereits entschieden wäre, noch bevor Gabriel sich überhaupt auf den Weg gemacht hat …

Der Rote Ritter ist inzwischen von seiner Vergangenheit eingeholt worden. Aus dem Geheimnis um seine Herkunft ist bereits ein Gerücht geworden, und seit er vom Kaiser zum Dank ein Herzogtum erhalten hat, wird er von den Menschen eher als Adliger wahrgenommen denn als namenloser Söldner.

Echte Charakterentwicklung zeigt sich aber eher bei der Königin. Mut und Standhaftigkeit waren ihr schon immer zu eigen, doch jetzt scheint sie zum ersten Mal an ihre Grenzen getrieben zu werden. Die Erfahrung geht nicht spurlos an ihr vorüber. Sie ist einerseits verletztlicher, andererseits härter geworden. Ihr bisher stets so sonniges Gemüt wirkt inzwischen oft eher wie eine Maske als wie ihr wahres Wesen.

Bei Amicia entwickelt sich vor allem ihr Potential. Einen eigenen Kopf hatte sie schon immer, aber das Ausmaß ihrer magischen Macht sorgt immer wieder mal für Überraschungen … auf allen Seiten!

Ansonsten entwickelt sich eher die Konstellation der Figuren untereinander. Nicht alle Wildbuben haben noch immer den Sturz von König und Adel als Hauptziel, der Feenritter Tapio, der sich bereits am Ende des ersten Bandes von Thorn losgesagt hat, schmiedet nun ein Bündnis gegen ihn, und de Vrailly kommen allmählich nicht nur Zweifel an seinem ehemaligen Gefolgsmann de Rohan, sondern auch an seinem Engel! Der Umbruch innerhalb von alten Bündnissen und die Bildung von neuen zieht sich durch das gesamte Buch, bis am Ende sämtliche Parteien neu aufgestellt sind.

Das ist auch gut so, denn die Gallyer waren in diesem Band so unerträglich wie im letzten schon. Die Ereignisse in Harndon bis zum Turnier kosteten mich daher einiges an Überwindung, überhaupt weiterzulesen. Ähnliche Schwierigkeiten hatte ich dann auch wieder gegen Ende, denn wie wohl nicht anders zu erwarten steuerte auch dieses Buch auf einen Höhepunkt in Form einer Schlacht zu. Und obwohl Miles Cameron diesmal nicht so genau auf die unangenehmen Details einer Schlacht gegen Kobolde und andere Monster einging wie in Band eins, machte sich bei mir doch allmählich eine gewisse Ungeduld breit. Denn irgendwie laufen diese Schlachten alle mehr oder weniger gleich ab. Bei allen Feinheiten in Bezug auf Strategie und Taktik ist die tatsächlich dargestellte Handlung doch immer dieselbe, nämlich Kampf und Blutvergießen.

Da sich dieser Aspekt nicht nur auf den finalen Höhepunkt beschränkt, sondern auch zuvor schon in diversen Scharmützeln vorkommt, wurde mir das, was mich im zweiten Band so überhaupt nicht störte, diesmal eindeutig zu viel. Selbst die Entwicklung von Ash, die tatsächlich etwas Neues war, hat letztlich nur zu einer Steigerung des Faktors „Schrecken“ beigetragen.

Und wie ich fürchte, ist im nächsten Band keine große Änderung zu erwarten. Ash in seiner neuen Erscheinungsform mag eine neue Herausforderung sein, vielleicht müssen sie, bevor die Sache ausgestanden ist, auch bis nach Gallyen fahren, aber letztlich wird es wohl jedes Mal auf dasselbe hinauslaufen: auf eine Reihe von Kämpfen in der einen oder anderen Form.

Das bringt mich ein wenig in die Zwickmühle. Denn die weitere Entwicklung von Schwester Amicia und der Königin würde mich durchaus interessieren. Das Duell der Königin gegen Ash gehörte zu den interessantesten Stellen des ganzen Buches. Ich weiß allerdings nicht, ob ich bereit bin, mir für diesen relativ kleinen Teil der Geschichte noch mehr Schlachten und Gemetzel anzutun.

Unterm Strich muss ich sagen, wird die Geschichte um den roten Ritter doch allmählich zu einseitig. Schilderungen von Kämpfen oder auch von Lagerleben und Truppenbewegungen ähneln sich zu sehr, als dass ich in jedem Band aufs Neue ausführlich darüber lesen will. Andere Erzählfäden, die mich viel mehr interessieren würden, wie Harmodius Beziehungen nach Dar As Salaam, der Ifriqu’yaner Ser Pavalo oder Morgan Mortimir und seine Studien, spielen einfach eine zu geringe Rolle, um das auszugleichen, zumindest bisher. Im nächsten Band haben die Gefährten um Gabriel eine andere Art von Gegner, vielleicht ändert sich das dann. Ich bin mir aber wirklich nicht sicher, ob mir ein „vielleicht“ genügt, um die Lektüre zu riskieren.

Miles Cameron hat ein Studium in mittelalterlicher Geschichte sowie eine militärische Laufbahn hinter sich. Wenn er nicht gerade schreibt, nimmt er in voller Rüstung an Turnieren teil oder campiert mit einem mittelalterlichen Treck im kanadischen Outback. The Traiter Son Cycle ist Camerons erster Zyklus, der nächste Band erscheint voraussichtlich im Oktober dieses Jahres unter dem Titel „The Plague of Swords“, ein Erscheinungsdatum für die deutsche Übersetzung steht noch nicht fest.

Broschiertes Buch 992 Seiten
Originaltitel: „The Dread Wyrm“
Deutsch von Michael Siefener
ISBN-13: 978-3453314436

www.randomhouse.de/heyne

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