Miller, Frank / Lee, Jim – All Star Batman 2

_Story_

In einer verruchten Gegend von Gotham City, in der sich nur die übelsten Gesichter der gesamten Stadt aufhalten, hält eine ganze Riege junger Männer Ausschau nach der hübschen Kellnerin eines Pubs. Bei dieser handelt es sich um die wohlgeformte Black Canary, die während des abendlichen Trubels mit einem Mal völlig ausrastet und das Lokal, in dem sie arbeitet, zu einem einzigen Schlachtfeld ummodelliert. Derweil wird der erst 12-jährige Richard Grayson weiterhin vermisst, wobei den Ermittlern klar ist, dass sich der gerade erst ins Rampenlicht getretene Batman des Jungen angenommen und ihn entführt hat. Dies wiederum erzürnt einen anderen Helden, nämlich Clark Kent alias Superman, der aufgrund der aktuellen Ereignisse langsam rot sieht. Außerdem hängt an der Geschichte um die Entführung nämlich noch das Leben der Reporterin Vicky Vale, die bei Batmans Verfolgung schwer verunglückt ist und nun im Krankenhaus mit ihrem Leben ringt. Der arroganten Fledermaus kann all dies jedoch nichts anhaben. Er ist sich sicher, im jungen Grayson den richtigen Komplizen entdeckt zu haben, und bringt ihm trotz des Widerstands seines Butlers Alfred auf äußerst harte Art und Weise Disziplin bei – und fühlt sich dabei ziemlich sicher …

_Meine Meinung_

Wie auch schon in den anderen Comics der „All Star“-Reihe wird auch im zweiten Teil von „All Star Batman“ ein sehr eigenwilliger Ansatz verfolgt, der sich ziemlich deutlich von den derzeitigen Ereignissen im DC-Universum abhebt. Besonders die im Mittelpunkt stehenden Charaktere – in diesem Fall natürlich vorrangig Batman, aber auch der kurz eingebundene Superman – unterscheiden sich in ihrem Verhalten enorm von ihrem aktuellen Erscheinungsbild, wobei natürlich erwähnt werden sollte, dass sich „All Star Batman“ mit den Anfängen der berüchtigten Fledermaus auseinandersetzt. Erfahrene Leser mögen zwar jetzt gelangweilt gähnen, speziell wenn sie in der Inhaltsangabe erfahren, dass die Entstehungsgeschichte von Robin ein weiteres Mal thematisiert wird, doch man sollte dabei nicht vergessen, dass mit Frank Miller und Jim Lee zwei absolut renommierte Routiniers hinter der Serie stecken, und dieses Dream-Team wird seinem Ruf dann auch voll und ganz gerecht.

Wie eigentlich von beiden gewohnt, ist die Story sehr düster und wird von Lee auch dementsprechend zeichnerisch aufgearbeitet. Und wie man es von Miller kennt, so werden die Hauptdarsteller als raubeinig und kompromisslos dargestellt, was natürlich bei der Betrachtung von Batman erst einmal überrascht, denn bei ihm sind noch keine Anzeichen dafür auszumachen, dass er der ‚guten‘ Seite angehört. Erst die Entführung, dann sein niederträchtiges Verhalten gegenüber dem jugendlichen Grayson – das ist nicht der Batman, den wir kennen, sondern vielmehr das überhebliche Abbild des Multimillionärs Bruce Wayne, welches in jedem Charakterzug Batmans sehr prägnant zur Geltung kommt. Interessant wird sein, wie Frank Miller dieses enorm abstoßende Bild des Helden irgendwann auf die rechte Spur bringt, denn in diesem Zustand traut man Batman einen ehrlichen Wandel weder zu, noch würde man ihn glaubhaft annehmen können.

Bei Superman verhält sich die Sache eher anders; er steht natürlich für Gerechtigkeit, allerdings ist man von ihm kaum gewohnt, dass er gänzlich aus der Haut fährt. Sieht man ihn indes in „All Star Batman“, wird man erstmal über seine zornige Erscheinung verwundert sein. Der Superheld mit dem breiten S auf der Brust wirkt längst nicht so souverän, wie man ihn aus anderen Geschichten kennt, was jedoch auch auf die Chronologie der Ereignisse zurückzuführen ist, denn wie bereits erwähnt: Die hier beschriebene Story liegt im Rahmen der Welt von |DC Comics| schon einige Jahre zurück.

Insofern ist „All Star Batman“ definitiv kein weiterer Abklatsch von Robins Herkunftsgeschichte, sondern stattdessen ein sehr interessanter Ansatz hinsichtlich der Betrachtung des ‚frühen‘ Batman und der Schatten, die die Ermordung seiner Eltern auf sein Verhalten geworfen haben. In dieser Serie, und in Band 2 noch wesentlich klarer als zuvor, sehen wir einen verbitterten, fast schon brutalen Titelhelden, der sich einen feuchten Kehricht um die Geschehnisse um ihn herum, sondern nur um sich und seine Rache schert. Batman tritt als fürchterlicher Egoist auf und bewegt sich jenseits jeglicher bekannter Werte; der Effekt: anfangs schockierend, später aber dann unheimlich interessant und weit von dem entfernt, was der Leser zunächst erwartet hat. Und wer hätte sich hierfür schließlich besser geeignet als Frank Miller? Wahrscheinlich niemand. Ergo: alles richtig gemacht, alles prima umgesetzt, und dazu noch super illustriert. Diese Serie sollte man als Fan daher auch keinesfalls verpassen!

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