Antonia Hodgson – Das Teufelsloch

Die Handlung:

London 1727. Schauplatz Schuldgefängnis. Tom Hawkins will lieber verdammt sein, als Landpfarrer zu werden wie sein Vater. Er liebt die Frauen, das Bier und das Glücksspiel – und landet eines Nachts im berüchtigten Londoner Schuldgefängnis The Marshalsea, Schnell erkennt Tom, dass in dieser Hölle nur überlebt, wer sich nützlich macht. Er verdingt sich als Ermittler in einem hinterlistigen Gefägnismord – und bereut dies im selben Augenblick.

Mein Einruck:

Historische Romane zu lesenn kann ein Vergnügen sein: Die Kunst des Autors besteht darin, nicht nur gut zu recherchieren, sondern die Fakten auch so umzusetzen, dass der Lesestoff möglichst anschaulich wird. „Das Teufelsloch“ erfüllt diese Kriterien über alle Maßen und hat sich sogar den Titel historischer Thriller absolut verdient. Die Autorin Antonia Hodgson nimmt den Leser mit in ein London des 18. Jahrhunderts. Das (Nacht)leben spielt sich in Spelunken und Kaffeehäusern ab, Punsch wird in Krügen bestellt und Glücksspiel und Prostitution haben Hochkonjunktur.

Der Protagonist Thomas Hawkins ist alldem zugetan und verdient den Namen Lebemann. Er stammt zwar aus gutem ländlichen Hause, lernte jedoch schon während des Theologiestudiums die Vorzüge des Nachtlebens in der Großstadt London zu schätzen. Schnell wurde klar, dass er nicht wie geplant die Nachfolge seines Vaters als Landpfarrer antreten würde, sehr zu dessen Bedauern. Als der Leser Tom kennenlernt, hat er aufgrund gewisser Vorfälle bereits keinen Kontakt mehr zu seinem Elternhaus und lebt in London „in den Tag hinein“. So ist es nicht verwunderlich, dass er in finanzielle Schwierigkeiten gerät und abgesehen von seinem ältesten Freund Charles Buckley niemanden um Hilfe bitten kann.

Trotz einfallsreicher Bemühungen kann Tom sich aus seinem Schlamassel nicht befreien und landet schließlich im Marshalsea, welches tatsächlich jahrhundertelang Londons berühmt-berüchtigtes Schuldgefängnis war. Ein Schuldgefängnis diente nicht in erster Linie der Bestrafung von Schuldnern, sondern als Druckmittel. Der Schuldner wurde sozusagen als Pfand festgehalten, bis er selbst oder die Familie das geschuldete Geld auftreiben konnten. Dass die Gefangenen für den Unterhalt im Gefängnis zahlen mussten, machte die zügige Begleichung nicht gerade leichter und erklärt auch, womit die Gefängnisdirektoren und Bediensteten ihr Geld verdienten. Hodgson beschreibt den Gefängnisdirektor Acton als grausamen und rohen Mann, der das Marshalsea mit Geldgier regiert. Dabei spart sie auch grauenvolle Details nicht aus, sondern gibt einen realistischen Eindruck vom Alltag wieder.

Der Aufenthalt von Tom Hawkins im Marshalsea wird nicht zuletzt dadurch zusätzlich spannend, dass kurz vor seiner Ankunft dort ein Mord passiert ist und sich für ihn die Option auf baldige Freilassung ergibt, sollte es ihm gelingen, den Täter zu ermitteln. Natürlich kein allzu leichtes Unterfangen, da er als Neuling sich zuerst einmal mit den Gegebenheiten und den anderen Insassen vertraut machen muss. Sein Zellennachbar Samuel Fleet, dem er zunächst nicht trauen mag, wird für ihn später zur Schlüsselfigur, als sie gemeinsam versuchen, den Täter ausfindig zu machen. Dabei droht Hawkins in seinem wenige Tage andauernden Aufenthalt im Marshalsea selbst der Abstieg in die Common Side – die Seite innerhalb des Gefängnisses, in denen die Ärmsten auf engem Raum zusammengepfercht sind. Dass eine Ausbreitung von Seuchen wie dem Faulfieber damals auch im Marshalsea beinahe alltäglich war, erklärt sich bei den mangelnden Hygienestandards und den räumlichen Gegebenheiten fast von selbst. Hawkins kommt mit den Ermittlungen dennoch einigermaßen gut voran, als plötzlich noch ein zweiter Mord in seinem direkten Umfeld passiert, der alles aus der Bahn wirft. Acton nutzt die zweite Tat, um Tom ein Ultimatum zu stellen, was dessen Vorankommen zusätzlich erschwert. Der Roman wird noch eine Spur spannender, während es für unseren Protagonisten richtig brenzlig wird.

Mein Fazit:

Die britische Autorin Antonia Hodgson entführt den Leser in ein etwas düsteres und schmutziges London, in dem ein Überleben nicht eben ungefährlich war. Zu groß doch die Wahrscheinlichkeit, auf dem Heimweg von der Schenke beraubt zu werden oder an einer Seuche zu erkranken! Oder eben in einem der berüchtigten (Schuld)Gefängnisse zu landen und dort seinen Mann stehen zu müssen wie Thomas Hawkins. Der überaus interessante historische Background wird im Roman noch gewürzt mit einer Prise „Wer-war-der-Täter“ bzw.“Wem-kann-ich-wirklich-trauen?“-Spannung und obendrauf gibt es noch den Hauch einer zarten Romanze. Das Teufelsloch basiert auf historischen Tagebüchern und Berichten und die Autorin spart nicht mit erklärenden Anmerkungen sowie ausführlichen Erläuterungen zum authentischen Hintergrund des Romanes. Hodgson hat einige real existierende Personen und Persönlichkeiten in ihren Roman „eingebaut“ und im Nachklang erläutert. So ist es höchst interessant, dass es tatsächlich einen William Acton als Gefängnisdirektor im Marshalsea gab, der für seine Brutalität bekannt war. Das Teufelsloch ist für mich ein absolut gelungener historischer Roman, der offensichtlich hervorragend recherchiert ist. Eine unterhaltsame Lektüre mit klarer und dialogreicher Sprache, der es nicht an Spannung mangelt – empfehlenswert!

Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
Originaltitel: The Devil in the Marshalsea
ISBN-13: 978-3426653456

www.droemer-knaur,de

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