Salvatore, R.A. – Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger

R. A Salvatore ist eigentlich eher bekannt für seine Fantasy-Romane, insbesondere die über den Dunkelelfen Drizzt. Doch auch im „Star Wars™“ Universum ist der vielseitige Autor anzutreffen. Hier sogar an besonders prominenter Stelle, denn ein Roman zum Film, stellt immer etwas Besonderes dar – in einer solchen Kultreihe sowieso. Apropos Besonderheiten und Film: Schon in der gebundenen Erstausgabe von |Blanvalet| finden sich, zusätzlich zur Novelle, 16 Seiten mit durchgängig farbigen Bildern der Leinwandfassung aus der zweiten Episode der inzwischen berühmten Weltraum-Saga.

_Zur Story_

Senatorin Padmé Amidala gilt nach dem Anschlag auf dem Flugfeld, der ihrem Double Cordé statt ihrer das Leben kostet, erst fälschlicherweise als tot – was im Senat mit Trauer und Bestürzung bedacht wird, als Kanzler Palpatine diese Nachricht dort verkündet. Die Opposition und politischen Gegner Padmés reiben sich natürlich die Hände. Freude und Erleichterung auf der einen Seite und Missmut auf der Anderen, als Padmé überaus lebendig doch im Senat auftaucht und die Gerüchte über ihren Tod Lügen straft. Meister Yoda hat das dumpfe Gefühl, dass sich noch etwas weitaus Dunkleres zusammenbraut und fürchtet um Padmés Sicherheit. Zwei Jedi werden zu ihrem Schutz abgestellt.

Selbstverständlich handelt es sich dabei um Meister Obi-Wan Kenobi und seinen inzwischen neunzehnjährigen Padawan-Schüler Anakin Skywalker. Immerhin kennt Padmé die beiden noch aus der Zeit, als sie noch Königin auf ihrem Heimatplaneten Naboo war. Das Verhältnis der beiden ist an sich sehr gut, sie sind ein perfekt eingespieltes Team – und doch belasten einige Dinge ihre Meister-Schüler-Beziehung mittlerweile ernsthaft. Anakins immer schlimmer werdende Alpträume betreffs seiner Mutter zum Beispiel. Aus Furcht Obi-Wan könne ihm dies als Schwäche auslegen, schweigt er über die wahre und bedrohliche Intensität und kehrt stattdessen den wilden Draufgänger raus. Genau das wiederum missfällt Obi-Wan.

Als sie dann Padmé gegenüberstehen, ist es um den jungen Erwachsenen dann vollends geschehen. Doch zum Verliebtsein bleibt ihm im Moment allerdings keine Zeit, denn schon gilt es, die Senatorin vor einem weiteren Attentat zu schützen. Bei einer wilden Verfolgungsjagd durch das nächtliche Coruscant, finden die beiden Jedi heraus, dass es um wesentlich mehr gehen muss, als nur Padmé allein. Obi-Wan wird diese frische Spur weiter verfolgen, während sein Schüler die protestierende, aber dennoch einsichtige, Senatorin heimlich auf ihren idyllischen Heimatplaneten schaffen soll, wo man sie in Obhut des fähigen Anakin in Sicherheit wähnt. Bis Anakin weitere Alpträume heimsuchen und er sich auf eigene Faust aufmacht, seiner Mutter beizustehen.

_Eindrücke_

Gerade das Meister-Schüler-Verhältnis gerät hier wesentlich runder und nicht so einseitig. Obi-Wan beschleicht oft ein vages Gefühl von Gefahr, was Anakin angeht (wie schon seinem alten Meister Qui-Gon Jinn gegenüber in Episode I geäußert), doch auch Obi-Wan ist nicht ganz eins mit sich und der Macht, er zweifelt nämlich an seinen Fähigkeiten als Lehrer. Er war immerhin der jüngste Jedi, der jemals einen Padawan zur Ausbildung anvertraut bekam. Da er Anakin wirklich sehr mag, schiebt er diese dunklen Vorahnungen auf seine mangelnde Erfahrung als Mentor. Von den inneren Konflikten Obi-Wans ist im Film kaum etwas übrig geblieben, dort wirkt das viel einseitiger.

Es wird wesentlich besser auf das Umfeld eingegangen, seien es die politischen Umstände oder die Reibereien im Jedi-Rat. Die gesamte Vorgeschichte und familiären Gegebenheiten auf Tatooine, bis hin zu Shmi Skywalkers Entführung und dem Rettungsversuch der Farmer, sie von den Tusken zu befreien. So erfährt der Leser, wie fürsorglich in der Familie Lars miteinander umgegangen wird und wie sehr Shmi ihren „Annie“ vermisst und sich nicht mehr wünscht, als ihn bei dem liebevollen Familien-Leben dabei zu haben. Auch wie C3-PO zu seiner Außenhülle bekam, findet kurze Erwähnung. All das geht im Film ziemlich unter oder ist etwas anders dargestellt.

Obi-Wans Recherchen sind viel weitreichender und führen ihn nicht sofort zu seinem alten Kumpel Dex, sondern er befragt erst die Analyse-Droiden des Jedi-Archivs, nach dem Giftpfeil. Die können ihm aber nicht weiterhelfen – vermutlich war dieser Teil ursprünglich auch im Film vorhanden, wurde aber wieder rausgeschnitten: Überbleibsel dessen ist wohl der komische, unzusammenhängend wirkende Satz von Dex: „[…]Eure Analyse-Droiden verlassen sich nur auf Symbole[…]“. Wer den Roman liest, versteht diese recht kryptische Einlassung aus der Filmszene endlich: Obi-Wan kommt gerade von dort und berichtet Dex, dass die Droiden nichts finden konnten.

Anakin lernt auf Naboo seine Schweigereltern sowie seine Schwägerin in spe kennen, welche die beiden zuerst besuchen, bevor sie zur amtierenden Königin und danach in das Versteck auf der Insel kommen. Diese Zwischenstation wird vom Film komplett ignoriert. Anakin fühlt sich sichtlich wohl bei diesen Leuten und es wird auch deutlich, dass Padmé sich eine eigene Familie wünscht, aber sich von der Pflicht als Senatorin manchmal zu sehr einnehmen lässt. Padmés Eltern sehen in ihm fast schon von Beginn an als so was, wie einen Schwiegersohn. Anakin lernt auf der anderen Seite ein Familienleben kennen, welches er nie kannte.

Jango und Boba Fett kommen ebenfalls ausführlicher weg. Das seltsame Vater-Sohn-Duo bekommt so was, wie eine Familiengeschichte und somit angemessene Tiefe ihrer Charaktere. Jango ist nicht so abgrundtief böse, wie im Film gezeigt, er hat sogar eine sehr väterliche Ader seinem Klon-„Sohn“ Boba gegenüber, den er anscheinend wirklich über alles liebt. Umgekehrt würde Boba alles für seinen Vater tun und ist ganz begierig darauf diesen stolz auf sich zu machen. Eine höchst gefährliche Mischung, wie die weitere Geschichte noch zeigen wird.

Padmé und Anakin werden nicht sofort in die Arena auf Geonosis geworfen, Count Dooku heuchelt vorher noch den hilfsbereiten Freund, der Padmé mit geschliffenen und einschmeichelnden Lügen anbietet Obi-Wan und Anakin freizulassen, sollte sie als Repräsentantin Naboos und Senatorin des großen Rates einen Vertrag unterzeichnen, der Naboo auf die Seite der Separatisten bindet. Erst als sie das Gespinst durchschaut und ablehnt, lässt er seine freundliche Maske fallen und schickt die beiden zu Obi-Wan, der bereits in der Arena zur Exekution angekettet ist.

Zu bemängeln gibts lediglich die Übersetzung, so sind der mit der Thematik bzw. „Star Wars“ offenbar nicht vertrauten Übersetzerin ein paar kleine Fehler unterlaufen. So wird aus den Astromech-Droiden (wie R2-D2 einer ist) stattdessen „Nav(igations)-Droiden“. Was sinngemäß zwar stimmt, dem sonst in der Serie durchgängig verwendeten Terminus aber nicht entspricht. An einer Stelle wird behauptet, Anakin wünschte, dass Shmi Padmé kennengelernt hätte. Das ist so nicht korrekt, denn die beiden kennen sich bereits (vgl. Episode I: „The Phantom Menace“). Hier ist stark zu vermuten, dass ein Adjektiv schlicht vergessen wurde. Fügt man gedanklich nämlich das kleine Wörtchen „näher“ oder „besser“ hinzu, liest sich der Satz plötzlich stimmig.

_Fazit_

Das ausführliche, aber nicht langweilige Drumherum macht aus der Story einen lesenswerten Stoff, der einen den (Kino-)Film mit anderen Augen sehen lässt. Einige der zusätzlichen Handlungen schafften es schließlich auf die DVDs, dennoch ist der Roman weiterhin klar im Vorteil. Alle Hauptfiguren bekommen mehr Aufmerksamkeit und man kann sogar den zwiegespaltenen Anakin nun viel besser verstehen und mitfühlen, in welchem Dilemma er steckt. R. A Salvatore schafft eine höchst dichte Atmosphäre, die das Buch zu einem rasch konsumierten Pageturner werden lassen.

|Taschenbuch: 349 Seiten
Originaltitel: STAR WARS: Episode 2 – Attack of the Clones
Nach der Idee und Figuren von George Lucas
LucasBooks / DelRey – Ballantine Publishers Group Inc.
Deutsche Lizenz: Blanvalet Verlag München – April 2002
Übersetzung: Regina Winter
ISBN: 978-3442357611|

auch erschienen als:

|Hardcover: 352 Seiten
ISBN: 978-3764500887|
[www.randomhouse.de/blanvalet]http://www.randomhouse.de/blanvalet

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