Breitenstein, Todd – Zombies!!!

_Der ganz normale Zombie-Horror_

Nach etlichen witzigen Kartenspielen und einem sehr großen Beitrag zum Rollenspielsektor nahm der |Pegasus|-Verlag im letzten Jahr ein Spiel ins Programm, das sich mit dem in Brettspielkreisen bislang nur selten angeschnittenen Bereich des Horrors beschäftigt. In „Zombies“ (natürlich in der Widescreen-Edition) hat Spieldesigner Todd Breitenstein seine ganze Vorliebe für Regisseure wie Romero verarbeitet und eine überaus spannende Zombiejagd kreiert, die neben heftigen Schlachten mit den Untoten auch eine Menge Spaß bringt. Fünf Jahre nach Erstveröffentlichung in den Staaten bzw. ein Jahr nach dem hiesigen Release ist das Spiel schon zum Kult heraufbeschworen worden. Zu Recht? Nun, einfach weiterlesen:

_Spielidee_

Eine Horde von unnachgiebigen Zombies ist in die Stadt eingefallen und macht sämtliche Gebäude und Straßen unsicher. Überall wüten die auferstandenen Leichen und suchen nach neuen Opfern, um sich immer weiter zu vermehren. Trotz effektiver Waffen bleibt den Verfolgern der Untoten nur die Flucht zum Hubschrauberlandeplatz, von wo aus man die Stadt verlassen kann. Bis dorthin ist es jedoch ein weiter, unsicherer Weg, denn erst nach intensiver Suche wird man den Fluchtpunkt ausfindig machen, und bis dahin hat die Zombie-Horde möglicherweise schon längst brutal um sich gegriffen.

_Spielmaterial_

• 30 Stadtplan-Teile
• 50 Ereigniskarten
• 100 Zombiefiguren
• 6 Spielfiguren
• Jeweils ein Bogen mit Munitions- und Lebensmarken
• 2 Würfel
• 1 Spielregel

So klasse das Spiel auch sein mag, bei den Spielmaterialien hätte man vielleicht noch ein bisschen mehr Liebe zum Detail zeigen müssen, zumindest bei den Stadtplan-Teilen. Das Problem hierbei ist nämlich, dass sie wegen ihrer glatten Oberfläche immer wieder leicht verrutschen, was in der Praxis dann so aussieht, dass man nach dem Aufheben einzelnen Gegenstände und Figuren immer wieder das gesamte Stadtplanfeld zurechtrücken muss, was wiederum manchmal ziemlich nervig sein kann.

Davon abgesehen, ist die Gestaltung der Spielmittel wirklich toll. Nicht nur die Fülle an Spielfiguren spricht einen sofort an, sondern auch die Aufmachung der Karten und die tollen, wirklich in bester B-Movie-Manier illustrierten Ereigniskarten.

_Vorbereitungen_

Vor jeder Partie werden die beiden Stadtplan-Teile ‚Stadtzentrum‘ und ‚Hubschrauberlandeplatz‘ heraussortiert; die übrigen Stadtplan-Abschnitte werden gut durchgemischt. Anschließend wird die Stadtmitte als Startpunkt auf dem Tisch ausgelegt; der Hubschrauberlandeplatz wird als letzte Karte unter den Nachziehstapel gelegt.

Jeder Spieler wählt nun eine Farbe und setzt die entsprechende Spielfigur auf das Startfeld. Weiterhin zieht jeder Spieler drei der Ereigniskarten und erhält jeweils drei Munitions- und Lebensmarken als Startkapital. Nachdem dann zufällig ein Startspieler ermittelt wurde, beginnt das Spiel.

_Spielziel_

In „Zombies“ lautet die erste Devise durchhalten und warten, bis der Hubschrauberlandeplatz erreichbar ist. Dies ist jedoch gar nicht mal so leicht, denn die Zombies sind nach einiger Zeit überall in der Stadt vertreten, und es gibt kaum noch ein Entrinnen. Wer als Erster auf dem Hubschrauberlandeplatz angelangt ist und ihn von Zombies gesäubert hat, hat das Spiel gewonnen. Alternativ geht derjenige als Sieger hervor, der als Erster 25 Zombies abgeschlachtet hat.

_Spielablauf_

Ein Spielzug besteht aus insgesamt sechs Aktionen, die man, falls möglich, auch allesamt durchführen muss. In der Übersicht sieht der Ablauf eines Zuges wie folgt aus:

1.) Ein Stadtplan-Teil ziehen und an ein beliebiges Feld anlegen
2.) Zombies, die sich im Weg befinden, bekämpfen
3.) Die Kartenhand wieder auf drei Karten auffüllen
4.) Die Spielfigur bewegen
5.) Die Zombies bewegen
6.) Eventuell Handkarten abwerfen

Jeder Spielzug beginnt damit, dass man ein Teil des Stadtplans vom Nachziehstapel zieht und es an irgendein anderes Feld so anlegt, dass es mit der Straße verbunden ist. Auf jedem Teil befinden sich separat Angaben über die Besetzung des Stadtplans, also wie viel Munition, Lebensmarker und Zombies sich darauf befinden müssen. Der Spieler nimmt nun die entsprechenden Anzahlen aus dem Vorrat und füllt den Stadtplan-Teil damit, wobei es zu beachten gilt, dass nur erreichbare Felder besetzt werden und pro Feld (jeder Stadtplan-Teil ist noch einmal in neun quadratische Flächen unterteilt) maximal zwei (verschiedene) Sachen platziert werden können. Für den Fall, dass auf dem Stadtplan-Teil keine genauen Angaben gemacht sind, setzt man so viele Zombies auf die Flächen, wie Straßenanschlüsse vorhanden sind. Es besteht auch die Möglichkeit, dass ein Stadtplan-Teil gezogen wird, der nicht angelegt werden kann. Dieser wird dann aus dem Spiel genommen und durch den nächsten ersetzt. Im ungewöhnlichen Fall, dass man gar nicht mehr anlegen kann, ist der Sieg nur noch über den erfolgreichen Kampf gegen 25 Zombies zu erreichen.

Die Kampfphase entscheidet anschließend darüber, inwiefern man überhaupt gegen die Zombies gerüstet ist. Sollte bereits ein Zombie auf dem Feld stehen, auf dem die eigene Spielfigur sich befindet, muss man sofort kämpfen. Ein Kampf gilt dann als bestanden, wenn man Zahlen zwischen 4 und 6 erwürfelt. Für jede geringere Würfelsumme besteht noch die Möglichkeit, entweder einen Lebensmarker einzusetzen und erneut zu kämpfen oder aber die Differenz bis zum Wert 4 mit Munitionsmarken abzustottern. Man kann den Kampf indes nicht unterbrechen; er ist erst dann zu Ende, wenn der Zombie gefallen oder der Spieler tot ist.

Bei einem siegreichen Kampf bekommt der Spieler den besiegten Zombie ausgehändigt und nimmt ihn in den eigenen Vorrat. Dies dient dazu, um die überwundenen Zombies zu zählen. Verliert er jedoch den Kampf, muss er die Hälfte der eingesammelten Zombies wieder zurück in den Hauptvorrat legen und sich zurück auf das Feld der Stadtmitte begeben. Seinen nächsten Zug startet er von dort aus wieder mit drei Lebens- und Munitionsmarken. Es besteht im Übrigen nicht die Chance, andere Spieler anzugreifen.

Vor der eigentlichen Bewegung kann jeder Spieler noch seine Kartenhand auffüllen, bis er wieder drei Karten hat. Zusätzlich darf er beliebig viele Karten offen vor sich liegen haben. Verboten ist lediglich, ein und dieselbe Waffe zweimal gleichzeitig auszuspielen.

Unterdessen darf man Karten zu jedem Zeitpunkt des Spiels, also auch beim Zuge eines Mitspielers, ausspielen. In jeder Runde ist jedoch nur eine ausgespielte Karte erlaubt.

Nun zieht der Spieler seine Figur über das Spielfeld und erkundet die Stadt. Mit einem Würfel wird die Strecke, über die sich ein Spieler bewegen darf, ausgewürfelt. Nun zieht er maximal so viele Felder, wie die Würfelsumme vorgibt; dies ist allerdings kein Soll! Sobald er auf seinem Weg einen Zombie kreuzt, kommt es zum Kampf. Munitions- und Lebensmarken, die auf einem Feld frei (oder von einem Zombie bewacht) ausliegen, darf man auflesen, sobald man dieses betritt bzw. den Zombie besiegt hat. Man darf allerdings nicht auf jede Fläche eines Stadtplan-Teils ziehen; die erlaubten Felder sind aber auf den Karten markiert.

Der letzte aktive Spielzug besteht darin, die Zombiebewegung durchzuführen. Der Spieler würfelt hierzu erneut und bewegt der Würfelsumme entsprechend Zombies genau ein Feld weiter. Pro Feld ist nur ein Zombie erlaubt, und natürlich dürfen diese sich auch nur in den gekennzeichneten Gebieten aufhalten.

Wenn ein Spieler mit seinen Handkarten unzufrieden ist, besteht jetzt die Möglichkeit, sich von unnützen Ereigniskarten zu trennen und sie abzuwerfen. Anschließend ist der im Uhrzeigersinn nächste Spieler am Zug.

Sobald eines der Spielziele erreicht ist, wird das Spiel sofort beendet und der Sieger ermittelt.

_Meine Meinung_

Ich hatte zuvor schon einiges über dieses Spiel gehört und war deshalb auch sehr gespannt auf meine erste Partie „Zombies!!!“. Und tatsächlich, der Kult ist absolut berechtigt, weil hier in Sekundenschnelle eine richtig tolle, schaurige Atmosphäre geschaffen wird und das Spiel ziemlich authentisch das wiedergibt, was in Streifen wie „Dawn Of The Dead“, „28 Days Later“, etc. geschieht. Jedoch ist in „Zombies!!!“ nicht nur rohe Gewalt, sondern auch ein gewisses strategisches Vorgehen gefordert, denn man kann nicht mal einfach so durch eine Armee von Untoten hindurchziehen und dabei alles und jeden in seiner Umgebung dem Erdboden gleichmachen. In diesem Fall wird man nämlich ziemlich schnell an seine Grenzen stoßen und von der stetig steigenden Anzahl der Monster überrannt werden. Nach einigen Runden ist die Stadt nämlich mit Zombies überfüllt, und man muss sich gut überlegen, wie man sich am besten auf die Attacken gegen die ekelerregenden Gestalten vorbereitet. Außerdem gilt es auch noch, den übrigen Mitspielern das Leben schwer zu machen und ihre Umgebung mit zahlreichen Zombies zuzupflastern, bis einem irgendwann kaum noch eine Chance bleibt, sich von der Bedrohung zu befreien – es sei denn, man tritt den Rückzug an, verspielt dabei aber dann wieder wichtigen Boden auf dem Weg zum Hubschrauberlandeplatz.

Eine wichtige Komponente an diesem Spiel ist, dass es in allen Spielvarianten eine vergleichbare Spannung liefert. Selbst im Spiel zu zweit gerät der Kampf gegen die Untoten zu einem überaus spannenden Wettstreit, bei dem sich das Blatt durch das geschickte Einsetzen von Ereigniskarten und ein wenig Würfelglück bei der Bekämpfung der Feinde von Runde zu Runde wenden kann. Gleich im ersten Spiel zu zweit hatten wir die Situation, dass mein Mitspieler genau 24 (das war in der Tat ein echter Zufall …) Zombies besiegt hatte und noch genau zwei seiner Gegner in seinem Umfeld standen. Meine Figur befand sich hingegen auf dem Weg zum Hubschrauberlandeplatz, der sich genau in der entgegengesetzten Richtung befand. Nachdem ich nun mit einer Ereigniskarte bewirken konnte, dass ich zwei Zombies vom Feld nehmen durfte – ich selber hatte erst 9 besiegt –, war mein Gegner nun gezwungen, den ganzen Weg durch die befreite Stadt zum nächsten Zombiefeld anzutreten, während ich mit genügend Munitions- und Lebensmarken ausgestattet befreit herumwildern konnte. Am Ende kam es dann zu einem wirklich filmreifen Finale, das ich mit genau einem fehlenden Zombie verlor. Echt spannend, was hier passiert.

Im Mehrspieler-Modus hingegen bleibt nur der Weg zum Hubschrauberlandeplatz, weil das Spiel durch insgesamt hundert einsetzbare Zombies erstmal limitiert ist. Doch da jeder sich andere Wege bereitet, bleibt auch hier die Spannung bis zum Schluss erhalten, weil man nie vorab erkennen kann, wo der Platz angelegt wird.

Meiner Meinung nach ist „Zombies“ daher auch ein absolutes Vergnügen, dessen Potenzial unlängst noch mit zwei Erweiterungen gestrafft wurde. Wer auf Horror, Zombies, Taktik und Spaß baut, hat sein Geld bei diesem Titel bestens angelegt.

http://www.pegasus.de

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