Katherine Kurtz & Deborah Turner Harris – Der Schatz der Templer (Der Adept 3)

Wehe, wenn sie losgelassen!

Die Tempelritter waren bis zu Beginn des 14. Jahrhunderts, bevor sie verboten wurden, einer der wichtigsten Orden, der sich der Eroberung und Bewahrung des Heiligen Landes sowie seiner Heiligtümer verschrieben hatte. Sie waren Krieger und besaßen eine festgefügte Hierarchie. Nicht jeder konnte Mitglied werden, und als der französische König Philipp der Schöne abgewiesen wurde, ließ er die Templer gnadenlos verfolgen. Viele flohen ins katholische Schottland.

HINWEIS: Zu den Autorinnen siehe den Schluss dieses Berichts.

Handlung

In „Der Adept“ gab sich Sir Adam Sinclair als Abkömmling von Templern, nämlich derer von Saint Clair, zu erkennen und gehört selbst dem Geheimbund an. Deshalb fühlt er sich persönlich betroffen, als seinem alten Mentor Nathan Fiennes eine wertvolle Reliquie, das Siegel Salomons, gestohlen und Nathan dabei ermordet wird. Sinclair kommt dem Dieb Henri Gerard auf die Spur und findet allmählich heraus, was dieser mit dem Siegel bezwecken könnte: Hat Gerard auch noch Krone und Zepter König Salomos, die über die Jahrtausende von den Templern versteckt und bewacht wurden, so kann er den sogenannten „Schatz des Salomo“ beanspruchen.

Dieser soll sich in einer goldenen Schatulle befinden. Sollte Gerard Erfolg haben, so droht der Welt jedoch großes Unheil: In der Schatulle sollen die gierigen Dämonen Gog und Magog aus der Legende gefangen sein. Wird das Siegel der Schatulle gebrochen, werden sie die Welt vernichten. Und beinahe kommt es auch dazu! Denn Sinclair und seine Helfer Peregrine Lovat und Inspektor McLeod sind zu langsam für Henri Gerard, der ebenfalls mit magischen Mitteln arbeitet. Wie Sinclair herausfindet, ist Gerard lediglich eine Reinkarnation des größten Feindes der Templer, der einst die rechte Hand Philipps des Schönen war.

Schnitzeljagd

In einer wahren Schnitzeljagd muss das Trio mehrere Geister befragen und befreundete, aber verborgen lebende Templer um Hilfe ersuchen, um herauszubekommen, wo sich die genannten Heiligtümer befinden und was sie bewirken. Immerhin gelingt es Sir Adam, mit der Krone Salomos erstens die sprichwörtliche Weisheit zu erlangen und zweitens in geistigen Kontakt mit dem Dieb zu treten. Schließlich eilt das Trio durch Wind und Wetter zum Showdown in einer verfallenen Klosterruine irgendwo in Schottland — zu spät: Gog und Magog sind bereits freigekommen und haben den Helfer Gerards, der völlig ungeschützt war, verspeist. Und sie haben Appetit auf mehr…

Mein Eindruck

Der Schatz der Templer besitzt eine einfach aufgebaute Schnitzeljagd als Handlungsstruktur. Daher kann leider nur wenig Spannung aufkommen, jedenfalls viel weniger als im ersten Teil des Zyklus. Außer Dämonen treten keine exotischeren Monster auf. Der faszinierendste Aspekt an diesem dritten Adept-Roman ist deshalb sicherlich die Befragung von Geistern, die teils aus dem 17. Jahrhundert herbeigerufen werden, um Hinweise auf den Verbleib der Heiligtümer Salomos und der Gefahren, die davon ausgehen, zu liefen. Dabei ergeben sich auch komische Momente, so etwa dann, als sich in Sir Adam eine seiner Vorfahrinnen, Lady Jean Seton, bemerkbar macht und Gehör verschafft, indem sie seinen Körper übernimmt.

Lesben sind OK

Aber die beiden Autorinnen sehen sowieso eine eher lockere Bindung zwischen Körper und Geist. Dies führt u.a. dazu, dass sie eine Kunsthändlerin auftreten lassen, die sich als männlich dominierter Teil eines lesbischen Liebespaares entpuppt. Homosexualität ist also okay — aber nur bei Frauen. Alle Männer sind äußerst „männlich“, d.h. hetero.

Schottland

Selbstverständlich erfährt der Leser eine ganze Menge über die Geschichte, die Kultur und die Menschen Schottlands. Der letzte Hüter der Heiligtümer etwa, Viscount John Grahame, genannt Bonnie Dundee, errang einen der letzten schottischen Siege über die Engländer, ließ aber dabei sein Leben. Er gehört daher bis heute zu den schottischen Nationalhelden. Das Buch ist mit einer Karte von Schottland, die dem leser hilft, sich zurechtzufinden.

Das gut übersetzte Glossar, das übrigens auf den Vorgängerbänden aufbaut, liefert noch tiefergehende Informationen. Auch dies spricht für die Sorgfalt, mit denen die beiden Autorinnen ihren Zyklus schufen.

Langatmig

War „Der Adept“ noch die reinste Aneinanderreihung von spannenden Momenten, die den Leser in Atem hielten und für flotte lektüre sorgten, ließ das in „Die Loge der Luchse“ schon etwas nach, um jetzt in „Der Schatz der Templer“, zu einem langsamen Plätschern auszulaufen. Der Roman wird streckenweise langatmig erzählt, die Autorinnen wiederholen sich, weisen auf eigentlich spannungsträchtige Zusammenhänge hin, ohne diese in der Story auszubauen. So ist zum Beispiel der „Feind“, der in der Gegenwart auftritt, auch ein starker Gegner Sinclairs in einer früheren Inkarnation gewesen. Doch darauf weisen die Autorinnen nur kurz hin.

FAZIT: Der Roman alles in allem eine nette Fantasy, die bei mir nicht gerade das Bedürfnis nach einer Fortsetzung geweckt hat. Die Reihe ging trotzdem weiter.

Die Autorinnen

1) Katherine Irene Kurtz ist mit ihren Fantasy-Romanen um das christliche Zauberergeschlecht der Deryni weltberühmt geworden, die fast komplett bei Heyne erschienen sind.

Der Deryni-Zyklus

Früher Deryni-Zyklus (The Legends of Camber of Culdi):

• 1 Camber von Culdi, 1979, ISBN 3-522-17189-6, (Camber of Culdi, 1976)
• 2 Sankt Camber, 1980, ISBN 3-522-17198-5 (Saint Camber, 1978)
• 3 Camber der Ketzer, 1983, ISBN 3-522-17245-0, (Camber the Heretic, 1981)

Die Erzählung Des Marluks Untergang, 1982 (Sword Against Marluk, 1977) in Ashtaru der Schreckliche, 1982, E. Ringer und H. Urbanek (Hrsg.) spielt einige Jahre vor Beginn des späten Deryni-Zyklus.

Später Deryni-Zyklus (The Chronicles of the Deryni):

• 1 Das Geschlecht der Magier, 1978, ISBN 3-453-30471-3, (Deryni Rising, 1970)
• 2 Die Zauberfürsten, 1978, ISBN 3-453-30505-1, (Deryni Checkmate. 1972)
• 3 Ein Deryni-König, 1978, ISBN 3-453-30529-9, (High Deryni, 1973)

Die Geschichte von König Kelson (The Histories of King Kelson)

• 1 Das Erbe des Bischofs, 1989, ISBN 3-453-03149-0, (The Bishop’s Heir, 1984)
• 2 Die Gerechtigkeit des Königs, 1989, ISBN 3-453-03150-4, (The King’s Justice, 1985)
• 3 Die Suche nach Sankt Camber, 1989, ISBN 3-453-03157-1, (The Quest für St. Camber, 1986)
• 4 Die Deryni-Archive, 1991, ISBN 3-453-03158-X, (The Deryni Archives, 1986)

Alle Bände wurden übersetzt von Horst Pukallus. Auch wenn es häufig (wie o. a.) so dargestellt wird, dass die Collection Die Deryni-Archive der 4. Band des Zyklus »Die Geschichte von König Kelson« ist, so ist dies falsch. Dieser Irrtum resultiert aus der falschen Ankündigung des Heyne-Verlages.

Die Collection ist Bestandteil des (übergeordneten) Deryni-Zyklus, jedoch ein Sammelband mit Geschichten und Essays. Der 4. Band der »Geschichte von König Kelson« ist der Roman King Kelson’s Bride (2000, nicht auf Deutsch erschienen).

Die Erben von Sankt Camber (The Heirs of Saint Camber)

• 1 Das Martyrium von Gwynedd, 2000, ISBN 3-453-16236-6, (The Harrowing of Gwynedd, 1989)
• 2 König Javans Jahr, 2002, ISBN 3-453-16241-2, (King Javan’s Year, 1992)
• 3 The Bastard Prince (1994) als Sankt Cambers Schatten geplant, aber nicht auf Deutsch erschienen.

Childe Morgan (nicht auf Deutsch erschienen)

• 1 In the King’s Service, 2003
• 2 Childe Morgan, 2006
• 3 The King’s Deryni, 2014

Weitere Werke aus dem Deryni-Universum

• Chronicles of the Deryni, 1976 (Sammelband)
• Heilerlied, 1987 (Healer’s Song, 1982) in Top Fantasy (hrsg. von Josh Pachter), 1987
• Deryni Magic (A Grimoire), 1990 (nicht auf Deutsch erschienen)
• Codex Derynianus, 1998 (mit Robert Reginald, nicht auf Deutsch erschienen)
• Deryni Tales. An Anthology, 2002 (nicht auf Deutsch erschienen)
• Codex Derynianus II, 2005 (mit Robert Reginald, nicht auf Deutsch erschienen)

2) Deborah Turner Harris ist eine US-Autorin (*1951) mit einem Faible für Schottland. Sie verfasste die Trilogie „Mages of Garillon“ (1986-89), zu der die Romane „The Burning Stone“, „Gauntlet of Malice“ und „Spiral of Fire“ gehören. Sie spielen in einem Schottland-ähnlichen Fabelland.

Der Adept-Zyklus

Zum „Adept“-Zyklus um Adam Sinclair gehören folgende Romane:

• 1 Der Adept, 1999, ISBN 3-453-14929-7, (The Adept, 1991)
• 2 Die Loge der Luchse, 1999, ISBN 3-453-14930-0, (The Lodge of the Lynx, 1992)
• 3 Der Schatz der Templer, 1999, ISBN 3-453-14934-3, (The Templar Treasure, 1993)
• 4 Dagger Magic, 1995
• 5 Death of an Adept, 1996

Die drei ersten Bände sind auf Deutsch erhältlich.

Taschenbuch: 414 Seiten
Originaltitel: The Templar Treasure, 1993
Aus dem Englischen von Michael Morgental.
ISBN-13: 978-3453149342

www.heyne.de

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