Edward Berry – Der verrückte Ritter – Die schönste Geschichte aller Zeiten

Der verrückte Ritter: Die schönste Geschichte aller ZeitenDie Geschwister Alba und Diego leben in Barcelona, wo ihre Tante Beatriz eine Buchhandlung besitzt. So finden die beiden Leseratten immer genug Futter. Doch am Tag, als „Die beste Geschichte aller Zeiten“ von Lucie Ferrier in die Buchläden kommt, verändern sich plötzlich die großen Klassiker der Literaturgeschichte. Eine Laserpistole aus Ferriers Buch taucht in Peter Pan auf und kostet ihn fast das Leben. Ein Zwerg verhindert, dass die drei Musketiere D’Artagnan treffen und zu der verschworenen Gemeinschaft werden, als die man sie aus Dumas‘ Roman kennt. Und nun trifft es den recht trotteligen, aber sympathischen Don Quichotte, den der Besitz eines Drachen zu einem stolzen, habsüchtigen und machthungrigen Despoten werden lässt. Was ist denn nur los in der Welt der Bücher!?

Genau das versuchen Alba und Diego mit Hilfe ihrer Tante herauszufinden. Beatriz Castell gehört einem internationalen Geheimbund von Buchhändlern an, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Klassiker zu schützen und zu bewahren. Dazu gehört auch, dass die Kinder mit Hilfe von Tante Bea versuchen, die bekannten Werke wieder herzustellen, indem sie sich mit Zaubertinte in die Geschichten hineinschreiben lassen, um die Eindringlinge durch ein Finis-Tor wieder aus den Romanen herauszubringen. Im dritten Band „Der verrückte Ritter“ müssen sie nun nach Maastricht reisen, um Don Quijote vor dem Drachen und sich selbst zu retten. Die ehemalige Kirche und heutige Buchhandlung „Boekhandel Dominicanen“ bildet den passenden optischen Rahmen für das mystischen Ritual, mit dem die Kinder in die Romanhandlung hineingeschrieben werden.

Abgesehen vom Don Quijote-Handlungsstrang nehmen die Parallelhandlungen in „Der verrückte Ritter“ einen größeren Raum ein als in den vorhergehenden Bänden. Neben dem Geheimbund der Buchhändler versucht nämlich auch der detektivische Literaturkritiker Gutenberg zu entschlüsseln, was es mit den veränderten Klassikern und dem ominösen Buch der Lucie Ferrier auf sich hat. Mit wenigen Sätzen und unaufdringlichem Witz wird in kindgerechter Weise eine sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Gutenberg und Tante Beatriz angedeutet. Doch auch die mutmaßlichen Schuldigen Mr. Zargo und sein Handlanger Gustav Ward werden weiter charakterisiert und mögliche Motive für das Ruinieren der Klassiker zeichnen sich deutlicher ab. So begünstigt beispielsweise das weltweite Leseverbot den Vormarsch der Z-Technologien, von denen die neueste, das Z-Board, in einem Kapitel so vorgestellt wird, wie es Steve Jobs bei einer I-Phone-Präsentation nicht hätte besser machen können. Gustav Ward, dem Sancho Panza Zargos, dessen eigene Buchveröffentlichung maßgeblich davon abhängt, dass er verhindert, dass die Klassiker wieder ihre Originalgestalt annehmen, kommt den Kindern wie Gutenberg nicht nur auf die Schliche, sondern sogar schon sehr nah an sie heran. Wird er dieses Mal seinem Auftrag gerecht werden und die Beiden aufhalten?

Die Autoren Pierdomenico Baccalario und Eduardo Jàuregui spielen in diesem Band mit der Nationalgestalt Spaniens, dem verrückten, alten Mann, der die Realität so sieht, wie er sie haben möchte. Tatsächlich ist es gar nicht so unverständlich, dass die Kinder Don Quijote mit seinem Drachen viel cooler finden. Auch als erwachsener Leser gönnt man dem geprügelten Antihelden Spaniens trotz aller Liebe zum Original zunächst seine Erfolge, bis man feststellen muss, dass der arrogante Machtmensch mit dem ursprünglichen Helden aus der Mancha nichts mehr zu tun hat. Ab diesem Punkt wird es spannend: Die Zaubertinte ist inzwischen aufgebraucht, Don Quijote äußerst misstrauisch geworden und mehrere Versuche, den Drachen durch das Finis-Tor zu schleusen, sind bereits gescheitert. Im Vergleich mit den Vorgängerbänden der Serie liegt der Schwierigkeitsgrad der Buchrettung dieses Mal deutlich höher und trägt somit zur erhöhten Spannung bei.

Das italienisch-spanische Autorenduo macht es bei aller Anlehnung an einen Klassiker auch dieses Mal nicht notwendig, das Original gelesen zu haben. Die bunte Mischung aus Moderne, Historie und Fantasy könnte jedoch den ein oder anderen Leser dazu verführen, mehr über den spanischen Nationalhelden zu erfahren. Ebenso wird der neugierige Leser der Reihe sich spätestens bei der Beschreibung des mystischen Rituals in der ehemaligen Kirche fragen, was es mit diesem „Thot“ auf sich hat und auf Entdeckungsreise in den Welt der ägyptischen Götter gehen. An dieser Stelle wäre inzwischen ein wenig Aufklärung durch die Autoren wünschenswert. Immerhin wird das Buch von Verlagsseite aus Kindern ab 9 Jahren empfohlen.

Davon abgesehen hat der Sanssouci Verlag auch beim dritten Band die schöne Aufmachung der Bücher mit festem Einband, gutem Papier, Tintenklecks-Daumenkino und der Figurenvorstellung auf der inneren Umschlagseite beibehalten. Einige Illustrationen im Comic-Stil und die haptisch ansprechende Einbandgestaltung, welche das Windmühlenmotiv aus dem Don Quijote aufnimmt, runden den überzeugenden Gesamteindruck ab und machen die Zugehörigkeit zur Serie auch optisch deutlich. Für so ein schönes Schmuckstück im Bücherregal lohnt sich der Anschaffungspreis von 15 Euro.

Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Sanssouci (19. März 2018)
ISBN-13: 978-3-99056-062-4
www.sanssoucis-verlag.com

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