Alle Beiträge von Martin Stark

Martin, Harald – Paul McCartney

Als Teil des vermeintlich besten Songschreiber-Duos aller Zeiten (Lennon/McCartney) ist Paul McCartney ein unbestreitbarer Platz im Musik-Himmel sicher. Die Biographie des Saarbrücker Journalisten Harald Martin würdigt den gebürtigen Liverpooler aus einfachsten Verhältnissen, der mit seinem BEATLES-Bandkollegen John Lennon in den Sechzigern eine wohl nie wieder erreichbare und beinahe perfekte künstlerische Symbiose einzugehen vermochte, die solche Meisterwerke wie „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ (1967) oder „A Hard Days Night“ (1964) hervorbrachte. Aber auch in der Folge mit dem grandiosen WINGS-Drittwerk „Band On The Run“ (1973) oder dem anerkannten Meilenstein seiner Solo-Karriere „Tug Of War“ (1982) ließ Paul McCartney immer wieder seine Genialität aufblitzen, die laut Martin einzig von seiner relativen Unfähigkeit, Kritik von außen zu akzeptieren, überschattet wurde.

Von seinen Fans liebevoll „Macca“ genannt, bekommt Paul McCartney in der Biographie durch Martin fünf unterschiedlich lange Kapitel sowie das „Ein Mythos namens Paul McCartney“ betitelte Vorwort sprichwörtlich auf den Leib geschrieben. Im ersten Teil geht es, wie schon der Titel eindeutig verrät, um den Aufstieg und den gegenwärtigen Status des Lieblings-BEATLES vieler, vor allem weiblicher Fans. Die aktuell in den Medien omnipräsente Scheidungs-Schlacht mit McCartneys zweiter Frau Heather Mills verdeutlicht, wie schnell einen die Aktualität einholen kann, endet die Darstellung doch in chronologischer Hinsicht am Beginn des 21. Jahrhunderts, auch wenn Martin in dieser Biographie über weite Strecken alles andere als chronologisch vorgeht. Genau diese erfrischende Herangehensweise gibt dem Leser genug Luft zum Atmen. Das zweite Kapitel „Das andere Ich“ beleuchtet das mit dem Ausdruck „Sex, Drugs & Rock ’n‘ Roll“ treffend beschriebene Musikerleben der vergangenen Jahrzehnte. Weitere Unterpunkte sind die Malerei McCartneys sowie die Fähigkeit, mit Geld umzugehen bzw. zunächst erst einmal – und das recht erfolgreich – dieses zu generieren. Mit „Weggefährten“ betitelt ist dann jenes Kapitel, das sich u. a. mit Maccas Verhältnis zu den anderen BEATLES Lennon, Starr und Harrison sowie mit dem WINGS-Kollegen Denny Laine, dem Songwriter Eric Stewart sowie Elvis Costello befasst. „Perfekte Harmonie“ beschreibt am ehesten die Persönlichkeit und die Eigenarten des Musik-Genies und Idols ganzer Generationen. Am Ende steht mit „Täglich werden neue Fans geboren“ eine kurze Momentaufnahme von McCartneys Status in jüngster Zeit, bevor eine sehr gute Diskographie, eine umfassende Bibliographie und ein unverzichtbares Personenregister Licht in die lange und teilweise unüberschaubare Karriere des BEATLES-Bassisten bringen.

Martin schafft es, dem Leser die Person und den Musiker Paul McCartney näher zu bringen und erfrischenderweise gleichzeitig auch ein wenig an dem oft überhöhten Thron McCartneys zu wackeln und die Dinge zu relativieren. Von diesem Standpunkt aus gesehen, wird Martin im Lager der McCartney-Anhänger nicht nur Freunde finden, der Durchschnitts-Leser jedoch wird diese reflektierte Haltung auch einem unbestrittenen Genie gegenüber zu schätzen wissen. Die Widersprüchlichkeit McCartneys wird herausgearbeitet, der einerseits, obwohl unvorstellbar reich, seine Kinder so normal wie möglich oder beinahe knauserig erzog, andererseits einfacher Herkunft ist, was sich im Hang nach Höherem offenbart, der sich spätestens ab Mitte der Sechziger mit dem Riesenerfolg der Pilzköpfe bei McCartney zeigte.

Neben dem sehr lesenswerten und episodenhaften Stil der Darstellung überzeugt Martin auch mit einer sehr gründlichen Diskografie (BEATLES, WINGS und Solo) und vor allem mit der über weite Strecken nicht unkritischen Würdigung des Gesamtwerkes und der Persönlichkeit McCartneys. Dieses Buch wird für den Durchschnitts-Musikfan sehr viel und für McCartney-Fans immer noch genug interessante Details, Ereignisse und Querverweise bereithalten. Ich für mein Teil habe nach der Lektüre von „Paul McCartney“ jedenfalls meine wenigen noch vorhandenen Lücken in der Diskografie „Maccas“ geschlossen und sehe jetzt einzelne Werke in einem völlig anderen Licht als zuvor.

http://www.dtv.de

Hesse, Sheree – Lecker, lecker Metalküche

Die Frage, was die Veranstalter des Wacken Open-Airs so treiben, wenn nicht gerade das berühmte Musik-Festival traditionell am ersten August-Wochenende in der beschaulichen schleswig-holsteinischen Provinz stattfindet, dürfte jetzt teilweise beantwortet sein: Sie kochen! Zumindest Sheree Hesse tut dies offensichtlich gerne. Und was liegt da näher, als ein Kochbuch zu schreiben, dieses mit einer ordentlichen (!) Prise Humor zu würzen und dann auch noch ein paar Urgesteine aus der Metal-Szene (u.a. Tom Angelripper von SODOM und Biff Byford von SAXON) zur Vorstellung ihrer Lieblingsrezepte zu bewegen? Eben!

„Lecker, lecker Metalküche“ heißt das Werk und ist unterteilt in die Kapitel ‚Suppen‘, ‚Vorspeisen‘, ‚Hauptgerichte‘, ‚Desserts‘, ‚Drinks‘, ‚Snacks‘ und ‚On Tour‘. Die Bandbreite bzw. der Schwierigkeitsgrad der Gerichte reicht von kinderleicht bis durchaus herausfordernd für Kochmuffel. Mit anderen Worten wird jeder Hobby-Koch seine Freude an und keine Probleme mit den Rezepten haben, auch wenn die Zubereitung der einzelnen Speisen meist sehr knapp, aber dennoch präzise geschildert wird. Für alle, die lieber multimedial ihre Lieblingsrezepte recherchieren, befindet sich quasi als Bonus der Inhalt des Buches noch mal in digitaler Form auf einer beigelegten CD-ROM. Lässt man die nicht allzu ernst gemeinten „Köstlichkeiten“ wie ‚Prärie-Austern (Lammhoden)‘, ‚Spülmaschinenlachs‘ oder ‚Kuheuter‘ weg, dann bleibt trotzdem eine Vielzahl von Leckereien übrig, die geradezu danach schreien, nachgekocht oder zubereitet zu werden. Seien es die ‚Abgehackten Finger‘ aus Würstchen, Ketchup und Mandeln (!), um die Schwiegermuter zu schocken, oder die ‚3-farbige Paprikasuppe‘ mit der man(n) sicherlich mächtig Eindruck bei der Dame seiner Träume machen kann.

Das optisch sehr ansprechend aufgemachte Buch verfügt über zahlreiche teils schwarz-weiße, teils farbige Bilder der jeweiligen Gerichte oder Getränke. Einige der nicht farbigen Bilder sind zwar etwas undeutlich, aber das ist auch der einzige Kritikpunkt an diesem sehr unterhaltsamen und vor allem sehr nützlichen Buch. Die Sprache ist vergleichsweise authentisch und passt hervorragend zum teils morbiden Charme mancher „Gerichte“. Mal deftig (‚Würstchen Cordon Bleu‘ oder ‚Überfahrener Blechhase‘), mal gesund (‚Feldsalat mit Trauben und Nüssen‘ oder ‚Grün-roter Salat mit Blauschimmel‘), mal süß (‚Mousse au Nutella‘ oder ‚Schaumkusstorte‘), mal hochprozentig (‚Krötenrotze‘ oder ‚Gummibärchen-Bowle‘) oder auch mal wahrlich innovativ (‚Kaffeemaschinen-Ei‘), dieses Kochbuch ist unterhaltsame Lektüre, praktischer Ratgeber und Kult-Objekt in einem. Egal, ob als Abwechslung und Bereicherung für die heimische Küche, als „schockierender“ Party-Gag oder als Ausdruck eines Lebensgefühls, „Lecker, lecker Metalküche“ ist eine runde Sache, die einfach Spaß macht. Und definitiv satt …!

Und für alle Freunde der alternativen Küche sei noch erwähnt, dass an Band zwei bereits mit Hochdruck gearbeitet wird. Die Zeit zwischen den Wacken-Festivals ist schließlich sowieso viel zu lang … und der Hunger natürlich groß! Auch wenn der Bezug zum Heavy Metal nicht immer ersichtlich ist – aber mit ein wenig Phantasie und Humor geht das natürlich ohne Probleme –, macht es schon Sinn, wenn ausgewachsene Rocker auch ordentlich essen und trinken, oder?

Ach ja, da wieder Weihnachten vor der Tür steht, mag für den einen oder anderen die lästige Grübelei, was denn dem Headbanger von nebenan zu schenken ist, erspart bleiben und man hat jetzt eine sinnvolle und vor allem dezibelarme Alternative. Das Buch gibt es in jeder Buchhandlung oder direkt beim [Oidium-Verlag]http://www.oidium-verlag.de zum Preis von 12 Euro.

Ich werde jetzt erst mal die ‚Krötenrotze‘ ausprobieren …

Müller, Timo / Schmitt, Thomas – Trinkspiele – 44 Wege, sich mal richtig die Kante zu geben!

Wer kennt das nicht? Man ist auf einer Party, man trinkt ein wenig, alles ist ganz lustig, aber irgendwie fehlt der letzte Pepp! Hinter dem zugegebenermaßen recht plakativen Titel „Trinkspiele – 44 Wege, sich mal richtig die Kante zu geben“ verbirgt sich ein unterhaltsames und Langzeitspaß garantierendes Werk, das für Trinkspiel-Profis und -Anfänger gleichermaßen interessant ist. Die Spiele sind in die Kategorien Karten-, Würfel-, Sprach- und Bewegungsspiele aufgeteilt und jedes einzelne enthält in sehr übersichtlicher Art und Weise neben den obligatorischen Spielregeln und benötigten Utensilien auch die Anzahl der Spieler sowie eine Bewertung nach Trinktempo, Glück und Konzentration. Die Autoren Timo Müller und Thomas Schmitt schaffen es tatsächlich, keineswegs nur ein oberflächliches und ziemlich seichtes „Nachschlagewerk“ für Quartalstrinker und Party-Süchtige herauszubringen, sondern ein sehr kurzweiliges Büchlein, das durchaus auch den siebzigsten Geburtstag der Oma aufpeppen kann, wenn die anwesenden Onkels und Tanten ein Minimum an Spielfreude und Durst besitzen …

Bevor es richtig losgeht, werden noch grundlegende Dinge erläutert. Dazu gehören eine Erklärung des Bewertungssystems sowie Hinweise der Sorte ‚Wer rülpst, hat es laut und für jeden verständlich zu tun!‘ oder ‚Kleiner Tipp: Bei eurem Arbeitgeber, im Vorstellungsgespräch etc. wären wir damit noch etwas vorsichtig.‘ Lange Rede, kurzer Sinn: Mit etwas Humor und einem gesunden Verantwortungsbewusstsein bzw. reeller Einschätzung der eigenen Trinkfestigkeit macht „Trinkspiele“ langfristig Spaß und ist vor allem zu einem sehr günstigen Preis, aber in richtig netter Aufmachung erhältlich.

Unter http://www.trinkspielebuch.de gibt es nähere Infos und auch die Möglichkeit, das Buch zu bestellen, wobei natürlich jeder Buchladen bei Bedarf weiterhelfen kann. Ich habe mich beim Lesen jedenfalls köstlich unterhalten gefühlt und werde mit Sicherheit das eine oder andere Spiel bei nächstbester Gelegenheit ausprobieren. Besonders empfehlen kann ich das Kartenspiel ‚Mafia‘ oder das Würfelspiel ‚Herr der Biere‘. Bei Letzterem ist im Prinzip das intellektuelle Niveau eines Kronkorkens völlig ausreichend, um lange Spaß zu haben und die heimischen Getränkevorräte gebührend zu dezimieren. Klasse ist auch das Spiel ‚Arschloch‘, welches im Prinzip spielerisch ein genaues Abbild unserer Gesellschaft darstellt. Nur, dass dabei eben getrunken wird und einer immer der Dumme ist (also ebenfalls wie im realen Leben). Am Ende des Buches stehen noch einige lustige Extras, wie z. B. die Möglichkeit, sich über die Webseite der Autoren weitere Spiele und Gimmicks herunterzuladen, oder ein Vordruck für das berühmte Taxi-Formular, wenn gar nichts mehr geht. Letzteres ist einfach zu kopieren, mit Namen und Anschrift zu versehen und für ‚Notfälle‘ im Portemonnaie zu deponieren …

Ich bin mir sicher, dass dieses Buch zwar nie den Literaturnobelpreis gewinnen, aber dennoch viele Freunde finden wird. Well done!