Driest, Burkhard – Brennende Schuld

Burkhard Driests Krimis spielen da, wo andere Urlaub machen – auf Ibiza. „Brennende Schuld“ ist bereits Driests dritter Roman um den auf Ibiza ermittelnden Hauptkommissar Toni Costa, der sich stets ein wenig hin- und hergerissen fühlt zwischen seinen Aufgaben als Polizist und den Erwartungen seiner mächtigen und einflussreichen Verwandtschaft.

In seinem dritten Fall ermittelt Costa im Fall einer des Nachts an den Strand gespülten, entstellten Leiche, die seine Lebensgefährtin Karin entdeckt. Bei den Ermittlungen finden Costa und seine Kollegin Elena vor einem antiken Altarstein in einer Höhle unter dem Meer zwei weitere Leichen, beide bis auf die Knochen verbrannt. Die Höhle befindet sich unterhalb der Nekropolis Ibizas, der phönizischen Totenstadt im Herzen der Stadt.

Als Costa das dortige Gelände in Augenschein nimmt, trifft er die Archäologin Dr. Laureana Sanchez, eine Koryphäe auf dem Gebiet der karthagischen Geschichte, die bei den Ermittlungen behilflich ist. Costa und seine Kollegen vermuten hinter den Morden zunächst eine rituelle Opferung. Doch Costa kommen Zweifel an dieser These. Auf eigene Faust deckt er noch andere mögliche Hintergründe auf, bei denen er schon bald auf einen Verdächtigen stößt. Doch als er den verhaften will, bricht ein wahres Inferno los. Plötzlich steht der Wald in Flammen, doch die Löschflugzeuge bringen nicht die erhoffte Rettung, sondern Costa beinahe den Tod …

Schon beim Blick auf den Klappentext verspricht „Brennende Schuld“ eine feine Mischung. Ein spannender Krimiplot, ein bislang im Krimigenre wenig abgenutzter Handlungsort, den viele zumindest aus Urlauberinnerungen kennen, und eine Prise geschichtlicher Kontext. Doch bis ins Letzte kann der Roman dann doch nicht den hoch gesteckten Erwartungen gerecht werden. Gerade anfangs kommt die Geschichte irgendwie nüchtern und distanziert rüber. Man braucht einige Zeit, ehe man wirklich in die Geschichte eintaucht.

Driest lässt zwar sprachlich kaum einen Wunsch offen, dennoch gilt es, die Distanz zwischen Leser und Figuren erst einmal zu überwinden, und das dauerte zumindest in meinem Fall dann doch eine ganze Weile. Immer wieder springt der Autor in der Zeit hin und her. Gerade zu Anfang werden häufig Kapitel eingeschoben, die in der Kindheit der Hauptfiguren spielen und deren tieferer Sinn sich nicht immer direkt erschließt. So wird es tendenziell schwerer, in die Handlung einzutauchen und sich darauf einzulassen.

Erschwerend kommt hinzu, dass Driest mit dem Auftauchen der Archäologin Dr. Sanchez auch den einen oder anderen Ausflug in die phönizische Geschichte macht. Das bremst die Spannung ein wenig aus und trägt ähnlich wie die Vergangenheitskapitel dazu bei, dass die Geschichte sich etwas schwer tut, richtig in Fluss zu kommen. Erst mit fortschreitender Seitenzahl schafft Driest es, mit seinem Plot zu fesseln. Der Fall entwickelt sich zielgerichteter, man taucht tiefer in die Geschichte ein und das Spannungsfeld der Figuren wird zunehmend faszinierender. Was letzteren Punkt anbelangt, entwickelt gerade das Verhältnis von Costa zu seiner Lebensgefährtin Karin seinen Reiz. Karin, die die erste Leiche gefunden hat, ist als Journalistin tätig, was für Costas Arbeitsalltag einiges an Konfliktpotenzial bereithält.

Costa selbst gerät im Laufe der Ermittlungen immer wieder in brenzlige Lagen, die sich spannungssteigernd auf den Plot auswirken. Zumindest in einem Fall ist aber die Auflösung einer solchen brenzligen Situation etwas zu haarsträubend zufallsgeprägt. Dass rein zufällig in dem Moment, als Costa bewusstlos in einem Swimmingpool treibt, die Kollegin mit einem mobilisierten Hubschrauber mitten durch ein Großfeuer zu seiner Rettung herbeieilt, klingt dann doch eher so, als hätte Driest seinen Helden hier in eine Situation manövriert, aus der er keinen glaubwürdigen Ausweg mehr gefunden hat. Das schmälert dann wieder etwas den Lesegenuss, auch wenn der Plot zu diesem Zeitpunkt schon mächtig in Fahrt gekommen ist und sein Spannungspotenzial unaufhaltsam zu entrollen beginnt. Auch die Auflösung des Falls birgt noch einiges an Spannung und ist durchaus klug inszeniert.

Die Figur des Hauptkommissars Toni Costa ist dabei durchaus interessant und facettenreich. Ein bisschen südländisch machohaft wirkt er, obwohl er durch seine deutsche Mutter von den Kollegen kaum als echter Ibizenker angesehen wird. Er ist geschieden, und während er mit seiner deutschen Lebensgefährtin Karin auf Ibiza lebt, wohnt seine Ex-Frau mit den beiden Kindern in Deutschland. Familiäre Dinge spielen in den Plot immer wieder hinein. Toni ist ein Spross einer der einflussreichsten ibizenkischen Familien, die die Insel in politischen wie auch in wirtschaftlichen Belangen ziemlich unter ihrer Fuchtel hat. Und nicht immer scheint der Machterhalt der Familie Costa ganz treu mit den Gesetzen des Landes konform zu gehen. So bringt die Familie für Toni Costa durchaus auch Konflikte in seinem Beruf als Polizist mit sich.

Eine weitere Annehmlichkeit birgt der Handlungsort des Romans. Ibiza ist als Krimischauplatz noch ziemlich unverbraucht, und eine Insel, die der Durchschnittsdeutsche höchstens durch Urlaubsreisen kennt, mal durch die Brille der Einheimischen zu betrachten, hat durchaus seinen Reiz. Driest weiß dabei, wovon er spricht, lebt er doch selbst schon seit Jahren auf der Insel. Für Ibizafans ist die Krimireihe um Hauptkommissar Costa sicherlich ohnehin ein größerer Genuss.

Eine Anmerkung noch zur Kontinuität der Reihe. Man kann die Bände auf jeden Fall einzeln für sich lesen, doch Driest verfährt ähnlich wie beispielsweise ein Henning Mankell. Hier und da nimmt er in der persönlichen Reflektion der Figuren gerne mal Bezug auf vorangegangene Fälle. Wer sich also nicht die Spannung vermiesen möchte, tut gut daran, die Reihe in der vorgesehenen Reihenfolge zu lesen, d. h. erst „Roter Regen“, dann „Liebestod“ und zu guter Letzt „Brennende Schuld“.

Bleibt unterm Strich ein etwas durchwachsener Eindruck zurück. Ibiza als Handlungsort ist durchaus reizvoll, auch wegen der interessanten geschichtlichen Hintergründe. Auch die Figur des Hauptkommissar Costa weiß zu überzeugen. Ein paar Schwächen im Handlungsaufbau können diese Vorzüge allerdings nicht verbergen. Auch wenn Driest sprachlich sein Handwerk durchaus versteht, bremst er im Aufbau die Spannung manchmal etwas aus, greift zumindest in einem Fall zu sehr in die Zufallskiste und gestaltet den Einstieg in die Geschichte durch seine Handlungssprünge und geschichtlichen Einschübe leider so unruhig, dass man sich etwas schwer tut, richtig in die Geschichte einzutauchen.

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