Barron, T. A. – Merlin und die Flügel der Freiheit

_Voller Wunder und Spannung: Merlin in der Entscheidungsschlacht_

Das Finale der Merlin-Trilogie! In der längsten Nacht des Jahres wird sich das Schicksal Fincayras entscheiden. Alle Bewohner der Insel müssen zusammenstehen, sonst ist sie verloren. Merlin hat die schier unlösbare Aufgabe, alle rechtzeitig herbeizurufen, und dafür bleiben ihm nur zwei Wochen Zeit. Zugleich muss er das Rätsel eines Kriegers mit Schwertern als Armen lösen und die Gefahr beseitigen.

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab zwölf Jahren.

_Der Autor_

T. A. Barron wuchs in Massachusetts/USA auf. Er studierte an den Unis Princeton und Oxford Philosophie, Politik und Wirtschaftswissenschaften, war Manager in einer New Yorker Anlagefirma und anschließend selbständiger Unternehmer. Seit 1990 ist er freier Autor und lebt mit seiner Familie in Boulder, Colorado, wo er sich für den Umweltschutz engagiert. (Verlagsinfo)

Seine Saga um die Jugend des Zauberers Merlin umfasst fünf Bände:

1) [Merlin – Wie alles begann]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=338
2) [Merlin und die sieben Schritte zur Weisheit]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=990
3) Merlin und die Feuerprobe
4) Merlin und der Zauberspiegel
5) Merlin und die Flügel der Freiheit

_Der Sprecher_

Stefan Wilkening, 1967 geboren, besuchte die Otto-Falckenberg-Schule in München. Er hatte Engagements an den Münchner Kammerspielen, bei den Wiener Festwochen und beim Schauspiel Frankfurt/M. Er arbeitete zudem bei zahlreichen Hörfunk- und Filmproduktionen mit und ist seit 2001 festes Ensemblemitglied beim Bayerischen Staatsschauspiel in München. Für den |Hörverlag| las er unter anderem „Das Böse unter der Sonne“ von Agatha Christie und erzählte Uwe Timms Geschichte vom „Rennschwein Rudi Rüssel“.

Regie führte Caroline Neven Du Mont, Jochen Scheffter und Monika Volger leiteten die Aufnahmetechnik. Wilkening liest eine von Katia Semprich gekürzte Fassung.

Auf der Rückseite des Booklets ist eine Landkarte von Avalon abgedruckt.

_Vorgeschichte_

Die Saga erzählt von jener Zeit, als Merlin noch nicht der berühmteste aller Magier war, noch nicht der weise Lehrmeister des jungen Königs Artus, sondern ein 13-jähriger Junge, der in Band eins ein Kind ist, dessen Mutter seine Herkunft mit einem geheimnisvollen Schweigen umgibt. Klar, dass er seine Wurzeln erkunden muss. Denn das bedeutet, die Quelle seiner Fähigkeiten zu ergründen.

In Band zwei hat Merlin gerade seinen zuvor unbekannten Vater Stangmar verloren und erfahren, dass seine Mutter Elaine jenseits des Meeres lebt. Kein Wunder, dass er seine Kräfte erprobt und sie herbeibeschwört. Doch der Erzfeind Ritagaur ist nie weit entfernt und vergiftet Elaine. Um das Gegenmittel vom Gott Daghda zu erlangen, muss Merlin die sieben Schritte zur Weisheit finden und gehen. Und er hat dafür nur vier Wochen Zeit.

Band fünf zeigt uns Merlins Vollendung sowie die ultimative Bedrohung seines Reiches. Alle Bewohner der Insel müssen zusammenstehen, sonst ist sie verloren. Merlin hat die schier unlösbare Aufgabe, alle rechtzeitig herbeizurufen, und dafür bleiben ihm nur zwei Wochen Zeit.

_Handlung_

Ein Junge von acht Jahren lebt in Fincayra, einsam, aber frei. Allein sitzt er am Ufer der Küste, dann macht er sich daran, Holz für sein Lagerfeuer zu schlagen. Doch kaum hat er sich einen Ast ausgesucht, zischt ein Schwert herab und schlägt den Ast ab. Der Junge schaut sich um. Da steht ein großer Krieger vor ihm. Er trägt einen gehörnten Helm und führt zwei Schwerter. Doch wo die Hände an deren Griffen sein sollten, befindet sich nichts: Der Krieger trägt die Schwerter anstelle von Unterarmen. Er befragt den Jungen streng, denn er soll sein erstes Opfer sein. Er sucht nach einem Mann, der sich Merlin nennt …

Merlin, der blinde Zauberer mit dem zweiten Gesicht, wandert mit seiner Freundin Halia durch den verwunschenen Druma-Wald. Er trifft seine Schwester Rhia wieder, und sie stellt ihm einen neuen Gefährten vor. Gestatten? Skillyrimpus, ein kleines Wesen mit nur drei Beinen, aber völlig furcht- und respektlos, wie Merlin zu seinem Leidwesen bald feststellen muss. Zusammen wandern sie zum Sternguckerstein auf dem Hügel, wo Rhia für alle Essen kocht. Sie freuen sich auf die längste Nacht des Jahres, die Wintersonnenwende. Es ist entsprechend kalt, doch Rhias Eintopf wärmt sie auf.

In der Nacht hat Merlin einen seltsamen Traum. Er reitet in der Luft auf einer Falkenfeder und genießt gerade die Freiheit, als ein Schwert-Arm aus den Wolken herabsaust und ihn am Arm verletzt. Als er erwacht, ist da kein Schwert-Arm, sondern nur ein Grollen, das vom Sternguckerstein kommt. Er geht dorthin und hat eine Vision. Die Wolken formen das Gesicht eines Mannes: Es ist der Daghda, der oberste Gott, der über alle Welten herrscht, über Fincayra, die Erde und die Anderswelt. Doch über die Geisterwelt herrscht Ritagaur, der Erzfeind.

Der Daghda verkündet Schreckliches. Es drohe Merlin, seinen Lieben und ganz Fincayra größte Gefahr. In der nahen längsten Nacht werden sich Anderswelt und Fincayra so stark annähern, dass Ritagaur versuchen wird, den Durchgang zu wagen und mit seiner Armee aus Geistern und Dämonen Fincayra zu erobern. Nach Fincayra sei dann die Erde dran. Dem Daghda ist es nicht gegeben, den Erzfeind aufzuhalten.

Um Fincayra zu retten, müsse Merlin innerhalb der zwei Wochen, die bis zur Wintersonnenwende verbleiben, alle Völkerschaften zum Widerstand gegen die Invasion der Geisterwelt vereinen. Leichter gesagt als getan, denn fast alle Völker und Rassen der Insel sind einander nicht grün. Nur jemand, der mit ihnen allen Kontakt gehabt hat, kann sie zur finalen Schlacht zusammenrufen: Merlin, der Zauberer, der über die sieben Schätze Fincayras verfüge.

Am nächsten Morgen erzählt Merlin Rhia und Halia von seinem Traum. Rhia bedauert, dass die Menschen die „Flügel der Freiheit“ verloren hätten, denn der Daghda nahm sie ihnen wegen eines Frevels. Merlin und seine Freunde hören ein Poltern und Beben im Boden. Da kommt auch schon sein Freund Shim, der Riese. Doch auch er bringt schlimme Kunde.

Merlins Vater Stangmar, der Feldherr Ritagaurs, ist aus seinem Gefängnis entkommen und bedroht nun Merlins Mutter Elaine, die er des Verrats bezichtigt. Nachdem er Halia zu den Drachen um Hilfe geschickt hat, eilt Merlin mit Rhia zum Dorf seiner Mutter. Elaine beugt sich über einen Jungen, dem ein unheimlicher Krieger das Ohr abgeschnitten hat. Der Krieger hat zwei Schwerter als Arme gehabt, erzählt sie. Merlin fürchtet, es handle sich um Stangmar, und warnt sie.

Merkwürdig, dass dieser Krieger gerade dann auftaucht, wenn Merlin sich ganz auf die bevorstehende Entscheidungsschlacht um Fincayra vorbereiten sollte …

_Mein Eindruck_

Diese Fantasy-Geschichte ist für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren konzipiert. Dementsprechend einfach sind die Sprache und der Handlungsaufbau.

Wieder einmal ist das eine Geschichte vom Zauberlehrling. Harry Potter lässt grüßen. Doch was bei Potter die viktorianische Umgebung darstellt, ist bei Merlin eine raue dörfliche, später eine natürliche Umgebung: Fincayra ist ein heiliges Land, eine Brücke zwischen Menschen- und Anderswelt. Demzufolge besitzen die Dinge, die Merlin hier antrifft, eine höhere und allgemeingültigere Bedeutung als sonst und spielen eine größere Rolle im Lauf der Welt.

Alle Wesen, die Merlin in Fincayra antrifft, sind Verkörperungen von natürlichen Aspekten oder moralischen Prinzipien. Die Kunst liegt nun aber darin, dass der Autor sie nicht so platt aussehen lässt. Er muss ihnen mehrere Schichten von Bedeutung verleihen, eigene Motive, ein eigenes Leben. Merlin hat in Band eins seine eigene Identität herausgefunden, in Band zwei auch die von Rhia. Sie ist neben dem Falken die lebhafteste Figur in Fincayra. Doch seine Entdeckung erfolgte unter tragischen Umständen: Er darf sie nicht lieben, weil sie seine Schwester ist. Dafür lernt er Halia kennen.

Die Mission, auf der er sich bislang befunden hat, diente nicht nur der Rettung seiner Mutter, sondern auch der des Landes Fincayra. Wenn er die sieben Schritte zur Weisheit erfolgreich bewältigt, ist er de facto der weise Zauberer, den Fincayra braucht. Dann erst können die Schätze des Landes – die blühende Harfe, das Horn, das Schwert und vieles mehr – ihren rechtmäßigen Platz finden. Und er wird wissen, wer die rechtmäßigen Hüter sind.

Dies alles hat er in Band drei und vier geschafft, nun gilt es, das Gewonnene gegen den größten Feind zu verteidigen und zu bewahren. Schlimme Vorzeichen künden das kommende Unheil an. So verdorrt beispielsweise der von der blühenden Harfe gesegnete Obstgarten. Auch gilt es noch, den Frevel zu sühnen, den die Menschen der Vergessen Insel einst gegen den Daghda begangen haben. Es ist kein Zufall, dass Merlins entscheidender Kampf gegen den Schwert-Mann zugleich mit der Sühne stattfindet. Der Lohn ist die Freiheit der fliegenden Menschen: die titelgebenden Flügel der Freiheit.

|Lektionen für Jung und Alt|

Doch bis es so weit ist, muss Merlin zahlreiche Lektionen lernen. Sie alle zeitigen unerwartete Ergebnisse, die für alle Menschen wichtig sind – für Kinder ebenso wie für Erwachsene. Denn wer weiß schon von der Wahrheit, dass man mit dem Herzen besser sehen kann als mit den Augen? Und dass der Versucher (Ritagaur) sich immer als täuschender Führer mit der sanftesten Stimme auf dem kürzesten Pfad anbietet?

Wie schwer es ist, die Kräfte zum gemeinsamen Widerstand in der Entscheidungsschlacht zu einen, muss Merlin bald selbst erfahren. Kaum einer will sich mit anderen Rassen oder Völkern zusammentun. Das kennt man ja aus Elronds Rat im [„Herr der Ringe“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5487 Die Zwerge können die Elben nicht leiden und so weiter. Doch Merlin hat willige Helfer. Umso größer ist deshalb seine Freude kurz vor der Schlacht, wenn nicht nur die Helfer Hilfe holen konnten, sondern auch die Völker von sich aus ihre Hilfe anbieten, um an seiner Seite zu kämpfen.

|Barrons Quellen|

Dass viele Handlungselemente sowie Figuren an Tolkiens Mittelerde erinnern, liegt nicht etwa an Barrons möglicher Einfallslosigkeit, sondern an Tolkiens allgemein verfügbaren Quellen: Er hat sie walisisch-keltischen, altenglischen, altnordischen und finnischen Sagen und Epen entnommen. Aus dem gleichen Kessel kann legitimerweise auch Barron schöpfen. Und an walisischen Quellen bietet die Epensammlung des Mabinogion wahrlich reichen Stoff, wie schon Lloyd Alexanders [Prydain-Zyklus]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2850 bewies. Der dunkle König Stangmar entspricht beispielsweise Arawn, dem Herrn der Unterwelt, der auch in Prydain (= Britannien) sein Unwesen treibt.

In Band zwei finden sich bereits mehrere Hinweise auf die Artus-Sage, so etwa das Schwert Excalibur und die Magierin Viviane, die sich Nimue nennt. Dieser Artus-Hintergrund verstärkt sich noch in dem Zyklus um die Insel Avalon, mit dem der Autor seinen Merlin-Zyklus fortsetzte – und der mittlerweile ebenfalls komplett im Hörbuch vorliegt.

|Der Sprecher|

Selten hört man so deutlich gestaltete Stimmen, die auch noch so ausgezeichnet passen. Stefan Wilkening kann es in dieser Beziehung fast mit Rufus Beck aufnehmen. Allerdings übertreibt Beck seine Kunst manchmal. Wilkening erweckt wichtige Figuren wie die alte Domno oder die weise Elusa direkt zum Leben, inklusive ihrer ambivalenten Natur: Beide Wesen haben ihre eigenen Motive – Hunger oder Gier -, um Merlin zu helfen. Viel lustiger fand ich den kleinen Skillyrimpus, Rhias neuen Freund. Seine etwas quäkend hohe Stimme passt aber zu seiner respektlosen Art. Kinder dürften viel Spaß an ihm haben.

Zwischendurch ist kurz mal der Erzähler zu hören. Seine Aufgabe ist es, weniger wichtige Handlungsvorgänge raffend zusammenzufassen, bis dann die nächste wichtige Szene eröffnet wird. Das kommt dem Tempo der Handlung sehr zugute. Es ist nicht seine Aufgabe, irgendwelche Figuren zu charakterisieren.

Stefan Wilkening ist noch in anderer Hinsicht bemerkenswert. Er ist der erste Sprecher, den ich kenne, der walisisch-keltische Namen korrekt ausspricht. Und zwar nicht nur ein- oder zweimal, sondern durchgehend. Das wird bei seiner Aussprache von ‚Rhia‘ deutlich: [chría]. Die Aussprache von ‚Gwynnedd‘ kann ich nicht einmal darstellen, weil mir das Zeichen für das stimmhafte ‚th‘ am Schluss fehlt. Das Gleiche gilt für Caer Myrddin, dem Kloster, in dem Emrys aufwächst, bis er zwölf ist.

_Unterm Strich_

Dieses fünfte „Merlin“-Hörbuch hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Die Geschichte ist sowohl spannend und geheimnisvoll als auch anrührend. Sie ist meilenweit entfernt von den Klischees, die in der Mini-Serie „Merlin“ fürs Fernsehen verarbeitet wurden. Eine böse Feenkönigin (Queen Mab) ist hier nicht zu finden. Wohl aber Wesen, die ihre eigenen Motive haben, ähnlich wie in Michael Endes „Die unendliche Geschichte“.

Und wie bei Ende gilt es, ein sagenhaftes Land vor dem Bösen zu retten. Dabei gibt es allerlei Überraschungen. Episoden wie die Erlösung der Vergessenen Insel setzen ein tiefes Verständnis beim Autor voraus. Die ökologische Botschaft ist ebenfalls klar: Nur wenn alle mithelfen und ihre Streitigkeiten beiseite legen, lässt sich die Welt retten – die in diesem Fall Fincayra heißt.

|Das Hörbuch|

Selten hört man so deutlich gestaltete Stimmen, die auch noch so ausgezeichnet passen. Stefan Wilkening kann es in dieser Beziehung fast mit Rufus Beck aufnehmen. Wilkening erweckt wichtige Figuren direkt zum Leben. Er ist der erste Sprecher, den ich kenne, der walisisch-keltische Namen korrekt ausspricht. Jung und Alt dürften das Hörbuch gleichermaßen genießen können.

Fazit: ein Volltreffer.

|Originaltitel: The Wings of Merlin, 2000
Aus dem US-Englischen übersetzt von Irmela Brender
294 Minuten auf 4 CDs
Empfohlen ab 12 Jahren
ISBN-13: 978-3867170826|
http://www.hoerverlag.de
http://www.tabarron.com
http://www.carolinenevendumont.de
http://www.stefan-wilkening.de

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