Elspeth Cooper – Der Schleier der Macht (Die wilde Jagd 3)

Die wilde Jagd

Band 1: Die Lieder der Erde“
Band 2: Die wilde Jagd“
Band 3: „Der Schleier der Macht“
Band 4: „The Dragon House“ (noch ohne dt. Titel)

Teias furchtbare Visionen haben sie dazu bewogen, das Archengebirge zu überqueren, um das Reich zu warnen. Doch die Verantwortung für die Gruppe Verstoßener, die ihr folgt, lastet schwer auf ihren Schultern, und ihre Niederkunft rückt immer näher …

Tanith hat sich mit dem Rat Astolars angelegt, weil sie darauf beharrt, das Reich vor Savin zu warnen. Ailric hat seinerseits darauf beharrt, sie zu ihrem Schutz zu begleiten. Doch der arrogante und selbstgerechte Adlige erweist sich zunehmend als Belastung …

Gair ist es gelungen, die Nonnen sicher aus Gimrael fortzubringen. Doch das schlechte Gewissen, Alderan im Stich gelassen zu haben, nagt an ihm. Sein nächstes Ziel ist es, Masen zu finden, um ihm die Neuigkeiten aus Gimrael zu überbringen, danach will er sich endlich seiner Rache an Savin widmen. Dann aber kommt alles anders …

Späher der Stämme haben in Erfahrung gebracht, dass die Festungen an den Pässen wider Erwarten nicht verlassen sind. Drwyn will aufgeben, Ytha jedoch ist fest entschlossen, ihr Vorhaben durchzusetzen.

Im dritten Band des Zyklus kommt endlich ein wenig Bewegung in die Geschichte.

Gair scheint langsam wieder zu Verstand zu kommen, was eine echte Erleichterung war. Gleichzeitig kämpf er vermehrt darum, seine Beherrschung über den Sang nicht zu verlieren. Er hat das Gefühl, eine Bestie in seinem Inneren zu haben, die versucht auszubrechen. Gair fürchtet das Grauen, das sie anrichten könnte, solle ihr das gelingen.

Dafür hat Ailric sich allmählich zum echten Kotzbrocken entwickelt. Nicht nur, daß er alle anderen Lebensformen jenseits von Astolar mit abfälligster Verachtung behandelt, er ist auch aufdringlich, verbohrt und ignorant. Vor allem aber ist er ehrgeizig, und Taniths Entscheidungen behindern diesen Ehrgeiz ganz ungemein!

Damit hat die Charakterentwicklung eine Richtung genommen, die ich durchaus begrüße. Nicht nur, weil mir Gairs Selbstmitleid auf die Nerven ging, sondern vor allem auch, weil es seine Handlungsfähigkeit einschränkte. Nachdem diese Phase überwunden ist, ist Gair allmählich auch wieder zu mehr als nur blindem Aktionismus fähig. Und Ailric ist, so unerträglich er sich auch aufführt, ein echter Joker, der noch für eine Menge unangenehmer Überraschungen sorgen dürfte.

Auch die Handlung hat in diesem Band einen großen Schritt nach vorn getan. Was bisher hauptsächlich lose nebeneinander her lief mit der Aussicht, irgendwann einmal zusammenzutreffen, hat sich jetzt zum ersten Mal wirklich aufeinander zubewegt. Das liegt vor allem daran, dass Ythas Vorbereitungen abgeschlossen sind, und sie endlich zur Tat geschritten ist.

Das erste Zusammentreffen war dann auch eine recht dramatische Angelegenheit. Und doch kann ich noch immer nicht sagen, dass es wirklich spannend gewesen wäre. Teias und Ythas erste mehr oder weniger direkte Konfrontation verlief erstaunlich unspektakulär, und die Schlacht erwies sich bei aller Dramatik als im Grunde belanglos. Entscheidend waren statt dessen ganz andere Ereignisse, die allerdings verhältnismäßig kurz abgehandelt wurden.

Dafür hat die Autorin es verstanden, einigen Ereignissen eine überraschende Wendung zu geben, die die Handlung in eine neue Richtung lenken dürften. Und natürlich hat sie es sich nicht nehmen lassen, das Buch mit einigen kleinen Cliffhangern zu beenden.

Vor allem aber ist der Aufbau dieses Bandes wesentlich glatter als der seiner Vorgänger. Rückblenden gibt es keine, und die Wechsel zwischen den Handlungsfäden fallen mit den Kapiteln zusammen, es sei denn, es geht um zwei Perspektiven desselben Ereignisses. Das hat das Lesen wesentlich einfacher und flüssiger gemacht.

Unterm Strich bleibt zu sagen, dass dieser dritte Band trotz bisher geringer Spannung sich in anderer Hinsicht endlich so entwickelt hat, wie ich es mir schon für den zweiten erhofft hatte. Der Text hat aufgehört zu holpern, Gair hat ein wenig aus seinem persönlichen Sumpf herausgefunden, und die Ereignisse haben sich zu einem größeren Zusammenhang verbunden, der zusammen mit dem Schluss beste Voraussetzungen für den durchgehenden Spannungsbogen bietet, der bisher fehlte. Gut, daß ich den dritten Band trotz aller Zweifel am Ende des Vorgängerbandes doch gelesen habe. Sieht so aus, als würde ich den letzten auch noch lesen.

Elspeth Cooper stammt aus dem Nordosten Englands und ist vernarrt in Bücher, seit sie allein lesen kann. Vor allem Epen haben es ihr angetan. Nach der Schule arbeitete sie zunächst für eine Softwarefirma, bis die Diagnose Multiple Sclerose ihre Bewegungsfähigkeit einschränkte, woraufhin sie sich dem Schreiben widmete. „Die Lieder der Erde“ ist ihr erster Roman und der erste Band ihres Zyklus Die wilde Jagd. Der letzte Band mit dem Titel „The Dragon House“ soll dieses Jahr erscheinen, ein Erscheinungstermin für die deutsche Übersetzung steht noch nicht fest.

Taschenbuch 672 Seiten
Originaltitel: „The Raven’s Shadow – The Wild Hunt 3“
Deutsch von Michael Siefener
ISBN-13: 978-3-453-52803-1

elspethcooper.com
www.heyne.de

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