Chance, Karen – Für immer untot

_Cassie Palmer bei |buchwurm.info|:_
[„Untot mit Biss“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5419
[„Hinreißend untot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5741

Pythia wider Willen – die chaotische Cassie Palmer ist eher unfreiwillig zur größten Hellseherin der Welt geworden. Normalerweise erhält man für diese Position jahrelanges Training. Cassie hatte dies nicht. Sie kann dem entsprechend weder vernünftig mit den großen Kräften umgehen, die von der verstorbenen Pythia auf sie übergegangen sind, noch hat sie eine Ahnung, wie sie mit den Intrigen von Vampiren, Magiern und anderen Wesen verfahren soll. Von diesen erhebt nämlich so ziemlich jeder Anspruch auf sie, so dass sie sich in einem undurchsichtigen politischen Gewirr wiederfindet. Zu allem Überfluss ist da noch das Problem mit dem Geis, einem Zauberbann, den der Vampir Mirceas ihr auferlegt hat. Dieser Geis verhindert, dass sich ein anderer Mann ihr nähern kann und verstärkt die unfreiwillige Bindung zwischen Cassie und Mirceas. „Für immer untot“ ist bereits der dritte Band in Karen Chances Reihe, und Cassies Probleme sind bislang nicht weniger geworden.

Um den Geis ein für alle Mal zu beenden und damit sowohl Cassies aus auch Mirceas Leben wieder erträglich zu machen, verbündet sich die Seherin mit Pritkin, einem Magier, dem gegenüber sie nicht unbedingt Sympathien verspürt. Doch was tut man nicht alles, um einen alten Meistervampir vor dem Wahnsinn und sich selbst vor den Verführungskünsten eben jenes Blutsaugers zu retten?

Die Eliminierung des Geis hat jedoch einen Haken: Der Gegenzauber befindet sich in einem alten Zauberbuch, dem Codex Merlin. Doch um dieses zu finden, müssen Pritkin und Cassie in die Vergangenheit reisen. Für Cassie kein Problem, denn Zeitreisen stellen ihre Spezialität dar. Allerdings müssen sie fest stellen, dass man ihnen in der Vergangenheit nicht unbedingt wohlgesonnen ist – und dass der Codex sich entgegen der Legenden ganz woanders befindet. Doch auch in der Gegenwart hat Cassie genug zu tun. Der Vater von Pritkin, ein Dämon, hat es auf sie abgesehen, der intrigante Senat will sie für seine Zwecke einspannen und dann tauchen plötzlich auch noch Straßenkinder auf, die etwas mit Cassies Vergangenheit zu tun haben …

Die Geschichte ist mit über 460 Seiten nicht gerade kurz. Dafür packt die Autorin aber auch genug Ereignisse in die Handlung. Um ehrlich zu sein, sogar zu viele. Die zahlreichen Nebenhandlungen, die entweder in Vorgängerbänden oder in diesem Buch beginnen, überdecken stellenweise die eigentliche Geschichte. Die verschiedenen Feindschaften und Koalitionen zwischen den einzelnen Wesen sind schwer zu durchblicken, selbst wenn man die vorherigen Bände gelesen hat. Hinzu kommt Chances hektischer Erzählstil, der zwar dem chaotischen Wesen der Ich-Erzählerin entspricht, den Leser aber etwas überfordert. Spannung kommt eigentlich erst dann richtig auf, wenn die Nebenhandlungen mal ruhen. Das ist an einer Stelle im Buch, nämlich bei einer längeren Vergangenheitsreise von Cassie, der Fall. Ansonsten sind die Seiten rappelvoll, denn neben den eigentlichen Ereignissen finden darauf auch noch Cassies zahlreiche humorvolle Gedanken und die schlagfertigen Dialoge Platz.

Cassie Palmer war in den vorherigen Bänden immer eine tolle Hauptperson. In „Für immer untot“ schwächelt sie allerdings. Ihr Humor wirkt schlaff, manchmal sogar fehl am Platze, ihre Handlungen sind nicht immer schlüssig. Das, was sie vorher von anderen Figuren abgehoben hat, fehlt. Sie wirkt wie die x-beliebige Protagonistin eines schmalzigen Vampirromans und kommt bei der Unmenge von Handlungssträngen überhaupt nicht mehr richtig zum Tragen. Sie hetzt durch das Buch und gibt dem Leser nur selten die Möglichkeit, sich in Ruhe mit ihr auseinander zu setzen.

Ihr Humor schimmert an der einen oder anderen Stelle zwar noch durch, erscheint aber häufig bemüht. Karen Chance hat ansonsten immer ganz annehmbar geschrieben, doch in diesem Band scheint auch ihr Schreibstil mit der Wucht an Ereignissen nicht zurecht zu kommen. Dass die Autorin zu einer gewissen Geschwätzigkeit neigt und Cassies Gedanken gerne sehr ausführlich darstellt, ist nicht gerade hilfreich. Dadurch wird die Geschichte nur noch unübersichtlicher.

„Für immer untot“ schwächelt. Die Geschichte ist sehr lang und sehr vollgestopft, weshalb sowohl die Hauptfigur als auch Chances Schreibstil nicht mehr wirklich überzeugen können. Es bleibt zu hoffen, dass die Autorin es in den nächsten Bänden vielleicht etwas ruhiger angehen lässt und sich stärker auf die Haupthandlung konzentriert.

|Originaltitel: Embrace the Night
Aus dem Englischen von Andreas Brandhorst
463 Seiten, Taschenbuch
ISBN-13: 978-3492291866|
http://www.piper-fantasy.de
[„Website der Autorin“]http://www.karenchance.com

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