Heinsoo, Rob / Miniatures Team – Dungeons & Dragons Miniaturenspiel – War Drums Starter-Set

_Dungeons & Dragons auf dem Spieltisch_

Mit „Dungeons & Dragons“ starteten |Wizard of the Coast| vor einiger Zeit sehr erfolgreich ins Genre des Miniaturenspiels. Basierend auf dem weltberühmten, derzeit vielleicht beliebtesten Rollenspiel-Regelwerk hat der Verlag ein Spiel entwickelt, welches sich den Sammeleffekt von |Trading Card Games| wie [„Magic: The Gathering“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3335 zunutze gemacht hat und zudem als stattliches Tabletop funktioniert. Bereits nach dem Erscheinen der ersten Edition war die weltweite Nachfrage groß; allerorts wurden und werden bis heute Turniere gespielt und auch ständig neue Booster veröffentlicht. Was man jedoch zunächst einmal braucht, ist ein Einstiegsset, und ein solches soll nun hier vorgestellt werden.

_Der Einstieg in die Sagenwelt_

Ohne das Starter-Set geht beim Miniaturenspiel zu „Dungeons & Dragons“ gar nichts. Es sind hier nicht nur die ersten elementaren Figuren enthalten, sondern auch mehrere Spielpläne und eine sehr ausführliche, schrittweise erklärte Spielregel, mit deren Hilfe man recht schnell einen passenden Einstieg in das Spiel bekommt und natürlich auch erste Erfahrungen sammelt bzw. daraus lernt. Ebenfalls eignet es sich zur Meinungsbildung, denn da das Spielprinzip hier schon sehr deutlich beleuchtet wird und man insgesamt auch einen sehr guten Einblick in das bekommt, was einen hier nach einiger Zeit und mit wachsender Miniaturensammlung erwarten wird, ist schnell eine Entscheidung gefallen, ob man das Ganze weiter vertieft oder doch besser zu einem anderen, vergleichbaren Tabletop übergeht. Insofern ist der Zweck dieses Sets also schon mal gründlich erfüllt.

_Inhalt_

• 2 vorgegebene Miniaturen – Wood Elf Ranger und Orc Mauler
• 10 zufällig zusammengestellte Miniaturen
• 12 beidseitig bedruckte Statuskarten
• 2 doppelseitig bedruckte Spielflächen
• 1 20-seitiger Würfel
• 1 Schnellstart-Anleitung
• 1 ausführliche Spielanleitung
• 1 Bogen Schadensmarker
• 1 Übersicht über den Effekt verschiedener Zauber

Die Plastikminiaturen, die in meinem persönlichen Starter-Set enthalten waren, machen echt was her, auch wenn sie qualitativ sicher nicht mit den erstklassigen Monstern mithalten können, die im derzeit aktuellsten Tabletop [„Dreamblade“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3402 enthalten sind. Rein optisch allerdings sind die Figuren absolut klasse, wenngleich auch ein wenig sehr finster gestaltet. Kreaturen wie der Orc Mauler, Shuluth, Archvillain oder der Large Duergar sind eine echte Augenweide und lassen bereits zu diesem Zeitpunkt einiges für die Zusatzbooster sowie die weiteren Editionen dieses Spiels erhoffen.

Das übliche Material ist hingegen qualitativ nicht so besonders hochwertig. Die Schadensmarker bestehen aus dünner Pappe, und die Spielflächen, die wiederum in Posterform aufgebaut sind, besitzen die üblichen Schwächen hinsichtlich ihrer Stabilität. Dafür ist ihre Gestaltung jedoch gelungen. Sehr gut schneiden indes noch die Statuskarten der einzelnen Miniaturen ab, die in Sachen Grafik und Aufbau nicht nur ihren Zweck erfüllen, sondern auch für beste Fantasy-Atmosphäre sorgen.

_Die ersten Schritte_

Wie bei jedem derartigen Spiel sollte man sich zunächst einmal mit den einzelnen Materialien und dabei speziell mit dem Aufbau der Figuren auseinandersetzen. Es empfiehlt sich dabei, ihre Identitätskarten zu nehmen und sie mit Hilfe der Spielanleitung gründlich zu analysieren, damit man beim anschließenden Zusammenstellen seiner |Warband| gewappnet ist. Weiterhin ist eine Studie der verschiedenen Landkarten lohnenswert, weil man später sicher realisieren wird, dass bestimmte ausgewählte Teams in manchen Landschaften leichte Vorteile haben, und da in der Regel per Würfel entschieden wird, welche Karte für die Partie verwendet wird, ist es enorm hilfreich, sie grob inhaltlich zu kennen. Hat man alles verinnerlicht, geht es ans Eingemachte.

_Die Qual der Wahl – die Warband_

Nun, im Falle des Starter-Sets ist die Auswahl jetzt noch nicht so groß, dass man das Spiel schon gänzlich ausreizen könnte, denn zum Aufbau der eigenen |Warband| gilt es einige Bedingungen zu beachten, die hier ggf. noch gar nicht gewährleistet sind, weil das entsprechende Figurenmaterial fehlt. Es ist nämlich so, dass die eigene |Warband| nur einer der vier verschiedene Kampffraktionen (Lawful Good, Chaotic Good, Lawful Evil, Chaotic Evil) angehören kann, und da man bei einer Gesamtzahl von 12 Figuren Schwierigkeiten haben wird, ein Spiel aufzubauen, in dem zwei gleichberechtigte Parteien aufeinandertreffen und diese Bedingung erfüllen, kann man diese Vorgabe ja zunächst noch außer Acht lassen und quasi bunt gemischt spielen.

Der Aufbau der |Warband| ist noch an zusätzliche Voraussetzungen geknüpft. So darf sie maximal 200 Punkte (Kosten) besitzen, wobei keine Figur mehr als 140 Punkte hat. Außerdem gehört ein Commander als Anführer in jede |Warband| und bildet somit den Kopf der maximal acht Figuren umfassenden Einheit. Im Starter-Spiel muss man dabei jedoch auch schon eine Menge Glück haben, um diese Bedingungen zu erfüllen. Aus diesem Grund schlägt das Regelbuch auch vor, manche Feinheiten dieser Vorgaben zu umgehen und stattdessen einfach mit dem zur Verfügung stehenden Material durcheinander zu spielen. Dies ist für den Anfang recht empfehlenswert, denn so erlernt man zumindest schon mal das grundlegende System.

_Kampf vorbereiten_

Jeder Spieler sollte nun eine |Warband| aus maximal acht Charakteren gebildet und sie seinem Gegenspieler gegenüber verborgen haben. In dieser Phase wird die jeweilige Kampftruppe aufgedeckt, wobei zunächst ausgewürfelt wird, wer als Erster seine Leute aufs Spielfeld setzen darf. Zuvor wird außerdem ausgewürfelt, auf welchem Feld überhaupt gespielt wird.

Nachdem der Rahmen aufgebaut wurde und jeder die Karten der Charaktere der |Warband| offen vor sich hingelegt hat, kann das Spiel nun beginnen.

_Verlauf einer Runde_

Eine Runde ist eigentlich nur in zwei grobe Züge unterteilt. Begonnen wird mit dem Auswürfeln der Initiative, wobei das Würfelresultat mit dem Rang des beteiligten Commanders addiert wird. Derjenige mit der höchsten Summe darf nun entscheiden, wer die Runde einleitet. Er kann sich dabei auch für den Gegner entscheiden, um zu sehen, welche Züge dieser plant.

Anschließend werden die Kreaturen auf dem Spielfeld aktiviert. Jeder Spieler darf immer bis zu zwei Figuren auswählen und diese aktivieren. Hierbei kann er zwischen Bewegung mit doppelter Geschwindigkeit, Bewegung mit Kampf und, falls möglich, doppeltem Kampf entscheiden. Eine Bewegung richtet sich dabei ausschließlich nach dem Wert auf der Statuskarte; man darf entsprechend viele Felder weiterziehen, wie es der „Speed“-Wert vorgibt. Für diagonale Strecken gibt es zudem eine Sonderregel. Entscheidet man sich für die Bewegung mit doppelter Geschwindigkeit, wird dieser Wert einfach verdoppelt. Oft ist es jedoch sinnvoller, sich zunächst zu bewegen und dann noch in den Kampf zu treten, schließlich will man seinen Gegner ja möglichst schnell dezimieren. Zu diesem Zwecke haben manchen Kreaturen auch zwei Angriffe zur Verfügung, die in der multiplen Attacke schließlich auch beide ausgespielt werden können. Zu beachten ist lediglich, dass man entweder nur zwei Nahkampf- oder zwei Fernkampfangriffe starten kann.

Wer den Angriff in seinen Zug integriert, kann nun Kreaturen, die sich in der unmittelbaren Nähe befinden, attackieren. Hierzu nimmt er den Würfel und addiert das Wurfergebnis mit dem Bonus seiner Angriffskraft. Ist das Resultat größer oder gleich dem Verteidigungswert des Feindes, fügt man dem Feind einen Schaden im Wert der auf der Statuskarte abgebildeten Summe an. Der wiederum nimmt nun die zugehörigen Plättchen, markiert damit seinen Schaden und subtrahiert ihn von der Anzahl seiner Lebenspunkte. Sobald einer nur noch die Hälfte oder weniger Lebenspunkte hat, muss er nach jeder feindlichen Attacke per Würfel entscheiden, ob er dem mächtigen Gegner trotzen kann oder doch besser ganz aus dem Spiel flieht. In diesem Fall ist die Figur für die weitere Partie ausgeschlossen und hinterlässt dem Gegner fast kampflos seine Punkte als Erbe.

Hat der erste Spieler zwei Kreaturen aktiviert, wechselt die Initiative zum zweiten Spieler, der nun ebenfalls zwei Kreaturen in Aktion treten lässt. Dies geht nun reihum weiter, bis jeder Spieler alle Figuren einmal aktiviert hat. Anschließend beginnt die Runde wieder mit dem Auswürfeln der Initiative.

_Spielende_

Das Ziel eines regulären Spiels besteht darin, 200 Siegpunkte einzufahren und somit auch große Teile des gegnerischen Heers zu vernichten. Punkte bekommt man nämlich für jede zerstörte Kreatur entsprechend deren Kosten. Außerdem bekommt man in jeder Runde zehn Punkte, sobald man feindliche Gebiete mit seinen Figuren besetzt. Sobald ein Spieler dieses Ziel erreicht hat, ist das Spiel sofort zu Ende und dieser Spieler der Sieger.

_Meine Meinung_

Die oben beschriebenen Schritte machen nur einen kleine Teil des riesigen Variantenreichtums dieses Tabletops aus und sollen auch nur in groben Zügen umschreiben, worum es geht. Genau dies ist schließlich auch die Aufgabe eines Startersets, welche vom „War Drums“-Ausgangsset letzten Endes bravourös erfüllt wird. Das Spielmaterial ist ausreichend für einen Direkteinstieg, die Regeln sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene erklärt und somit auch die Möglichkeit für eine langsam aufbauende Vertiefung gegeben, ohne dass man sich hierfür bereits mit weiterem Material verstärken muss. Angenehm ist dabei, wie simpel das alles in allem dann doch recht komplexe Spiel vorgestellt wird. Die Spielanleitung ist wirklich super aufgebaut, geht |peu à peu| auf die wichtigsten Inhalte ein und kommt über zahlreiche Beispiele auf die Feinheiten zu sprechen. Natürlich wird man mit dem beschränkten Umfang noch nicht alle Nuancen des üppigen Spielaufbaus erleben, doch es bleibt eine sehr genaue Vorstellung haften, die nach einiger Zeit geradezu euphorisch macht, tiefer in die Welt dieses Miniaturenspiels einzutauchen.

Dennoch ist der Weg zum professionellen Spiel ein recht langer, weil der Umfang mit wachsender Erfahrung steigt und der taktische Anteil des Spiels immer mehr an Bedeutung gewinnt. Was dies betrifft, ist „Dungeons & Dragons“ auch durchaus mit dem wesentlich neueren “Dreamblade“ vergleichbar, wenngleich das hier betrachtete Miniaturenspiel inhaltlich noch viel breiter gefächert ist. Alleine die zahlreichen Sonderregeln und Beschränkungen wollen erst einmal erlernt und berücksichtigt sein, ganz zu schweigen vom Zusammenstellen der |Warband|, das ja auch noch mal durch die Unterteilung in die vier Fraktionen erschwert wird. Im weiteren Verlauf könnte man ja schließlich auch Pech haben, dass man sich mit den Boostern recht einseitig verstärkt.

Nun, was eigentlich als Fazit zu dieser Kritik herausspringen sollte, ist die Tatsache, dass „Dungeons & Dragons“ bereits im Starter-Set recht komplex und vielseitig ist und mit stetiger Einbeziehung aller Einzelheiten des Reglements am Ende sogar richtig knifflig werden kann – vorausgesetzt natürlich immer, die eigenen Figuren bieten die passenden Grundlagen. Bezogen auf die unzähligen Möglichkeiten rechtfertigt sich eine Gegenüberstellung mit [„HeroClix“,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3334 wobei sich „Dungeons & Dragons“ im direkten Vergleich erwachsener und noch vielschichtiger zeigt. Individuelle Spezialfähigkeiten, zahlreiche Bewegungs- und Angriffsmodifikationen sowie umfassende Übersichtskarten sind zwar eigentlich Standard, aber selten so gut und logisch aufgebaut wie in diesem Miniaturenspiel; ein Charakteristikum, das sich durch alle elementaren Einheiten zieht. Dort nämlich, wo viele vergleichbare Spiele an die Grenzen ihrer Beweglichkeit stoßen, offenbaren sich hier immer noch einige Zusatzoptionen, die noch mehr Dynamik hineinbringen und zum guten Schluss – und wir reden wohlgemerkt von den Eindrücken eines vergleichsweise kleinen Starter-Sets – völlig begeistern.

Das „Dungeons & Dragons Miniatures Game“ ist daher auch mehr als nur ein absoluter Geheimtipp. Egal ob nun als Grundlage für das gleichnamige Rollenspiel oder eben als Teil des hier vorgestellten Systems: Dieses Fantasy-Tabletop gehört in seinem Genre zur Referenz.

http://www.wizards.com
http://www.universal-cards.com

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