Parzzival, S.H.A. – Himbeertod (Titan-Sternenabenteuer 25)

_Handlung:_

Shalyn Shan hat den Anschlag auf ihr Leben knapp überlebt und erwacht nach neun Tagen Koma und umfangreichen kosmetischen Operationen im Krankenhaus. Die World-Police setzt den skurrilen Spezialagenten Wernher von Witzleben alias „Fledermaus“ auf den Attentäter an, und bereits nach kurzer Zeit hat dieser die Spur des Mörders aufgenommen, doch aus dem ist nichts herauszubringen.

Zur selben Zeit greifen die Cadschiden ein kleines Bergdorf an, um die Gefühle der Bewohner zu stehlen. Es gibt mehrere Tote, bevor die World-Police die Invasion stoppen und zurückschlagen kann. Shalyn Shan bekommt den Auftrag, mit der |Titan| zur Heimatwelt der Gefühlsjäger aufzubrechen, die gespannte Situation diplomatisch zu lösen und das immer noch havarierte Schiff der Space-Police zu bergen.

Einen Tag vor dem Start der |Titan| knüpft von Witzleben Kontakt mit einer Frau aus Monjas Kindheit, welche mehr über die geheimnisvolle Gefährtin Shalyn Shans zu wissen vorgibt. Doch was die Suuranerin und ihre Freunde erwartet, gipfelt in einem mörderischen Inferno …

_Eindrücke:_

Diesmal kommt der Leser wieder in den Genuss der altbekannten Helden Shalyn Shan und Sir Klakkarakk. Aufgrund des Anschlags läuft Shalyn Shan zunächst sehr martialisch mit Glatze durch die Weltgeschichte, was ihrem Wesen und ihrer erotischen Ausstrahlung allerdings keinen Abbruch tut. Der ungewöhnliche Titel „Himbeertod“ resultiert übrigens aus dem merkwürdigen Geschmack nach Himbeeren, den sowohl Shalyn Shan kurz vor ihrem Blackout bei dem Attentat als auch die Opfer der Gefühlsjäger wahrnahmen.

Aufgrund des zyklischen Charakters der Serie geht es nahtlos und spannend weiter, doch Einsteiger erhalten auf Seite sechs die Möglichkeiten, die bisher geschehenen Ereignisse noch einmal zu reflektieren. Aber auch für Kenner der Serie bietet die Rubrik eine hervorragende Gedächtnisstütze.

Neben der weiteren Ermittlung in Sachen Monja und Attentäter wird eine neue interessante Figur in das „Titan“-Universum eingeführt: Spezial-Agent Wernher von Witzleben alias „Fledermaus“. Der Mann repräsentiert nicht nur einen James-Bond-Charakter, sondern ist vor allem eine sehr mysteriöse Gestalt, deren Beweggründe alles andere als offensichtlich sind. Hinzu kommen vampirische Wesenszüge, welche auf eine enge Bindung zu dem Vampircop Mick Bondye aus der Serie [„Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4809 schließen lassen, der in Band 30 sein Debüt bei „Titan“ geben wird. Die Vorliebe von Witzlebens für alte Romanhefte der Serie „Die Fledermaus“ verleiht dem Charakter nicht nur lebensnahe Wesenszüge, sondern stellt auch eine Hommage an diese Textgattung dar, der ja auch die „Promet“-Abenteuer entstammen, aus denen bekanntlich die vorliegende Serie entstand.

In einer parallelen Handlung wird der erste Angriff der Cadschiden auf ein Bergdorf geschildert. Detailliert arbeitet der Autor dort einzelne Schicksale heraus und verdeutlicht damit die Brutalität dieser Attacke, die so kriegerisch von den Aggressoren nicht mal beabsichtigt war. Das Resultat ist für die Opfer freilich dasselbe, und dieser Umstand wurde von Parzzival gekonnt herausgestellt. Im weiteren Verlauf betritt auch die Crew der |Wallenstein| die Bühne, und damit wird eine weitere Brücke zum Vorgänger-Band gebaut, in dem die drei Raumfahrer die Hauptprotagonisten waren. Ein weiterer Pluspunkt des Buches ist außerdem die Darstellung der Zustände des gestrandeten und belagerten Space-Police-Schiffes auf der Heimatwelt der Cadschiden. Damit wird dem Leser deutlich, dass der Autor diesen Handlungsfaden keineswegs außer Acht gelassen hat. Die von der CRC geplante Mission der |Titan| zum Planeten Cadschid wird das Thema alsbald aufgreifen.

Erstaunlich ist vor allem, wie komplex und verzwickt die Handlung mittlerweile ist und wie viele Nebenschauplätze der Autor im Auge behält, die nach und nach abgearbeitet werden.
Hoffentlich werden die einen oder anderen Rätsel, wie beispielsweise der Gletschertsunami, bald gelöst, denn bei einer halbjährlichen Erscheinungsweise von je zwei Bänden dürfen einzelne Fragen nicht zu lange offen im Raum stehen bleiben. Dass die Story nicht langweilig wird, beweist jedenfalls der extrem gemeine Cliffhanger, der wieder einmal an der spannendsten und dramatischsten Stelle den Leser quasi in der Luft hängen lässt.

Die Innenillustrationen stammen dieses Mal von dem geschätzten Künstler R. S. Lonati, der sich vor allem als Titelbildzeichner der Serien „Larry Brent“ und „Macabros“ verdient gemacht hat. In dem vorliegenden Buch gewinnen diese Werke noch mehr an Bedeutung, zierten die Gemälde von Lonati doch schon das eine oder andere Cover eines Heftromans von „Die Fledermaus“. Das Manko der sehr detaillierten Werke ist hier wieder einmal der Schwarzweiß-Druck, der auch in den anderen Bänden den Bildern viel von ihrer Wirkung nimmt. Umso erfreulicher die Entscheidung des Verlags, die wichtigsten und schönsten Illustrationen farbig auf der Rückseite des jeweiligen Bandes erneut abzudrucken, wenn auch in kleinerer Form.

Die Zeichnungen des vorliegenden Bandes weisen aber auch in anderer Hinsicht eine Besonderheit auf, denn es sind die einzigen, die vor dem Roman entstanden und für welche die Handlung auf die jeweilige Szenerie zugeschnitten wurde. Diesen Umstand merkt man dem Roman aber kaum an, und es ist bemerkenswert, wie gut der Autor die Motive integrieren konnte. Das Titelbild des Romans hingegen gehört zu den schwächsten der gesamten Serie und wirkt seltsam deplatziert, zumal es wie ein Computerzusammenschnitt aussieht. Wenn man sich den Angriff der Cadschiden auf das Bergdorf ins Gedächtnis ruft, scheint auch eher das Titelbild von Band 22 für das vorliegende Buch vorgesehen gewesen zu sein.

_Fazit:_ „Himbeertod“ ist eine hervorragende Weiterführung des neuen Zyklus mit einer hochspannenden Szenerie und glaubhaften, spleenigen Charakteren.

http://www.BLITZ-Verlag.de

_Florian Hilleberg_

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