Die drei ??? – Fußball-Teufel (Folge 164)

Zur Story

Die Suche nach einem entlaufenden Hund führt die drei Fragezeichen zum Hooked Nose, einem markanten Felsen der ein Heiligtum der Chumasch-Indianer darstellt. Dort begegnen sie einem unheimlichen Typ mit schwarzem Gewand und Pferdefuß, der ihnen in Aussicht stellt ihnen die Kehlen durchzuschneiden, sollten sie sich nicht schleunigst verziehen und fürderhin fernbleiben. Allerdings rechnet der Wäre-Gern-Teufel nicht mit der Neugier der Jungdetektive, die ihn trotz der handfesten Drohung prompt bis zu einem Sportplatz am Rande von Santa Ynez verfolgen. Dort verliert sich seine Spur zunächst, dafür beobachten sie das junge Fußballtalent Lenni Carson, der ganz vorzügliche Tricks beherrscht, wie weiland der berühmte Fußballstar John Greyfox. Dort erfahren sie auch, dass auf dem Sportplatz seltsame Dinge vor sich gehen, weswegen sie Lenni schließlich engagiert. Und tatsächlich besteht eine seltsame Verbindung zwischen Greyfox und Lenni – schon allein dadurch, dass beide von den Chumasch abstammen, wie sich herausstellt. Alles deutet zudem darauf hin, dass es irgendetwas mit einem alten indianischen Ritus und dem Hooked Nose zu tun haben muss. Doch was will die Teufelsgestalt von Lenni?

Eindrücke
Warnung – der Abschnitt enthält spannungszerstörende Informationen!

Kennern der Serie steigen bei der Kombination „Sonnleitner“ und „Fußball“ zuweilen die Nackenhaare auf, da dieses eigentlich sehr europäische Thema als Stoff für eine Geschichte, die im ziemlich soccerphoben Amerika spielt, in der Serie deutlich überrepräsentiert ist. Nun mag man über das Erreichen von Zielgruppen und ihre Interessen bzw. Identifikationsfiguren mannigfaltige Spekulationen anstellen, doch die drei ??? sollen wohl offenbar hauptsächlich männliche Jugendliche ansprechen. Wie dem auch sei, spielt König Fußball in diesem Fall glücklicherweise eine recht untergeordnete Rolle. Der Aufhänger ist – ebenfalls zum wiederholten Male – der native Stamm der Chumasch (gesprochen: „Ku-mäsch“). Wobei man sagen muss, dass Drehbuchschreiber André Minninger vom Buch eine ganze Menge weg gelassen hat, was diesem noch ein gewisses Maß an Logik, Spannung und zu guter Letzt Rundlauf bescherte. Allein der ganze fehlende Komplex um den Talentscout, dessen Anwesenheit Lenni im Roman zusätzlich unter Druck setzt, nimmt einiges an Pace aus der Story. Natürlich sind Kürzungen meistens unabdingbar, doch hier hat es zu einem Flickenteppich geführt, der schief zusammengenäht wurde.

Das Hörspiel holpert und plätschert also so vor sich hin, ohne je einen wirklich lohnenswerten roten Faden zu entwickeln. Zusammenhänge zwischen den Figuren bleiben ziemlich unklar bzw. sind nicht so ausgearbeitet wie in der Vorlage. So mancher Handlungssprung ist überdies ohne Kenntnis dessen nicht nachvollziehbar – etwa Bobs Involvierung bei der Entführung Lennis. Zwar kommt man auch als Leser des Originals so ohne weiteres kaum von allein auf die Identität des Pferdefüßigen, das langatmige Geplänkel in der indianischen Kulthöhle, kurz vor dem Showdown, war schon im Buch nicht besonders glaubhaft. Irgendwie erinnert einen des ganze Trallala mit den Fallen an „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ oder auch an Eddie Murphys akrobatische Einlagen in „Auf der Suche nach dem goldenen Kind“. In der Hörspielfassung gleiten die Dialoge dabei spätestens jetzt ins gnadenlos Lächerliche ab, besonders die „Betroffenheit“ von Justus und Bob, als Peter angeblich zu Tode stürzt ist eine stimmliche Farce und unglaubwürdig bis dorthinaus. Auch beim „Teufel“ wird entweder gepatzt (oder ist es vielleicht gar Absicht): Plötzlich spricht er nicht mehr heiser-drohend, sondern mit unverstellter, klarer Stimme.


Die Produktion

Buch und Effekte: André Minninger
Redaktion und Geräusche: Wanda Osten
Regie und Produktion: Heikedine Körting
Musik: Hagitte & Bertling (STIL), Morgenstern, George, Conrad

Sprecher und Figuren
Oliver Rohrbeck (Justus Jonas), Jens Wawrczeck (Peter Shaw), Andreas Fröhlich (Bob Andrews), Thomas Fritsch (Erzähler), Tim Kreuer (Lenni Carson), Holger Mahlich (Inspektor Cotta), Douglas Welbat (John Greyfox), Krystian Martinek (Clay Carson), Achim Schülke (Walter Carson), Woody Mues (Freddy Hays), Bruno F. Apitz (Trainer), Wolfram Winfried (Mann), Francesco Nieheim (Junge), Carsten Krausse (Spieler)

Fazit

Diese Folge ist nach Längerem wieder einmal eine schwache Umsetzung, die leider einiges an Potenzial verschenkt. Zu viele (wichtige) Teile aus dem Buch fehlen und das was übrig blieb, passt irgendwie dann nicht so recht zusammen. Zumindest dann nicht, wenn man die Vorlage kennt, wiewohl genau das die Irrungen und Wirrungen des Hörspiels wenigstens abdämpft, da man die Zusammenhänge besser kennt. Paradox? Vielleicht. Das Buch war hinten raus nun auch nicht der indianischen Weisheit letzter Schluss, konnte sich aber immerhin noch soeben über die Runden retten und sich im stabilen Mittelfeld platzieren. Das Hörspiel hingegen versemmelt es spätestens im krude inszenierten Finale vollkommen. Statt Dramaturgie gibt’s atmosphäretötendes Gesabbel und Ober-Erklärbär Justus könnte glatt der neue Medizinmann der Chumasch werden. Der leidgeprüfte Rezensentendaumen checkt die Schärfe seines soeben ausgebuddelten Tomahawks gewissenhaft. Hugh!

1 Audio-CD mit einer Laufzeit von ca. 69 Minuten
Erzählt von Marco Sonnleitner nach Figuren von Robert Arthur
EUROPA / Sony Music Entertainment, 2013
EAN: 887254003427

www.natuerlichvoneuropa.de

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