Hohlbein Wolfgang – Der Sohn des Hexers (Der Hexer von Salem 7)

„Die Spur des Hexers“ (Der Hexer von Salem 1)
„Der Seelenfresser“ (Der Hexer von Salem 2)
„Engel des Bösen“ (Der Hexer von Salem 3)
„Der achtarmige Tod“ (Der Hexer von Salem 4)
„Buch der tausend Tode“ (Der Hexer von Salem 5)
„Das Auge des Satans“ (Der Hexer von Salem 6)

Zusätzlich zu den acht Bänden, die vorab in der Serie „Gespenster-Krimis“ erschienen waren, umfasste die „Hexer“-Reihe in Heftromanform 49 Folgen. In „Der Sohn des Hexers“, dem siebten Band der neu überarbeiteten und vollständigen „Der Hexer von Salem“-Sammleredition, sind die letzten Episoden 46 bis 49 nun enthalten. Damit endet die Geschichte um Robert Craven und mündet in einem fulminanten Finale, in dem Wolfgang Hohlbein noch einmal alle Register zieht. Doch wäre dieses Finale die wirklich letzte Geschichte des Hexers, hätte dieser neunhundertseitige Sammelband nur 300 Seiten Umfang und könnte darüber hinaus nicht auf den achten, letzten Band der Reihe verweisen.

Wer die Geschichte des Hexers Revue passieren lässt – dank der Vorworte Frank Rebergs in diesem Buch ein Leichtes -, wird feststellen, dass es bis Mitte der Neunziger Jahre weitere Craven-Abenteuer gab, mal als Taschenbuch, dann wieder kurzzeitig als neuer Heftroman unter neuem Namen. Diese Zusatzgeschichten wurden in der bisherigen Gesamtausgabe, die in den Neunzigern im |Bastei|-Verlag erschien und sechs Bände umfasste, nicht berücksichtigt.

Hier finden sie also nun zum ersten Mal Beachtung, sind in der chronologisch richtigen Reihenfolge angeordnet und versorgen den Leser mit den wirklich allerletzten Hexer-Abenteuern. Damit erhält der Leser auch die letzten, bisher vergriffenen und nur antiquarisch noch zu erwerbenden Geschichten gebündelt in einer achtbändigen Sammelausgabe. Natürlich vorausgesetzt, dass Wolfgang Hohlbein nicht irgendwann noch einmal die Lust packt, ein weiteres Mal in das Hexer-Universum einzutauchen.

Inhalt

„Der Sohn des Hexers“ beginnt mit einer in sich abgeschlossenen Folge, die keinen Bezug zum Hauptstrang um die sieben Siegel der Macht aufweist. „Das Rätsel von Stonehenge“ gefällt aber gerade durch seine losgelöste Handlung, denn Robert Craven verschlägt es nach Stonehenge, wo er sich zwischen den Fronten von verfeindeten Druiden wiederfindet. Das Erbe Avalons ist in Gefahr, und Craven, der dank seiner magischen Fähigkeiten und seines Stockdegens als Inkarnation von Merlin in Erscheinung tritt, muss sich in den Kampf werfen: Ein Dämon versucht nichts Geringeres als die gesamte Druidenschar auszulöschen.

Nach diesem kurzen, aber knackigen Ausflug muss sich der Hexer wieder auf seine üblichen Aufgaben einstimmen, denn die Zeit drängt und noch sind nicht alle Siegel der Macht gefunden. Zunächst muss es Craven mit Nyarlathotep aufnehmen, den er, noch bevor er richtig Gestalt annimmt, vernichten kann. Doch schon wird er von Visionen geplagt, die er nicht unterdrücken kann und die, obwohl scheinbar nicht real, ihm physische Verletzungen zufügen. Der Hexer wird aus den Visionen nicht schlauer, erfährt jedoch, dass mit Priscylla etwas Schreckliches passieren soll. Sofort macht er sich ins Sanatorium auf, wo Priscylla untergebracht ist, und bringt sie ins Andara House – nicht wissend, dass er damit sich selbst in Gefahr begibt. „Hochzeit mit dem Tod“ endet mit einem gemeinen Cliffhanger, der den Leser im Unklaren darüber lässt, ob Robert Craven dem Tod davonkommen kann oder tatsächlich sterben muss.

In „Der Sohn des Hexers“ werden die Geschehnisse im Andara House direkt wieder aufgenommen. Um Craven vor dem tatsächlich sicheren Tod zu retten, schickt Howard, der rechtzeitig eingreifen kann, den Hexer in ein Zeitfenster. Damit ist Robert Craven zwar nicht geheilt, doch Howards Plan sieht vor, ihn erst dann wieder in die Gegenwart zurückzuholen, wenn er eine Idee hat, wie er Craven vor dem Tod bewahren kann. Hilfe erhofft er sich von niemand Geringerem als Viktor Frankenstein, in dessen Haus Howard seinen im Zeitfenster gefangenen Freund auch bringt.

Um den zeitlichen Abstand zu wahren – immerhin erschien die Originalgeschichte „Der Sohn des Hexer“ als Taschenbuch rund fünf Jahre nach der Einstellung der Heftroman-Reihe -, geht es nach dem kurzen Epilog auch innerhalb der Handlung erst fünf Jahre später, nämlich 1892 weiter.

In diesem Jahr gelingt es, Robert Craven vor dem Tod zu retten. Als der Hexer erwacht, kann er sich jedoch kaum mehr an seine Vergangenheit erinnern, geschweige denn auf seine magischen Fähigkeiten zurückgreifen. Doch dank Viktor Frankensteins, Marys und auch Victors Tante Shelley (dreiste, aber sympathische Anspielungen) lernt Craven allmählich, wer er eigentlich ist und wozu er imstande ist. Die Genesungsphase wird allerdings immer wieder unterbrochen, da seine Gegner nicht schlafen bzw. nicht so wie Craven fünf Jahre geschlafen haben. Eine Armee von Shogotten hat es auf Craven und seine neuen und alten Freunde abgesehen. Ihnen bleibt letztendlich nur die Flucht durch ein Zeittor, das sie in das Jahr 802701 verschlägt, und damit genau in jenes Jahr, in dem H. G. Wells sich mit den Eloi verbündet und gegen die Morlocks rebelliert.

Bewertung

Nachdem dem Hexer in den Episoden der vorigen Sammelbände ein wenig die Luft ausgegangen ist, läuft er in Band 7, „Der Sohn des Hexers“, zu alter Form auf. Die Einstellung der Heftromanreihe war zwar aus damaliger Sicht bedauerlich, zog aber einige spannende Folgen und ein Finale nach sich, bei dem sich Wolfgang Hohlbein auf seine Stärken konzentriert. Auch die sechs Kapitel des Taschenbuchs „Der Sohn des Hexers“, das diesem Sammelband seinen Namen gibt, bringen frischen Wind in die Geschichte und wartet mit netten Ideen auf. Viele alte Fäden werden aufgenommen, einige neue ausgeworfen, denn noch ist der Kampf gegen die Großen Alten nicht ganz vorbei.

Mit Frankenstein taucht zudem eine neue literarische Figur auf, und mit H. G. Wells‘ Roman „Die Zeitmaschine“3578 verknüpft Hohlbein zudem Wells‘ Zeitreisethematik mit den Zeitfenstern, die im „Hexer“ von Beginn eine große Rolle gespielt haben. Der Kampf gegen die Morlocks, ein wenig anders erzählt, bietet gute Unterhaltung und damit genau das, was die Abenteuer um Robert Cravens ausmachen. Hier und da wirken zwar einige thematische Verknüpfungen nicht ganz so rund und teilweise aufgesetzt, das tut dem Gesamteindruck aber keinen Abbruch.

Die fünf Jahre Pause zwischen den Heftromanen und dem Taschenbuch haben dem „Hexer“ jedenfalls gutgetan und bereiten dem Leser des siebten Bandes ein gelungenes Lesevergnügen: leichte Kost, unterhaltsam aufbereitet.

Taschenbuch: 896 Seiten
www.bastei-luebbe.de
www.hohlbein.net

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