Sapkowski, Andrzej – letzte Wunsch, Der (Geralt-Saga, Vorgeschichten 1)

_Die Geralt-Saga:_

Vorgeschichte: _1_ [Der letzte Wunsch]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3939
Vorgeschichte: _2_ [Das Schwert der Vorsehung]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5327

_Roman 1_: [Das Erbe der Elfen]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5334
_Roman 2_: [Die Zeit der Verachtung]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5751

Geralt von Riva ist ein Hexer. Einer jener mühsam herangezogenen Mutanten, die mittels ihrer Fähigkeiten in Kampf und Magie Jagd auf gefährliche Ungeheuer machen. Und als sei diese Jagd nicht schon anstrengend genug, muss er sich auch noch mit der äußerst mäßigen Begeisterung seiner Mitmenschen herumschlagen. Vielerorts werden nicht ganz menschlichen Leuten wie ihm Hass und Verachtung entgegengebracht, anderswo wiederum hat man sich mit den Monstern der Umgebung gewissermaßen arrangiert. Und die Mächtigen scheinen bei der Erteilung ihrer Aufträge regelmäßig zu vergessen, dass unliebsame Personen nicht automatisch zu den gefährlichen Monstern zählen …

_Andrzej Sapkowskis Protagonist_ ist ein ungewöhnlicher Kerl.

Geralt nimmt seinen Beruf sehr ernst. So ernst, dass er nicht nur die Menschen von der Bedrohung durch Ungeheuer befreit, sondern möglichst auch die Ungeheuer selbst, falls sich das machen lässt. Trotzdem hat er einen ziemlich schlechten Ruf, und das kommt nicht nur daher, dass er sich immer wieder mit den Mächtigen anlegt. Obwohl er noch relativ jung zu sein scheint, wirkt er leicht verbittert und müde, weniger im Kampf mit den Monstern als im Umgang mit den Menschen, denen er begegnet. Unterschwellig hat man den Eindruck, dass Geralt seine Arbeit und die damit verbundene Ablehnung zum Halse raushängt. Doch die Gelegenheit, etwas anderes zu werden, lässt er ungenutzt verstreichen.

Vielleicht resultiert diese Widersprüchlichkeit aus der knappen Erzählweise. Geralt hat so gut wie keine Vergangenheit. Über seine Ausbildung fallen ein paar vage Andeutungen, über die Zeit davor erfährt der Leser gar nichts. Möglicherweise sind diese Informationen im nicht übersetzten ersten Band enthalten. Andererseits verleiht dieser Mangel an Vorleben Geralt ein gewisse Etwas, eine Art geheimnisvolle Aura, die durch seine kühle, wortkarge Art noch unterstrichen wird. Und um das Maß voll zu machen, haftet ihm offenbar ein Schatten an, ein bedrohliches Schicksal, das auf ihn wartet.

Das klingt jetzt vielleicht alles ziemlich dick aufgetragen. Aber Sapkowski hat das gesamte Buch einzig und allein an der Figur des Geralt aufgehängt. Also muss diese auch einiges hergeben. Und das tut sie. Sie ist fähig genug, um als Held aufzutreten, aber nicht perfekt. Das ein düsteres Geheimnis mit ihr verbunden ist, macht sie interessant und außergewöhnlich, sie bleibt aber in ihrem Denken und Fühlen jederzeit menschlich.

Noch bemerkenswerter als die Hauptperson ist der _Handlungsverlauf_.

Die Geschichte besteht zum größten Teil aus Rückblenden. Der Teil der Ereignisse, der zum Zeitpunkt der eigentlichen Erzählung spielt, ist mit „die Stimme der Vernunft“ überschrieben und erstaunlich dünn. Dabei dient er durchaus nicht nur dazu, die einzelnen Kapitel der Rückblenden miteinander zu verbinden. Offenbar hat Geralt – abgesehen von diversen Herrschern und Fürsten, die er verärgert hat – auch ein paar ernst zu nehmende Feinde. Die Zusammenhänge zwischen dem dunklen Schatten seines Schicksals und diesen Feinden, und ob auch seine Vergangenheit damit zusammenhängt, ist bisher nicht klar. Was diese Dinge angeht, hält Sapkowski sich stark zurück. Offenbar soll dieser Erzählstrang den roten Faden für die folgenden Bände bilden, weshalb der Autor nicht zu viel verraten wollte.

Ungleich ausführlicher sind dafür die Rückblenden ausgefallen, und sie bilden eine recht bunte Mischung. Hier kommt so ziemlich alles vor: Inzest, Rache, Vertreibung, Verwünschung, Diebstahl und Dämonenbeschwörung. Die gelegentlichen Ähnlichkeiten mit der Märchenwelt der [Brüder Grimm]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3456 ist gewollt. Im Gegensatz zu Cecilia Dart-Thornton (|Die Feenland-Chroniken|) begnügt Sapkowski sich jedoch nicht damit, sie einfach zu rezitieren, nein, er baut sie unmittelbar in seinen Kontext ein, und das auf eine saloppe Art und Weise, die ich sehr amüsant fand. Und das sind nicht die einzigen Anspielungen, die sich hier finden.

Gewürzt wurde dieser Cocktail mit einer Prise trockenen Humors und einer gehörigen Portion Action – schließlich wird hier gegen Monster gekämpft, da geht es ziemlich zur Sache, allerdings bei weitem nicht so blutig oder eklig, wie man bei dieser Thematik befürchten könnte.

_Insgesamt_ eine sehr abwechslungsreiche Sache. Viele überraschende Wendungen sorgen dafür, dass keine der diversen Monsterjagden gleich abläuft. Der knappe Erzählstil lässt weder detaillierte Beschreibungen der Umgebung noch intensive Charakterzeichnungen zu – Sapkowskis Charakterzeichnung bezieht ihre Faszination mehr aus dem interessanten Entwurf als aus der Intensität der Darstellung -, kommt dafür aber der Action zugute. Die Intelligenz und Anpassungsfähigkeit des Protagonisten verhindert, dass die ganze Sache in pures Hauen und Stechen abgleitet. Und die Grundhandlung bietet einige Geheimnisse und Rivalitäten und macht neugierig, sowohl auf den Rest der Serie. Wer also eine Vorliebe für ein schnelles Erzähltempo, Schwertkämpfe, Raufereien und dunkle Geheimnisse hat, ist hier richtig.

_Andrzej Sapkowski_ ist Literaturkritiker und Schriftsteller und nebenbei Polens bekanntester Fantasy-Autor. „Der letzte Wunsch“ ist der zweite Band seines Hexer-Zyklus, der trotz großen Erfolgs bisher nicht vollständig ins Deutsche übersetzt wurde. Sinnigerweise fehlt – wie oben bereits angedeutet – ausgerechnet der erste Band! Dafür diente der Zyklus als Grundlage für einen Kinofilm und eine Fernsehserie sowie für das polnische Rollenspiel |Wiedźmin|. Auch ein Computerspiel ist in Arbeit.

Nach der Trilogie um Geralt den Hexer hat Andrzej Sapkowski einen weiteren Fantasy-Zyklus geschrieben, der auf Deutsch überhaupt nicht erhältlich ist. Erst die |Narrenturm|-Trilogie um die Abenteuer des jungen Medicus Reinmar von Bielau scheint es komplett in die deutschen Buchläden zu schaffen. Der letzte Band „Lux Perpetua“ ist für Dezember dieses Jahres avisiert.

http://www.der-hexer.de
http://hexer.wikia.com
http://www.dtv.de
http://www.sapkowski.pl
http://www.thewitcher.com

_Andrzej Sapkowski auf |Buchwurm.info|:_

[„Das Schwert der Vorsehung“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5327 (Geralt-Saga, Band 2)
[„Das Erbe der Elfen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5334 (Geralt-Saga, 1. Roman)
[„Narrenturm“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1884
[„Gottesstreiter“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3367
[„Lux perpetua“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4568

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