McFadyen, Cody – Ausgelöscht

_Zwischen Kerker und Lobotomie: Smokys Barrets schwerster Fall_

Gerade als FBI-Agentin Smoky Barrett mit Wohlgefallen ihre zwei Kollegen als Brautpaar betrachtet, erhält sie eine beunruhigende SMS auf ihr Handy: „Ich bin ganz nah, und ich habe ein Geschenk für dich, Special Agent Barrett.“ Gleich darauf rast ein Lieferwagen auf den Parkplatz am Strand, bremst quietschend. Eine Frau in zerfetztem Nachthemd wird herausgestoßen. Der Wagen rast davon. Die Frau beginnt unkontrolliert zu schreien. Sie verschwand vor sieben Jahren und hatte mindestens eine Geburt. Wo war sie in der Zwischenzeit und was haben die Fesselungsnarben an Hand- und Fußgelenken zu bedeuten?

_Der Autor_

Cody McFadyen, geboren 1968, unternahm als junger Mann mehrere Weltreisen und arbeitete danach in den unterschiedlichsten Branchen. Der Autor ist verheiratet, Vater einer Tochter und lebt mit seiner Familie in Kalifornien.

[„Die Blutlinie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3120 war sein erster Roman. Weitere Romane mit der Protagonistin Smoky Barrett:

2) [„Der Todeskünstler“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4473
3) „Das Böse in uns“
4) „Ausgelöscht“

_Handlung_

PROLOG. „Gib dem Leben einen Dollar“, fordert der strenge Vater von seinem zehnjährigen Sohn. Der Junge versteht nicht. Thwack! Die Ohrfeige hat gesessen. Kaum ist der Junge wieder zu Sinnen gekommen, stellt der Vater die Frage erneut. Wieder hat der Junge keine Antwort und erhält erneut eine Ohrfeige. „Das Leben verlangt einen Dollar, weil du essen musst, und Essen kostet Geld, kapiert?“, fängt der Vater an zu erklären. Und der Junge begreift, dass er so lange Prügel beziehen wird, wie er dem leben keinen Dollar liefert. Also muss er sich etwas einfallen lassen, um andere für sich zahlen zu lassen. Schon bald lauert er dem schlimmsten Schulrowdy auf und prügelt ihn mit einem Besenstiel windelweich. „Gib mir drei Dollar, jeden Freitag, kapiert?“ Der Rowdy gibt klein bei, denn er sieht in den Augen des Jungen keinerlei Gnade oder Anteilnahme. Zwei Dollar kriegt der Junge, einen das Leben.

|Haupthandlung|

FBI-Agentin Smoky Barrett hat sich für eine Woche vom Dienst in L.A. abseilen können und verbringt mit ihrem Freund Tommy fünf herrliche Urlaubstage auf der Vulkaninsel Hawaii. Doch kaum ist wieder daheim, geht die Tretmühle von vorne los. Sie und ihre Team-Mitglieder vom FBI in L.A. wohnen gerade der Trauung von Callie mit dem Boss des SWAT-Teams für Geiselbefreiung bei – das Lied „Here comes the bride“ erklingt -, als ein Lieferwagen auf den Parkplatz am Strand rast und mit quietschen Reifen bremst. Eine Frau wird herausgestoßen, gleich darauf rast der Wagen davon. Kurz zuvor hat Smoky eine beunruhigende SMS auf ihr Handy erhalten: „Ich bin ganz nah, und ich habe ein Geschenk für dich, Special Agent Barrett.“

Bei dem „Geschenk“ handelt es sich um eine kahlgeschorene Frau in einem weißen, aber schmuddeligen Nachthemd. Ihre Haut ist von zahllosen Ritzern übersät, an den Hand- und Fußgelenken weist sie Narben von Fesseln auf. Sie verzerrt das Gesicht und stößt Schreie aus. Smoky bringt sie sofort ins Krankenhaus. Schon bald steht die Hochzeitsfeier vor dem Aus, die Flitterwochen in der Südsee werden vertagt, der Alltag ruft. Immerhin wird Smoky zusammen mit ihrem Team von Chef befördert. Letzten Endes bedeutet das aber nur mehr Arbeit.

Die Frage der Identität der Frau ist anhand ihrer Fingerabdrücke bald geklärt: Es handelt sich um die frühere Polizistin Heather Hollister, die vor acht Jahren spurlos verschwand. Sie war bei der Mordkommission des LAPD und mit Douglas Hollister verheiratet. Als sie verschwand, waren ihren zwei Söhne Avery und Dylan erst etwa zwei Jahre alt, doch nun sie schon große Jungs – und ihr Vater hat neu geheiratet, eine gewisse Dana. Heathers Mentor bei der Polizei, Detective Burns, suchte sie lange, bis sein Verdacht auf ihren Mann fiel. Der Typ wollte die Scheidung, um Dana heiraten zu können, traute sich aber nicht – warum sollte er nicht hinter ihrem Verschwinden stecken? Er hatte zwei gute Motive: die neue Frau – und eine erkleckliche Lebensversicherung, die zur Auszahlung kam, als Heather nach sieben Jahren für tot erklärt worden war.

Klarer Fall: Smoky und ihr Team sollten diesem Douglas Hollister mal auf den Zahn fühlen. Als ihr Kollege Alan dreimal donnernd an die Haustür pocht und keiner aufmacht, wird Smoky besorgt und beginnt, das Schlimmste zu befürchten. Ist Hollister etwas zugestoßen? Doch da öffnet der Mann doch noch die Tür, aber er sieht unordentlich und zerzaust aus, trägt nur eine Socke. Nach einer Weile der Vernehmung erteilt Hollister Smoky die ungewöhnliche Erlaubnis, das Haus durchsuchen zu dürfen. Normalerweise braucht sie dafür einen Durchsuchungsbefehl.

Smoky stößt auf drei weitere Menschen im Haus. Einer der beiden Söhne wurde erdrosselt, der andere lebt gerade noch. Ihr Verdacht fällt sofort auf Hollister. Doch dann ist da noch der schwarze Leichensack in der Badewanne: Darin liegt Dana Hollister, aber in einem völlig weggetretenen Zustand. Das sieht nicht nach Hollisters Handschrift aus. Was mag hier passiert sein? Ist der Mann durchgedreht?

Hollister, ein Techniker bei einem Internet-Dienstanbieter, lässt sich ebenso bereitwillig vernehmen und legt auf Video ein Geständnis ab. Er ist offenbar froh über die Gelegenheit, sich endlich alles von der Seele reden zu können. Den Sohn Avery hat er selbst auf dem Gewissen, Dylan wollte er gerade töten, als die Polizei klopfte. Doch was Dana angeht … die wurde ihm in jenem schwarzen Leichensack in der letzten Nacht auf den Rasen gelegt. Sie sei seine Strafe für seinen Vertragsbruch, sagt ihm der Mann, mit dem er vor acht Jahren einen Pakt geschlossen hatte: Heather sollte verschwinden, Hollister dann die Lebensversicherung kassieren und dem Kerl 50 Prozent davon abgeben. Doch Hollister weigerte sich, seinen Teil der Abmachung einzuhalten. Er bekam die Quittung: eine halb hirntote Dana und eine lebendige Heather, deren Spur das FBI sofort zu Hollisters Tür führte.

Aber wer ist dieser Drahtzieher? Während Hollister in U-Haft wandert, lässt Smoky nach ähnlichen Fällen in den USA suchen, und schon bald hat sie weitere vier Fälle aufgestöbert, alle im westlichen Amerika. Stets wurden lobotomierte Frauen und einmal sogar ein Mann in Leichensäcken aufgefunden, in denen sie nur durch einen Strohhalm Luft bekamen. Wie der Mann, den Heather Hollister „Dalí“ nennt, seine Opfer findet und mit deren Gatten Deals abschließt, ist eine Frage von zentraler Bedeutung, damit Smokys Team ihn stoppen kann. Hollister hat die Antwort: Die Frauenhasser, die ihre Frau loswerden wollen, treffen sich online im Internet in entsprechenden Chatforen.

Da Smoky aus Heather und Dana keine verwertbaren Aussagen über die Identität dieses Serienmörders herausbekommt, muss sie selbst einen Köder auslegen, um den Haifisch anzulocken. Leo Carnes, ihr Computerfachmann, erklärt sich zusammen mit einer FBI-Anfängerin bereit, sich als Köder anzubieten. Schon bald zeigen sich die verhängnisvollen Folgen dieser Entscheidung, als Smoky selbst entführt wird …

_Mein Eindruck_

Für Smoky Barrett wird die Entführung und Gefangensetzung durch Dalì zu eine Probe aufs Exempel: Hat sie ihr Leben im Griff oder wird sie wie die arme Heather dem Wahnsinn verfallen? Die Zelle ist lichtlos und still, nur dreimal am Tag gibt es Essen, das sie bei Strafe der Auspeitschung essen muss. Auch tägliche Leibesertüchtigung fordert ihr Kerkermeister von ihr. Die Auspeitschung ist ebenso brutal wie die Spritzen und der Elektroschocker, mit denen er gegen alle ihre Polizisten-Tricks ankommt. Doch wenn ständig das Licht aus ist, braucht sie etwas, an dem sich ihr Geist festhalten kann, um nicht wahnsinnig zu werden oder sich selbst aufzugeben. Smoky findet ein Wesen, mit dem ihr Geist sprechen kann: in sich selbst …

|Das Spiel|

Sie kann sich einen Menschen wie Dalí kaum vorstellen, der andere Frauen wie sie in einem Trakt von Zellen ohne Türschloss einsperrt, als wäre es totes Fleisch. Es ist fast so, als würde der Kerl seine Gefangenen gar nicht als Menschen betrachten, die eine Seele haben, sondern lediglich als Tiere. Diese muss er am Leben halten, um seine Seite des Vertrags einzuhalten, den er mit den Ehemännern der Frauen abgeschlossen hat. Die Gefangenen sind sozusagen der lebende Einsatz bei einem Spiel auf Zeit. Am Ende winkt der Geldsegen in Form einer Lebensversicherung, die ausbezahlt wird. Dieses Spiel kommt Smoky unglaublich zynisch und menschenverachtend vor, doch sie wäre überrascht, wenn sie die wahre Identität ihres Kerkermeisters kennen würde …

|Antithese|

Die gefährliche Begegnung mit dem Serienmörder läuft darauf hinaus, dass Smoky Barrett ihrer Antithese gegenübersteht und dies zu einer Frage ihres Überlebens wird. Ihr Gegner leugnet nicht nur die Existenz der Seele – auch eine Vorstellung wie Liebe ist ihm völlig fremd, ebenso natürlich Anteilnahme, Zuneigung usw. Er ist der ultimative Pragmatiker, der alles – Dinge ebenso wie Menschen – unter dem einen Gesichtspunkt betrachtet, ob sie seinem Überleben dienlich sind oder nicht. Als sie ihn fragt, warum er die Gefangenen nicht gleich umbrächte, antwortet er, dass die vielen Leichen – er hat 47 Gefangene – die Cops allzu schnell auf seine Spur bringen würden, und das würde seine Überlebenschancen verringern (in Kalifornien gilt die Todesstrafe). Zu seinem Bedauern hat allein schon die Entführung Smokys sämtliche Strafverfolgungsbehörden L.A.s und Kalifornien in Aufruhr versetzt – das ist ganz schlecht fürs Geschäft.

|These|

Wenn also dieser zynische Pragmatiker die Antithese Smokys ist, wie muss sie dann beschaffen sein, um seine Gefangenschaft auszuhalten und zu überleben, ohne verrückt zu werden, fragt sich der Leser. Wir wissen ja aus den vorhergehenden Romanen, dass sie ein extrem schweres Schicksal hinter sich hat, und würden erwarten, dass sie sich selbst zu einer Zynikerin entwickelt. Durch den Psychopathen Sands (Band 1) hat sie nicht nur ihren Mann verloren, sondern auch ihre geliebte Tochter Alexa. Sie wurde selbst von Sands vergewaltigt, der ihr dabei mit einem stumpfen Messer das Gesicht zerschnitt. Die Narben trägt sie immer noch im Gesicht. Sie erschoss den Kerl.

Ihre Adoptivtochter Bonnie erlebte nicht weniger Schlimmes: Sie lag drei Tage unter ihrer ermordeten Mutter Annie, Smokys Freundin (Band 2). Nun erfährt sie von ihrem frischgebackenen Ehemann Tommy (sie haben heimlich auf Hawaii geheiratet), dass Bonnie kaltblütig eine streunende Katze erschossen hat, um „herauszufinden, wie es ist, so ein Serienmörder zu sein“. Der Schock über diese Nachricht sitzt tief. Doch mit einer intensiven Auseinandersetzung, die zu den emotionalen Höhepunkten dieses Romans zählt, gelingt es Smoky, Bonnie das Entsetzliche ihrer Handlung zu verdeutlichen. Es wäre genauso, als würde sie ihrer toten Mutter ins Gesicht spucken. Natürlich werden in dieser Szene wieder Ozeane von Tränen verströmt.

|Palast der Erinnerung|

Nur die Liebe zu anderen vermag der eingekerkerten Smoky die Rettung zu verheißen. Sie errichtet sich einen „Palast der Erinnerung“, wie ihn sich bereits Hannibal Lecter in Thomas Harris zweitem Lecter-Roman „Hannibal“ errichtete (und ebenso der schwedische Autor Lars Gustafsson). Smokys Palast der Erinnerung hat verblüffende Ähnlichkeit mit den Bildern vom Himmel, die uns Peter Jackson kürzlich in der Alice-Sebold-Verfilmung „In meinem Himmel“ präsentierte: blauer kalifornischer Himmel, weite Wiesen, grelle Farben – und angenehme Gesellschaft.

Mit dieser Gesellschaft – über die ich nichts verraten möchte, damit Smokys großes Geheimnis bewahrt bleibt – führt Smoky Zwiegespräche, als handle es sich dabei im eine Inkarnation des christlichen Gottes. Ihr Gegenüber wird sie später als eine Art Buddha – was „Erleuchteter“ bedeutet – bezeichnen. Tatsächlich weiß ihr Alter Ego mit einigen beachtlichen Weisheiten aufzuwarten, die ich in einem Thriller aus den USA wenig erwartet hätte.

|Lobotomie|

Durch die grässlichen äußeren Umstände wirken diese Weisheiten aber nicht salbungsvoll und wohlfeil, sondern lebensrettend und notwendig. Außerdem ist sich der Leser ebenso wie Smoky bewusst, dass es sich um ihre letzten Erleuchtungen handeln könnte. Nicht nur Dana Hollister wurde in einem Zustand der Lobotomie aufgefunden, das heißt der Killer hatte ihr mit einem Skalpell o. ä. die vorderen Gehirnlappen entfernt, so dass sie nicht mehr zu bewussten Gedanken fähig war. Dana Hollister ist nicht viel mehr als „Gemüse“. Und dieses Schicksal kann Smoky ebenso ereilen wie den ebenfalls entführten Leo Carnes.

Dies ist der langsamste Teil des Romans, sicherlich, aber auch einer der nachdenklichsten und tiefgründigsten Teile. Der Autor bedankt sich im Nachwort ausdrücklich bei seinem irischen Kollegen John Connolly für die Inspiration.

|Die Übersetzung|

Dieser Roman besteht aus mehreren völlig verschiedenen Themenfeldern, und deshalb war es offenbar notwendig, gleich zwei Übersetzern dranzusetzen. Da sind zunächst die traditionellen Themen wie Polizeiarbeit und menschliche Psychologie. Nun kommen aber auch Computer- und Internettechnik sowie geographisches Profiling hinzu.

Letzteres Themenfeld fand ich höchst interessant und führt auch im Roman wirkungsvoll zu einem positiven Ergebnis. Wie diese Art des Profiling im Zeitalter mobiler Endgeräte (vulgo: Handy) zunehmend an Bedeutung gewinnt, hab ich ebenfalls interessiert zur Kenntnis genommen. Der Autor hat in dieser Hinsicht offenbar intensiv recherchiert und lässt mit „Earl Cooper“ eine eindrucksvolle Mischung aus „Sheriff“ Gary Cooper („High Noon“) und einem Profiler wie Tony Hill auftreten.

Fünf Fehler des Textes gehen auf Druckfehler zurück, die man leicht hätte vermeiden können (auf S. 67, 133, 225, 381 und 397). Nr. 6 ist meines Erachtens ein Ausdrucksfehler. Wenn es heißt: „freier Internetanbieter wie Yahoo oder Gmail“, dann hat das nichts mit dessen Freiheit zu tun, sondern damit, dass er KOSTENLOSE E-Mail-Accounts anbietet. Hier wurde das Wörtchen „free“ allzu wörtlich genommen, denn es bedeutet auch „kostenlos“. (Woodstock-Stage-Announcement: „It’s a FREE concert from now on!“ Frenetischer Beifall.)

Nr. 7 verursachte mir hingegen weitaus mehr Kopfzerbrechen. Meines Erachtens handelt es sich um einen Fehler in der Logik. Und solche Fehler können auch auf das Konto des Autors gehen. Smoky soll ja in den nationalen FBI-Einsatz wechseln. Sie will für die Behandlung Dalìs die Zustimmung des Justizministeriums und spricht darüber mit ihrem Vorgesetzten Jones.

„Die [Zustimmung des Justizministeriums] bekommen wir nachträglich“, sagt Smoky. „Sagen Sie jemandem, der sich dafür interessiert, dass ich ihm einen Gefallen schuldig bin. Die wollen mich dort doch haben, nicht wahr?“ Es erscheint mir nicht logisch, dass sie anbietet, jemandem einen Gefallen zu tun, der wiederum sie haben will, sich also in der Position des Bittstellers befindet. Logisch wäre es, wenn Smoky einen Gefallen einfordern und sagen würde: „… dass er mir einen Gefallen schuldig ist.“ Vielleicht kann mir das mal jemand erklären.

_Unterm Strich_

Ich habe das Buch in nur drei Tagen gelesen. Abgesehen von den oben genannten Vorzügen des Romans, ist dies natürlich auch ein spannendes und wendungsreiches Buch – sonst hätte der Autor ja sein Genre und seinen Beruf verfehlt. Wie in den ausgetüftelten Alex-Cross-Thrillern von James Patterson kommt es zu einer spannenden Katz-und-Maus-Jagd sowie einer perfiden Irreführung durch den Serienmörder.

Smoky & Co. finden zwar in L.A. einen Toten vor, der alle nötigen Indizien aufweist, aber ihr kommt das viel zu leicht und wie präsentiert vor. Kann es wirklich sein, dass sie den Killer erwischt haben? Oder hat sich der wahre Dalì doch noch einen Trick einfallen lassen, um das FBI an der Nase herumzuführen? Gut, dass Smoky in der kecken Kirby eine Auftragskillerin mit einem feinen Näschen in ihrer Truppe hat, die auch über solche Möglichkeiten nachdenkt. Und so führt die Spur ganz woanders hin …

Wer die vorangegangenen Thriller um Smoky Barrett gelesen hat, weiß, dass sich dabei Spannung, Horror und intensive menschliche Gefühle stets die Waage halten. Das hat diese vier Thriller zu internationalen Erfolgen gemacht, und ich rechne schon bald mit einer Verfilmung durch Hollywood.

Natürlich ist auch dieser Thriller nichts für zartbesaitete Gemüter. Doch verglichen mit den Schrecken des ersten Bandes, geht es hier geradezu zivilisiert zu. Das liegt am Pragmatismus des Schurken, der natürlich auch menschenverachtend ist. Besonders amerikanisch wirkt der Roman, wenn Smoky ihrer Tochter das Schießen beibringt. Das ruft uns wieder in Erinnerung, dass die Straßen von L.A. trotz aller Polizeipräsenz nicht sicher sind. Die Zivilisation ist nur einen Stromausfall von der Barbarei entfernt.

|Originaltitel: Abandoned, 2009
Lübbe 03/2010, Köln
459 Seiten, gebunden
Aus dem US-Englischen von Angela Koonen und Dietmar Schmidt
ISBN-13: 978-3785723906|
http://www.luebbe.de

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