Burley, Peter – Take it to the Limit!

_Take it to the – Wahnsinn!_

„Take it to the Limit!“ ist einer dieser Spieltitel, denen man aufgrund ihrer schlichten optischen Aufmachung zu Beginn noch nicht recht trauen will, deren erhöhtes Suchtpotenzial jedoch schon nach der ersten Runde geradezu wahnsinnig macht. Dabei handelt es sich bei diesem bereits in den späten 70ern von Peter Burley entwickelten Spiel um gar kein wirklich komplexes, außerordentlich verworrenes Spiel; ganz im Gegenteil, das Geheimnis liegt wohl definitiv in der Schlichtheit des gesamten Mechanismus, der „Take it to the Limit!“ zugrunde liegt. Es geht lediglich darum, durch das geschickte Legen von sechseckigen Plättchen gleichfarbige Reihen miteinander zu verbinden und einem Puzzle gleich möglichst viele komplette gleichfarbige Linien fertigzustellen. Also ein schlichtes Procedere. Allerdings sieht man sich bereits nach der ersten Partie dazu genötigt, immer wieder zu probieren und zu experimentieren, um einen möglichst hohen Punktewert zu erzielen. Mit anderen Worten: Dieser Titel bereitet schlaflose Nächte, zermürbte Köpfe und mitunter auch ein wenig Frustration. „Take it to the Limit!“ eben, dies jedoch in jeglichen Belangen!

_Worum es geht_

Die Spielidee zu „Take it to the Limit!“ ist auch hierzulande keine neue mehr und im Grunde genommen dem ebenfalls von Burley konstruierten Mega-Seller „Take it easy“ nachempfunden. Letzteres wurde vor einigen Jahren sogar schon einmal für das „Spiel des Jahres“ vorgeschlagen, zog allerdings in der Endausscheidung den Kürzeren.

Nun, grundsätzlich geht es darum, in einem sechseckigen Spielfeld mit insgesamt 37 Feldern eine Auswahl aus insgesamt 64 ebenfalls sechseckigen Plättchen so zu positionieren, dass die jeweils drei farblich gekennzeichneten Linien auf diesen Plättchen miteinander verbunden werden. Jedes Plättchen zeigt auf der Vorderseite jeweils drei Reihen in unterschiedlichen Farben bzw. zu verschiedenen Werten. Diese Reihen sind sowohl senkrecht als auch in beide Richtungen diagonal angeordnet, wobei jeweils vier verschiedene Farben/Werte pro Ausrichtung verfügbar sind. In senkrechter Richtung gibt es beispielsweise nur Linien mit den Werten 1, 4, 9 und 12.

Im Spiel werden nun die Plättchen vor jedem Spiel nach eigenem Ermessen sortiert. Jeder Spieler nimmt sich hierzu einen Satz in seiner Farbe und legt ihn offen vor sich ab. Lediglich ein Spieler dreht all seine Plättchen um, zieht nun eines nach dem nächsten und ruft die Werte darauf laut aus. Die Mitspieler nehmen nun die identischen Plättchen ihrer Farbe und jeder legt sein Plättchen auf eines der Felder seines eigenen Spielplans. In der regulären Spielvariante, dem ‚Nexus Board‘, besteht außerdem die Möglichkeit, insgesamt sieben derzeit unbrauchbare Plättchen auf ein zweites Mini-Feld abzulegen, denn schließlich bringt jede Reihe, die einmal zerstört ist, keinen einzigen Punkt mehr in der Endabrechnung.

Der Spielablauf sieht nun folgendermaßen aus: Nachdem ein Sechseck gezogen und ausgerufen wurde, nehmen alle Spieler das identische Pendant ihrer Farbe und schauen, an welche Stelle auf dem Spielplan es am besten angelegt werden kann. Jeder achtet darauf, dass er möglichst keine eigene Reihe vorzeitig zerstört. Außerdem sollte ein besonderes Augenmerk darauf liegen, die lukrativen Punktwerte in die mittleren Diagonalen des Spielfelds zu legen, denn bei der Endabrechnung gibt es für jede komplette Reihe die Gesamtpunktzahl aller beteiligten Steine. Sollte also am Ende die mittlere Reihe mit insgesamt sieben Sechsecken à zwölf Punkten ausgefüllt und somit komplett sein, erhält der Spieler hierfür sieben mal zwölf, also 84 Punkte – und das ist in „Take it to the Limit!“ schon eine Menge Holz!

Für den Fall, dass doch mal ein Plättchen fehl am Platze scheint, kann man es in den so genannten „Scrapyard“ legen. Dies ist ebenfalls eine Art Sechseck, bestehend aus sieben Feldern, wo quasi der ‚Abfall‘ landen soll. Allerdings hat der Autor auch dies an bestimmte Bedingungen geknüpft. Die längsten Reihen müssen insgesamt 60 Punkte ergeben, ansonsten droht nämlich genau diese Zahl am Ende von der Gesamtpunktzahl abgezogen zu werden.

Eine letzte Überlegung gilt schließlich noch dem Bonussystem; einige Plättchen mit vergleichsweise kleinen Werten laden nämlich dazu ein, einen ganzen Batzen an Extrapunkten zu sammeln. Einzige Voraussetzung: Alle Reihen, die an dieses Plättchen angeschlossen sind, können am Ende eine ununterbrochene Linie aufweisen. Dann gibt es je nach Bonusart 80 respektive 40 Zusatzpunkte. Alternativ reichen auch zwei vollständige Reihen, um zumindest die halbe Punktzahl einzuheimsen.

Das Spiel ist schließlich genau dann zu Ende, wenn alle Felder beider Spielfelder voll sind, sprich nach 44 ausgelegten Plättchen. Dies bedeutet gleichzeitig, dass genau 20 Plättchen nicht zum Zuge kommen und eine gewisse Risikobereitschaft erforderlich ist, weil man natürlich nicht abschätzen kann, was gezogen wird und was nicht. Nach Spielende wertet jeder Spieler seine Reihen samt Bonus und Scrapyard und vergleicht sein Resultat mit seinen Mitspielern. Eventuell kann auch noch die längste Reihe mit Mond- oder Sonnensymbol gewertet werden. Diese Symbole sind auf jeweils der Hälfte der Karten abgebildet und bringen für die längste vollständige Mond- oder Sonnenreihe zehn Punkte pro Plättchen. Doch ganz egal wie: Derjenige mit der höchsten Punktzahl hat natürlich gewonnen.

Neben dem ‚Nexus Board‘ hat Peter Burley auch noch einen Alternativplan erstellt, der durch eine Orchidee beschrieben wird. Dieser Plan wird nur mit Sonnen- oder Mondplättchen gespielt und ist dementsprechend kleiner. Hinsichtlich der Fläche ist er als eine Art Dreieck mit jeweils fünf Feldern langen Kanten beschrieben, jedoch ist jeweils die Mitte dieser fünf äußeren Felder von einer Orchidee durchbrochen. Das Spielsystem funktioniert ähnlich, soll heißen, auch hier legt jeder seine Plättchen möglichst passend aneinander. Allerdings gilt es nun zu beachten, dass nicht mehr jedes Plättchen im Spiel und die genaue Passgenauigkeit nicht mehr zwingend möglich ist. Der Scrapyard wird in diesem Spiel auch nicht verwendet. Stattdessen muss jeder Spieler während der Partie drei seiner Plättchen auf die große Orchidee am Rande des Spielfelds legen. Am Ende des Spiels besteht nun die Möglichkeit, die drei Orchideenfelder in der Mitte mit diesen Ersatzplättchen zu bestücken, was jedoch kein Muss ist. Diese Option dient lediglich der Verlängerung einzelner Reihen, kann aber auch dazu führen, dass plötzlich zwei unterschiedliche Reihen verknüpft und dadurch wertlos werden. Ob man diese Möglichkeit nun auch tatsächlich nutzt, ist jederzeit situationsabhängig.

Die Wertung funktioniert indes gleich, nur dass Mond- bzw. Sonnenpunkte natürlich nicht mehr einbezogen werden.

_Persönlicher Eindruck_

„Take it to the Limit!“ macht definitiv süchtig! Der Hang zur Perfektion wird nämlich jeden halbwegs verbissenen Spieler immer wieder ans Spielbrett locken, um mit einer neuen Auswahl der Plättchen noch höhere Punktewerte zu erzielen und möglicherweise eines Tages sogar das immer passende Puzzle zu erstellen – wenngleich dies größtenteils vom Glück beim Ziehen der neuen Plättchen abhängt und damit nahezu unmöglich scheint. Dennoch: Der Reiz ist unendlich groß, der Drang zur Wiederholungstat nach jeder Partie wieder umfassend spürbar und der Spaß an der ganzen Sache riesengroß – selbst wenn man sich zu einer Solorunde hinreißen lässt und außer Konkurrenz nach neuen Punkterekorden strebt.

Letzteres ist jedoch auch in gewisser Weise gefährlich, denn mitunter verfällt man der Sucht so sehr, dass mit einem Mal die Nacht zum Tag wird, weil man nicht mit der Frustration leben möchte, diese Reihe nicht mehr komplett bekommen zu haben und damit die angestrebte Punktzahl verpasst hat. Und das sind jetzt keine leichtfertigen Floskeln, sondern persönliche Erfahrungswerte …

Analytikern sei indes gesagt, dass Burley seinen eigenen Titel „Take it easy“ um einige entscheidende Nuancen erweitert hat. So ist das Spielfeld um eine weitere Umdrehung vergrößert worden, die Scrapyard-Variante hinzukommen und als Letztes auch noch das Bonussystem auf zwei Ebenen ausgebaut worden. Außerdem ist die Alternativ-Spielweise auf dem Orchideenplan kaum minder reizvoll, letztendlich vielleicht sogar noch ein wenig anspruchsvoller, weil man um mindestens drei Ecken mehr denken muss und somit noch mit dem Schlusspfiff ein verloren geglaubtes Spiel unverhofft wenden kann. Taktik- und Strategie-Fans werden daher auch ihre helle Freude haben, sollten sie auf dieses Spiel stoßen. Dies wiederum sollte momentan nicht ganz so einfach sein, weil Burley keinen deutschen Vertrieb hat und seine Titel momentan nur im englischen Eigenverlag bzw. bei den jährlichen stattfindenden Messen vertreibt. Derartige Hürden sollten jedoch niemanden abhalten, diese optisch zunächst einmal weniger reizvolle Spiel kennenzulernen und eventuell auch ihre alte Fassung von „Take it easy“ damit zu ersetzen. „Take it to the Limit!“ ist komplexer, schwieriger und hinsichtlich der Spieltiefe noch einen Schritt stärker einzuschätzen als der direkte Vorgänger. Ich kann wirklich jedem Freund des Genres nur dringend raten, sich allerspätestens auf der nächsten SPIEL selbst ein Bild von diesem tollen Spiel zu machen und anschließend die Möglichkeit zu ergreifen, ein eigenes Exemplar abzustauben. Bereuen wird es ganz bestimmt niemand.

Kurze Anmerkung zum Schluss: Peter Burley präsentierte kürzlich in Essen bereits einen Prototyp seiner Messeneuheit für das kommende Jahr, eine Schach-Variante, die es wirklich in sich hat. Bei [Burley Games]http//www.burleygames.com bleibt es also spannend!

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