Paasilinna, Arto – liebe Gott macht blau, Der

|“Gott ist ein gutaussehender Mann. Er ist 178 Zentimeter groß, ein wenig stämmig, aber wohlproportioniert und von aufrechter Haltung. Seine Gesichtszüge sind ebenmäßig, mit gerader Nase und hoher Stirn, der Blick ist von sanfter Bestimmtheit, wenn auch recht müde.“|

Gott braucht Urlaub, die Menschheit macht ihm zu sehr zu schaffen. Die Schöpfung der Erde hat ihm anfangs viel Freude bereitet, doch inzwischen ist er seiner Aufgabe überdrüssig geworden. Gott braucht eine Auszeit, doch seine beiden rechten Hände – der Erzengel Gabriel und der heilige Petrus – wollen seine Vertretung nicht übernehmen. Es muss also ein Mensch gefunden werden, der für ein Jahr Gottes Aufgaben übernehmen kann. So machen sich alle Engel im Himmel – der sich im Übrigen in einer alten bulgarischen Schlossruine befindet – daran, die Gebete nach einem würdigen Vertreter zu durchforsten.

Nach viel Arbeit wird die Liste der möglichen Kandidaten immer kleiner – der Papst ist allerdings nicht einmal in die Endrunde gelangt, da er nur aus Gewohnheit betet, aber gar nicht an Gott glaubt. Der finnische Kranfahrer Pirjeri Ryynänen dagegen betet ausgerechnet in der entscheidenden Woche besonders inbrünstig – und zwar nicht um sein eigenes Wohl, sondern um das seiner Lebensgefährtin. Sein Gebet kommt von Herzen und so gelangt er schließlich in die Endrunde, wo er von Gott höchstpersönlich, wenn auch durch einen kleinen Zufall (oder gibt es den gar nicht?), ausgewählt wird.

Als der heilige Petrus schließlich in Pirjeris Krankabine vorbeischaut, glaubt der Finne ihm natürlich kein Wort. Er verlangt ein Wunder von Petrus, um sich zu vergewissern, dass er nicht von einem durchgeknallten Alten verschaukelt wird. Und so fordert Pirjeri, dass sein unglücklicher Freund Torsti Rahikainen zu Geld gelangt, damit dieser endlich seine Wünsche und Träume verwirklichen zu können. So beratschlagen Petrus und Gabriel gemeinsam, wie sie auf nicht allzu verwerfliche Weise an viel Geld gelangen, und luchsen es kurzerhand einem unsympathischen Bankdirektor ab.

Als Pirjeri sich davon überzeugt hat, dass sein Freund Torsti tatsächlich reich geworden ist, tritt er pflichtbewusst seinen neuen Job an und begibt sich nach Bulgarien in den Himmel. Dort lernt er Gott kennen, der ihm göttliche Fähigkeiten verleiht, mit denen Pirjeri beispielsweise das Wetter kontrollieren kann. Nachdem Pirjeri seine göttlichen Fähigkeiten unter Beweis gestellt hat, widmet Gott sich seiner verdienten Auszeit und lässt Pirjeri schalten und walten. Der hat auch sogleich nicht nur mit dem Wetter zu kämpfen, sondern mit Satan höchstpersönlich. Außerdem findet er die bulgarische Schlossruine als Himmel absolut unpassend, und so will er sich neben dem Weltfrieden auch um die Umsiedlung des Himmels kümmern …

_Urlaubsvertretung_

Wieder einmal hat Arto Paasilinna sich eine vollkommen abstruse Geschichte ausgedacht: Er zeichnet einen Gott, der nicht nur menschlich aussieht, sondern sich auch mit völlig menschlichen Problemen herumschlägt: Er braucht Urlaub, denn er ist müde von seinen eigenen Geschöpfen. Und nun muss ein menschlicher, aber doch würdiger Vertreter für Gott gefunden werden. Das kann natürlich niemand anderer sein als ein liebenswerter Finne.

Der Arbeitsalltag im Himmel raubt Pirjeri so manch eine Illusion, insbesondere die alte Schlossruine kann er nicht hinnehmen als Sitz des Himmels, und so beginnt er mit der Suche nach einer geeigneten Alternative, die am besten in seiner Heimat Finnland liegen sollte. Und genau hier findet er eine riesige verlassene Kirche, die ihm würdig genug erscheint. Nur Petrus und Gabriel reagieren nicht ganz so begeistert auf die vielen Veränderungen und bereuen es bereits, Pirjeri nicht rechtzeitig aussortiert zu haben. Zähneknirschend fügen sie sich in ihr Schicksal und helfen Pirjeri bei seinem Vorhaben. Und so nimmt der Umzug schließlich einen Großteil des göttlichen Arbeitsalltags ein. Ganz nebenbei wendet Pirjeri schlimme Naturkatastrophen ab, er kämpft gegen Satan, besucht zwischendurch seine Lebensgefährtin und sorgt sich um die Krisenregionen auf der Welt.

Ein zweiter Erzählstrang widmet sich Torsti Rahikainen, der zunächst eine Weltreise unternimmt, sich aber zwischendurch immer wieder in Schwierigkeiten bringt. So begleitet ihn stets sein Schutzengel Konko-Hito, der schließlich so oft eingreifen muss, dass Gott ihn gezwungenermaßen zu einem Schutzheiligen befördert.

Inhaltlich gibt die Geschichte leider nicht viel her; der Umzug des Himmels trägt nicht für das ganze Buch und auch die Nebenhandlung mit Torsti störte mich zunehmend, weil Torsti sich einfach zu tollpatschig und unbeholfen benimmt. So gut mir Arto Paasilinnas Idee mit einem Urlaub machenden Gott gefallen hat, so unzufrieden war ich dieses Mal mit der Umsetzung der Story. Mir schien es, als hätte Paasilinna sich zu sehr auf seinem Grundgedanken ausgeruht, doch damit alleine ist es eben nicht getan. Pirjeris „Regierungszeit“ empfand ich als lange literarische Durststrecke, da abgesehen von einigen Wettergeschehnissen, einem nervenden Satan, dem Umzug des Himmels und dem nervigen Torsti wenig passiert. Und immer wieder kommt Paasilinna auf diese Dinge zurück, sodass sich die gesamte Geschichte im Kreis dreht, ohne aber recht voranzukommen.

Nur selten blitzt Arto Paasilinnas einzigartiger Humor auf, nur selten zeigt er seinen gewohnten Ideenreichtum, und auch auf seinen Wortwitz kann er sich dieses Mal nur selten verlassen. Manch einer mag sich zudem daran stören, dass Paasilinna es wagt, einen „menschelnden Gott“ zu zeichnen, der seiner Aufgabe überdrüssig ist und die Herrschaft über die Welt lieber einem Kranfahrer überlässt.

Insgesamt war ich ein wenig enttäuscht von dem vorliegenden Buch, da ich weiß, dass Arto Paasilinna es deutlich besser kann. Verglichen mit seinen anderen Werken fällt „Der liebe Gott macht blau“ etwas ab, auch wenn ich die Grundidee zu diesem Buch wirklich großartig fand.

|Originaltitel: Auta armias
Aus dem Finnischen von Regine Prische
283 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-7857-1621-2|
http://www.edition-luebbe.de

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