Feige, Marcel – Inferno – Ruf der Toten

Der Berliner Autor Marcel Feige wagt sich mit seinem vierten Roman „Inferno – Ruf der Toten“ an eine Trilogie, die – soweit man dies nach dem vorliegenden ersten Band beurteilen kann – nichts Geringeres als das Ende der Menschheit heraufzubeschwören scheint. Eine Menschheit, die mit großen Schritten auf die Apokalypse zusteuert, auf einen Zusammenstoß von Imagination und Wirklichkeit, von Vergangenem und Gegenwärtigem, von Leben und Tod. Und eines möchte ich gleich vorwegschicken: Nach den letzten Sätzen von „Inferno – Ruf der Toten“ möchtet ihr am liebsten sofort wissen, wie die Geschichte weitergeht und alles zusammenhängt. Garantiert! Kein Zweifel!

_Unheilvolle Vorboten_

Nach einer durchgefeierten Drogen-Nacht kollabiert Philip auf den Straßen Berlins. Das beängstigende Nahtoderlebnis, das er in diesem Moment hat, ist nur der Beginn einer Reihe von merkwürdigen Visionen, die ihn von nun an heimsuchen sollen und ihn an seinem Verstand zweifeln lassen. Irgend etwas scheint mit ihm nicht in Ordnung zu sein …

London: Beatrice, eine völlig normale, 22-jährige junge Frau, erleidet wie aus heiterem Himmel einen Herzinfarkt. Im Krankenhaus kann ihrem zukünftigen Ehemann Paul wenig später nur noch die Nachricht des Todes seiner Verlobten überbracht werden. Als dieser sich in der Leichenhalle ein letztes Mal von Beatrice verabschieden will, macht er eine schockierende Entdeckung: Seine Freundin ist spurlos verschwunden.

An anderer Stelle Londons: Beatrice erwacht in einer dreckigen Gasse und kann sich nicht mehr an ihre Identität erinnern. Der obdachlose Elonard, der in allerletzter Sekunde verhindern kann, dass sie von ein paar schmierigen Typen vergewaltigt wird, ist ihr behilflich, ihr Leben zu rekonstruieren.

In Rom tritt eine geheime Versammlung von Würdenträgern des Vatikans zusammen, um über Maßnahmen zu beraten, wie eine sich durch verschiedene Zeichen andeutende Katastrophe für die Menschheit abgewendet werden kann …

_Beurteilung_

Marcel Feige lässt von Beginn seines Romans keinen Zweifel daran, dass es ihm mit seiner „Inferno“-Trilogie absolut ernst ist und er vor allem das Talent hat, eine etwas komplexere Geschichte nicht in einem Sumpf aus Überambition und Orientierungslosigkeit versickern zu lassen. Kontinuierlich steigert er die Spannung, so dass der Leser zusammen mit den Figuren in einen Strudel der Ereignisse gesogen wird. Dabei lässt Feige mehrere Handlungsstränge parallel zueinander ablaufen, deren Zusammenhänge in „Inferno – Ruf der Toten“ lediglich angedeutet werden und für die beiden kommenden Bände noch einiges hoffen lassen.

Die Hauptfiguren des Romans sind zudem so angelegt, dass sie dem Leser – wenn man den fantastischen Hintergrund der Geschichte außer Acht lässt – ein leises „Das könnte dir auch passieren“ einflüstern. Denn sowohl der junge Fotograf Philip, der zwischen Verantwortungsbewusstsein im Job und drogengeschwängerten Partys hin- und hergerissen ist, als auch Beatrice, eine 22-jährige Studentin, sind absolute Durchschnittsmenschen, wie sie einem jeden Tag auf der Straße über den Weg laufen. Beide schickt Feige auf einen sehr schmerzvollen Trip, auf dem der Tod ein ständiger Begleiter ist.

Neben diesen zentralen Personen erhoffe ich mir persönlich noch viel von den beiden dubiosen Vatikan-Schergen Lacie und Cato, die für die altehrwürdigen Eminenzen unliebsame Probleme auf eine hässliche, aber konsequente Art und Weise lösen. Da stehen uns für die kommenden Bände sicherlich noch einige Zeugenbeseitigungsaktionen ins Haus.

„Inferno – Ruf der Toten“ ist alles in allem ein wirklich lesenswertes Buch, das locker und sprachlich versiert geschrieben ist – vor allem gelingt es Marcel Feige, mit nur wenigen Worten, die verschiedenen Situationen lebhaft vor dem geistigen Auge des Rezipienten entstehen zu lassen – und einige Vorfreude auf die 2006 erscheinenden Bände zwei und drei weckt.

Temporeich, spannend und ziemlich kickend!

http://www.festa-verlag.de/
http://www.dasinferno.de/

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