Balent, Jon – Tarot – Witch of the Black Rose 5: Holiday-Hexen

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_Story_

Tarot und Raven Hex sehnen sich nach ein paar Urlaubstagen zwischen all den anstrengenden magischen Kämpfen der letzten Zeit. Doch die Sippe der Schwarzen Rose wird dennoch nicht mit Ruhe belohnt, sondern sieht sich alsbald neuen Konflikten gegenüber. Eine Halloween-Feier gerät zur hoffnungslosen Jagd auf eine Horde Lebkuchen-Zombies, ein Saunabad in winterlicher Umgebung hingegen endet im Racheakt einer Winterfee, die sich Ravens Provokation zu Herzen genommen hat und mit ähnlichen Mitteln zurückschlägt.

Erst als Tarots neuer Liebhaber Job die Hexen nach Hawaii ausführt, scheint endlich Urlaubsstimmung in Sicht. Doch die Reise, die der frisch Verliebte dazu nutzen möchte, seiner Herzdame einen Heiratsantrag zu machen, verwandelt sich alsbald in einen Horror-Trip, der in einem verzwickten Kampf gegen einige Meeresungeheuer resultiert …

_Persönlicher Eindruck_

Man mag zum pseudoerotischen, klischeebesetzten Inhalt der „Tarot“-Ausgaben stehen wie man will, eine gewisse Faszination übt die nunmehr bereits im fünften Sammelband veröffentlichte Serie aus der Feder Jim Balents in gewisser Weise dennoch aus. Zwar waren noch die letzten Eindrücke zur vorangegangenen Veröffentlichung äußerst mäßig und entlockten dem Rezensenten einige scharfe kritische Worte, doch war dies nicht gleichbedeutend mit einer generellen Abneigung gegen die Geschichten um die meist barbusigen Hexenmädels. Dieser Umstand wird in „Holiday-Hexen“ nun mit einigen teils witzigen, wenn auch betont fleischeslüsternen Storys belohnt. Die neue Sonderedition enthält fünf weitere Kurzgeschichten, darunter einen Zweiteiler, und bietet zumindest über weite Strecken ganz anständige, wenn auch stellenweise bedenkliche Unterhaltung auf akzeptablem Niveau.

Dieses Mal nutzt Balent die Klischees vorwiegend zur Etablierung eines ziemlich eigenwilligen Humors. So entpuppt sich bereits der merkwürdige Kampf gegen die zombiehaften Lebkuchen-Inkarnationen als unfreiwilliger Spaßgarant, der seine Höhepunkte gerade dann hat, als ein parodierter Harry-Potter-Verschnitt mit magischen Mitteln die Oberlebkuchendame zerschlägt – Trash der feinsten Sorte. Nicht minder witzig (ein anderes Wort will dem Leser in diesem Zusammenhang nicht in den Sinn kommen) ist das unsittliche Vergehen Ravens in der zweiten, direkt anschließenden Episode. Tarots Schwester vergreift sich zu Unrecht an einer Eis-Fee, die ihre Brüste hat einfrieren lassen, und muss nun mit den fürchterlichen Konsequenzen leben. Zack!, gibt es mit eisigen Schlägen etwas auf den Hintern, und schon ist die Szenerie wieder aufgelöst. Köstlich, wenn auch nicht im entferntesten Sinne gehaltvoll.

Die Hawaii-Story indes macht den Kern von „Holiday-Hexen“ aus und wird einerseits von Jons heimlichen Vorhaben, andererseits aber auch vom unverhofften Kampf gegen die streiteslustigen Meerbewohner dominiert. Hinzu kommen einige Albereien infolge unfreiwilliger Entblößungen und Enthüllungen, die ihren Teil dazu beitragen, dass selbst die illustrativ horrendsten Darstellungen nie wirklich schockierend sein können, da sie einfach nicht die passende Atmosphäre in der Erzählung wiederfinden. Und dennoch wirken derlei Diskrepanzen irrelevant, da sie spürbar zum Unterhaltungswert beitragen.

Lediglich die letzte Story flacht ein wenig ab und unternimmt den verzweifelten Versuch einer philosophischen Betrachtung des Hexendaseins bzw. des Schicksals, welches die Protagonisten seit ihrer Kindheit durchleben. Zeichnerisch ist die Story – wie im Übrigen auch im gesamten Band – prima eingefangen, inhaltlich hingegen zeigt sich, dass die Geschichten zumeist auf dumpfen Plattitüden basieren und gegenüber den eindeutigen Posen der Hauptdarstellerinnen einfach zurückstecken müssen. Allerdings ist dies der potenziellen Käuferschicht auch vorher bekannt.

Nach den enttäuschten Eindrücken des Vorgängers darf man in „Holiday-Hexen“ also mit einigen sehr positiven Überraschungen rechnen. Die Geschichten verquicken Witz und Action sehr gekonnt miteinander, die Zeichnungen sind wie gehabt perfekt und das Thema im Rahmen des Möglichen ziemlich gut eingefangen. Ob der übertriebene Symbolismus indes erotisch oder dergleichen ist, muss dennoch jeder für sich entscheiden. Balent neigt nämlich wiederum dazu, seine Modelle völlig überproportioniert darzustellen, was letztlich eher abtörnt als aufreizt. Spätestens in dem Moment, in dem man selber realisiert, dass man außer Busen und nackter Haut nichts anderes mehr wahrnimmt, wird einfach klar, dass der visuelle Teil des Heftes zur Maßlosigkeit neigt und somit das künstlerische Niveau ein Stück weit untergräbt – und genau dies wäre bezogen auf die zufriedenstellenden Episoden absolut nicht notwendig gewesen. Effekthascherei um jeden Preis hat sich schließlich noch nie ausgezahlt.

http://www.paninicomics.de/tarot-s10288.html

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