Steven Erikson – Das Spiel der Götter (Gesamtzyklus)

Ein Vorwort

In den letzten Jahren – vorangetrieben durch „Harry Potter“ und die Verfilmung des Buches „Der Herr der Ring“ – gab es einen regelrechten Aufschwung im Bereich der Fantasyliteratur. Dabei werden nicht nur alte Romane neu aufgelegt, denn glücklicherweise sind im literarischen Raum die Praktiken noch nicht so weit gediehen wie im Bereich der Filmwirtschaft; so gibt also noch Innovationen und gelegentliche Neuerungen im Genre.

Wobei sich der wahre Freund der Fantasy gewiss nicht dagegen wehren sollte, einer Reprise altbekannter Themen gegenüber zu treten, denn Elfen und Zwerge, Magier und Trolle kennen wir alle bereits aus dem „Herrn der Ringe“ und natürlich den altertümlichen Sagen, aus welchen diese Gestalten entliehen wurde. Wir werden auch in Zukunft immer wieder auf Romane treffen, die derartige Figuren zum Leben erwecken, so sollte man zumindest hoffen. Denn auch wenn die behandelten und verwendeten Elemente nicht neu sind, so bieten sie schließlich eine wundervolle Kurzweil.

Desweiteren wird wohl ein jeder – zumindest, wenn er etwas bewanderter ist in der Literatur des Phantastischen – einsehen, dass es in letzter Zeit zunehmend schwieriger wird, sich etwas Neues auszudenken. Derartige, teils ungewollte Kopien lassen sich allerdings wohl kaum vermeiden, Henryk Bereska sagte hierzu einmal so trefflich: „Die Bürde der Belesenheit ist: Von jeder Seite, die du schreibst, kommt einem das Echo einer anderen Lektüre entgegen.“ Man kann sich vorstellen, dass es mit zunehmendem Umfang an Vergleichsmaterialien immer wieder dazu kommen wird, dass man über – scheinbare – Plagiate stolpert.

Aber zwischen all diesen Remakes, Kopien und Fortsetzungen bekannter Themen, die schon dutzendfach aufgegriffen wurden, sei es von Größen wie Raymond Feist oder neuen Autoren wie Christopher Paolini, ist es doch um so mehr der Fall, dass eine Neuerung uns deutlich ins Auge sticht.

Waren schon George R. R. Martins Werke erfrischend realistisch und gleichsam unangenehm hart und ernst, und war schon Terry Goodkind mit seiner neuen Fantasywelt und seiner wundervollen Mischung aus philosophischen – objektivistischen – Ansichten, Romantik und Spannung ein wahrhafter Heilsbringer, so betritt nun ein ebenfalls neuer und nicht weniger interessanter Autor die Bühne.

Enter the Stage, Steven Erikson

Steven Erikson schuf mit seinen Romanen aus der Reihe |Das Spiel der Götter| (eng. |Malazan Book of the Fallen|) eine gänzlich neue Welt, in der noch nicht einmal die für Fantasy nahezu obligatorische Magie so gestaltet ist, wie man sie bisher kennt.

Auffallend ist hier natürlich, dass |Malazan Book of the Fallen| nun etwas eigentümlich mit |Das Spiel der Götter| übersetzt wurde. In diesem Fall kann man allerdings frohen Herzens sagen, dass die Übersetzung genauso gültig ist, wie es beim ursprünglichen Namen der Fall war. Der englische Titel der Reihe, „Das Buch der Gefallenen“, bezieht sich hierbei auf Napoleons Buch der gefallenen Soldaten. Erikson schreibt in seinem Werk eben über das Schicksal jener Soldaten des malazanischen Imperiums, die in dessen Krieg kämpfen und sterben, also die Gefallenen. Es geht um große Schlachten wie auch um kleine Geplänkel oder Sondereinsätze der Legionen, und natürlich auch um Einzelschicksale. Einige Charaktere können innerhalb eines Buches den Tod finden, andere werden hingegen über viele Bücher hinweg in den Lauf der Handlung eingebunden. Es ist also wirklich ein Buch der Gefallenen. |Spiel der Götter| wiederum als Titel bezieht sich auf den anderen Aspekt von Eriksons Kreation, denn in allen Büchern spielen Götter eine wichtige Rolle, doch dazu später noch mehr.

Im Zentrum aller Handlungen stehen stets ein Adelsgeschlecht, das Haus Paran, und dessen Involvierung in die Konflikte des Malazanischen Imperiums, in dem die Familie lebt, im Mittelpunkt der Handlung.

Dabei steht pro Buch allerdings immer nur eines der Familienmitglieder im Zentrum der Handlung, und schnell ist im Laufe der Reihe offensichtlich, wie verschieden diese im Einzelnen sind. Im ersten Roman, „Die Gärten des Mondes“, ist Ganoes Paran, der ältere Bruder seiner beiden Schwestern Tavore und Felisin, der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Er ist Hauptmann in der imperialen Armee und somit an deren Eroberungsfeldzügen beteiligt. Und genau darum geht es im ersten Teil, zumindest oberflächlich. Ganoes Paran ist an Aufträgen an der Front beteiligt und soll dabei niemand Geringeres finden als eine Frau, die von einem Gott besessen ist, der dem Imperium nach der Vernichtung trachtet. Es wird sich natürlich alles anders entwickelt als geplant, das kann sich der Leser wohl selber denken. Ganoes, der in der gesamten Reihe mehr oder weniger die Hauptrolle spielt und relativ häufig auftaucht, wird sich in einer Menge von Konflikten schlagen müssen und immer tiefer in die Machenschaften des Imperiums und auch der Götter verstricken. So viel sei hier im Voraus verraten: Man kann bei seinem Werdegang zusehen, wie er nach und nach selbst zu einem Gott aufsteigt. Wenn dies auch über viele Romane hinweg ein schleichender Prozess ist, den der Hauptmann selber keineswegs begrüßt, ist dies doch einer der essenziellen Punkte in der Handlung.

Hierbei wird auch eine der Neuerungen offenbart, die Erikson in seine Romane eingeflochten hat. Der Prozess des Aufstiegs ist ein grundlegender Teil der Geschichten. Hiebei handelt es sich darum, dass normale Menschen durch ihre Taten, besondere – äußere – Umstände und letztendlich Magie zu Göttern werden können. Gleichsam neu ist hierbei, dass Götter nicht allmächtig sind, sie können von Menschen jederzeit getötet werden, wenn sie unvorsichtig sind. Ein Gott bzw. ein Aufgestiegener verfügt zwar über phänomenale Kräfte und Fähigkeiten, die jedem Menschen und auch jeder Menschengruppe überlegen sind, doch kann er durch einen Schwerthieb genauso sterben wie ein Mensch, wenn es auch eher an Wahnsinn grenzt, einem Gott im direkten Kampf Mann gegen Mann gegenüber zu treten.

Auch sterbliche Magier können, vorausgesetzt sie sind so genannte Hohemagier, einen Gott zumindest in Schach halten und ein magisches Duell mit einem solchen, mit etwas Glück überleben. So sind Götter in dieser Welt zwar unglaublich mächtige Geschöpfe, die ihren Anhängern besondere Fähigkeiten verleihen können, Gaben verschenken und Wunder wirken, wenn ihnen danach ist, doch sind sie bei weitem nicht so allmächtig, wie es oftmals in anderen Fantasywelten der Fall ist.

Neue Ideen en detail

Die Idee, dass ein Sterblicher zu einem Gott wird, ist gewiss nicht wirklich neu und mitunter auch bereits in Fantasy-Reihen aufgegriffen worden; so zum Beispiel in einigen der Drachenlanze-Romanen von Margaret Weis und Tracy Hickman. Neu dabei sind aber die Systematik, mit der Erikson den Aufstieg umschreibt, und die Art und Weise, wie dies als Kernstück der ganzen Handlung integriert wird. Denn nicht nur Ganoes Beförderung in die Reihen der Götter, sondern auch der Aufstieg oder „Fast-Aufstieg“ einiger anderer Charaktere wird beschrieben. Ferner ist es auch in den meisten Romanreihen nicht üblich, ständig die persönlichen Auftritte von Göttern in die Handlung einzuflechten, geschweige denn sie sogar in einigen der Romane zu Weggefährten der Protagonisten zu machen. Hatten in David Eddings |Belgariad|- und |Malloren|-Saga die Götter nur kurze Auftritte, ebenso wie in Dave Duncans |Pandemian|-Saga, so ist dies hier vollkommen anders. Die Reihe heißt im Deutschen nicht umsonst |Spiel der Götter|, die Intention hinter dem Titel sollte wohl jedem deutlich werden, nachdem er den ersten Teil der Reihe gelesen hat.

Um nun aber die ganze Handlung abzurunden, hat sich Erikson einige Besonderheiten einfallen lassen, die einem jeden Menschen, der auch nur etwas anspruchsvoll oder literarisch versiert ist, ein Wohlgefühl verspüren lassen werden.

Zum einen ist der Autor stilistisch gesehen faszinierend. Er jongliert mit komplexen Satzkonstrukten und Formulierungen geradezu glänzend. Dies führt zwar dazu, dass einige Sätze nur mit langsamem Lesetempo zu verarbeiten sind, doch hierin ist auch der daraus erwachsene Vorteil geboren. Bei derartig komplexen Sätzen ist es nicht möglich, ein bloßes Konsumieren der Bücher vorzunehmen, man muss notgedrungen am Ball bleiben und das Werk ausführlich studieren und genießen. Man kann Erikson durchaus, was seine Qualität als Autor angeht, mit Anne Rice oder George R. R. Martin vergleichen (auch wenn mich einige Leser für das Heranziehen von Rice und Martin in ein und demselben Satz steinigen werden, aber ich weiß, dass Rice in einem anderen Genre tätig und ihr Stil ebenfalls unnachahmlich ist, es geht hier nur um einen Qualitätsvergleich).

Zum anderen kann man Martin, neben Rice, nun aus einem einfachen Grund als Vergleich heranziehen. Es geht um die expliziten, unverholenen und sehr realistischen Darstellungen, die dem Leser hier gegenübertreten. So wird schnell offensichtlich, dass kein Charakter unantastbar ist, egal wie lieb man ihn gewonnen hat; es kann sein, dass er stirbt und von der Bildfläche verschwindet. Zugegebenermaßen muss man hier sagen, dass dies vielleicht überspitzt dargestellt ist. Bei Martin ist der Tod unter den Hauptcharakteren noch viel häufiger als bei Erikson und im |Spiel der Götter| scheinen gelegentlich Charaktere dazu geneigt zu sein, wieder aufzuerstehen. Der kritische Leser muss dabei keine Angst um die Logik und Ernsthaftigkeit der Handlung haben; diese Wiederbelebungen von Charakteren sind durchaus begründet und gliedern sich gut in den Lauf der Handlung ein.

Eine teils sehr finstere Welt

Nicht nur der Tod ist allgegenwärtig, sondern auch menschliche Grausamkeit wird auf keineswegs überspitzte, sehr realistische Art und Weise vermittelt. Leser, die eher dazu neigen, Werke von Eddings und ähnlichen Autoren zu lesen, in denen sich letztendlich alles zum Guten wendet, werden hier, um ein Beispiel heranzuziehen, wohl schnell von Tränenkrämpfen geschüttelt die Protagonistin betrauern, wenn sie gerade vergewaltigt wird oder nach und nach in die Drogensucht abrutscht. Genau so geschieht es nämlich in einem der Romane. Daher auch Martin als Vergleichsautor im Bereich der Fantasy und nicht z. B. Goodkind, der sehr gut schreibt, aber bei dem zumindest die beiden Protagonisten als unantastbar gelten – wenn auch nicht der Rest des Ensembles –, und auch deswegen nicht Robert Jordan, der zwar Campbells Theorien vom |Hero Fallen From Grace| hervorragend in sein Werk integriert hat, aber dabei eine nur mittelmäßige Qualität als Autor besitzt (er reizt einige der klassischen Stilmittel ein wenig zu extrem aus).

Erikson geht bei der Gestaltung seiner Handlung aber auch mit großer Vorsicht an seine Werke, er will die Leser wohl nicht so sehr verstören, wie Martin es gelegentlich schafft. Es gibt wahrhaft Leute, die das |Lied von Eis und Feuer|, Martins episches Werk, derartig abschreckend empfinden, dass sie nach dem dritten oder vierten Roman – gemeint ist hier die deutsche Aufteilung der Romane – nicht mehr weitergelesen haben, einfach weil zu viele Helden starben. Das wird bei Erikson nicht passieren. Er vermittelt allerdings wundervoll, dass Gut und Böse ein moralisches Relativum ist, das in seiner Welt nichts zu suchen hat, denn bei ihm gibt es keine Seite, auf die sich der Leser stellen kann, weil sie die „Gute“ ist, Schwarzweiß-Malerei ist unmöglich. Oftmals wird der Konflikt, der aus der Sicht der einen Partei in einem der Romane beschrieben wurde, im nächsten Roman genau aus dem Blickwinkel der anderen Seite fortgeführt. Es gibt also nur selten Gelegenheit für den Leser, direkt zu erkennen, wer der Gute und der Böse ist. Selbst ein Heer von wahnsinnigen Kannibalen offenbart am Ende sogar noch einige Besonderheiten, mit denen der Leser wohl beim besten Willen nicht rechnen konnte.

Aber genau so vermittelt Erikson eine gewisse Geborgenheit. Man kann zumindest bei ein einigen Charakteren davon ausgehen, dass sie über einen längeren Zeitraum erhalten bleiben. Zusätzlich gibt es immer wieder Gestalten, die überaus skurril und gerade dadurch liebenswert sind, die zur Auflockerung der ganzen stellenweise sehr düsteren Handlung beitragen. Somit gibt es sogar wundervoll heitere Momente zum Lautloslachen, die dem Leser im Gedächtnis bleiben.

Stilistik und Storyelemente

Allerdings werden nicht nur zwischen den Büchern oftmals die Perspektiven gewechselt, sondern auch innerhalb eines jeden Buches. So laufen üblicherweise zwei, manchmal sogar drei Handlungsstränge innerhalb eines Romans parallel ab. In „Gärten des Mondes“ zum Beispiel sind es einerseits Ganoes Paran und eine Magierin, die die eine Hälfte des Buchs dominieren, und andererseits wird die zweite Hälfte des Buches von einer Gruppe zwielichtiger, allerdings auch gleichsam amüsanter und gutherziger Gestalten um den jungen Dieb Crokus und den geheimnisvollen Kruppke herum beherrscht.

Die beiden Handlungsstränge werden gegen Ende der gesamten Geschichte zusammengeführt und diverse Überraschungen stehen dann für den Leser bereit. Dies ist eine Eigenschaft aller Bücher von Erikson; er schafft es immer wieder, interessante und spannende Wendungen in seine Handlung einzubauen, beschwört das Unerwartet herauf und spielt mit den Gedanken des Lesers, um dann im letzten Moment doch wieder eine verblüffende, dennoch logische Enthüllung zu präsentieren. Doch trotz all der vorherrschenden Intrigen und Geheimnisse wird es niemals langweilig oder unübersichtlich. Der Leser bleibt von Anfang an gefesselt und es fällt schwer, sich von einem Roman aus dem |Spiel der Götter| wieder loszureißen, wenn man erst damit begonnen hat, ihn zu lesen.

Zusammenfassend begleiten wir also auf der einen Seite Hauptmann Paran, der das Kommando einer Einheit von Elitesoldaten übernehmen soll, in deren Reihen sich der Gott der Assassinen in Gestalt eines besessenen Mädchens eingeschlichen hat. Auf der anderen Seite ist da Crokus der Dieb, der in der Stadt Darujhistan zusammen mit seinen Freunden lebt und versucht, sich über Wasser zu halten, dabei aber in einem mysteriösen Krieg der Assassinen aufgrund seiner Freundschaft zu einem der Meuchelmörder zwischen die Fronten gerät. Als dann das Imperium versucht, die Stadt zu erobern, und gleichzeitig Ganoes Paran versucht, seinen Befehlen nachzukommen, dabei aber fast ermordet wird und langsam ein Komplott in den eignen Reihen aufgedeckt wird, überschlagen sich die Ereignisse.

In der Stadt kommt es dann zum Zusammentreffen der beiden Parteien, deren Wirken wir über das ganze Buch hinweg verfolgen konnten. Es ergibt sich, dass bei den ganzen Vorfällen mehr als nur ein Gott die Finger im Spiel hat, die eigenen Leute scheinbar falsch spielen und zu guter Letzt noch eine dritte Partei in die Vorgänge involviert ist; all dies steigert nur noch die Spannung.

Wer ist der Herr der Festung Mondbrut, der Darujhistan seine Hilfe gegen das Imperium anbietet? Ist er wirklich ein Gott, der sagenumwobene Ritter der Dunkelheit? Wer ist der mysteriöse Aal, der scheinbar in Wirklichkeit die Fäden in der Stadt in den Händen hält? Will er der Stadt helfen oder sie vernichten und was hat er mit Kruppke zu tun? Was genau geschieht in den Reihen des Imperiums, versucht man wirklich, die Eliteeinheit der Brückenverbrenner auszuradieren, und wenn ja, warum? Will man Hauptmann Paran dabei direkt mit beseitigen, oder ist er nur unglücklich in die ganze Sache hineingezogen worden? Dies sind alles Fragen, die im Verlauf des Buchs beantwortet werden, doch der Leser darf sich freuen: Nachdem die Antworten gefunden sind, ist noch längst nicht alles vorbei. Weitere Rätsel tun sich auf und mit der Zeit wird man in eine Geschichte epischen Ausmaßes hineingezogen.

Einige lose Enden und Fragen bleiben jedoch zum Schluss des ersten Buches und machen neugierig darauf, was alles in den Folgebänden passieren könnte; sie werden dann im Laufe der Zeit wieder aufgegriffen und weitergeführt. Dabei ist dies allerdings nicht über die sonst bei Autoren sehr beliebten und bei Lesern verhassten Cliffhanger realisiert worden, sondern gut in die Handlung verbaut. Am Ende eines jeden Buchs – dabei beziehe ich mich auf die Bücher, wie sie im Original erschienen sind und nicht vom deutschen Verlag aufgeteilt wurden – ist die Handlung üblicherweise so weit abgeschlossen, dass man zwar gerne weiterlesen möchte und bereits nach dem nächsten Teil suchend den Blick umherschweifen lässt, aber man fühlt keineswegs einen Zwang weiterzulesen, um endlich ein paar befriedigende Antworten auf Fragen zu finden, die sich im Laufe eines Buches gestellt haben. Erikson schafft es, seine Leser aufgrund seiner Qualitäten als Autor an die Reihe zu binden und nicht durch Tricks.

Fazit

Letzten Endes kann nur gesagt werden, dass in neuerer Zeit selten so eine ausgezeichnete neue Fantasy-Reihe auf dem Markt zu finden war. Erikson vermittelt durch seinen Stil und durch eine dichte, gut durchdachte Handlung Spannung und Lust auf mehr. Der Abschluss des Autors in Anthropologie ist eindeutig an den lebendig beschriebenen Kulturen und Bräuchen zu erkennen, und auch dies trägt dazu bei, die Handlung logisch, verständlich und lebendig zu gestalten. Für jeden, der sich etwas von der klassischen Fantasy-Literatur vom Format Tolkiens oder Raymond Feists losreißen will, kann man diese Reihe wärmstens empfehlen. Der Einstieg über das Buch „Gärten des Mondes“ ist hierbei obligatorisch, weil es eine gewisse interne Chronologie gibt. Sollte man quer einsteigen wollen, kann es passieren, dass einige Elemente der Handlung nur schwer nachvollziehbar sind. Erikson wiederholt seine Erklärungen selten und somit ist es üblicherweise dem Leser überlassen, ein wenig mitzudenken. Eines kann ich jedoch versprechen: Über die kommenden Bände wird die Handlung kaum schwächer, ganz im Gegenteil. Ist der erste Band schon großartig, so steigert sich noch die Dichte und Komplexität der Handlung im Laufe der Folgebände. Wahrhaftig, mit Steven Eriksons Werk hat der Kanon der Fantasyliteratur einen würdigen Zuwachs und frischen Wind bekommen.

Taschenbuch: 798 Seiten
Originaltitel: Deadhouse Gates. A Tale of the Malazan Book of the Fallen
ISBN-13: 978-3442249329
www.randomhouse.de/Verlag/Blanvalet

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