Goergen, Ilse – Blut im Schuh

Der sympathische kleine |Bookspot|-Verlag mit dem knuddeligen Maskottchen Booky-Bär veröffentlicht mit „Blut im Schuh“ bereits den zweiten Krimi aus Ilse Goergens Feder. „Blut im Schuh“ stellt dabei eine in sich abgeschlossene Fortsetzung von Goergens Romandebüt „Genau sein Kaliber“ dar und lässt sich problemlos ohne Kenntnis des ersten Krimis lesen.

Julia Brenner arbeitet als Polizistin in Trier und lebt mit einem dunklen Geheimnis. Vor zwanzig Jahren wurde ihre kleine Schwester vom damaligen Freund ihrer Mutter erstickt; dieses Trauma hat Julia nie ganz überwunden. Als sie zu Beginn des Buches in einem Hotelzimmer zu sich kommt und den ermordeten Killer ihrer Schwester vor sich findet und bemerkt, dass er von ihren eigenen Polizeihandschellen gefesselt ist, bleibt Julia nur ein Schluss übrig, nämlich dass sie nun selbst zur Mörderin geworden ist. Doch eine Gedächtnislücke quält Julia sehr, denn sie kann sich an die Tat überhaupt nicht erinnern.

In Berlin macht Tatjana Szykman sich Sorgen um die Treue ihres Ehemannes, denn ihre Schwester Sieglinde liefert ihr handfeste Beweise und Indizien für Günther Szykmans Untreue. Gleichzeitig bietet sie ihrer kleinen Schwester an, die Sache zu klären, wie sie dies vor Jahren mit ihrem eigenen untreuen Exfreund getan hat, der bei einem mysteriösen Autounfall ums Leben gekommen ist. Tatjana ist verstört, insbesondere als sie einen Anruf der Polizei Trier erhält, die einen toten Mann gefunden hat, neben dem Günthers Portemonnaie gefunden wurde. Tatjana soll nach Trier reisen, um die Leiche zu identifizieren. Tatjana ist fassungslos und kann nicht glauben, dass ihre Schwester ihre Drohung in die Tat umgesetzt und Günther ermordet hat.

Und richtig, Sieglinde hat ganz andere Pläne, denn ihre Laufbahn als Prostituierte neigt sich dem Ende zu, ohne dass Sieglinde finanziell ausgesorgt hat, folglich will sie den wohlhabenden Günther erpressen. Doch etwas geht schief, nach einem Schäferstündchen mit Günther verschwindet dieser und lässt Sieglinde alleine zurück, die die Welt nicht mehr versteht, als sie von ihrer Schwester hört, dass Günther ermordet worden ist …

Zunächst erzählt Ilse Goergen zwei völlig voneinander separierte Geschichten. Wir lernen kurz die verstörte Julia Brenner kennen, die neben einer Leiche erwacht und sich nicht mehr daran erinnern kann, den Mann ermordet zu haben. Gleichzeitig sprechen alle Indizien aber eindeutig gegen Julia. Auf der anderen Seite treffen wir auf die heruntergekommene Sieglinde und ihre naive Schwester Tatjana, die sich problemlos lenken lässt und völlig blind gegenüber Günthers Untreue und den Intrigen der eigenen Schwester ist. Dass Günther einigen Dreck am Stecken hat, wird spätestens klar, als er mitten in der Nacht zu einem mysteriösen Ausflug startet und Sieglinde im schmuddeligen Hotelzimmer zurücklässt.

Ilse Goergen zieht ihre Erzählung anhand der beiden Erzählstränge auf, die erst gar nichts miteinander zu tun haben, die dann aber immer mehr miteinander verwoben werden. Am Ende erfährt der Leser natürlich die genauen Zusammenhänge, aber es besteht auch genug Gelegenheit für eigene Spekulationen. Ganz vereinzelt lässt Goergen versteckte Hinweise einfließen, die andeuten, wie die Familie Szykman in den Mordfall von Trier verwickelt ist. Hierdurch fesselt die Autorin ihre Leser immer mehr an ihr Buch und baut stetig mehr Spannung auf.

Besonders die Charaktere gefallen sehr gut an diesem authentischen Krimi. Wir lernen die unterschiedlichsten Menschen kennen, die aber alle irgendwo menschlich und realistisch wirken und eine Vielzahl von Identifikationsmöglichkeiten bieten. Im Mittelpunkt des Buches stehen drei Frauen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, obwohl zwei davon sogar Schwestern sind. Da wäre einmal die hübsche, aber völlig naive Tatjana, die aus einfachen Verhältnissen stammt, aber durch ihre Heirat ausgesorgt hat – zumindest solange die Ehe funktioniert, denn dank des Ehevertrages würde sie im Falle einer Scheidung leer ausgehen. Umso größer ist ihre Sorge, als sie ahnt, dass Günther wohl doch nicht ganz so treu ist, wie sie immer gehofft hatte. Als zweites lernen wir Sieglinde kennen, die voller Neid gegenüber ihrer Schwester ist, da sie selbst keinen Mann abbekommen hat und ihren Lebensunterhalt als Prostituierte verdienen muss. Sieglinde ist abgehalftert und hat nichts von der Attraktivität ihrer Schwester – ein Punkt, der ihren Neid nur noch weiter steigert. In Trier schließlich treffen wir auf Julia Brenner, die auf Seiten der Frauen wohl die meisten Sympathien ernten dürfte. Julia ist erfolgreich und verletzlich, sie kann ihre traurige Vergangenheit nicht vergessen und daher auch keinen Mann lieben. Dies macht besonders ihrem Kollegen Heiner zu schaffen, der in sie verliebt ist. Insgesamt kann man sich in Ilse Goergens Figuren hervorragend einfühlen, da sie so lebensnah geschildert sind.

Ilse Goergen erzählt ihren Krimi geradlinig und ohne viele Schnörkel, sie beschränkt sich in ihrem nur 171-seitigen Buch auf das Wesentliche und unterhält ihre Leser dabei auf solide Art und Weise. Zwar kann sie nicht an den Nervenkitzel von manch einem Krimibestsellerautor heranreichen, dennoch verleitet einen „Blut im Schuh“ durchaus zum Lesen des Vorgängerromans und zum Warten auf einen möglichen Nachfolger. Nachteilig wirkt sich allerdings aus, dass in dem schmalen Büchlein wenig Platz für genügend Charaktere ist. So ist der Kreis der Tatverdächtigen ziemlich klar abgesteckt und kann am Ende daher auch nicht mehr für große Überraschungen sorgen.

Unter dem Strich bleibt ein positiver Eindruck zurück, der höchstens durch einige Tippfehler mehr als üblich getrübt wird, doch inhaltlich gibt es kaum etwas auszusetzen an Ilse Goergens aktuellem Mosel-Krimi. Insbesondere in ihrer authentischen und glaubwürdigen Figurenzeichnung weiß sie zu überzeugen. Darüber hinaus gefällt die Erzählung in den beiden Handlungssträngen mit dem steten Spannungsaufbau sehr gut. Hier hält das |Bookspot|-Maskottchen Booky-Bär einen durchaus überzeugenden Krimi für zwei, drei unterhaltsame Lesestunden bereit.

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