Lossau, Jens / Schumacher, Jens – Orksammler, Der

_Inhalt_

Meister Hippolit und der Troll Jorge sind alles andere als begeistert: Nachdem sie eben erst ihren wohlverdienten Urlaub angetreten haben, werden sie schon wieder zum nächsten Fall abkommandiert. Diesmal geht es in ein Grenzgebiet des Reiches Sdoom, in dem ein Heerlager auf Verstärkung wartet. Die hier versammelten Teile der Gesamtarmee sind bunt gemischt; dass das nicht ohne Reibereien abgeht, versteht sich von selbst. Aber die systematische Dezimierung, die das orkische Berufsheer gerade erfährt, lässt sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht auf rassische Differenzen zurückführen: Beinahe Nacht für Nacht verschwindet einer der Soldaten, um später mit geöffnetem Brustkorb und fehlendem Herzen aufgefunden zu werden.

Die Angst schleicht durch die Reihen des Heeres, Gerüchte werden laut: Nur ein magisches Wesen kann derart kampfgestählte Krieger reihenweise hinwegraffen. Ob der mysteriöse Orksammler sich erhoben hat? War das nicht eigentlich nur eine Sagengestalt, mit der Orkmütter ihrem ungezogenen Nachwuchs Angst einjagten? Aber was könnte es sonst sein?

Ehe totale Panik im Heerlager ausbrechen und den anstehenden Krieg gefährden kann, reagiert die Regierung in Nophelet und schickt das beste Ermittlerteam des |Instituts für angewandte investigative Thaumaturgie| an den Tatort. Und so landen Hippolit und Jorge in der Steinwüste vor Torrlem, der düsteren Totenstadt des sdoomschen Reiches. Und hier, zwischen zahllosen Leichen und panischen Noch-Lebenden, zwischen Drohung, Lockung und neuen Freunden, entfaltet sich langsam ein Fall von Archaik, Verblendung und totaler Gewissenlosigkeit, der die beiden Ermittler auf eine harte Probe stellt und sie in eine Gefahr bringt, mit der sie beim besten Willen nicht haben rechnen können und auf die sie so nicht vorbereitet waren …

_Kritik_

Das |duo congeniale| der neuen deutschen Fantasy ist zurück. Das ist schon mal schön. Schöner aber ist noch, dass „Der Orksammler“ den „Elbenschlächter“ noch einmal toppt: Während man sich im ersten Band erstmal ein wenig tastend in der neuen Welt voranbewegte, findet man sich in Band Zwei bedeutend schneller zurecht, auch, wenn der Schauplatz ein anderer ist; statt mit der wimmelnden Metropole Nophelet muss man sich hier mit der Friedhofsstadt Torrlem vertraut machen. Das fällt aber leicht: Die Beschreibungen der Wüste von Torr und vor allem der düsteren Totenstadt sind eingängig und beeindruckend bedrückend gelungen, und wie gehabt lassen die beiden Autoren sich keine Chance entgehen, um alltägliche Ekelhaftigkeiten zu schildern. In Verbindung mit der sorgfältig ausgearbeiteten alternativen Realität Sdooms (historisch, geographisch, biologisch, politisch) entsteht dadurch ein facettenreiches Hintergrundbild aus düster-bunten Farben, vor dem die beiden Protagonisten agieren. Das Zusammenspiel des feingeistig-nervösen Hippolit, der immerzu mit den Beeinträchtigungen durch seinen schmächtigen Albinokörper zu kämpfen hat, und des meist gutgelaunten, versoffenen Haudraufs mit dem goldenen Herzen Jorge ist ganz besonders gelungen und bereitet zuverlässig Vergnügen. Dass die beiden als Kollegen quasi eine Symbiose eingehen müssen und sich trotz aller himmelweiter Unterschiede doch zugetan sind, lässt für die nächsten Bände das Beste hoffen.

Mit der noch jungen Reihe der Kriminalfantasy um Hippolit und Jorge vom IAIT haben Lossau und Schumacher sich kein geringeres Ziel gesetzt, als die Möglichkeiten, die ein so regelloses Gebiet wie die Fantasy bietet, tiefer auszuschöpfen, als das bisher geschehen ist. Hinter diesen Punkt auf der To-do-Liste können sie schon mal einen Haken setzen: Die ersten beiden Fälle des Ermittlerduos pusten schon kräftig den Staub aus den Fantasyregalen, brechen starre Traditionen auf und zwingen den Leser, altbekannte „Wirklichkeiten“ (was ja im Bereich der Fantasy eigentlich Quatsch ist, bei Licht betrachtet), aus neuen Blickwinkeln in Augenschein zu nehmen. Und das ist nicht nur eine philosophische Herangehensweise, sondern auch ganz schön interessant und gut gemacht.

_Fazit_

Dem gibt es nur mehr wenig hinzuzufügen. „Der Orksammler“ bekommt einen Doppeldaumen und ihr von mir den Tipp: Lesen, lachen, weiterverfolgen. Es lohnt sich, ehrlich!

|Broschiert: 360 Seiten
ISBN-13: 978-3802582585|
[www.egmont-lyx.de]http://www.egmont-lyx.de
[www.jenslossau.de]http://www.jenslossau.de
[www.jensschumacher.eu]http://www.jensschumacher.eu

_Jens Schumacher & Jens Lossau bei |Buchwurm.info|:_
[„Das Mahnkopff-Prinzip (Magic Edition, Band 4)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1957
[„Der Elbenschlächter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6361

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