Baker, John / Francis, H. G. – Wolfsnächte (Dreamland-Grusel 5)

Diese CD ist die direkte Fortsetzung zu dem Hörspiel „Die tödliche Begegnung mit dem Werwolf“ aus der Gruselserie von H. G. Francis, die vor über 25 Jahren im Tonstudio |Europa| erschienen ist.

_Inhalt:_

Henry Aston wird als geheilt aus der psychiatrischen Klinik von Dr. Stevens entlassen. Tatsächlich glaubt er für kurze Zeit, dem Grauen entronnen zu sein, und hofft auf ein schnelles Vergessen. Dabei soll ihm Susan Clayton helfen, die durch Astons Frau, welche sich damals als der echte Werwolf entpuppte, ihren Mann Ben verlor.

Doch Henry Astons Wahn findet neue Nahrung, als er eines Morgens in der Zeitung lesen muss, dass zwei Jugendliche von einer grausamen Bestie zerrissen wurden. Ist er doch ein Werwolf, der in den Vollmondnächten auf Beutefang geht?

_Meine Meinung:_

Endlich geht es mit „Wolfsnächte“ in die fünfte Runde der Dreamland-Grusel-Reihe. Während die Produktion der GESPENSTER-KRIMIs wohl endgültig zum Erliegen gekommen ist, werden die Hörspiele von |Dreamland Production| immer professioneller.

Wie oben bereits erwähnt, erwartet den Hörer dieses Mal keine Vertonung eines Heftromans, sondern die Fortsetzung eines klassischen Hörspiels mit einer vollkommen neuen Geschichte. Dabei wurde ganz auf Nostalgie gesetzt: Birker und Co. ist es tatsächlich gelungen, die alte Besetzung weitestgehend wieder zu vereinen. Henry Aston wird wieder von Wolfgang Draeger dargestellt, der in all den Jahren nichts verlernt hat und souverän wie immer agiert. Auch Tante Martha hat einen kurzen Auftritt. Verkörpert wird die alte Dame erneut von Gisela Trowe, die ihre Rollen wundervoll natürlich und plastisch darzustellen versteht. Die zweite Hauptrolle Susan Clayton, ebenfalls aus „Tödliche Begegnung mit dem Werwolf“ bekannt, wird wieder von Roswitha Benda gesprochen, die Hörspiel-Fans der ersten Stunde vor allem als „Kara“ aus den alten John-Sinclair-Hörspielen bekannt sein dürfte.

Für Neulinge ist das Kürzel auf dem Klappentext der CD sicherlich verwirrend. TSB JS bedeutet aber nichts anderes als „Ton-Studio Braun John Sinclair“ und bezeichnet die alten Kassetten mit den grünen Hüllen, die längst Kult sind. In dieser Hinsicht hat aber |Dreamland| ein weiteres Schmankerl auf Lager, denn hinter dem Reporter Larry Conolly (!) verbirgt sich tatsächlich der Sprecher Aart Veder, der in den alten John-Sinclair-Folgen den Journalisten Bill Conolly spricht, einen von John Sinclairs besten Freunden. Neu besetzt werden musste Kommissar McCallun, der hier von Eckart Dux gesprochen wird, der als Synchronsprecher von George „Hannibal Smith“ Peppard und Anthony Perkins bekannt wurde.

Weitere Nostalgie-Bonuspunkte verdient sich das Hörspiel durch das Cover, welches stark an die Gruselserie von H. G. Francis erinnert, und durch die Musik. Die Anfangs-Melodie ist unverkennbar das Intro der alten Grusel-Hörspiele und lässt die Augen vieler jung gebliebener Hörspiele-Freaks glänzen. Darüber hinaus ist die musikalische Untermalung der Geschichte keineswegs altbacken oder langweilig. Ebenso wie die Effekte, bewegt sich das Hörspiel technisch gesehen auf allerhöchstem Niveau, und vor allem die Darstellung des Werwolfs ist den Machern perfekt und äußerst unheimlich gelungen. In diesem Punkt lässt die Fortsetzung ihren Vorgänger meilenweit zurück.

Nur die Story kann es mit der ersten Werwolf-Geschichte nicht aufnehmen. Das Drehbuch ist zwar sehr natürlich und spannend geworden und wirkt ebenfalls professionell, vor allem durch die Modernisierung. Dennoch fehlt der Handlung der skurrile Humor des alten Hörspiels. H. G. Francis gelang vor 25 Jahren der perfekte Drahtseilakt zwischen Dramatik und Witz, wie er nur ganz selten glückt. Vor allem die Dialoge zwischen den beiden alten Damen haben viel zu der Einzigartigkeit des Hörspiels beigetragen. Zudem weist die neue Produktion einige arg kitschige Szenen auf, die auch nicht durch die gespielte Ironie von Oliver Rohrbeck weniger albern wirken – zumal das Finale auch keineswegs zu überzeugen vermag und die Vernichtung des Werwolfs geradezu haarsträubend ist.

Nichtsdestotrotz ist „Wolfsnächte“ ein überaus unterhaltsames und gruseliges Hörspiel, welches auch für Nichtkenner des Vorgängers interessant sein dürfte. Für Liebhaber der alten Folgen ist es allerdings ein wahres Fest. Hinzu kommen Bonustracks, in denen nicht nur geschnittene Szenen zu hören sind, sondern auch die allseits beliebten Outtakes aus den ersten fünf Folgen der Dreamland-Gruselreihe. Das Cover zeigt den Schädel eines mächtigen Werwolfes ganz im Stil der alten Gruselhörspiele von H. G. Francis und vermittelt einen beeindruckenden Vorgeschmack auf den Inhalt.

_Fazit:_

„Wolfsnächte“ ist die hervorragend inszenierte Fortsetzung eines Klassikers. Erstklassige Sprecher, eine sehr gute Musik und passende Effekte vermitteln die richtige Gruselatmosphäre. Leider weist die Handlung vor allem in Hinsicht auf das Ende einige Mängel auf. Konkurrenzlos sind bei |Dreamland Production| allerdings weiterhin die Extras, denn neben geschnittenen Szenen gibt es dieses Mal mehr als zwölf Minuten Outtakes zu bewundern.

|57 Minuten + 17 Minuten Extras auf 1 CD
ISBN-13: 9783939066545|
http://www.ts-dreamland.de

_Florian Hilleberg_

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