Novik, Naomi – Drachenprinz (Die Feuerreiter Seiner Majestät 2)

Mit [„Drachenbrut“,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3781 dem ersten Teil ihrer Trilogie „Die Feuerreiter seiner Majestät“, hat Naomi Novik ein unterhaltsames und eigenwilliges Fantasy-Debüt vorgelegt. Entsprechend groß sind logischerweise die Erwartungen an „Drachenprinz“, den zweiten Band der Reihe.

Nach den bestandenen Schlachten aus dem ersten Teil erwarten Feuerreiter Will Laurence und seinen Drachen Temeraire nun neue Abenteuer. Schon am Ende des ersten Teils deutete sich ein Szenario an, das nun vollends Gestalt annimmt. Temeraire war ursprünglich als Geschenk des chinesischen Kaisers an Napoleon gedacht. Nach dem Kapern einer französischen Fregatte fiel Temeraires Drachenei den Engländern in die Hände, und dort hat er nach Meinung der Chinesen gar nichts zu suchen. Vor allem wird Laurence auch als nicht würdig empfunden, als Kapitän dieses hochgeschätzten und äußerst seltenen Himmeldrachen zu dienen. Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Die Chinesen wollen Temeraire, bzw. Lung Tien Xiang, wer er bei den Chinesen heißt, zurückhaben.

Zu diesem Zweck reist eine chinesische Delegation nach England, um den Drachen dort abzuholen, möglichst ohne ihren Kapitän. Doch so einfach lässt Temeraire sich nicht ohne seinen geliebten Laurence entführen. Durch Temeraires Weigerung sind die Chinesen gezwungen, auch Laurence die Reise nach China zu erlauben, wo alles weitere geklärt werden soll. Die Engländer erhoffen sich durch diese Reise nicht zuletzt eine günstige Verhandlungsposition in politischen und wirtschaftlichen Fragen.

Und so steht Temeraire und Laurence eine abenteuerliche Reise nach China bevor, auf der es so manche brenzlige Situation zu meistern gibt: Angriffe des Feindes, verheerende Stürme, Begegnungen mit Meeresungeheuern sowie Spannungen und Intrigen an Bord des Drachentransporters „Allegiance“. Doch so wirklich abenteuerlich wird es erst, als die beiden chinesischen Boden betreten …

Nach dem überaus positiven Eindruck von „Drachenbrut“, hat „Drachenprinz“ verständlicherweise mit einem ziemlichen Erwartungsdruck zu kämpfen. Naomi Novik hat die Latte mit dem ersten Band schon sehr hoch gelegt, und so bekommt sie im Laufe des zweiten Bandes dann doch stellenweise Schwierigkeiten, diese Erwartungen auch wirklich auszufüllen.

Schnell ist der Leser wieder mittendrin in der Handlung. Der Einstieg fällt leicht, und Temeraire, Laurence und die übrige Drachenbesatzung wachsen einem schnell wieder ans Herz. Erste Spannungen bauen sich gleich zu Beginn auf, als die chinesische Delegation in England die Herausgabe des Drachen fordern. Die Beziehung zwischen Laurence und Temeraire ist durch die Geschehnisse in Band eins gefestigt und sehr innig, eine Trennung der beiden somit auch für den Leser undenkbar.

Die Reise nach China, die eine Eskalation der Situation vermeiden und zu einer Verbesserung des englisch-chinesischen Verhältnisses beitragen soll, ist von Anfang an nicht mehr als ein fauler Kompromiss. Die Reise steht unter schlechten Vorzeichen, und so gibt es auf der Monate dauernden Fahrt so manche unangenehme Situation durchzustehen. Dass die chinesische Delegation unter der Leitung von Prinz Yongxing mit an Bord reist, verschärft die Situation nur und sorgt für weitere Spannungen.

Die Seereise der „Allegiance“ nimmt etwa die Hälfte des Buches in Anspruch, und da wären wir auch schon beim ersten Kritikpunkt. Die Fahrt zieht sich schier endlos, immer wieder unterbrochen von kleineren Abenteuern, Spannungen und Intrigen. Auch wenn es natürlich logisch ist, dass ein Segelschiff in der damaligen Zeit eine halbe Ewigkeit von England nach China unterwegs war, hätte man sich als Leser doch eine etwas straffere Abhandlung der Reise gewünscht.

So geht im Verhältnis betrachtet der Showdown in China viel zu schnell. Das Finale wird geradezu im Hauruck-Verfahren vorangetrieben und wirkt etwas gehetzt. Hätte Novik die Seereise etwas gestrafft, hätte sie für das Finale mehr Zeit gehabt. Dem Roman hätte das sicherlich gutgetan. Die Geschehnisse in China sind schließlich derart verwickelt, dass ihre Auflösung etwas mehr Platz verdient hätte, um sie stichhaltig und nachvollziehbar darzulegen. So wirkt die Schilderung mancher Ereignisse in China leider etwas unausgegoren, und gerade der Überfall der Hunhun-Bande erscheint etwas überzeichnet und in seinem Verlauf geradezu unwahrscheinlich.

Das ist insbesondere deswegen schade, weil Novik sich ansonsten sichtlich Mühe gibt, eine stimmige Atmosphäre heraufzubeschwören. Sie unterstreicht die kulturellen Unterschiede zwischen China und Europa und entwirft für die Chinesen eine völlig entgegengesetzte Art der Drachenkultur. Durch diesen Gegensatz haben auch Laurence und Temeraire reichlich Diskussionsstoff, der sicherlich auch ein wichtiger Bestandteil des nächsten Teils der Reihe sein wird, da dieser Themenkomplex über die Unterschiede in der Drachenhaltung zu bedeutungsvoll ist, als dass Novik ihn für die Zukunft einfach wieder fallen lassen könnte.

Die charakterliche Entwicklung der Figuren wird vor allem von dem Druck einer eventuell bevorstehenden Trennung von Laurence und Temeraire geprägt. Gerade Temeraire reift unter diesem Druck weiter heran. Er lernt, sich gegenüber den Chinesen zu behaupten, sieht sich aber gleichzeitig mit einer fremdartigen Welt konfrontiert, die gleichermaßen ein Teil von ihm wie auch völlig neu ist. Interessant dürfte sein, wie diese neuen Eindrücke Temeraires weitere Entwicklung beeinflussen. Das werden wir ab Oktober sehen, wenn mit „Drachenzorn“ der dritte Band der Reihe vorliegt.

Bleibt unterm Strich also ein etwas durchwachsener Eindruck zurück. Die Geschichte um Laurence und Temeraire ist noch immer eine sehr liebenswürdige. Novik legt ihre Welt mit viel Fantasie an und vermittelt sie dem Leser plastisch und farbenprächtig. Das Kampfgeschehen sorgt wie schon im ersten Teil für viele Spannungsmomente, dennoch hat „Drachenprinz“ auch mit ein paar Schwächen zu kämpfen.

So nimmt die Seereise im Verhältnis zu viel Raum ein, es schleichen sich einzelne Längen ein, wohingegen das Ende der Geschichte dann teilweise zu hastig abgespult wird und dabei nicht immer überzeugen kann. Trotzdem macht Naomi Noviks Fantasy-Reihe „Die Feuerreiter seiner Majestät“ noch immer Spaß: Lockere, unterhaltsame und größtenteils spannende Fantasy-Unterhaltung für Jung und Alt.

Offizielle Homepage der Autorin:
http://www.temeraire.org/

Deutsche Fanseite:
http://www.temeraire.de/

Website des Verlags:
http://www.cbj-verlag.de

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