Chandler, David – Grab der Elfen, Das (Ancient Blades 2)

_|Ancient Blades|:_

Band 1: [„Die Metropole der Diebe“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7154
Band 2: _“Das Grab der Elfen“_
Band 3: „Der Thron der Barbaren“ (Mai 2012)

Das hat man nun davon, wenn man sich mit einem Ritter wie Croy anfreundet! Man darf nicht nur Zeuge spielen bei einer Verlobung, bei der man viel lieber selbst der Bräutigam wäre, man wird auch noch wider Willen auf eine Queste an den unheilvollsten Ort des gesamten Kontinents geschleppt, um dort einen Dämon zu jagen! Aber was tut man nicht alles, um einem ungewöhnlich fähigen und hartnäckigen Attentäter zu entgehen …?

David Chandler hat seine Geschichte in diesem Band gewaltig erweitert.

Zunächst einmal gibt es neue Charaktere. Der sympathischere ist eindeutig Mörget, ein Barbar aus dem Osten, der wie Croy eine Ancient Blade trägt. Mörget ist laut, direkt und unkompliziert. Zumindest was seine Methoden angeht. Da die Steppenvölker aus dem Osten aber eigentlich nichts lieber täten, als Skrae zu erobern, ist seine Begleitung wohl trotz allem mit Vorsicht zu genießen. Prestwicke dagegen ist ein wahrer Bluthund. Zwar lächelt er stets freundlich, allerdings wäre er weit weniger unheimlich, wenn er einfach die Zähne fletschen würde. Er ist schnell, geschickt und zögert nicht, jede Möglichkeit zu nutzen, die sich bietet, wenn er damit seinem Ziel näher kommt. Dumm nur, dass nicht klar ist, was eigentlich sein Ziel ist! Denn für einen einfachen Auftragsmörder ist er einfach viel zu gefährlich.

Tiefgründig kann man die Charakterzeichnung auch hier nicht nennen, aber beide sind lebendig und treffend skizziert.

Die zweite Erweiterung betrifft die Örtlichkeit. Obwohl das relativ zu sehen ist, denn Malden verlässt zwar zum ersten Mal in seinem Leben die Stadt, in der er geboren wurde, die Reise selbst währt aber nur kurz, und die eigentliche Geschichte spielt sich hauptsächlich im Innern eines Berges ab. Immerhin aber hat der Autor sich für diesen Berg eine Menge einfallen lassen und seine Ideen sehr bildhaft beschrieben. Das hatte allerdings den Nachteil, dass ich persönlich nicht besonders glücklich darüber war, denn gefallen hats mir da nicht gerade. Wenn ich es mir hätte aussuchen können, wäre ich lieber tausend Jahre früher vorbeigekommen.

Und da sind wir auch schon beim dritten Aspekt, der ausgebaut wurde: dem geschichtlichen Hintergrund. Vor achthundert Jahren haben die Menschen Krieg gegen die Elfen geführt und sie vollständig ausgerottet. Nicht, dass Malden viel Ahnung von der Geschichte seines Volkes hätte, aber selbst das wenige, das er darüber weiß, betrachtet er mit einer gewissen Skepsis. Zu Recht, wie sich im Laufe der Handlung herausstellt. Schade nur, dass diese Entwicklung schon zu Beginn der Handlung so absehbar war.

Natürlich purzeln den Gefährten die Erkenntnisse nicht einfach so in den Schoß. Denn was sie zu ihrer Überraschung an den Wurzeln des Gebirges finden, will eigentlich überhaupt nicht gefunden werden. Und außerdem sind sie nicht die Einzigen, die in den finsteren Tiefen herumstolpern. Offenbar gibt es da noch mehr Leute, die sich für diesen sonst so gemiedenen Ort interessieren, die Frage ist nur, wieso?

Klingt eigentlich recht abwechslungsreich. Ist es auch. Trotzdem war ich mit diesem Band nicht so recht glücklich. Und das lag nicht nur daran, dass ich die Örtlichkeit als ausgesprochen unerquicklich empfand. Eher war es so, dass ich einen ernstzunehmenden Gegner vermisste. Denn der für diese Rolle am meisten geeignete Prestwicke ist die meiste Zeit abwesend, weil er die Truppe erst einmal einholen muss. Als er endlich auf der Matte steht, ist die Geschichte schon fast zu Ende. Die tatsächlich vorhandenen Gegner zeichneten sich einerseits vor allem durch derbe Ausdrucksweise, andererseits durch eine Mischung aus Naivität und geistiger Verwirrung aus. Die einzige wirklich interessante Herausforderung war die Falle in der Schmiede.

So blieb als Gesamteindruck am Ende hauptsächlich der von viel Herumgeirre im Dunkeln übrig. Und einige Details, die ich als unlogisch empfand. Zum Beispiel sollte es nicht möglich sein, einen Dämon, der in der Lage ist, durch eine Ritze zwischen Tunnelwand und Verschlussstein zu schlüpfen, die nicht einmal Wasser durchlässt, dadurch zu fangen, dass man einen Felsblock auf ihn drauffallen lässt! Und wie konnte Balint, die nach eigener Aussage nur kurz vor Malden und seinen Freunden ankam, in der kurzen Zeit gleich zwei heimtückische Fallen bauen? Außerdem kann ein wolkenhoher Berg, selbst wenn er stark ausgehöhlt wurde, kaum derart einstürzen, dass sich danach an derselben Stelle ein Tal befindet. Und selbst wenn das möglich wäre, dann müsste der Berg derart stark ausgehöhlt worden sein, dass ich mich frage, wo in aller Welt die Tunnelgräber den ganzen Abraum hingeschafft haben!

_Letztlich bleibt der zweite Band_ trotz der interessanten Neuzugänge, des exotischen Handlungsortes und der vielen unterschiedlichen Grüppchen, die sich gegenseitig belauern, hinter dem ersten Band zurück. Die größte und geheimnisvollste Bedrohung ist nur eine Randerscheinung und der Rest scheint vor allem ein einziges, großes Missverständnis zu sein. Die vorhersehbare Auflösung des Ganzen und die logischen Stolperer taten ein Übriges. Ich hoffe, im nächsten Band findet David Chandler zu seiner ursprünglichen Form zurück.

_David Chandler lebt in New York_ und arbeitete für die Uno, ehe er mit dem Schreiben begann. „Das Grab der Elfen“ ist der zweite Teil seines Zyklus |Ancient Blades|, der dritte Band der Reihe erscheint im Mai unter dem Titel „Der Thron der Barbaren“.

|Taschenbuch 513 Seiten
Originaltitel: A Thief in the Night
Deutsch von Andreas Decker
ISBN-13: 978-3-492-26755-7|
http://www.piper-verlag.de
http://www.ancientblades.com

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