Simenon, Georges – Maigret – Die besten Fälle

_Der Mann mit der Pfeife: Nostalgisches Krimivergnügen_

Diese Sonderedition enthält fünf klassische Maigret-Hörspiele, die in den Jahren 1958 und 1961 von deutschen Rundfunksendern produziert wurden. Auffällig ist die aufwändige Produktionsweise des Bayerischen Rundfunks. Der Zuhörer kann fünf Fälle des Kommissars mit der Pfeife miterleben, als säße er im Kino.

_Der Autor_

Georges Simenon (* 13. Februar 1903 in Lüttich; † 4. September 1989 in Lausanne; vollständiger Name: Georges Joseph Christian Simenon) war ein weltberühmter französischsprachiger Schriftsteller belgischer Herkunft. Bekannt ist er vor allem als Autor von Kriminalromanen um die Figur des Kommissars Maigret.

Aus seiner Feder stammen rund 400 Romane, die über 400 Millionen mal verkauft und in mehr als 50 Sprachen übersetzt wurden. Einen Teil davon schrieb er unter verschiedenen Pseudonymen. Er ist einer der meistgelesenen Autoren der Welt und zugleich „Vater“ des berühmten Pariser Kommissars Maigret, den er in insgesamt 85 Romanen schwere Kriminalfälle mehr durch Menschenkenntnis als durch Logik lösen lässt. (Infos aus der Wikipedia)

_Die Sprecher_

Paul Dahlke, Klaus-Jürgen Wussow, Elmar Wepper, Rolf Boysen, Horst Frank, Hans Clarin, Traute Rose und viele andere wirken in den Hörspielen des Bayerischen Rundfunks mit. Einige davon traten später wieder in bekannten TV-Serien wie etwa „Die Schwarzwald-Klinik“ (Wussow) oder „Derrick“ (Wepper) in Erscheinung. Und Frank Glaubrecht wurde zur deutschen Stimmbandvertretung für bekannte Hollywoodschauspieler wie wie Al Pacino, Pierce Brosnan, Jeremy Irons und Richard Gere.

_Handlung von „Maigret und seine Skrupel“ (1958)_

Der erste Fall verläuft in umgekehrter Richtung, und das macht Maigret (Dahlke) ganz hibbelig: Zuerst kommen die Andeutungen und Mordabsichten, dann das Verbrechen. Kein Wunder, dass Maigret das Gewissen schlägt und er unbedingt den angekündigten Tod verhindern will.Monsieur Martand ist Erster Verkäufer von Spielzeugeisenbahnen im Warenhaus Louvre und befürchtet, dass seine Frau Gisèle ihn vergiften will. Das Zinkphosphid hat er gleich als Beweismittel mitgebracht. Aber wenn es so weit sei, werde er sich zu wehren wissen: Er habe einen Revolver gekauft.

Madame Martand arbeitet als Verkäuferin von feinster Damenunterwäsche in einem Pariser Dessousgeschäft. Sie versichert, dass sie keine Mordabsichten hege, aber ihr Mann ganz sicher geisteskrank sei. Die befragten Mediziner können Maigret leider nur wenig dabei helfen zu bestimmen, was man unter „geisteskrank“ zu verstehen habe. Deshalb lässt er vorsichtshalber die Verdächtigen beschatten, und siehe da: Aus den zwei trauten Eheleuten werden zwei untreue Paare. Madame liebt ihren Chef Maurice, und Monsieur Martand ist offensichtlich in die süße Jenny, die verwitwete Schwester seiner Frau, verliebt. Na, wenn das keinen Zündstoff darstellt!

Ob er wohl das Verbrechen verhindern kann?

_Handlung von „Maigret und der gelbe Hund“ (1931)_

In Cancarnet, einem bretonischen Hafenstädtchen, ereignen sich mehrere Verbrechen, und der Bürgermeister ruft Kommissar Maigret aus Paris (das war 1931) zu Hilfe, um Schlimmeres zu verhindern. Maigret, der im Hotel Admiral logiert, wird einem Stammtisch ehrenwerter Bürger vorgestellt. Leider fehlt das jüngste Mordopfer namens Mastorgin, und die Herren Sevrières, Le Pommeret und Dr. Michoux machen sich Sorgen um ihre Gesundheit. Ein gelber Hund streicht um die Häuser wie die leibhaftige Nemesis.

Prompt findet Michoux eine Prise weißes Pulves in seinem Pernod, und auch der Calvados ist nicht astrein: Strychnin! Maigret lässt Inspektor Leroy aus Rennes kommen und vernimmt die Kellnerin Emma, die in der Hotelgaststube bedient. Sie ist zwar die Gelegenheitsgeliebte von Michoux, weiß aber angeblich von nichts. Maigret und Leroy durchsuchen Michoux‘ Küche und finden einen Saustall vor, wenig später verschwindet Sevrières von der Bildfläche. Doch die Fußspuren aus der Küche passen zu jenem riesigen Kerl, den die Gendarmerie als Landstreicher aufgreift – und gleich darauf wieder verliert, als er ausreißt.

Le Pommeret stirbt an Gift, und Maigret lässt Michoux verhaften – obwohl der Doktor doch die ganze Zeit nach Aussage von Emma auf seinem Hotelzimmer gewesen war. Was ist denn plötzlich in Maigret gefahren? Dann beginnt der Kommissar damit, den Fall zu erklären.

_Handlung von „Maigret und die Bohnenstange“ (1951)_

Bei Maigret von der Mordkommission taucht eine Ex-Prostituierte namens Ernestine auf, die früher unter dem Beinamen „Die Bohnenstange“ bekannt war. Sie hat inzwischen einen Safeknacker namens Alfred, „der Trauerkloß“, geheiratet, und um den macht sie sich Sorgen: Er ist seit zwei Tagen verschwunden. Zuletzt hat er sie von seinem nächtlichen „Arbeitsplatz“ in einer Villa in Neuilly angerufen, dann vom Pariser Nordbahnhof. Alfred sagte, dass er in der Villa eine Tote gesehen habe.

Da wird Maigret hellhörig. Eine Leiche, von der die Polizei nichts weiß, womöglich ein Mord? Schnell bekommen seine Leute heraus, welche Villa gemeint ist: die des Zahnarztes Guillaume Serres. Wie dessen Mutter verrät, war er zweimal verheiratet, die erste Frau starb an einem Herzinfarkt, und auch Dr. Serres sei herzkrank. Klar, dass auch seine zweite Frau Maria Herzprobleme hatte, bevor sie auszog.

Kann sein, dass die aus Holland stammende Maria van Arz ausziehen wollte, doch sie kam nie an ihrem Ziel Amsterdam an. Was ihm außerdem seltsam vorkommt, ist der Umstand, dass jenes Fenster, das Alfred vor wenigen Tagen eingeschlagen haben muss, angeblich bei einem Gewitter beschädigt und von Serres selbst repariert wurde. Ein Besuch beim Glaser ergibt, dass Serres aber zweimal neues Fensterglas besorgte: Alfred war wirklich hier!

Wo ist aber dann die Frauenleiche abgeblieben, von der er Ernestine berichtete? Und warum musste Maria sterben?

_Handlung von „Maigret und die Groschenschenke“ (1931)_

Unter der seltsamen Bezeichnung „Groschenschenke“ hat man sich so etwas wie eine Landkneipe vorzustellen, wie sie noch 1931 in der Pariser Umgebung zuhauf zu finden waren. Schon Edgar Allan Poe berichtet in seinen beiden Detektivgeschichten [„Die Morde in der Rue Morgue“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=870 und „Das Geheimnis der Marie Roget“ von den beliebten Ausflugslokalen in Paris und der Umgebung.

Madame Maigret ist in die Sommerfrische zu ihrer Verwandtschaft auf dem Lande gefahren. Maigret stößt in der Zeitung auf die Meldung, dass der Bandenführer Lenoir am nächsten Tag hingerichtet werden solle. Er besucht ihn im Knast. Lenoir und sein Komplize Victor Gaillard hatten jahrelang einen Mörder erpresst, bis dieser verschwand. Der Mann hatte eine Leiche in den Kanal geworfen. Nun aber sei dieser Erpresste wieder aufgetaucht, in einer Groschenschenke.

Offenbar handelt es sich bei dem Gesuchten um den Kohlenhändler Marcel Basso, der neben seiner eigenen Familie noch eine verheiratete Geliebte namens Mado Feinstein hat. Maigret findet Basso bei einem Kostümfest in der „Taverne Royale“ und plaudert gerade mit einem Saufbruder namens James, als ein Schuss fällt. Es sieht ganz danach aus, als habe Basso den Mann seiner Geliebten erschossen. Aus Eifersucht? Basso beteuert seine Unschuld, obwohl er die Pistole – sie gehört Mado – in der Hand hält. Maigret lässt ihn verhaften, doch Basso gelingt es, den Gendarmen zu entwischen.

Während sich Basso, dessen Freund James und die Gendarmerie eine Katz-und-Maus-Jagd liefern, finden Maigrets Leute heraus, dass Feinstein bei Basso tief in der Kreide stand. Die Beschattung von Victor Gaillard führt sie zum Laden eines gewissen Monsieur Ulrich, Gelegenheitskäufe. Der Name taucht vielfach in Feinsteins Büchern und sogar einmal in Bassos Adressbuch auf. Dumm nur, dass von diesem Ulrich keine Spur zu finden ist.

Da wird Basso endlich auf dem Lande aufgestöbert. Nun werden sich alle Fragen klären lassen, oder?

_Handlung von „Maigret und die schrecklichen Kinder“ (1953)_

Diese RIAS-Inszenierung ist fast eine halbe Stunde länger als die, die der Bayerische Rundfunk einrichtete. Ein Erzähler stellt uns den Schauplatz eines rätselhaften Mordes vor: das scheinbar friedliche Küstenstädtchen St. André sur mer, das unweit La Rochelle an der Atlantikküste liegt.

Hier wurde die 66-jährige ehemalige Postangestellte Leonie Birard mit einer einzigen Kugel in den Kopf erschossen. Wegen der Zeugenaussage eines Jungen fällt der Verdacht der Gendarmerie von La Rochelle auf den Lehrer Joseph Gastin, und die Schule liegt direkt neben dem Haus von Leonie. Maigret ist erstaunt, dass dieser Joseph Gastin ihn in Paris aufsucht, als wären diese Provinzfälle seine Baustelle. Dass sich Gastin stellt und sich an ihn um Hilfe wendet, überzeugt Maigret schon halb von der Unschuld des Mannes. Weil ihm das Gewissen schlägt (siehe auch Fall 1), fährt er mit Gastin nach La Rochelle, liefert ihn ein und fährt weiter nach St. André, um die Ermittlung zu begleiten.

Alle kommen als Täter in Betracht: Leonie Birard war bei allen verhasst, denn sie öffnete in ihrer Beamtenzeit alle Briefe, hörte alle Telefongespräche ab und beschimpfte die Kunden. In ihrem Schreibtisch entdeckt Maigret nicht zugestellte Briefe eines Senators. Schöne Sauerei. Außerdem war Leonie sauer auf ihre Nichte, die auszog, als sie den Fleischer Rateau geheiratet hatte. Wollte sich dieser gegen Leonies Verfolgung zur Wehr setzen?

Die Tatwaffe ist ein Kleinkalibergewehr .22, doch es stellt sich heraus, dass die Jungs in Gastins Klasse nicht weniger als sechs Stück solcher leichten Waffen besitzen. Natürlich kann nicht jeder dieser Jungs der Todesschütze gewesen sein. Die Gendarmen stöbern fünf der Gewehre auf, aber wer hat das sechste? Der Junge von Rateau liegt schon vier Wochen wegen eines bei einem Autounfall gebrochenen Beins im Bett, scheidet also als Täter aus. Hier täuscht sich Maigret. Aber nicht lange.

_Mein Eindruck_

|Hansdampf in allen Gassen|

Wie immer ist man erstaunt darüber, in welchen Milieus sich der Kommissar mit der Pfeife bestens auszukennen scheint. Mal ist es der Rotlichtbezirk, dann wieder eine Villa der Wohlhabenden, schließlich ein Ausflugslokal oder ein Dorf an der Küste. Maigret scheint sich überall wie zu Hause zu fühlen. Folglich erscheint er uns auf gewisse Weise übermenschlich, als ein Ideal. Der Kommissar, auf den man sich verlassen kann.

|Der Reporter|

Dieser Eindruck der allgemeinen Einfühlung rührt aber daher, dass der Autor in den 1920er Jahren als Polizeireporter beim Lütticher Lokalblatt „Gazette de Liège“ arbeitete, bevor er eine eigene Kolumne bekam, in der er in ironischem Ton die Ereignisse der Stadt kommentierte. 1920 entstand dann schon sein erster Roman „Pont des Arches“, dem dann noch rund 400 weitere folgen sollten. Simenon kannte sich also in allen möglichen Lebenslagen aus. Dass ihm die Amüsierviertel vertrautes Pflaster waren, erklärt vielleicht auch seine Liebschaft mit der Nackttänzerin Josephine Baker. (Alles, was sie anhatte, waren Bananen.)

|Sittengemälde|

Stets jedoch wirft Simenon anhand von Maigrets Ermittlungen ein Schlaglicht auf die deprimierendsten, um nicht zu sagen: abgefeimtesten und charakterlosesten Verhaltensweisen, die sich nur vorstellen lassen. In den fünf Hörspielen geht es kein einziges Mal um Sex oder Hörigkeit (dass es das gibt, wird nur am Rande erwähnt), sondern häufig um Geld und die elende Gier danach, die zu allen möglichen Verbrechen führt. Das ist in „Maigret und der gelbe Hund“, „Maigret und die Bohnenstange“ sowie in „Maigret und die Groschenschenke“ der Fall.

Dass auch Verbrechen aus Leidenschaft begangen werden, belegt vielleicht die Geschichte von „Maigret und seine Skrupel“ und in „Maigret und die schrecklichen Kinder“, in der alle Dorfbewohner von St. André guten Grund haben, das Mordopfer Leonie Birard zu hassen.

|Starke Frauenrollen|

Was mir immer wieder auffiel, ist, dass bei Simenon die Frauen stets eine gleichberechtigte Rolle einnehmen – im Gegensatz zu Zeitgenossen wie Hemingway etwa. Wenn’s um Verbrechen geht, sind Simensons literarische Frauen mindestens genauso aktiv wie seine Männer. Allerdings befleißigen sie sich anderer Methoden: Wie Maigret anmerkt, bevorzugen Frauen die leise und geduldige Vorbereitung eines Mordes, vorzugsweise mit Hilfe von Gift. Monsieur Martand verdächtigt seine Frau des Giftanschlags, folglich kauft er sich nicht etwa ein Gegengift, sondern einen Revolver. Schusswaffen sind das bevorzugte Tötungsinstrument der männlichen Figuren. Auch wenn es sich um halbwüchsige Jungs handelt …

|Schlussmonolog|

Ist es ein Klischee des Genres oder Maigrets Eigenart? Jedenfalls zieht es der Mann mit der Pfeife vor, jeweils am Ende eines Falles einen langen Monolog zu halten, in dem er auf überlegene Weise seine Theorie des Tathergangs und der Motive des oder der Täters ausbreitet. Doch er ist nicht Mister Know-it-all, sondern benutzt diese Pose, um den wahren Täter zu einer unbedachten Entgegnung oder Reaktion zu provozieren. Was meistens auch ganz hervorragend klappt.

_Die Sprecher / Die Inszenierungen_

Die Sprechrollen zerfallen in eine Hauptrolle und unzählige Nebenrollen. Diese Hauptrolle gehört natürlich dem titelgebenden Kommissar. In den Hörspielen der Bayern ist der Schauspieler Paul Dahlke eine geradezu idealtypische Verkörperung für Maigret, die schon stark an Jean Gabin erinnert, der auf dem Titelblatt abgebildet ist. Dahlke ist brummend, despotisch, energisch im Dienst, einfühlsam und neugierig im Privatleben mit Madame Maigret, deren Vorname niemals ausgesprochen wird.

Drei Jahre vor Dahlke spielte Wilhelm Borchert den Kommissar, und das war fast eine Fehlbesetzung. Er klingt in der ersten halben Stunde des Hörspiels viel zu jung für die Rolle, wird erst später knurrig und väterlich. Folglich hat er es sehr schwer, sich mit Autorität gegenüber den schlitzohrigen Dorfbewohnern St. Andrés durchzusetzen: Als „Spitzel“ würde man ihn am liebsten an die frische Luft setzen.

Die unzähligen Nebenrollen zu würdigen, kommt einer Sisyphusarbeit gleich. Man kann nur pars pro toto gelten lassen und denkwürdige Acts stellvertretend auswählen. So gibt es beispielsweise mehrere Leisetreter wie Msr. Martand, die uns gleich nicht ganz geheuer vorkommen – allein schon seine Beteuerung, er sei nicht geisteskrank, ist ja schon verdächtig. Ein Leisetreter der durchtriebenen Sorte ist Monsieur James, gespielt von Horst Frank, der ja auch prompt Maigret aufs Kreuz legt. Natürlich gibt es auch Berufsverbrecher, die sich in bemerkenswerter Weise kaum von „Ehrenmännern“ wie Dr. Michoux unterscheiden.

Auch die Frauenrollen weisen eine große Vielfalt auf und sind sicherlich dankbar von den Schauspielerinnen angenommen worden. Da sind die lauten Ex-Nutten, die süßen Mädels, die ach so ehrbaren Ehegattinnen und natürlich die Übermütter, die sich als die schlimmsten Giftmörderinnen entpuppen. Übrigens zählt zu Maigrets Mitarbeitern in der Mordkommission keine einzige Frau. Dafür hört man ständig das „Fräulein vom Amt“. Merke: Wir befinden uns in der präemanzipatorischen Phase der patriarchalischen Kultur.

|Geräuschkulisse|

Wie schon erwähnt, überzeugen die vier Hörspiele des BR durch eine aufwändige Inszenierung. Das macht sich neben den kompetenten Sprechern vor allem auch in der reichhaltigen Geräuschkulisse bemerkbar. Man stelle sich genau die gleiche Qualität wie bei einem Serienkrimi alter Schule – etwa mit Erik Ode oder Horst Tappert – vor. Das ständige Klingeln des Telefons ist selbstverständlich, das Rauschen von Wind und Wellen schon weniger. Reifen quietschen, Schüsse fallen, Menschen kreischen – es gibt durchaus auch Actionszenen.

|Musik|

Während die Szenen aus wahrnehmungstechnischen Gründen selbst fast nie mit Musik unterlegt sind – Ausnahme: das Fest in der „Groschenschenke“ – sind alle Pausen zwischen den Szenen mit Musik ausgefüllt (nicht in Hörspiel 5). Herbert Jarczyk hat Jazz-Kompositionen beigesteuert, die für den heutigen Zuhörer doch recht gewöhnungsbedürftig sind. Mein Geschmack sind sie nicht: Sie erinnern mich zu sehr an „Raumpatrouille Orion“ kurz vorm „Rücksturz zur Erde“. Immerhin sind bereits E-Gitarre und Elektro-Orgel zu vernehmen, um das Ganze auf modern zu trimmen.

_Unterm Strich_

„Maigret – Die besten Fälle“ bietet nostalgisches Krimivergnügen, das den Zuhörer an die klassischen Krimis mit Jean Gabin erinnert. Paul Dahlke verkörpert den Typus des überlegenen Mordkommissars in idealer Weise. In den Nebenrollen brillieren zahlreiche bekannte Schauspieler wie etwa Horst Frank, Hans Clarin und Klausjürgen Wussow, die später aus TV-Serien von ARD und ZDF nicht wegzudenken waren. Es ist ein seltsames Gefühl, in Ehren ergraute Herrschaften wie Frank Glaubrecht oder Elmar Wepper noch mit Jungenstimmen zu hören.

Die vier BR-Hörspielproduktionen von 1961 heben sich positiv von der älteren des RIAS ab, indem sie sehr aufwändig vertont und mit guten Schauspielern besetzt sind. Dafür entschädigt das RIAS-Hörspiel (Nr. 5) mit seiner Überlänge von 74 Minuten und der gemächlichen Gangart, die sogar einen Erzähler zu Wort und Psychologie sowie Stimmung zur Geltung kommen lässt.

Die 5-CD-Box lässt sich nostalgisch gestimmten Zuhörern ohne Vorbehalte empfehlen, auch auf Grund des günstigen Preises von rund 20 Euronen. Bei Amazon ist die Box nochmal fünf Euro günstiger zu haben.

|304 Minuten auf 5 CDs|

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