Marten, Helena – Porzellanmalerin, Die

_Inhalt_

Meißen, 1750: Die Eltern der 20-jährigen Friederike eröffnen ihrer Tochter, dass sie einen wohlhabenden Kaufmann heiraten soll, um die verschuldete Familie aus der Misere zu retten. Das klingt ja alles soweit ganz logisch, aber das Mädchen mag den Mann nicht und findet es unfair, dass ihre Eltern, die sich selbst eine Liebesheirat erlaubt hatten, sie zu einem solchen Schritt zwingen wollen.

Außerdem könnte sie, wäre sie erst einmal verheiratet, wohl kaum mehr ihrer heimlichen Leidenschaft nachgehen, der Porzellanmalerei. Ihr Bruder Georg ist Porzellanmaler, verbringt seine Zeit aber lieber auf angenehmere Art und Weise als mit feinen Pinseln und Figuren, darum hat er nichts dagegen, wenn seine Schwester ihm heimlich die Arbeit abnimmt. Er bekommt das Lob, sie die Erfahrung, und damit sind beide zufrieden. Das ginge natürlich in der arrangierten Ehe nicht mehr, und auch mit ihrer heimlichen Schwärmerei für einen Freund des Bruders, Caspar Ebersberg, wäre es dann vorbei.

Mit einem Mal aber ist es nicht nur die drohende Ehe, die Friederike bedrückt: Georg benimmt sich zunehmend seltsam, ihre beste Freundin behauptet, auf einmal in ihn verliebt zu sein, und plötzlich sieht Friederike sich völlig isoliert. Statt sich aber in ihr Schicksal und in die arrangierte Ehe zu fügen, tauscht sie ihre Röcke gegen Hosen und die Identität der Friederike gegen die des Friedrich Christian Rütgers. Als Mann verkleidet macht sie sich auf nach Höchst, um bei der Konkurrenz Arbeit zu finden – die Manufaktur hier ist jünger als die in Meißen, und erfahrene Porzellanmaler werden immer gesucht.

Allein der Weg ist jedoch schon abenteuerlich, und Friederike geht schmerzlich auf, dass sie trotz Hosen noch immer eine Frau ist. Um ihr das vor Augen zu führen, braucht es nur einen mysteriösen Italiener und einen hilfsbereiten Fremden. In Höchst schließlich holt sie die Vergangenheit ein, auf eine Art und Weise, die sie sich in ihren Träumen nicht hat ausmalen können, und dann fordert ihre wahre Natur unerbittlich einen Tribut für die lange Zeit der Unterdrückung …

_Kritk_

Die Beschreibungen des Berufs eines Porzellanmalers, der Feinheiten der Farbgewinnung und der Schwierigkeiten, das richtige Verfahren für die Nutzung von Brennöfen zu finden, sind interessant zu lesen und gut gelungen. Hier haben die beiden Autorinnen, die sich hinter dem Pseudonym Helena Marten verbergen, bei der Recherche sorgfältige Arbeit geleistet.

Stilistisch ist „Die Porzellanmalerin“ kein Wunderwerk, aber man eckt auch nicht gedanklich an, während man sich durch die Geschichte einer schönen jungen Frau liest, die in Männerkleidern vor einer arrangierten Heirat flieht, sich in ihrem Beruf behauptet und verschiedene historische Persönlichkeiten trifft.

Habt ihr das Gefühl, dass ihr die Handlung kennt? Bei mir läutete da so etwas. Natürlich muss man zu derartigen Unkonventionalitäten Zugriff nehmen, wenn man eine Protagonistin haben möchte, während man doch über eine Zeit schreibt, in der den wenigsten Frauen etwas Beschreibenswertes geschah. Nur wenn man schon auf so ausgetretenen Pfaden wandelt, dann muss der Rest des Werks schon sehr überzeugen, um den Gesamteindruck zu retten, und das tut er leider nicht. Zu viele Klischees sammeln sich hier zwischen den Buchdeckeln: Die jahrelang als Mann überzeugende Heldin ist in ihrer Frauenrolle natürlich eine total feminine Schönheit, harte Schicksalsschläge wechseln sich ab mit wilden Leidenschaften, die Bösewichte sind wirklich total niederträchtig und schurkisch, die bösen Weiber schrecklich lasterhaft, während es selbstredend auf der anderen Seite die beste Freundin der Welt gibt und die einzig wahre große Liebe. Und einen sehr schlecht erzogenen König, ja, den auch. Von großer Stringenz in der Charakterbildung der Heroine kann leider ebenfalls keine Rede sein.

_Fazit_

„Die Porzellanmalerin“ ist ein Buch, an das man achselzuckend zurückdenkt, vielleicht mit dem Gedanken: „ganz nett“. Aber es ist wirklich nur etwas für seichte Stunden, zum Abschalten, vielleicht wenn man verkatert ist oder so, denn wenn man mit dem Anspruch herangeht, überzeugende Charaktere vor einer informativen historischen Kulisse kennenzulernen, wird man hier doch zuverlässig enttäuscht.

|Gebundene Ausgabe: 624 Seiten
ISBN-13: 978-3453290617|
[www.randomhouse.de/diana]http://www.randomhouse.de/diana

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