Möbis, Carolina – Duo Infernale (Classic BattleTech 16)

|BattleTech|-Liebhaber haben es seit geraumer Zeit richtig schwierig. Das gleichnamige Spiel wird nur noch schleppend erweitert, und die zugehörige Romanreihe ist spätestens nach dem kurzzeitigen, erfolgreichen Interludium von Michael A. Stackpole wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet, zuletzt noch eher minder eindrucksvoll belegt vom schwachen „Bear“-Zyklus, dem völlig technisierten, spannungsarmen Tiefpunkt der noch gar nicht mal so alten Roman-Reihe. Seit der letzten Ausgabe „En passant“ vertraut man die Welt der tonnenschweren Mechs nun deutschstämmigen Autoren an, und dies mit wachsendem Erfolg. „Duo Infernale“ hat definitiv das Zeug dazu, die Misere zu beenden – und dies mit relativ unkonventionellen Methoden!

_Story_

Die treuherzige Söldnerin Mad Dog Maloy erwacht in einem völlig verwüsteten Umfeld. Ihre Basis in New Tuscon wurde zu großen Teilen zerstört, kollegiale Mech-Piloten während eines verheerenden Attentats getötet. Lediglich die Elementarin Shin erlebt an Maloys Seite noch die letzten Minuten ihres Kommandanten Craighton, der die beiden Verbliebenen auf die Spur einer systematischen Intrige bringt.

Alsbald macht sich unter den flüchtigen Pilotinnen die Gewissheit breit, dass ihr Standort nicht mehr sicher und New Tuscon sofort zu evakuieren ist. Eine uralte Waffe ist wieder aufgetaucht und droht, das riesige Erzabbaugebiet zu vernichten. In letzter Sekunde gelingt die Flucht nach Tharkid, wo man von einem anrüchigen Geschäftsmann und dessen Plänen erfährt, die Hauptstadt des Planeten bei einer feierlichen Zeremonie dem Erdboden gleichzumachen. Shin und Maloy vereinen sich mit dem Techniker-Ass Randy Parker und dem großspurigen Saladin, um die tickende Atombombe in der Kürze der Zeit vor der Detonation aufzuspüren und somit die endgültige Zerstörung der lyrianischen Allianz zu verhindern. Doch in der Euphorie des feierlichen Anlasses ist es für die vier vermeintlichen Helden nahezu unmöglich, inkognito eine Rettungsaktion einzuleiten …

_Persönlicher Eindruck_

Die Geschichte des nunmehr bereits 16. „Classic BattleTech“-Romans mag zwar nicht sonderlich innovativ sein, distanziert sich jedoch wohlwollend vom hochtechnisierten Kampfgemenge der vorangegangenen Episoden und gewährleistet zumindest schon einmal die Entwicklung einer nachvollziehbaren, bisweilen auch spannenden Handlung. „Duo Infernale“ erzählt keine Geschichten von endlosen Mech-Schlachten, leblosen Rangeleien und schwachbrüstigen Charakteren. Stattdessen wird nach etwas schwermütiger Einleitung ein äußerst vielseitiger, teils auch überraschend humorvoller Plot kreiert, in welchem den einzelnen Figuren reichlich Entwicklungsspielraum zur Verfügung gestellt wird, der aber in seiner eigenen Entwicklung die notwendigen Fortschritte erzielt. Zwar basieren einzelne, entscheidende Aspekte der Story auch auf einer gewissen Willkür, insbesondere die merkwürdige Verbindung der vier Protagonisten, doch darf man dies im Rahmen dieser temporeichen Geschichte nicht einmal wirklich kritisch betrachten, da eben jener Umstand die prägnanten Breaks in der Storyline erst ermöglicht.

Davon abgesehen darf man sich natürlich fragen, ob dieser futuristische Thriller thematisch überhaupt zu „Classic BattleTech“ passt. Die stählernen Kampfmaschinen werden nämlich nur am Rande erwähnt und tragen lediglich in den Action-Szenen ihren Teil zur Identifikation bei, so dass der Roman grundsätzlich auch außerhalb des bewährten Rasters funktioniert hätte. Während der ständigen aberwitzigen Wortgefechte der strikten Elementarin mit der mitunter verkorksten Maloy verschwendet man mitunter ebenso wenig Gedanken an den Background der Serie wie in den Szenen, in denen der ängstliche Randy die Bombe zu entschärfen versucht oder der vorlaute Saladin sich über die Nettigkeiten zwischen den beiden Damen amüsiert. Und dennoch: Eine lose Verbindung zu den bewährten Schauplätzen und Figuren bleibt und rechtfertigt schließlich auch die Unterbringung des Plots unter dem bekannten Banner.

Zur Story sei gesagt, dass sie überaus kurzweilig strukturiert und durch das verschärfte Tempo und den gewitzten Sprachgebrauch sehr leicht zugänglich und nachvollziehbar ist. „Duo Infernale“ ist inhaltlich leichte Kost mit nuancierten Sprüngen zwischen verschiedenen Genres, äußerst farbenfroh und sympathisch umgesetzt. Damit hat „BattleTech“-Neuling Carolina Möbis in kurzer Zeit genau das geschafft, was einigen ihrer Vorgänger nicht vergönnt blieb, nämlich den Plot auf recht lebendige Weise über die Demonstration des technischen Wissens um die Kampfmaschinen zu stellen. Der Lohn ist ein anständiges, wenn auch phasenweise noch ausbaufähiges Buch mit guter Story, feinen Charakteren und einer deutlichen Loslösung von mehrfach erfolglos erprobten Strukturen. Hoffentlich bleibt dieser Roman keine Ausnahmeerscheinung und ermutigt auch Möbis‘ Nachfolger zu eher untypischen Arbeiten!

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