Forsyth, Frederick – Lotse, Der

Der bekannte Thrillerautor Forsyth war in jungen Jahren Jetpilot der Royal Air Force. Er erzählt hier eine Weihnachtsgeschichte, die sich in seiner Karriere hätte zutragen können. Mit dem Unterschied, dass der Lotse, der darin vorkommt, gar nicht existieren kann.

_Der Autor_

Frederick Forsyth, geboren am 25. August 1938 in der Grafschaft Kent, war mit 19 Jahren der jüngste Jetpilot der Royal Air Force. Nach seinem Ausscheiden 1958 wurde er Journalist und war als Auslandskorrespondent tätig. Ab 1965 arbeitete er als Fernsehreporter der BBC und berichtete aus Krisen- und Kriegsgebieten. Heute lebt er als freier Autor in London. Bereits mit seinem ersten Roman „Der Schakal“, der zweimal verfilmt wurde, erreichte er weltweit Bekanntheit. Wichtig sind auch seine Romane „Die Akte ODESSA“ und „Das vierte Protokoll“. Kürzlich erschien „Der Rächer“.

_Der Sprecher_

Joachim Höppner, bekannter Synchron- und Radiosprecher, lebt in München. Er leiht seine Stimme Stars wie Jean Reno, Paul Newman und Donald Sutherland.

Die vorliegende Fassung des Hessischen Rundfunks ist ungekürzt.

_Die Handlung_

Am Heiligabend 1957 fliegt der Ich-Erzähler von einem Flughafen der Britischen Besatzungszone in Celle nach Hause. Er ist ein junger Jetpilot in einem einsitzigen Düsenjäger vom Typ Vampire, der mit 830 Kilometern pro Stunde über die Nordsee gen Heimat donnert, um dort die Weihnachstage zu verbringen.

In neun Kilometern Höhe über dem Meer fällt die Elektronik aus, also Kompass und Funkgerät. Er kann keine Hilfe rufen, und der Sprit geht bald zur Neige. Bei Nacht kann er sich nicht an Landmarken orientieren, und da über Ostengland dichter Nebel herrscht, kann er nicht einmal nach Sicht landen. Eine Rückkehr ist ausgeschlossen, der Sprit reicht nicht.

Als unser Pilot bereits mit dem Leben abgeschlossen hat – im eisigen Wasser der Nordsee dürfte er nur wenige Minuten überleben -, taucht plötzlich eine uralte Propellermaschine aus dem Zweiten Weltkrieg auf, ein längst außer Dienst gestellter Jagdbomber vom Typ Mosquito. Doch der Pilot bietet ihm Lotsendienste an, die der in Bedrängnis geratene Jetpilot gerne annimmt.

Nach einer wackeligen Landung im Blindflug verschwindet der Lotse, doch als unser Pilot sich auf diesem stillgelegten RAF-Flugplatz nach seinem Lebensretter erkundigt, erlebt er eine handfeste Überraschung nach der anderen. Vielleicht gibt es doch einen dort oben, der uns schützt.

_Mein Eindruck_

Die Geschichte ist von A bis Z erzählt, als wäre sie direkt aus dem Leben gegriffen. Aufgrund der Lebenserfahrung des Autors stimmen alle Einzelheiten aufs Genaueste. Und so können wir genau nachvollziehen, in welcher Bedrängnis der junge Jetpilot steckt und welches Wunder seine Rettung darstellt. Dies ist sehr spannend erzählt.

Doch der unausweichliche Schluss, zu dem der Leser kommen muss, wenn er den Fakten glaubt, ist so schwer zu akzeptieren, dass man einen „leap of faith“ machen muss. Aber genau deswegen ist dies eine schöne, passende Weihnachtsgeschichte und kein Fliegerlatein.

_Unterm Strich_

Forsyth hat sein Handwerk bei der Luftwaffe und im Journalismus gelernt. Voll Authentizität erzählt er eine ebenso spannende wie unglaublich klingende Geschichte, die gut zu Weihnachten passt.

Obwohl die Übersetzung ausgezeichnet gelungen ist, verstehe ich nicht, warum der Verlag für 85 Minuten Lesung 19 Euro verlangt. Das muss wohl etwas mit dem großen Namen des Autors zu tun haben.

|85 Minuten auf 2 CDs|